• Easyrig

    Seit Anbeginn der Filmgeschichte versucht man ruhige Kamerafahrten zu machen. Das Easyrig ist ein Mittelding zwischen Steadicam und Handkamera...

  • Fahrtaufnahmen

    Autofahrten sind das Salz in der Suppe vieler Action-Filme, aber auch in normalen Szenen wird häufig Auto gefahren...

  • Gimbal

    Sind sie wirklich geeignet, die Meisterin der ruhigen und zugleich bewegten Kamera, die Steadicam abzulösen?

  • Kameradolly

    Fahrtaufnahmen können einen Film erheblich aufwerten, ein Eigenbau-Dolly rückt auch ohne Budget die Kamerafahrt in erreichbare Nähe

  • Kameradolly 2

    Im Zweiten Teil unserer Dolly-Bauanleitung geht es um die Feinheiten und den mechanischen Zusammenbau

  • Perspektive

    Bei jeder Art von Abbildung spielt sie eine wichtige Rolle,- einige Basics und Antworten zu Fragen der Perspektive

  • Plansequenz

    Team Friedhof 3 1000Eine ganze Szene in einer Einstellung zu drehen ist eine Herausforderung, der sich nur wenige Filmleute stellen.

  • Räumlichkeit

    Räumlichkeit und Perspektive

    Eckfenster

    Es sind unsere Seherfahrungen mit der Welt und diese wenigen Zentimeter Abstand zwischen unseren Augen, die uns helfen, die Realität räumlich zu sehen. Sobald wir sie abbilden, als Zeichnung, Malerei, Foto oder auf Film, wird sie zweidimensional.

    Dieses Phänomen haben bereits die Menschen in der Frühzeit schmerzlich erfahren und nach Wegen gesucht, das Räumliche in ihre Abbildungen einzubringen. Die Höhlenzeichnungen in den französischen Höhlen belegen dies deutlich. Mit relativ simplen Mitteln waren sie bemüht, zumindest innerhalb ihrer Möglichkeiten ein Raumgefühl zu erzeugen.

    Dargestellte Personen und Tiere verdecken sich teilweise, auch sind ihre Proportionen so dargestellt, daß das was dem Betrachter am Nächsten liegt, proportional größer abgebildet wurde. Auch die Farben halfen mit, das Raumgefühl zu verstärken, indem Licht und Schatten unterschiedlich eingefärbt wurden.

    Damit sind bereits drei wichtige Mittel der räumlichen Darstellung sehr früh genutzt worden:

    = Die Licht-und-Schatten-Plastizität

    = Die Größer/Kleiner-Plastizität (dabei spielt die reale Größe der Objekte natürlich eine bedeutende Rolle)

    = Die Überschneidung

     

    Baustellenschilder

    In der Renaissance kam mit der Linearperspektive, also der Gestaltung von Tiefe durch Linien, die auf einen zentralen Fluchtpunkt zuführen, ein weiteres wichtiges Mittel der Raumdarstellung hinzu. Dabei spielte auch die Camera Obscura eine tragende Rolle, erlaubte sie doch, die Wirklichkeit absolut getreu auf eine Leinwand zu übertragen.

    = Zentralperspektive
    Weitere Seherfahrungen fanden ihren Weg in die Malerei. Etwa der Umstand, dass in der Ferne Objekte weniger klar zu sehen sind und in ihrem Kontrast schwächer werden.

    = Luftperspektive
    Oder die Erkenntnis, dass durch die Atmosphäre bestimmte Farbanteile mehr gefiltert werden als andere. Warme Farben wie rot, orange oder gelb nehmen mit der Entfernung ab. Kalte Farben sind auch noch in der Ferne sichtbar, was bedeutet, dass die Weite bläulicher wirkt.

    = Farbperspektive
    All diese Werkzeuge nutzen die bildenden Künste und natürlich auch die Fotografie.

     

    Der Film erweitert die Möglichkeiten

    Skulptur in rot

    Das Kino nutzt zumindest beim Farbfilm alle vorgenannten Mittel und erweitert sie sogar um mindestens eine weitere: die Bewegung.

     

    Personen in der Tiefe bewegt

    Auch wenn Kameraassistenten das gar nicht so gern haben: Die intensivste Raumerfahrung macht der Zuschauer, wenn die Schauspieler den filmischen Raum in der Tiefe bespielen, also entweder aus der Tiefe näher in Richtung Kamera kommen oder umgekehrt. Wenn sie das Bild quasi seitlich von vorn betreten und in den Raum hineingehen, ist dieser Effekt besonders eindrucksvoll.

     

    Kamerafahrt

    Sobald sich die Kamera bewegt und viele der vorgenannten Faktoren einer kontinuierlichen Bewegung unterworfen werden, wird unser Raumeindruck noch einmal realistischer. Die Perspektiv-Veränderung, die einsetzt, erlaubt es dem Zuschauer, von dem Gesehenen immer neue veränderte Eindrücke zu errechnen. Gegenstände im Vordergrund bewegen sich schneller, solche im Mittelgrund langsamer. Außerdem können wir verschiedene Seiten der Personen oder Gegenstände betrachten.

     

    Bewegungsperspektive

    Letztlich bleiben aber zweidimensionale Bilder trotz aller Illusion flach im Vergleich zu unserm räumlichen Sehen, verursacht durch die beiden Augen, welche mit einer leichten Paralaxe die korrekte Raum- und Entfernungsschätzung erst möglich machen. Dass diese Anordnung ein entscheidender Vorteil ist im Überleben an sich, zeigt sich daran, dass auch in der Tierwelt dieses Prinzip durchgehend verbreitet ist.

     

    Test: Ein Auge schließen und mit der Hand ein Objekt berühren, was in kleinem Abstand vor einem steht (Flasche, Buch etc.). Instinktiv bewegt man die Hand vorsichtiger. Der Abstand lässt sich nicht mehr so leicht einschätzen.

     

    Räumlichkeit durch Veränderung des Blickwinkels

    Letztlich darf man auch den Schwenk oder die Fahrt durch Räume nicht vergessen, auch sie erzeugen einen hohen Räumlichkeitseindruck, kann man doch als Zuschauer Orte, die man gar nicht physisch betritt, durchschreiten.

     

  • Steadicam

    IMG067Lileto Dreh Steadicam 1000Kaum eine andere Erfindung hat die Kameraarbeit so beeinflusst wie die Steadicam...

  • Thema: Kamerafahrten

    Wenn sich die Kamera bewegt, so treffen wir Aussagen und berühren vielleicht sogar die Emotionen der Zuschauer. Ein bewegter Überblick...

    Kamerafahrten  Kamerakräne Fahrtaufnahmen Steadicam Drohnen Dollies Slider Remote Heads Motion Control

  • Vertigo-Effekt

    Trügerische Sicherheit

    Vertigo Kamera 2000

    Während die Kamera zurückfährt, 'fährt' die Zoom-Optik scheinbar vor. Die Gegenläufigkeit sprengt optische Gesetze.

     

    Unser Umgang mit der wirklichen Welt, unsere Sicherheit bei unseren Bewegungen, beim Einschätzen von Situationen, wird geprägt durch jahrelange Erfahrungen, durch das intuitive Erlernen physikalischer Gegebenheiten. Wie einst die Jahrmarktsbuden mit ihren Zerrspiegeln, versucht auch das Kino ab und an, uns dieser Erfahrungswerte für kurze Zeit zu berauben.

     

    Viele Blockbuster-Filme wie "Matrix", "Terminator", "Harry Potter", "Der Herr der Ringe" etc. überbieten sich gegenseitig mit aufwändigen Trickeffekten, die ohne High-Tech-Workstations niemals realisierbar wären. Manche Tricks aber entstehen tatsächlich noch immer am Drehortselbst und erfordern hohe Präzision. Zu diesen gehört die gleichzeitige Kamerafahrtverbunden mit gegenläufiger Zoomfahrt, nach einem ihrer ersten Kinoeinsätze auch "Vertigo-Effekt" genannt. Die Reihe der verschiedenen Benennungen des gleichen Effekts ist lang: "Travelling back-zooming in", "Contra zoom", "Schärfentiefefahrt" oder "Gegenläufige Zoom-/Kamerafahrt" lauten weitere Varianten.

     

    Vertigo

    In diesem Hitchcock-Klassiker vermittelt der Kameratrick ein schwindelerregenden Eindruck, lässt den Zuschauer förmlich den Boden unter den Füßen verlieren. In der Rolle als ehemaliger Polizist mit Höhenangst verliebt sich James Stewart (als John Ferguson) in Kim Novak (Madeleine), die sich, getrieben von Suizidgedanken, von einem Kirchturm stürzt. Seine Höhenangst verhindert, dass er sie retten kann, was dem Zuschauer visuell spektakulär vermittelt wird.

     

    Um eine entsprechende Schienenfahrt verwirklichen zu können, wurde das Treppenhaus in "Vertigo" übrigens liegend aufgebaut. Brian de Palma hat in seiner Hommage an Hitchcock, dem Film "Obsession" (ein Remake), ebenfalls mit diesem Kameratrick gearbeitet. Um den Eindruck zu intensivieren, beschäftigte de Palma übrigens auch den gleichen Komponisten, Bernard Hermann.

     

    Widerspruch

    Die Größe der Person bleibt gleich, obwohl die Kamera sich immer weiter entfernt. Das Zoomobjektiv gleicht die Größenveränderung aus

    Die Größe der Person in der nebenstehenden Abbildung bleibt gleich, obwohl die Kamera sich immer weiter entfernt. Das Zoomobjektiv gleicht die Größenveränderung aus. Für den Zuschauer wird ein optischer Widerspruch aufgebaut, der einerseits aus einem "sich nähern, zufahren, auf etwas zufallen oder stürzen" (Zoom fährt voraus) und andererseits aus einem "zurückweichen, nach hinten gehen oder fahren" (Kamera fährt auf Schienen zurück) besteht. Damit trifft der Effekt genau die Situation der Hauptfigur mit ihrer unüberwindlichen Höhenangst. Die Sehnsucht, sich in die Tiefe zu stürzen, trifft auf die Angst vor dem Fall.

     

    Umsetzung

    Technisch gesehen, wird die Zoom-Optik verwendet, um den Bildwinkel in dem Maße entgegengesetzt zu verändern, wie er sich durch die Kamerafahrt ändert. Fahre ich mit der Kamera von einer Person zurück (Perspektive ändert sich), so müsste diese eigentlich immer kleiner werden. Wenn ich aber gleichzeitig im selben Maße die Person mit dem Zoomobjektiv näher heranhole, sodass sich deren Größe im Bild nicht ändert, entsteht ein perspektivische Störung.

     

    Am Drehort selbst bedeutet die Umsetzung dieses Effektes höchste Genauigkeit in der Koordination von Kameraassistent und Kamera-Bühne. Die Geschwindigkeit, mit welcher der Dolly-Fahrer die Kamera vor- oder zurückfährt, und jene, mit welcher der Kameraassi die Zoomfahrt ausführt, müssen absolut gleichmäßig und präzise sein. Ganz nebenbei will auch die Schärfe während der Distanzveränderung zum Darsteller nachkorrigiert sein. Daran sind schon manche Profis gescheitert, auch wenn die technischen Hilfsmittel wie Motorzoom und Fernschärfe komfortabler sind als zu Hitchcocks Zeiten. Der menschliche Faktor und zahlreiche Unwägbarkeiten machen diesen Trick auch heute noch zu einer großen Herausforderung. Für eine perfekte Koordination sorgt heutzutage (wenn das Budget groß genug ist) die Motion-Control, denn hier können die verschiedenen Parameter vollständig vom Computer koordiniert und gesteuert werden. Filme wie "Road to Perdition", "Bang Boom Bang", "Spy Game", "Heat", "Der Herr der Ringe", "Pollock" sind dafür Beispiele.

     

    Tilt & Shift

    Eine gewisse Verwandtschaft mit diesem Effekt haben sogenannte "Tilt & Shift"-Objektive. Bei diesen ist eine der Linsen (meist die Frontlinse) beweglich angeordnet und kann in einem gewissen Umfang (bis ca. 180 Grad) gedreht werden. Man kann damit z. B. für Architekturaufnahmen stürzende Linien (etwa bei Straßenaufnahmen an hohen Häusern hinauf) korrigieren. Oder es gelingt, Objekte im Vordergrund gleichzeitig mit dem Mittel und Hintergrund scharf abzubilden, ohne dass man eine kleine Blende einstellen muss. Damit werden physikalische Gesetze etwa der Schärfentiefe ad absurdum geführt. Man kann das ganze Bild förmlich drehen. Verstellt man die Linse(n) bei laufender Kamera, so stellt sich ebenfalls ein den Zuschauer verwirrender Effekt ein.

     

    Physiologische Erklärung

    Die menschliche Wahrnehmung arbeitet bei der unbewussten Beurteilung von Größenverhältnissen sowohl mit der Größe (Größe des Darstellers im Bild), als auch mit Verhältniswerten (Abstand des Betrachters vom Vordergrund und Hintergrund). Der Vertigo-Effekt konfrontiert den Zuschauer mit dem in der Wirklichkeit nicht vorkommenden Veränderung der Perspektive ohne Veränderung von Größenverhältnissen. Ein wichtiger Teil unserer Seherfahrung wird plötzlich ad absurdum geführt. Was liegt näher, als wenn man Veränderungen in der Psyche von Filmfiguren oder in deren Wahrnehmung anderer Filmfiguren oder der Sicht des Zuschauers mit diesem Effekt zu verstärken? In "GoodFellas" von Martin Scorsese etwa taucht der Effekt am Höhepunkt des Films auf: Henry Hill (Ray Liotta) und Jimmy Conway (Robert de Niro), die alten Freunde, sitzen sich im Restaurant gegenüber. Als Henry erkennt, dass Jimmy ihre Freundschaft verraten hat, ändert sich die Perspektive ganz langsam, doch die Größe der Personen bleibt konstant.

     

    Schärfenveränderung

    Griem Flur 2000

    Die Person im Vordergrund bleibt durchgehend scharf, während der Hintergrund zunehmend Unschärfe annimmt.

     

    Je nach Arbeitsblende und Brennweite geht dieser Kameratrick einher mit einer Veränderung der Schärfentiefe. Damit kann eine Filmfigur aus einer Menschenmenge, in der man gerade noch viele andere Personen gesehen hat, so weit optisch isoliert werden, dass die Menschenmenge nur noch in absoluter Unschärfe liegt. Nur unsere Filmfigur wird dann noch wahrgenommen. Leider wird der Effekt auch oft unnötig eingesetzt und sollte eigentlich nur extrem selten und nur für wirklich sinnvolle, der Filmstory angemessene Momente eingesetzt werden.