Filmkosten

  • HDTV

    24p wurde ursprünglich als das Kürzel für ein in diversen Irrungen und Wirrungen als HDTV gehandeltes Format. Die Absicht, in den USA das frühere NTSC-Fernsehsystem flächendeckend durch ein digitales System zu ersetzen hatte seinerzeit (wen wundert’s?) die Geräteindustrie auf den Plan gerufen, Kameras zu erdenken, mit denen man für diese künftigen Standards produzieren kann.

     

    Heute meint 24p nur noch, dass 24 Vollbilder aufgezeichnet werden, ursprünglich meinte die Industrie ein eigenes Format. Damals neues Merkmal dieser Kameras war die Aufzeichnung von 24 Vollbildern (progressive) gegenüber den bei Video sonst üblichen 2x25 Halbbildern (interlaced) für Kinozwecke. Also im Grunde genommen ein Vorläufer von HD, 2K und 4K. Auch die erhöhte Zeilenzahn 1080 gegenüber etwa den 625 Zeilen des SD-PAL-Systems oder in Pixeln ausgedrückt 1920x1080 erhöhte spürbar die Bildqualität. Daraus aber eine Ablösung des Films als Aufnahmemedium ableiten zu wollen, gehörten damals eher in die Abteilung „Werbesprüche“. Zu viele Qualitätsfaktoren waren noch sehr weit vom Film entfernt.

     

    Qualitätsmerkmale

    Die rein rechnerische Auflösung war gerade halb so hoch wie bei 35 mm. Der Kontrastumfang war verglichen mit modernen Negativmaterialien bescheiden. Vielleicht noch am ehesten vergleichbar mit frühen Umkehrmaterialien. Fehlbelichtungen führten zu unverzeihlichen Ausbrennern. Auch die Schärfentiefe (abhängig von der Größe der Aufnahmechips in der Kamera) war mit 35 mm nicht vergleichbar. Die Bilder neigten zu Flächigkeit, räumliche Tiefe wurde schlechter wiedergegeben als bei Film. Mit 8 Bit war die Farbtiefe weit von Film entfernt. Zudem wurde auch diese Informationsdichte nur komprimiert auf Band aufgezeichnet. Die Auflösung von schnellen Bewegungen war bei 24p noch unbefriedigend.

     

    Auch von der Konstruktion der Kamera selbst her war der Abstand zu einer professionellen analogen Filmkamera gewaltig. Statt eines hellen optischen Sucherbildes gab es nur den elektronischen Schwarzweiß-Sucher. Die Toleranzen beim Auflagemaß der Objektivfassung waren höher als bei Filmkameras, das konnte zu Schärfeproblemen führen. Die Störsicherheit insbesondere bei Feuchtigkeit oder Kälte war bei einer Filmkamera ungleich höher.

     

    Finanzielle Argumente

    Gerne wurde auch das Argument der Kostenreduktion in die Waagschale geworfen. Für TV mochte 24p gegenüber der Produktion auf Film vielleicht eine Perspektive sein. Abgesehen davon wurden natürlich die tatsächlichen Kosten durch Demo-Projekte, gesponsert von der Industrie, etwas verfälscht. Aber wie sah es denn konkret aus, wenn man Ende der Neunziger Jahre mit den Vorläufern der HD Kameras mit 24p für die Leinwand produzierte?

     

    Eine Kassette mit 50 Minuten Aufzeichnungslänge für 100 Euro, das klang wirklich günstig, verglichen mit Rohfilm und Kopierwerkskosten. Rechnete man aber die damaligen Mietpreise für Kamera und Schnittplätze mit ein, und zudem die damals in Vor-DCP-Zeiten notwendige Ausbelichtung auf Film (Film Recording) 2 bis 3 Euro pro Einzelbild, dann war 35 mm bei einem üblichen Drehverhältnis von ca 1:10, ja selbst 1:15 noch deutlich günstiger und Super 16 geradezu billig. Deshalb war 24p eher der Beginn einer Entwicklung in Bezug auf Kino und natürlich ein neues HDTV-Fernsehmedium. 24p war auf jeden Fall ein Fortschritt für die Videotechnik.

     

    Die postulierte Ablösung des Films als Aufnahmeformat für das Kino sollte noch fast ein Jahrzehnt auf sich warten lassen. In der Zwischenzeit haben zahlreiche Pilotprojekte vom „Werk“, Wim Wenders u. a. uns die wachsenden Möglichkeiten mit 24p auf die Leinwand zu gehen, aufgezeigt und der Industrie die Schwachstellen aufgezeigt. Ohne diese erste Generation der höher auflösenden Videokameras mit hohem Anspruch wären die heutigen HD Kameras undenkbar gewesen.

     

  • Ausgaben ohne Beleg sind als Gewinn zu versteuern

    Auch wenn man während der Dreharbeiten ja eigentlich alle Hände voll mit Kreation und Organisation zu tun hat: Bei einem abendfüllenden Spielfilmprojekt entsteht ein sehr großer Aufwand an Buchhaltung. 10 bis 20 mit Belegen prall gefüllte Aktenordner sind durchaus üblich.

    Unzählige kleinere und größere Ausgaben wollen belegt und eingebucht sein, denn jede Ausgabe, die sich nicht nachweisen lässt, muss die Produktion aus eigener Tasche bezahlen und zudem als Gewinn versteuern. Leider kommt dies häufiger vor, als man denkt.

     

    Abenteuer eines Quittungsblocks

    In der Praxis werden in der Hektik des Drehalltags unzählige Ausgaben getätigt. Hier rasch ein Klebeband aus dem Schreibwarenladen, da 20 Euro für den Hausmeister des Motivs, um ihn freundlicher zu stimmen. 100 Euro für den Mopedfahrer, dessen Gefährt eine leichte Schramme beim Ausladen der Lichtstative erlitt. 40 Euro für die Bauarbeiter, damit sie immer wenn die Kamera läuft, auf Ansage die Presslufthämmer pausieren lassen. Manche Ausgabe lässt sich gar nicht schriftlich belegen, manchmal fehlt die Zeit oder aber es gibt Belege, die nicht einmal das Papier wert sind, auf dem sie stehen.

    Spätestens bei der Prüfung durch die Treuhand (wenn der Film z. T. mit Fördergeldern entsteht), durch das Finanzamt oder die Krankenkassen verursachen ungültige Belege eine Menge Probleme und häufig genug Kosten. Filmbuchhalter oder Filmgeschäftsführer warnen stets vor Drehbeginn vor den unbrauchbaren Quittungen, doch jeder Produzent kann nach Abschluss eines Filmes mindestens eine Handvoll davon ins Altpapier werfen.

     

    Wie sehen sie aus, die „Schrottbelege“?

    Besonders verbreitet sind die so genannten Eigenbelege. Wenn man Geld ausgibt, welches nicht durch die üblichen Wege der Buchhaltung fließt, wird gerne zum Eigenbeleg gegriffen. Was die Produktion damit später bei der Buchhaltung anfangen kann wird nicht reflektiert.

    Besonders Requisite, Ausstattung und Kostüm aber auch die Aufnahmeleitung verfügen hier manchmal über beeindruckenden Variations-, und Fantasiereichtum.

    Nicht nur die berühmten Quittungsblöcke, die man im Schreibwarengeschäft im Sixpack erwirbt, auch alle anderen Untergründe, auf denen Kugelschreiber haften bleibt, von der Brötchentüte bis zum Pizzakarton, dienen für allerlei „Special Effects“.

    • Da findet sich dann unter „Spendenquittung“ (Man kennt das von Kirchen, gemeinnützigen Vereinen etc.) in ordentlichen Druckbuchstaben säuberlich ausgefüllt: Eigenquittung. 50 Euro Spende Kaffeekasse an Klinikum, Leih von OB-Kittel und Atemmaske. Datum und Unterschrift vom Ausstatter höchstpersönlich. Gewiss keine Spendenquittung, ist der Ausstatter doch weder eine Kirche noch ein eingetragener Verein. Der Beleg ist bei keinem Finanzamt der Welt absetzbar.
    • Beliebt sind auch Quittungen, auf denen man von den Straßenmusikern an der Ecke mal rasch den Erhalt von 500,- Euro bestätigen lässt. Ist schon richtig, die Herren haben im Bild musiziert, aber das dürfen sie gegen Bezahlung nur auf Lohnsteuerkarte. Schlecht für die Produktion. Entweder sie macht sich eines Vergehens strafbar oder sie muss Geld, welches sie ausgegeben hat, als Gewinn versteuern.
    • Weit verbreitet sind auch unleserliche Quittungen auf denen lediglich der mehrstellige Barbetrag lesbar ist, der Verwendungszweck oder gar der Empfänger jedoch nicht. Komparsenquittungen nur mit einem Namen ohne Adresse eignen sich ebenfalls gut fürs Papier-Receycling.

     

    Spielregeln

    Sie sollten Ihrem Team unmissverständlich und vor Drehbeginn, am besten in schriftlicher Form, folgendes mitteilen: Im Sinne einer ordentlichen Buchführung eines Filmvorhabens ist die Einhaltung folgender Formalien für die Abrechnung von Kassenbelegen unumgänglich:

     

    Rechnungen/Quittungen bis 100 Euro (brutto)

    1. Name und Adresse des Händlers/Lieferanten
    2. Datum
    3. Art und Umfang der Leistung/gekauften Ware
    4. Bruttorechnungsbetrag
    5. Mehrwertssteuersatz

     

    Rechnungen über 100 Euro

    1. Name und Adresse des Händlers/Lieferanten
    2. Name und Adresse des Leistungsempfänger (=Filmproduktion)
      Exakte Firmenbezeichnungen: GmbH, KG, AG etc.!
    3. Datum
    4. Art und Umfang der Leistung/gekauften Ware
    5. Nettorechnungsbetrag (=Entgelt)
    6. Mehrwertssteuerbetrag

     

    Bewirtungsquittungen (Restaurantrechnungen)

    1. Jeder Beleg wird einzeln abgerechnet. Rückseite muss unbedingt ausgefüllt werden. Dabei beachten:
    2. Anlass der Bewirtung
    3. Wer wurde bei dem Essen bewirtet?
    4. Datum und Unterschrift des Bewirtenden (=Filmproduktion!)
    • Keine Zusammenfassung von Belegen. Keine Pauschalbelege (Essen und Getränke 300,-) sondern
      1. Einzelaufstellung aller Positionen
      2. Nur Maschinenbelege werden akzeptiert, handgeschriebene Quittungen sind wertlos!
      3. Bei Rechnungen über 100 Euro brutto Angabe des Rechnungsempfängers (Produktion)
        durch die Gaststätte

     

    Wie werden die Belege sortiert und aufbereitet?

    Belege, die kleiner als A4 sind, werden auf A4-Blätter aufgeklebt oder mit Bürohefter angeheftet, auf eine A4-Seite auch mehrere kleine Belege gemeinsam. Kostengruppen nicht vermischen, sondern nach Art trennen. Telefonbelege zusammen, Requisiten zusammen, Benzinbelege zusammen, Büromaterial zusammen. Die Belege jeder Kostengruppe nach Datum sortiert zusammenfassen.

    Sollten für die Produktion auch Ländereffekte wegen der Förderung relevant sein, sind die Belege auch nach Bundesländern zu trennen.

     

     

     

  • Ver-Teile und herrsche

    In Amerika werden die Kosten für jedes Department (Kostüm, Technik, Ausstattung etc.) jeweils zu Summen zusammengefasst. Während bei uns etwa Kosten wie Telefon, Transporte etc. meist nur als Gesamtkosten für das ganze Projekt kalkuliert werden, erfasst man diese in den USA für jedes Department getrennt. Da finden sich auf der Seite der Kosten für Requisite eben nicht nur Kauf, Leih und Materialkosten, sondern auch Positionen wie Personal, Transporte, zusätzliche Kosten und Verschiedenes. Auf diese Weise entwickelt sich in allen Abteilungen ein höheres Bewusstsein für die eigenen Budgets.

     

    Zudem erlaubt diese Vorgehensweise einen Überblick über die kalkulierten und die tatsächlichen Kosten der einzelnen Abteilungen. Controlling bedeutet dabei nicht nur die Kontrolle über die Kosten zu behalten, sondern vor allem, die Abteilungen an Vorgaben zu binden und sie dafür auch zur Rechenschaft zu ziehen.

     

     

     

     

    Umsetzungen und Tücken

    Die „Heads of Department“ (Kostümbildner, Ausstatter, Requisiteur etc.) kümmern sich in den USA selbst darum, dass diese auch eingehalten und nicht überschritten werden. Manchmal müssen sie sogar bei Überschreitungen persönlich haften.

    In Europa ist das nicht so, da liegt es bei Filmgeschäftsführer, Produktionsleiter und Produzent das Budget zu überwachen und einzuhalten. Dies ist ein enorm verantwortungsvoller Aufgabenbereich, denn speziell während der Dreharbeiten treten so viele unterschiedliche Kosten und ständige Veränderungen auf, dass es darauf ankommt, hier eine klare Übersicht zu haben.

     

    Speziell in Deutschland kann ein Einzelner in solch einer Schlüsselposition eine ganze Produktionsfirma in den Ruin stürzen, wenn er/sie seine Arbeit schlecht macht. Diese Mitarbeiter haften hierzulande nicht für ihre Fehler, da die meisten Mitarbeiter bei einem Film aus steuerrechtlichen Gründen angestellt, also weisungsgebunden sind. Ein angestellter Filmgeschäftsführer, der unfähig ist, und der Produktionsfirma Mehrkosten von 50.000 Euro verursacht, kann bestenfalls gekündigt werden, muss aber für seine Verfehlungen nicht haften. Es gibt einige Produktionsfirmen die ihren Untergang Leuten verdanken, die während einer laufenden Produktion falsche oder gar keine Kostenstände (Infos über den Stand an Ausgaben im Verhältnis zu kalkulierten Kosten) erstellt haben.

     

    Immer wach bleiben

    Oft bemerken die Produzenten erst zu spät, dass irgend etwas bei der Filmbuchhaltung nicht stimmt. Der weitverbreitete Computerfetisch erleichtert es, den Eindruck professionellem Umgangs mit Zahlen und Belegen zu vermitteln. Da springen Statistiken, Übersichten und Formulare per Mausklick auf den Bildschirm und tun das, wofür sie da sind: Sie beeindrucken. Dass aber all diese netten Programme die Sorgfalt und das nötige Fachwissen des Anwenders nicht ersetzen können, wird gerne verschwiegen. Eine Buchhaltung die nur mit dem Tischrechner und handschriftlicher Kontierung etc. gemacht wurde ist, wenn dies ordentlich und mit Sachverstand geschah, absolut  ausreichend.

     

    Was kann der Produzent tun, um sich vor derartigem zu schützen? Nicht viel. Allein die sorgfältige Auswahl des Personals, das Hinterfragen aller Lebensläufe und sogar Kontrollanrufe bei den vorherigen Arbeitgebern sind in Zweifelsfällen sinnvoll. Wenn man dann jemand gefunden hat, der seinen Job beherrscht, steht einer sorgfältigen Kontrolle der Ausgaben nichts mehr im Wege.

  • Kino ohne Film

    Kino

    Die große Umstellung auf digitale Projektion ist fast abgeschlossen. In Europa sind die Kinos zu 98 % digitalisiert.

    Immer seltener werden große, schwere Filmkartons (30 kg und mehr) wie früher durch die halbe Welt verschickt, um Kinos und Festivals mit Filmkopien zu versorgen. Nach einigen Vorführungen stellten sich erste Schäden an den Kopien ein, bald war die Perforation beschädigt, am Anfang und Ende der Akte zeigten sich Verschrammungen, fehlten gar einzelne Bilder. Die Kopie wurde irgendwann unbrauchbar. Analoge Filmkopien werden inzwischen durch elektronische Wiedergabe per Videoprojektor ersetzt. Die Filme (digital als DCP) stammen dann von optischen oder magnetischen Speichermedien oder werden per Satellit oder Internet direkt übertragen.

     

    Einsparpotential oder Investitionsfalle

    Kopien könnten von neuen Filmen innerhalb kürzester Zeit in aller Welt sein und die Verleiher sparen Kopierwerks-, Lager- und Versandkosten ein. Der Vertrieb der digitalen Daten verschlingt auch eine Menge Geld, dennoch bringt es den Verleihern Einsparungen. Für die Kinobetreiber sieht die Bilanz allerdings etwas anders aus: Die Kosten für die Umrüstung eines Kino waren anfangs extrem hoch, denn lichtstarke Video-Projektoren sind sehr teuer. Doch das kann sich ändern. Immer wieder sahen sich Kinobetreiber außer Stande, in die neue Technik zu investieren. Viele haben noch nicht einmal die Investitionen in teure THX-Tonanlagen abbezahlt. Es gibt keine verlässlichen Zahlen, aber die Digitalisierung hat viele Kinos, vor allem in kleinen Orten, sterben lassen. Europäische Fördereinrichtungen wie MEDIA (Creative Europs) haben mit ihrer Initiative Europa Cinemas die digitale Projektion europäischer Dokumentarfilme gefördert. Die Anschaffung eines DLP-Cinema-Projektors mit 2k Auflösung konnte für geeignete Kinos mit bis zu 7500 Euros gefördert werden. Richtige Kinoprojektoren für große Leinwände kosten gut und gerne 40-60.000 Euro und im Gegensatz zu Filmprojektoren, die ein halbes Jahrhundert funktionierten, muss man diese alle sechs, sieben Jahre erneuern. Das sind unglaubliche Kosten, die da von Kinobetreibern gestemmt werden müssen.

     

    Vorteile

    Sowohl die Rechteinhaber (Produzenten oder Vertriebe) als auch die Verleiher haben großes Interesse daran, präzise Kontrolle über die Anzahl und den Zeitpunkt der Vorführungen ihrer Filme zu haben. Darüber hinaus brachte es Kosteneinsparungen, wenn keine Filmkopien mehr gezogen werden mussten. Und auch manche Filmschaffende schwärmen bereits vom angeblichen Segen der elektronischen Filmkunst. Ob diese Äußerungen auch die Wiedergabequalität berücksichtigen, ist fraglich. Die Qualität der Projektion ist, selbst bei hochwertigen Geräten, in der Auflösung und der Farbtiefe noch immer etwas vom 35mm-Film entfernt. Wenn man Qualitätsmerkmale wie Farbtiefe, Kontrast und Differenzierung in Helligkeitswerten ansetzt, dann ist klassischer Film noch immer im Vorteil. Die Entwicklung klassischer Filmmaterialien verschiebt die Maßstäbe auch weiter nach oben, hält den digitalen Weg aber nicht auf. Neueste Filmmaterialien wie das Kodak-50-ASA-Negativ-Material bieten eine Auflösung von 11K. Doch auch die digitale Fraktion rüstet nach, Auflösungen von 4K oder 8K, die am heimischen Fernseher weitgehend sinnfrei sind, können im Kino in Großprojektion durchaus die Qualität sichtbar erhöhen. Und da immer mehr Kinofilme ohnehin digital gedreht werden und immer weniger analoger Film hergestellt wird, ist die digitale Projektion eine konsequente Folge.

     

    Wie so oft siegen in diesem Bereich nicht die künstlerischen, sondern die wirtschaftlichen Argumente und diese liegen auf Seiten des Electronic-Cinema. Genießen wir also noch ein wenig die Zeiten, in denen wir Filme noch in ihrer hochwertigen Qualität betrachten können! Ist das elektronische Kino erst vollständig etabliert, wird sich kaum einer mehr daran erinnern, wie wunderbar eine hochwertige Filmkopie in Projektion ausgesehen hat, aber es bleibt zu hoffen, dass auch die digitale Technik irgendwann erwachsen wird...

     

    Technische Umsetzung

    LCD-Projektoren

    stellen eines der möglichen Verfahren für das künftige elektronischen Kino dar. Ein transparentes LCD-Feld wird elektronisch angesteuert und erzeugt ein Bild aus verschiedenen Helligkeits- bzw. Transparenztönen.

     

    LCD Scheibe

    Digitale Projektion verdrängt den analogen Filmprojektor.

     

    Zur Projektion strahlt eine starke Lichtquelle durch drei LCD-Elemente nebst Farbfiltern für die drei Grundfarben (RGB, siehe Farblehre) hindurch. Mit Halbspiegeln wird aus den drei Lichtbündeln ein farbiges Bild gemacht, welches ein Projektionsobjektiv auf die Leinwand projiziert. Nachteil des LCD-Verfahrens: Die Flüssigkristalle lassen keine vollständige Schwärzung zu. Dadurch können auf der Leinwand noch keine starken Kontraste wiedergegeben werden.

     

    Kosten

    Kleinere Projektoren fürs Heimkino gibt es schon ab 500 Euro, ab 1.000 Euro genügen die Projektoren für kleine Tageslichtpräsentationen, aber richtig große Projektoren, die auch eine riesige Kinoleinwand erhellen können, sind im Moment mit ca. 20 bis 40.000 Euro noch recht teuer. Hinzu kommen spezielle Server, die die DVPs abspielen können. Die Kosten für die neue Technik pro Saal bedeuten, dass sich für den Kinobetreiber die Investition erst nach 10 bis 12  Jahren refinanzieren wird. Bei weiter rückläufigen Besucherzahlen können sich die Zeiträume sogar noch weiter verlängern.

     

    DMD – Digital Micromirror Device

    LCD Projektor

    LCD-Projektor

    Ein weiteres, momentan technisch führendes Verfahren für die Video-Großprojektion arbeitet mit unzähligen winzigen Spiegeln, die elektronisch gesteuert Licht entweder gar nicht, oder mit unterschiedlicher Intensität reflektieren. Die Lichtquelle leuchtet nicht wie bei LCD durch das Panel, sondern darauf, und das von den winzigen Spiegeln reflektierte Licht wird durch eine Optik auf die Leinwand geworfen. Auch hier kommt für jede Grundfarbe (RGB) wieder ein DMD-Panel zum Einsatz. Dieses Verfahren hat vor allem den Vorteil, vollkommene Schwärzung zu erzielen, das Verlustlicht bei voller Reflexion ist um einiges geringer als bei LCDs. Dadurch nähert sich (zumindest) der Kontrastumfang etwas näher an die Leistung einer Filmkopie an. Auch hier liegen die Gerätekosten bei einem Vielfachen klassischer Filmprojektoren. Noch nicht so etabliert, aber durchaus auch zukunftsweisend sind Laser-Projektoren. Da wird abzuwarten sein, wie sich deren Verbreitung entwickelt.

     

    Standards

    Weltweit konkurrieren wieder einmal diverse Standards, einige davon sind relativ beliebig gewählt, wie etwa der DCI Standard (Digital Cinema Initiatives) mit einer Datenrate von 250 Mbit pro Sekunde, ein Kompromiss zwischen verschiedenen Fraktionen, die entweder 200 Mbit oder 400 Mbit pro Sekunde favorisierten. Erleichterung im Normenwirrwarr bringt der Kompressionsstandard JPEG 2000, der die Daten von 4k auf 2k skalieren kann. Die Digital-Cinema-Initiative wird weitgehend von den großen Hollywood-Studios gebildet. Die Fachleute, die versuchen, vor allem durch die Marktmacht ihrer Studios einen weltweiten Standard festzulegen, kommen von Disney, FOX, MGM, Paramount, Sony Pictures, Universal und Warner Brothers. Auch, wenn Hollywood ganz andere Forderungen stellt: Kinobesitzer, die auf 2k Projektoren setzen, die einen guten Farbraum darstellen können und lichtstark sind, können damit problemlos einige Jahre aktuell bleiben. Unter 2k versteht man 1.920 bzw. 2.048 x 1.080 Pixel, bis zu 6-Kanalton und Bitraten von etwa 80 bis 100 MBit. Der 6-Kanalton ist notwendig um 5.1 Dolby SR technisch abbilden zu können. Die hiesigen Standards zum E-Cinema sehen im 1,3-Progressive-Bildformat projizierte 2k-Dateien mit einem Sechs-Kanal-Ton (5.1-Ton) vor, neuere Vorschläge bilden sogar Vielkanalsysteme wie Dolby Atmos ab. Die Übermittlung und Wiedergabe von 4k ist noch lange nicht Alltag, etwabliert sich aber immer mehr. Die von DCI geforderten Geräte kosten ca 20 % mehr als 2K-Systeme.

     

    Wertvolles Gut

    Ein besonders wichtiger Punkt bei der Festlegung der DCI-Standards ist dabei der Kopierschutz, das sogenannte Digital Rights Management. Nichts fürchten die Studios so sehr, als dass sich Hacker Zugang zu den Filmen in digitaler Form verschaffen könnten. Interessanterweise denken alle großen Studios gar nicht daran, ihre millionenschweren Master einfach auf Festplatten zu speichern. Letztlich sind digitale Filme in Form von Daten nicht sicher archivierbar. Hier denkt man an Film als Archivmedium und das sogar wie zu Zeiten von Technicolor in Form von drei Farbauszügen auf Schwarzweißfilm.

     

    Zukunftsmusik

    Eine dritte Variante an Projektoren arbeitet mit Laser. Wie beim Fernsehschirm der Elektronenstrahl, so rast der Laser mit hoher Geschwindigkeit über die Leinwand und baut das Bild auf. Im Unterschied zum Fernseher gibt es keine Phosphor-Lichtpunkte, die nachleuchten, ein großer Vorteil in Bezug auf die Kontrastverhältnisse.

     

  • Kosten

    Bürogebäude

    Wo landen eigentlich die Gelder, welche die GEZ oder wie sie sich neuerdings nennt, der Gebührenservice, einsammelt?

    Wer schon einmal die Funkhäuser der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten besichtigt und die zahllosen Büros und noch zahlloseren Mitarbeiter in Augenschein genommen hat, dem wird schnell klar, dass derartige Apparate, die weltweit ohne Beispiel sind, enorme Kosten verursachen.

    Interessanterweise gehört der weitaus größte Teil der Mitarbeiter zur Verwaltung, nur etwa 10-15 % der Mitarbeiter sind direkt mit der Herstellung von Programminhalten beschäftigt.

     

    Hasen und Igel

    Bereits mit der Einführung der Privatsender in Deutschland, die zunächst nur über Satellit zu empfangen waren, begann ein seltsames Wettrennen um die Legitimation von gesetzlich verbrieften Fernsehgebühren.

    Damals argumentierten diverse Privatsender, dass Fernsehzuschauer, die keinen Antennenanschluss hätten, und über Satellit ja nur gebührenfreie Privatsender empfingen, eigentlich keine Gebühren für öffentlich-rechtliche Sender zahlen müssten, die sie ja gar nicht empfangen könnten.

    Binnen kürzester Frist mieteten die öffentlich rechtlichen Sender Kanäle auf Astra und anderen Satelliten und entzogen den Privatsendern damit die Argumente.

     

    Qualitätsfernsehen

    An dem sicheren Ast, auf dem sich die Argumentationskette für gesicherte Fernsehgebühren befindet, der Informations- und Qualitäts- Grundversorgung durch die öffentlich-rechtlichen Sender sägen diese selbst am stärksten.

    Durch Reduzierung kritischer Magazine und Dokumentationen sowie geschmacklicher Orientierung der fiktiven Programme am niedrigen Niveau der Privatsender berauben sie sich selbst der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale.

     

    Igel und Computer

    Einen scheinbar genialen Coup landeten die Rundfunkanstalten mit der Durchsetzung der Gebührenpflicht für Handys, Navigationsgeräte und vor allem Computer am Januar 2007. Plötzlich wurde jeder Computer mit Internetzugang automatisch zum Fernsehgerät erklärt, auch wenn damit gar kein Fernsehen geschaut wird. Vor allem für Firmen, die heutzutage kaum ohne Computer arbeiten können, entstanden damit Gebührenzwänge, die durch nichts nachvollziehbar sind. So müssen nach der seltsamen Definition selbst für Kassen mit Update-Internetanschluss oder etwa Geldautomaten in Banken Rundfunkgebühren entrichtet werden.

     

    Der finale Coup

    Ab 2013, so will es das Gesetz, ist schließlich jeder Bundesbürger, ganz gleich ob er Fernsehen schaut, schauen kann oder will, verpflichtet, Fernsehgebühren zu bezahlen. Damit haben die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten endgültig den Status einer Steuer erreicht. Wer aber nun glaubt, dass die GEZ damit wenigstens abgeschafft werden kann, und das eingesparte Geld könne in Programminhalte investiert werden, der irrt. Man will sogar Personal aufstocken und natürlich muss auch der Name geändert werden. Aus der Einzugszentrale wird eine Service-Firma. So sind nun einmal Behörden,- sie rationalisieren alles Mögliche, aber nie sich selbst.

     

    Durch unglückliche Umstände (um das Wort Unverschämtheit nicht zu verwenden) schafft es der Gebührenservice seitdem immer wieder, unschöne Emotionen auf sich zu ziehen. Sei es, wenn Flüchtlinge aus Syrien mit Gebührenaufforderungen überzogen werden, oder blinde und taube Rentnerinnen trotz ärtztlicher Befreiung von der Gebührenpflicht Mahnbescheide erhalten. 2016 markiert ein besonderes Jahr, ging doch die erste Zahlungsverweigerin für mehrere Monate ins Gefängnis.

     

    Wie lange die ganze Gebühren-Konstruktion, die nicht Wenige als Steuer bezeichnen, noch von der Verfassung abgedeckt sein wird, ist fraglich, es gibt Verfassungsrechtler, die da ihre Zweifel haben.

  • Mobilität am Set

    Vor, bei und nach Dreharbeiten werden in der Regel viele Fahrzeuge benötigt, weit mehr, als der oder die regulären Firmenwagen einer Filmproduktion. Diese müssen selbstverständlich kalkuliert und auch von den Versicherungen und vom Benzin,- oder Dieselverbrauch her möglichst genau vorab eingeschätzt werden.

     

    Diese Beispielseite des Kalkulationsprogramms Cinecalc ist eine aus der Vielzahl von Anlagen und Unterseiten zum Bereich Technik. Abgesehen von Fahrzeugen im Bild entstehen allein für Transportmittel einige Kosten:

     

     

  • Die wenigsten Besucher der Gamescom in Köln wissen,wie sehr Games mit dem Kino verbandelt sind.

  • Die Praxis besteht aus einer Sammlung an Details

    Kostüme

    Die Bandbreite, was ein Kostüm so kosten kann ist gigantisch

     

    Wer in einer konkreten Produktion steckt, spürt ganz unmittelbar die Nahtstelle zwischen Theorie und Praxis. Wurde an alles gedacht und waren die kalkulierten Beträge realistisch? Jedes Department bekommt ein gewisses Budget zugewiesen, welches sich aus der Vorkalkulation, die die Produktion erstellt, ergibt. Dabei hilft die Erfahrung sehr, grobe Einschätzungen vorzunehmen. Besonders schwierig wird es natürlich, wenn ungewohnte Prozesse wie historische Kostüme, Uniformen oder auch künstlerisch bearbeitete Materialien ins Spiel kommen. In diesem Fall muss man besonders genau recherchieren.

     

     

    Ein gutes Kalkulationsprogramm ist zugleich auch eine Checkliste der wichtigsten Positionen innerhalb der Herstellungskosten. Es erlaubt zudem, den Effekt von Umschichtungen kalkulierter Beträge, unmittelbar abzulesen.

     

    Beispiel: Kostüme

    Kostümkauf

    Anlage 186 erfasst die Kosten für jene Kostüme, die gekauft werden müssen. In den blauen Eingabefeldern wird angegeben, wie viele Darsteller jeweils mit gekauften Kostümen zu welchem geschätzen Pauschalwert eingekleidet werden sollen. Die Summen finden sich in der rechten Spalte.

     

    Anlage 187 erfasst in gleicher Weise die Kosten für Kostümverleih. Hier werden entsprechend Tagesmietpreise oder Pauschalen kalkuliert.

     

    Ausstattung und Technik

    So sehen die Zusammenfassungen für ein paar Kalkulationsposten im Bereich Ausstattung und Technik aus. Insgesamt gibt es etwa 40 A4-Seiten mit Einzelpositionen, die für einen Spielfilm komplett kalkuliert werden müssen. Sie sind weitgehend standardisiert und können von Produzenten, Fördergremien oder Redakteuren gleichermaßen gelesen und verstanden werden.

     

    Auch die folgenden Seiten entstammen dem Kalkulationsprogramm CineCalc.

     

     

  • Nutzungsrecht

    Münchner Philharmoniker

     

    Jede Musik, ganz gleich ob sie aus dem Radio, von der CD oder aus dem Internet kommt, stammt üblicherweise von einer oder mehren Personen und diese haben durch das Urheberrechtsgesetz zu bestimmen, wer ihr Werk wie, wo, wann und in welcher Form nutzen darf. Gebräuchlich ist dafür der Begriff Copyright und davon gibt es nicht nur eines, sondern gleich mehrere verschiedene Arten. Was bedeutet das, wenn man fertige Musiktitel in seinem Film verwenden möchte?

    Zunächst einmal haben der Komponist und der Texter das Copyright an ihrer Schöpfung. Meistens übertragen sie die daraus resultierenden Verwertungsrechte an einen Verlag.

    Zweitens haben die Musiker oder das Orchester, welches diese Musik aufgeführt hat, das Copyright an dieser Leistung. Diese übertragen die Nutzungsrechte meistens an eine Plattenfirma.

     

    Fremde Musik nutzen

    Was also ist zu tun, wenn man in seinem Film vorproduzierte Musik verwenden möchte?

    Die erste und wichtigste Regel lautet: So früh wie möglich die Rechte einholen, nicht erst wenn der Film fertig gemischt und die Musiknummer bereits fester Bestandteil des Soundtracks ist.

    Sind die Komponisten schon ein Jahrhundert, genauer 70 Jahre, verstorben, ist zumindest die Komposition in der Regel frei. Und auch Volksweisen können, wenn es denn nachweislich welche sind, frei verwendet werden. Doch Vorsicht – nicht alles, was man für Volksmusik oder Traditional hält, ist wirklich rechtefrei. Viele Songs, die man mal so eben in einem Film von den Darstellern singen lässt, beinhalten Rechte, die eingeholt werden müssen.

     

    Brennendes Beispiel, welches schon bei vielen Produzenten einen Beinahe-Herzstillstand zur Folge gehabt hat, ist das beliebte „Happy Birthday to You“. Wann immer es im Kino erklingt, auch wenn die Schauspieler es selber singen, klingt auch die Kasse der Warner/Chappell Music, Inc. Diese hat zuletzt die Rechte an dem Evergreen 1989 erworben und nimmt mit der Lizenz  jährlich ungefähr zwei Millionen US-Dollar ein. Zumindest hierzulande dürfte das den Produzenten jedoch ab dem 01.01.2017 kein Kopfzerbrechen mehr bereiten. Dann nämlich ist der Tod der älteren der beiden Hill-Geschwister, die die Melodie zum Song ursprünglich verfassten, siebzig Jahre her. Damit ist nach deutschem Recht der Schutz erloschen.

    Man muss also mit den Rechteinhabern, also z.B. dem Plattenverlag und den Urhebern, eine vertragliche Vereinbarung treffen. Darin werden folgende Punkte festgehalten:

     

    Filmtitel

    Musiktitel

    Rechte, die der Verlag dem Filmproduzenten einräumt

    Dauer der Musik im Film

    Nutzungsbereiche
    (Video, CD-Videos, Kino, Fernsehen, Satellit etc. – alle müssen einzeln aufgezählt werden!)

    Räumliche Auswertung (Territorien)

    Zeitliche Verwertungsdauer

    Lizenzentgelt

    Regelung über Gema, Veränderungen am Musikwerk etc.

     

    Kosten

    Was natürlich jeden interessiert sind die Beträge, die für eine solche Lizenzierung gezahlt werden müssen. Diese sind sehr stark vom individuellen Film, vom Wohlwollen des Plattenverlages und der Bekanntheit der Musik abhängig.

    Handelt es sich um unbekannte Gruppen/Titel, bei denen sich der Plattenverlag eine gewisse PR-Wirkung durch den Film erhofft, fallen die Lizenzen eher niedrig aus. Sind es aber bekannte Musiknummern, so können leicht 15.000 bis 50.000 Euro für einen einzelnen Titel anfallen. Berüchtigt sind etwa „Satisfaction“ von den Stones oder „Wonderful World“ von Louis Armstrong.

     

    Fazit

    Wenn Sie also Ihren Film öffentlich im Kino oder anderweitig vertreiben wollen, sollten Sie solche Dinge frühzeitig klären. Denn ein Musiklizenz-Betrag von beispielsweise 25.000 Euro sollte in der Kalkulation enthalten sein, sonst erlebt der Produzent später böse Überraschungen.

    Meistens ist es bezahlbarer und oft auch kreativer, die Musik für den Film neu produzieren zu lassen und vorab alle wichtigen Rechte direkt von Komponisten/Musikern zu erwerben.

    Darüber hinaus gibt es vorproduzierte Musik speziell für Filme, deren Nutzungsrecht man für relativ niedrige Pauschalbeträge erwerben kann.

    Für Seminaristen:
    Wer es ganz genau wissen will, erfährt mehr im Seminar.

     

     

     

  • Was sind eigentlich die Aufgaben eines Produzenten? Ein kurzer Überblick...

  • Es gibt zahllose Stories, die von Auseinandersetzungen zwischen Regisseur und Produzent vom Film handeln. Wer trägt hier die Schuld, wenn überhaupt? Wie entsteht aus einer anfänglichen Kooperation ein Streit und wie geht man dem am besten aus dem Weg?

  • Schnee macht was er will

    Kunstschnee, der selbst Detailaufnahmen standhält.

    Kunstschnee, der selbst Detailaufnahmen standhält.

    Wenn man nicht bei winterlichen Temperaturen gerade irgendwo in den Bergen dreht, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass für die geplanten Schneeaufnahmen das ersehnte Weiß ausbleibt.

     

    Oder aber der Schnee hält sich in keiner Weise an die Anschlüsse laut Drehbuch. Mal liegt er hoch, mal ist er fast weggeschmolzen, mal fallen keine oder zu kleine Schneeflocken. Selbst der kälteste Winter ist keine Garantie für sorglose Dreharbeiten. Dieses Schicksal haben nicht nur Filmschaffende zu tragen.

     

    Auch die Werbeindustrie, die für ihre Winterkampagnen das Foto-Shooting vorzugsweise bereits im August oder September ansetzt, ist auf entsprechende Hilfe angewiesen.

     

    Auf Nummer Sicher

    Der Schnee, der auf den Treppenstufen „taut“, hält jede Sonne aus.

    Der Schnee, der auf den Treppenstufen „taut“, hält jede Sonne aus.

    Für die perfekte Illusion und die Planungssicherheit bei Dreharbeiten muss ganz genau geplant werden, welche Einstellungen denn mit Eis und Schnee versehen werden sollen, wie gross der Bildausschnitt wird, und vor allem wie genau denn der Zuschauer den Schnee sehen wird. Je größer die Flächen, desto höher der Aufwand.

     

    Eiszapfen aus Plexiglas lassen sich sogar als Detail aufnehmen, so naturgetreu sind sie. Die guten Stücke sind aber nicht ganz billig, 100,- bis 150,- DM muss man als Stückpreis schon anlegen.
    Eis kann man aus Wachs und Paraffin herstellen.

     

     

    Schnee ist nicht gleich Schnee

    Beim Schnee wird es, je nach Bildausschnitt auch recht kostspielig.

     

    Es gibt chemischen (Schaum-)Schnee, Schnee aus feinem Papierschnitt (sehr fein gemahlene Zellulose), Schnee aus Styropor, Schnee aus Stärke, aus Kartoffelmehl, Schnee aus Silikon, Schnee als Schaumstoffmatten, Schnee aus Sprühdosen für Eisblumen an den Fensterscheiben, aber auch Schneemaschinen, die – sofern die Kälte ausreicht – aus Unmengen von Wasser veritablen Schnee erzeugen.

     

    Der Kunstschnee knirscht unter den Füßen und hinterlässt sogar richtige Schuhabdrücke. Im Bedarfsfall können sogar Schneebälle aus dem Material geformt werden.

     

    Realitätsnah

    Nur wer etwas näher an die weiße Pracht herankommt, entdeckt den Schwindel.

    Nur wer etwas näher an die weiße Pracht herankommt, entdeckt den Schwindel.

    Da die Kosten mit dem Realitätseindruck des Schnees steigen, kann man bei größeren Sets für den Hintergrund durchaus die billigste Variante wählen, und nur im Vordergrund und für den evtl. rieselnden Schnee die Luxus-Ausführung wählen.

     

    Denn im Vordergrund würde es auffallen, wenn die Schneeflocken statt vom Mantel des Hauptdarstellers abzufallen, wie magnetisch am Textil (statisch aufgeladen) haften bleiben. Deshalb nimmt man statt Kunststoff am Besten Schnee aus Seifenlauge, der mit speziellen Schneeerzeugern den Schnee zielgerichtet über dem Bildausschnitt positionieren. Je nach Situation kann zusätzlich auch eine Windmaschine helfen, die Illusion perfekt zu machen.

     

    Einzig die fehlenden Atemfahnen könnten da noch Hinweise auf die Schwindelei geben, doch das Kompensieren die Schauspieler durch ihr Spiel, die roten Wangen und das entsprechende Winter-Outfit. Zu kalt darf es für die Seifen-Schneeflocken auch nicht sein, sonst friert die Seifenlauge ein. Betrachten Sie doch einmal einen der zahllosen amerikanischen Weihnachtsfilme genauer und versuchen Sie, statt auf die Darsteller, auf die Flocken zu achten. Sie werden sehen: Es ist nicht alles Schnee, was fällt.

     

    Es ist übrigens auch schon vorgekommen, dass die Produktion, den Wetterprognosen folgend, viel investiert hat, um für den Winterdrehtag auch sicheren Schnee im Bild zu haben, und das künstliche Weiß wurde nach und nach von echten Schneeflocken zugedeckt...

     

  • Vorbereitungen

    Kalkulationen folgen stets einer klaren Systematik, bei der zunächst Kosten, die vor dem eigentlichen Drehbeginn liegen, erfasst werden.

    Diese Kosten fallen in den so genannten „Development-Bereich“, das heißt der Produzent oder eine TV- Redaktion hat in Vorbereitung eines Filmes gewisse Investitionen im Voraus getätigt.

     

    Soll etwa ein Roman verfilmt werden, so müssen die Filmrechte an dem Stoff erworben werden, wird ein Drehbuch in Auftrag gegeben, muss der Autor/die Autorin bezahlt werden. Reisekosten zu evtl. Koproduzenten, für die Besetzung oder zu Verhandlungspartnern müssen ebenso übernommen werden, wie der Erwerb von Archivmaterial (bei historischen Dokumentationen) etc.

     

    Welche Positionen sind damit im Einzelnen gemeint?

     

    1. Vorkosten/Development

    An dieser Stelle können Sie Kosten, die vor dem Zeitpunkt der Kalkulation direkt projektbezogen angefallen sind, pauschal angeben. Reisekosten zum Beispiel, oder die Herstellung von Broschüren (Outlines) um das Projekt zu pitchen (vorzustellen). Auch die Präsenz auf Filmmessen oder bei Coproduktionstreffen fällt in diesen Bereich. Reisekosten für Casting können ebenfalls zu den Vorkosten gehören. In der Regel sollte dieser Wert aber nicht zu hoch ausfallen, und nicht mit den H.U. (Handlungskosten) verwechselt werden.

     

    2. Rechte und Manuskript

    An dieser Stelle werden etwa die Drehbuchrechte, die Kosten für Exposé und Treatment (die in der Regel auf den Gesamtpreis des Drehbuchs angerechnet werden), evtl. Kosten für dramaturgische Überarbeitungen oder neue Überarbeitungen des Buches (third, fourth draft..) kalkuliert. Auch ein Script Doctor fällt in diesen Bereich.
    Auch die Rechte für Musikkompositionen oder Archive werden hier berücksichtigt.

     

    3. Lizenzgebühren.

    Unterschätzen Sie nie die Lizenzgebühren. Wenn Sie beabsichtigen, Archivmaterial oder Musiktitel von Schallplatten zu verwenden, klären Sie vorab, welche Rechte Sie für welche Verwertung (TV, Kino, Kabel, Satellit, regional, weltweit etc.) benötigen, und welche Preise dafür verlangt werden. Historisches Bildarchivmaterial kann leicht Minutenpreise von 10-20.000 DM kosten, und selbst Fotos werden mit 500-1.000 DM pro Stück berechnet.

     

    4. Musikrechte.

    Ein Betrag von 30.000,- und mehr kann leicht für einen einzelnen Musiktitel draufgehen. Eine wunderbare Möglichkeit, aus Unwissenheit oder zu später Abklärung der Rechtesituation Lehrgeld zahlen zu müssen. Also: Vorsicht!

     

    Auch die Textrechte oder Komposition eines Musiktitels können teuer werden. Schon zahllose Produzenten sind da in die „Volkslieder“ – Falle getappt. Haben mal eben in einer Szene die Schauspieler ein altbekanntes Lied trällern lassen, was dann später das Budget mit nicht geplanten 20.000 Dollar belastet hat. Glauben Sie nicht? – Dann lassen Sie doch in ihrem nächsten Werk in einer Geburtstagsszene  “Happy birthday to you singen“!  Hinterher werden Sie´s glauben.

     

    Also: Sie sollten immer wissen, was Sie tun, oder besser nicht tun. Mit Rechten ist nicht zu spaßen! Sie sollten sich immer sicher sein, dass Sie die Rechte,  die Sie später verkaufen wollen, auch besitzen. Wenn nämlich nur ein einziges Bausteinchen Ihres Filmes nicht rechtlich abgeklärt ist, kann das Ihr Projekt ganz schön ins schleudern bringen.
    Mit Plattenverlagen etwa, kann man viel entspannter im Vorfeld verhandeln, wenn die betreffende Musik noch nicht fester Bestandteil der Endmischung ihres Films geworden ist.

     

    5. Umsetzung

    In CineCalc werden diese Positionen gleich zu Anfang der Kalkulation erfasst, schließlich fallen sie in der Regel auch früher als andere Kostenbereiche an, nämlich in der Entwicklungsphase des Projekts. Die entsprechende Übersicht sieht so aus:

     

Workshops 2019

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen.

 

26-10--2019 12:00 pm - 27-10--2019 16:00 pm

09-11--2019 12:00 pm - 10-11--2019 16:00 pm

30-11--2019 12:00 pm - 01-12--2019 16:00 pm