Saniyes Lust
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Regie: Sülbiye Günar
Die türkisch-stämmige Saniye und der Deutsche Tom heiraten. Alles scheint perfekt, Tom steht am Anfang seiner Karriere als Bauleiter und Saniye soll in ihrer Firma befördert werden. Doch die berufliche Weiterentwicklung und der Wunsch ein Kind zu bekommen, geraten immer mehr aneinander. Tom hat es eigentlich noch nicht so eilig und geht auch davon aus, dass beide noch warten wollen. Doch Saniye entschließt sich für ein Baby und gegen die Karriere. Sie setzt heimlich die Pille ab, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Als Tom endlich merkt, wie ernst es Saniye mit dem Kinderkriegen ist, versucht diese schon seit über einem halben Jahr schwanger zu werden.
Auf Drängen der Frau entschließen sich die beiden der Natur ein wenig nachzuhelfen und suchen einen Spezialisten in Sachen Kinderwunsch auf, denn mit dem jungen Paar scheint eigentlich alles okay zu sein.
Auf dem Weg zum eigenen Kind gerät Saniye aber immer mehr in eine Art Teufelskreis.
Ich als Zuschauer, der anfangs so fasziniert von der jungen Frau ist, die Glück in der Liebe und im Beruf hat, fange zunehmend an, sie gar nicht mehr zu mögen und ihre Meinung keineswegs zu teilen. Sicher wird sie aber auch sehr viel Zuspruch und Verständnis bei manchen weiblichen Zuschauern finden, die selber schon einmal in einer solchen Situation steckten. Sei es der Familie wegen, wobei gerade in der türkischen Tradition oft direkt nach der Hochzeit erwartet wird, dass man schwanger wird, oder weil vielleicht einfach nur der Wunsch nach einem Baby besteht, um das Familienglück perfekt zu machen. Und dann dieses Hineinsteigern in den Gedanken, der aber nicht zum Ziel führt. "Saniyes Lust" wird sicherlich mehr Zuspruch bei dem weiblichen Geschlecht finden, da diese einfach verstehen, wie sich Saniye fühlt, weil sich alles um die Frau, ihren Körper, das Schwanger werden und die Probleme dabei dreht.
Die junge Regisseurin Sülbiye Günar behandelt mit ihrem Diplomfilm (an der dffb) ein schwieriges, ethisches Thema, mit welchem sie sich aber keineswegs auf eine bestimmte Seite stellt oder aufzeigt, was falsch oder richtig ist. Vielmehr übermittelt sie die Gefühlswelten einer jungen Frau, die gedrängt von ihrer Familie, von den Arbeitskollegen und am meisten von sich selbst in ein totales Chaos führen und ihre Ehe und ihren Beruf auf eine harte Probe stellen. Durch die Bilder bekommt das Publikum einen unglaublichen Einblick in die Welt des medizinischen Eindringens in die Natur.
Ein topaktuelles Thema, dessen Befürworter immer weiter gehen werden und keine Grenzen mehr kennen und dessen Gegner durch ethische Hinterfragungen verbieten lassen wollen, dass die Forscher zu Göttern werden, die eine Welt kreieren, in der es keine Makel mehr gibt und in der nichts mehr den Zufall überlassen wird und in der wohlmöglich die genetisch nicht perfekten Menschen bald einem "Outcast" gleich kommen werden (auch wenn diese nur an einer mittlerweile eher unbedeutenden Krankheit wie Diabetes oder ähnlichem leiden oder einfach nur die falsche Augenfarbe haben oder keine Sporttalente sind). Dieses Thema biete eine gewaltige Fülle an Diskussionsstoff und "Saniyes Lust" regt dazu an.
Wie weit darf man gehen? Bei der jungen türkischen Frau (gespielt von Idil Üner) bekommt man einen Einblick in die Schwierigkeiten des Kinderkriegens, wenn auch noch am "untersten" Level ("nur" künstliche Befruchtung). Saniye kann nicht mehr stoppen, geht immer weiter, ohne dass sie auf ihren Mann, ihren Job, das Geld und ihren Körper hört. Ihr Arzt wird zum "Herrscher über Leben und Tod". Dieser übernimmt ironischerweise auch die Rolle des Erzeugers, als er in einer Szene im Krankenhaus zwischen ihren Beinen kniet, um der Frau die befruchteten Eizellen einzusetzen. Auch sehr irritierend aber dadurch schockierenderweise begreiflich: die eigentliche Befruchtung, welche nicht, wie üblich, durch Mann und Frau passiert, sondern nun die Ärzte übernehmen, indem sie mit Hilfe von medizinischem Werkzeug neues Leben entstehen lassen.
Gesehen von Caroline Klenke
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Say Yes KR 2001 REGIE: Sung-Hong Kim
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Regie: Sung-Hong Kim
Das junge Pärchen Yun-hie (Sang Mi Chu) und Jeong-hyun (Ju-hyuk Kim) fährt an die Ostküste, um sein einjähriges Zusammensein und den Verkauf von Jeong-hyuns Roman zu feiern. Während eines Stopps an einer Autobahnraststätte fahren die beiden beim Ausparken den grimmigen Em (Joong-Hoon Park) an, der sie um eine Mitfahrgelegenheit bittet. Schon bald entpuppt sich der grüblerische Mitfahrer als bedrohliche Klette, die das junge Pärchen weder im Hotel noch auf der Straße abzuschütteln weiß. Im Verlauf des Katz-und-Maus-Spiels klärt er Jeong-hyun über die Regeln auf: „Wenn du überleben willst, erlaube mir, deine Freundin zu töten."
Dem bekannten Motiv des psychopathischen Einzelgängers, der sich willkürlich ein Opfer seines Spieltriebs sucht, weiß „Say Yes" nicht viel hinzuzufügen. Regisseur Sung-Hong Kim setzt die kaltblütige Geschichte routiniert in Szene, kommt jedoch nicht gegen das unausgegorene Drehbuch von Hye-young Yeo an, das immer wieder Dialoge und Handlungen unnötig spreizt in der irrigen Annahme, das bereits plump Angekündigte müsse noch geheim gehalten werden. Das Finale kann – auch in der eigenen Logik des Genres – psychologisch nicht wirklich überzeugen. Was bleibt, sind einzelne packende Szenen, denen der dramaturgische Zusammenhalt abgeht.
Gesehen von Michael Wolf
Ein indischer Liebesfilm, der dem Zuschauer garantiert länger im Gedächtnis bleibt.



