Geräuschemacher

Geräuscheffekte (engl: Foley)

Mel Kutbay, die Legende unter den Geräuschemachern in seinem Münchner Meloton-Studio

Mel Kutbay, die Legende unter den Geräuschemachern in seinem Münchner Meloton-Studio
Der Originalton genügt selten den Vorstellungender Zuschauer und überzeugt sie einfach nicht. Hier beginnt die hohe Kunst der Geräuschemacher: Schritte, das Rascheln der Kleidung beim Aufstehen, Schläge, ja, sogar feurige Liebesszenen entstehen akustisch häufig in einem abgedunkelten Studio vor einer Leinwand. Der amerikanische Ausdruck für den Geräuschemacher stammt übrigens vom Erfinder dieses Verfahrens, der in den 50er Jahren in den Universal-Studios nachträgliche Vertonungen machte: Jack Foley.

 

Mikrofone lassen sich per Scherenaufhängung oder vom Stativ möglichst nah an den Ort des Geräusches heran bewegen. Das ist wichtig, denn die Geräusche müssen möglichst präsent sein. Damit möglichst alle Frequenzen, also auch die Bässe (die machen ein Geräusch voll und kräftig), gut abgebildet werden können, verwendet man meistens Mikrofone mit Nierencharakteristik. Die Geräusche werden in der Regel in Mono aufgezeichnet und dann über das Mischpult nachträglich über den Panoramaregler akustisch in den Bildraum eingefügt.

 

Der Tonmeister im Sound-Effects-Studio versucht außerdem, jedes Geräusch mit möglichst hohem Pegel aufzuzeichnen. Das gilt auch für Geräusche, die später im Film nur ganz zart zu hören sein sollen. Außerdem findet sich im Geräuscheffekte-Studio eine Unmenge von Gegenständen: Tabletts, Teller, leere Flaschen, Besteck, Becher, Korken, Kettchen, Kinderrasseln, Quietsche-Entchen, Türklinken, Schlösser, Ketten – ein wahrer akustischer Flohmarkt.

 

Ganz wichtig für die Erzeugung von Geräuschen ist wie bei einem Musikinstrument der Resonanzboden. Dafür dient eine große Arbeitsplatte, auf der viele Geräusche hergestellt werden.

Roll the Picture" von Mathias Allary, zu sehen im Filmmuseum Düsseldorf

"Roll the Picture" von Mathias Allary, zu sehen im Filmmuseum Düsseldorf

 

Böden und mehr

Ein ganz wichtiger Aufgabenbereich der Geräuschemacher ist die Erzeugung von Schritten. Hierfür stehen in einem Sound-Effects-Studio diverse Untergründe zur Verfügung, um jederzeit Stein-, Holz- oder Kiesboden nachahmen zu können. Auch die Schuhe sind speziell präpariert, teilweise mit Metallplättchen versehen, teilweise mit Lassoband umwickelt, damit ein Geräuschemacher auch in Männerschuhen das Klacken hoher Absätze von Frauenschuhen imitieren kann. Um Wasser nachzuahmen, benötigt man ein steinernes Waschbecken und einen Wasseranschluss im Studio. Porzellan- oder Edelstahlbecken erzeugen ein zu starkes Eigengeräusch, Stein hingegen hat fast keine Resonanz. Übrig bleibt das reine, saubere Geräusch des Wasser, welches man dann je nach Bedarf, nach Gartenschlauch, Ruderbootplätschern oder auch schon mal Regen klingen lassen kann.

 

Methoden zur Geräuscherzeugung

Sogar mit wenigen, winzigen Objekten können klirrende Goldkettchen, Schlüssel, Kleingeld ect. akustisch erzeugt werden

Sogar mit wenigen, winzigen Objekten können klirrende Goldkettchen, Schlüssel, Kleingeld ect. akustisch erzeugt werden.

Jeder Geräuschemacher hat seine eigenen, streng geheim gehaltenen Methoden der Geräuscherzeugung. Auch auf die Gefahr hin, dass wir hier Betriebsgeheimnisse ausplaudern, hier ein paar mögliche Beispiele:

 

Für die verschiedensten Effekte benötigt man ein dünnes Alublech (A3), Reis oder Erbsen, die auf das Blech, Papier oder die Folie rieseln, erzeugen Regenprasseln. Zellophanfolie (Geschenk/Blumenbedarf) erzeugt zusammengeknüllt loderndes Feuerknistern oder Brutzeln von Fett in einer Pfanne. Ein langes Plastiklineal auf eine leere Zigarrenkiste oder leere Videoplastikbox geschlagen, erzeugt einen Pistolenschuss. Ein Besen über eine mit Plastikfolie bespannte Platte gestrichen erzeugt den Effekt von Autoreifen, die durch eine Pfütze fahren. Eine Gabel und etwas Stroh erzeugen das Geräusch von Macheten, die sich einen Weg durch den Urwald schlagen. Zwei Gabeln aneinandergeschlagen können bereits in einem Mantel-und-Degen-Film zum Einsatz kommen. Ein kleines Stoffsäckchen gefüllt mit Mehl erzeugt, rhythmisch zusammengedrückt, Schritte im Schnee. Lederhandschuhe, die rasch hin- und herwedeln, klingen wie das Flügelschlagen eines Vogels. Zwei Kokosnussschalen (pur oder in Stoff gewickelt) lassen Pferdehufe akustisch real werden.

 

Ferner finden sich im Studio mehrere Arten von Bodenplatten (Walking Surfaces or Foley pits): Linoleum, Holz, Kork, Stein, Marmor, Sand, Stahl, Borsten, Teppichboden etc., aber auch ein Holzrahmen, in dem Weinkorken nebeneinander angeordnet sind. Auf diesen lässt es sich wunderbar knarzen und knirschen. Schuhe mit unterschiedlicher Besohlung (Gummi, Plastik, Leder), die noch mit Textilband akustisch optimiert sind, gehören ebenfalls zur Grundausstattung. Knarrende Äste im Sturmwind kann man gut mit einem Ledergürtel imitieren, deren Enden man aneinander reibt. Ein Düsenjet kann ganz leicht nachgeahmt werden, indem man ein Blatt Papier unmittelbar vor dem Mikrofon möglichst langsam und kontinuierlich zerreißt. Schritte in trockenem Gras oder Regenwald lassen sich mit altem Tonband gut imitieren. Ein Boxhieb kann durch den Schlag gegen eine Wassermelone erzeugt werden. Alternativ kann auch ein dickes Steak, welches man in der Hand hält, durch einen Fausthieb mit der anderen Hand bearbeitet werden. Brechende Knochen kann man durch Zerbrechen von frischen Karotten, Sellerie oder Bambus nachahmen. Eine Kombination aus separat aufgenommenen Karotten mit anschließendem brechen von Sellerie klingt zusammenmontiert am Besten. Schiebetüren kann man nachahmen, indem man ein gefaltetes Blatt Papier aus einem Umschlag zieht. Lebensmittel wie Pudding oder auch Obst können Matsch, Moor und Schlamm akustisch nachahmen. Grillen kann man mit einem feinen Kamm nachahmen, indem man rhythmisch die Zähne mit dem Daumen entlang streift. Eine glimmende Zigarette kann man nachahmen, indem man mit dem Daumen in Staub oder trockene Erde drückt.

 

Wichtig ist vor allem die akustische Fantasie. Wer eine Ahnung davon hat, wie ein bestimmtes Geräusch klingen muss, kann es oft auf unterschiedlichste Weise erzeugen. Es gibt da diese Geschichte vom Regisseur, der zur Vertonung einer Büroszene mühsam eine alte mechanische Schreibmaschine ins Studio schleppte. Der Geräuschemacher aber setzte nur lächelnd seine Brille ab und klopfte mit dem Bügel rhythmisch auf die Tischplatte.