Parallel Lines
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Wettbewerb
Was wäre wenn, wir uns einmal Zeit nehmen und stehen bleiben, um die Menschen kennen zu lernen, denen man tagtäglich begegnet: die Frau, die im Waschsalon neben einem die Wäsche wäscht, die Bedienung in der Kneipe, der Mann, der sich um Toiletten an der Autobahnraststätte kümmert oder einfach einmal bei jemanden ganz spontan anhalten, der an der Straße steht. Was verpassen wir eigentlich täglich, wenn wir die Leute nicht kennen lernen, was könnten sie zu unserem Leben besteuern, was wir zu ihrem, wie könnten sie uns ändern, wie wir sie??
Genau diesen Fragen geht Nina Davenport in ihrem Road-Movie durch ein ganz anderes Amerika, als wir es kennen oder kennen gelernt hätten ohne diesen Film, auf den Grund. Eigentlich war es als eine Reaktion auf den 11. September 2001 gedacht. Nina begab sich im Herbst 2001 kurz nach den Anschlägen von einem Dreh aus San Diego, Kalifornien mit dem Auto zurück nach New York. Sie wollte unterwegs die Leute nach ihren Reaktionen und ihren Empfindungen zu den Terroranschlägen befragen. Doch immer mehr rückte der einstige Dokumentations-Mittelpunkt in den Hintergrund um den Anekdoten und persönlichen Geschichten der neuen Bekanntschaften über Verlust, Trauer und Schicksal das Feld zu räumen. Skurriles trifft auf Alltägliches und Patriotismus auf "Irgendwann musste es uns ja mal treffen". Echte Texas-Cowboys, Aussteiger, Kriegs-Veteranen, allein erziehende Mütter, eine 15jährige Schwangere von einem 61jähren, ‚General Bob', ein Navaho-Indianer... alle kommen im Film zu Wort.
Eine gelungene Dokumentation, die Lust darauf macht selbst eine Kamera in die Hand zu nehmen um die Menschen kennen zu lernen, denen man den Tag über begegnet.
Gesehen von Kathrin Metzner
Paris, Paris - Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück
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Paris, Paris - Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück 120 Min., Frankreich 2008 REGIE: Christophe Barratier DREHBUCH: Christophe Barratier, Julien Rappeneau DARSTELLER: Gérard Jugnot, Clovis Cornillac, Kad Merad, Nora Arnezeder, Pierre Richard |
Regie: Christophe Barratier
Kinostart: 27. November
Paris, Mitte der dreißiger Jahre. Es ist eine schwierige politische Phase. Die Volksfront setzt ihr verkündetes Programm nicht sofort um und so kommt es zu Massenstreiks und Betriebsbesetzungen. Solche Zeiten sind auch immer eine gute Nährfläche für Korruption, und ein Leidtragender dieser Machenschaften ist der Direktor des Musiktheaters „ Chansonia". Dieser kann seine Schulden bei dem Gangster Galapiat nicht bezahlen und überschreibt diesem in der Silvesternacht 1935 sein Musiktheater. Über Nacht werden alle arbeitslos. Doch die Freunde Pigoil, Milou und Jacky lassen sich nicht so leicht unterkriegen und besetzen das „Chansonia". Auf dem Weg zum „Erfolg" liegen aber viele Hindernisse, die die drei Freunde überwinden müssen. Die frisch engagierte junge Sängerin Milou entpuppt sich als großes Talent, und das Theater scheint gerettet, doch für wie lange?
Nach seinem erfolgreichen Debüt „Die Kinder des Monsieur Mathieu" hat der Regisseur Christophe Barratier erneut einen sehr musiklastigen Film verwirklicht. Laut eines Interviews wollte er einen Film machen der alle Menschen gleichermaßen berühre und romantischer, schöner und aufregender sei als das Leben. Dies ist ihm wahrlich gelungen. Doch leider ist es zu viel Romantik und Herzschmerz und Kitsch. Dies liegt nicht nur an der Länge (120 min.), sondern auch an der fehlenden Gewichtung. Hier wird getanzt, dort wird gestreikt, hier wird gehungert, dort wird gesungen. Es fällt einem nach der ersten halben Stunde recht schwer, sich auf einen Charakter einzulassen, da in einem Moment die Welt untergeht und sich im nächsten Moment alle Probleme in Luft aufgelöst zu haben scheinen. Und da gibt es diese Liebesgeschichte zwischen Milou und Douce. Das unschuldige blonde Mädchen, das sich zu dem rauen aber doch sensiblen Arbeiter hingezogen fühlt. Sie wird jedoch auch von dem „Paten" Galapiat begehrt und lässt sich von ihm aushalten, mit dem Wissen, dass er dafür etwas verlangen wird.
Das Paris der 30er Jahre wurde in der Nähe von Prag aufgebaut und war lange nicht mehr so schön zu sehen. Somit spielt die alte Dame Paris wieder mal eine Hauptrolle. In das passende Licht wurde dieser Film von Clint Eastwoods Lieblings-Kameramann Tom Stern getaucht. Seine Kamera zieht uns in den ersten Minuten auch gleich mit ins Theater, indem sie Pigoil durchs Foyer, über das Parkett bis hinter die Bühne folgt. Doch leider können die schönen Bilder den fehlenden roten Faden nicht ersetzen.
Die Ausstattung hat meiner Meinung nach einen Preis verdient. Jeder Raum passt hervorragend zu dem darin wohnenden Charakter und hat eine eigene Atmosphäre. Sehr ästhetisch ist z.B. das Lokal und die Räumlichkeiten von Galapiat, die in Gold und Schwarz gehalten sind und Reichtum um Stärke ausstrahlen.
Auch wenn ich nicht die Einzige sein werde die die Neuentdeckung Nora Arnezeder lobt, möchte ich es doch einmal sagen „A new Star is born". So eine Kamerapräsenz sieht man nur selten im Kino und wir werden in Zukunft ganz gewiss noch mehr von ihr sehen.
Zusammenfassend würde ich sagen: Wenn es draußen kalt und dunkel ist und Sie einen farbenfrohen Film schauen möchten und Musicals gegenüber nicht abgeneigt sind, dann kann dieser Film Ihnen mit seinem bunten Look einen schönen Abend bereiten. Aber nehmen Sie viel zu Knabbern mit und gehen Sie nicht allein.
Gesehen von Mareike Dobewall





