Dreharbeiten auf der Brooklyn Bridge

Dreharbeiten zu einem Werbefilm, gedreht mit dem Easyrig auf der New Yorker Brooklyn Bridge (Foto: Lucy Allary)

 

Seit Anbeginn der Filmgeschichte haben sich Tüftler Hilfsmittel einfallen lassen, um ruhige Kameraaufnahmen zu machen. Das Easyrig ist ein Mittelding zwischen Steadicam und Handkamera, erfunden hat es der schwedische Kameramann Johan Hellsten. Wenn man es zum ersten Mal sieht, diesen Galgen über dem Kopf einer Kamerafrau / eines Kameramanns, sieht es etwas seltsam aus, doch in der Anwendung ist es leicht zu erlernen und kann deshalb schnell angewendet werden.

 

Die Idee hinter dem Easyrig ist es, das Gewicht schwerer Kameras von der Schulter oder gar den Händen/Armen weg zu nehmen und auf Rücken und Hüfte zu verlagern und eine Kamerastabilierung ohne große Einarbeitungszeit zu ermöglichen. Das Prinzip ist die Idee eines Rucksacks, der mittels eine Weste Gewicht auf den Rücken und die Hüfte verteilt, mit Führungsschiene und Ausgleichsfeder, die über ein System aus Galgen und Umlaufrollen ein Stahlseil über den Kopf nach vorne führt, an dem die Kamera aufgehängt wird. Damit hängt oder besser schwebt die Kamera vor der/dem Kamerafrau/mann und die Hände müssen kein Gewicht tragen und stehen für die Führung der Kamera (Framing/Kadrage) zur Verfügung.

 

Easyrig Montage 2000

Weste und Galgen des Easyrigs

 

Entwickelt wurde das Easyrig bereits Anfang der 90er Jahre, also zu einer Zeit als die professionellen Kameras noch recht schwer waren. So kann das größte System bis zu 25 KG schwere Kameras sicher tragen, es gibt aber auch Ausführungen für bis zu 15 KG Gewicht. Mit einem Adjustment Tool kann man das Gewicht der Kamera feinjustieren. Je nach Ausführung wiegt das Easyrig alleine rund fünf Kilogramm. Im Falle eines Unfalls bei Dreharbeiten an Seen, Flüssen etc., etwa wenn der/die Operateur-in in Wasser fällt, lässt sich die Weste einfach öffnen, damit das Kameragewicht einen nicht unter Wasser zieht.

 

Das relativ neue, so genannte Minimax-System ist für leichtere kompaktere Kameras zwischen 2 bis 7 Kilogramm konzipiert. Einige Verbesserungen bei der Stahlseilführung sorgen zudem dafür, dass die Aufhängung flüssiger und weicher reagiert und die Kamera dadurch leichter zu führen ist.

 

Verschiedene Bestandteile kennt man von der Steadicam, so die Weste und die Ausgleichsfedern, andere Dinge wie ein Steadicam-Gimbal fehlen gänzlich, weshalb der Bildeindruck eher dem einer ruhigeren Handkamera als einer schwebenden Steadicamfahrt ähnelt.

 

Man kann aber auch einen elektronischen Gimbal zwischen Aufhängung und Kamera befestigen, was bei schweren Kameras und schweren Gimbals durchaus Sinn macht und wieder zu einem gewissen Aufschwung für das Eaysrig geführt hat. Wer mit Kameras dreht, die schwerer sind als eine Spiegelreflex oder Mirrorless Fotokamera und einen Gimbal verwendet, sollte das Gewicht über ein Easyrig auf den Körper verteilen. Der Look ähnelt dann durchaus dem einer Steadicam, wenn gleich es auch hier gewisse Unterschiede gibt, welche die meisten Zuschauer jedoch nicht bemerken werden.

 

Allerdings ist die Beweglichkeit des Gimbals dann durch die Möglichkeiten und Einschränkungen des Easyrigs gekennzeichnet. Man muss also stets abwägen, welche Vor,- und Nachteile einem das jeweilige System bringt.

 

Silberwald Dreh Easy full

Dreharbeiten zu "Silberwald" mit Easyrig und Arri SR 3

 

Zahlreiche Arbeiten sind so inzwischen mit dem Easyrig entstanden, darunter auch die preisgekrönten Filme "Silberwald" (Kamera: Michael Leuthner) und "Vakuum" (Kamera: Aline Lászlò) der Schweizer Regisseurin Christine Repond, die für ihren besonderen authentischen Bildeindruck das Easyrig als Stabilisierungssystem gewählt haben.

 

Hier der Link zum englischen Manual: http://easyrig.se/files/2015-03/1425637746_easyrig-5-vario-manual.pdf