Leichtstative

Profisysteme

Dass man professionell aussehende Schwenks eigentlich nur mit hochwertigen Schwenkköpfen hinkriegen kann und es nicht in erster Linie der ruhigen Hand des Schwenkers zu verdanken ist, wenn es weich und ohne Ruckeln geschieht, sollten die regelmäßigen Besucher dieser Seite längst wissen. 

 

Seit man mit immer kompakteren Handheld-Kameras und DSLR oder Mirrorless- Kameras Filme drehen kann, stellt sich immer öfter die Frage, ob es denn wirklich so ein schwerer, professioneller Schwenkkopf sein muss, der zudem wenn man ihn neu kauft, gerne viel teurer ist, als die Kamera, die man darauf setzt.

 

Außerdem sind die Teams inzwischen auch leichteres Equipment gewöhnt und wollen nicht immer mit hängender Zunge am Drehort ankommen, nur weil das Stativ samt Schwenkkopf unterirdisch schwer war.

 

Klein, leicht und gut?

Stativ

Die kleinen Köpfe passen in 75er Schalen und bringen professionelle Features wie horizontale und vertikale Bremsen, Libelle zum Ausrichten und Snap-In Kameraplatte zum schnellen Aufsetzen der Kamera mit.

Es gibt also einen gesteigerten Bedarf an kleineren und preiswerteren Stativen und Köpfen, den die verschiedenen Anbieter von Schwenkköpfen für sich nutzen wollen. Die Fusionen verschiedener Unternehmen in den letzten Jahren haben da zu erstaunlichen Veränderungen und Verschiebungen geführt. Dabei werden bedauerlicherweise auch Marken, die früher ausschließlich für höchste professionelle Qualität standen verwendet, um eigentlich eher semiprofessionelle oder gar Amateurqualität unter die Leute zu bringen. 

 

Fusionen unter der Markenoberfläche

So standen die Marken Sachtler und Vinten früher ausschließlich für professionelle High-End Schwenkköpfe, Stative und Pedestrials mit entsprechend hohen Preisen. Sie erzeugen den sauber reproduzierbaren Schwenkwiderstand mit Gummielementen und sind sehr solide gefertigt. 

SStativ

Vinten-Stativ mit 75er Schale, die erstaunlicherweise aus Plastik statt Aluminiumguss gefertigt ist..

Schon vor längerem wurden Sachtler, Vinten und OConner von der Vitec Group übernommen und man nutzte Synergien. Aber man konnte weiterhin sicher sein, dass Produkte dieser beiden Unternehmen stets hohe qualitative Standards erfüllten. 

 

Daneben waren Schwenkköpfe etwa von Manfrotto oder Bogen qualitativ nie auf diesem hohen Niveau und auch preislich folglich deutlich günstiger. Nun, nachdem der Konzern Vitec sich auch Manfrotto und Bogen einverleibte, wurden plötzlich auch deren einfachere Produkte wie man es so schön neudeutsch ausdrückt "rebrandet" und unter anderem mit leichten Veränderungen als Vinten Köpfe herausgebracht. Plötzlich gab es auch kleinere, leichtere und billigere Köpfe und Stative von Sachtler und Vinten. 

 

Das bedeutet, die Bogen-Köpfe 501, 503 und 504 gibt es jetzt als Protouch-5 und ProTouch-6 Serie von Vinten zu kaufen. Angeblich sind das keine echten Fluid-Köpfe sondern Friktionsköpfe die mit zwei Plastikscheiben und etwas Schmiermittel einen Widerstand erzeugen. Die sind nicht zwingend schlecht, aber eben lange nicht so gut wie echte Fluid-Köpfe. Die Firma Libec etwa hat mit ihrem L38 Kopf ein recht ordentliches Friktions-Basiertes System hergestellt.

 

Minimum-Grenzen

Besonders schwierig ist es, gute Schwenkköpfe für sehr leichte Kameras, wie DSLRs zu finden. Sie besitzen nämlich stets auch Ausgleichsfedern (Balance) die einen gewissen Mindestwiderstand generieren. So sollen Sachtlers FSB Köpfe (ganz gleich ob FSB6 oder 8) angeblich schon ab einem Kilo gut funktionieren, tatsächlich aber sagen viele Anwender, dass man eigentlich erst mit Kameras ab 2 Kilo Gewicht sinnvoll damit arbeiten kann. Auch die Vinten Vision Blue Köpfe 3 und 5 beginnen erst bei 3 Kilogramm.

 

Der FSB 6 und 8 ist auch bis auf die unterschiedlichen Ausgleichsfedern (zwei beim 6er und drei beim 8er) identisch. Deshalb kann der 8er mehr Gewicht ausbalancieren, als der 6er, am Mindestgewicht aber ändert sich bei beiden dadurch nichts. Wenn die Kameras zu leicht sind, also unterhalb von 2 Kilo, wird stets ein Gegenzug spürbar sein, der erst aufhört, wenn man eine besonders schwere Optik verwendet oder sonst irgendwie oberhalb von 2 Kilo landet.

Stativ

Leider sind die kleineren Schwenkköpfe von Manfrotto nicht so hochwertig wie dieser 316er mit 100er Schale. Dieser Kopf ist wiklich Heavy-Duty, mit leichten Kameras kann man ihn nicht gebrauchen.

Auch die deutlich teureren Köpfe von Sachtler mit 100er Schalen, (Typ 18 oder 20er) beginnen erst bei 2 Kilo Mindestgewicht. Eine Ausnahme stellt der FSB4 dar, der kann auch ab einem Kilo Kameragewicht (incl. Optik) zurecht kommen (weil er nur eine Ausgleichsfeder eingebaut hat), schafft dann aber dafür schwerere Aufbauten mit Rig und Kompendium vielleicht nicht so gut. Über 4 Kilo Gewicht bekommt er dann Probleme. 

 

Man muss sich also entscheiden. Leichte, mittelschwere oder schwere Kameras, Rigs und Objektive benötigen jeweils andere Schwenkköpfe. Manchmal kann man auch Stative von Herstellern wählen, die vielleicht nicht so gute Köpfe haben, wie etwa Bilora und diese kombinieren mit besseren Köpfen etc. Hierbei ist aber darauf zu achten, dass man keine mechanischen Probleme hat, etwa dass die Feststellschraube des Fluidkopfes verhindert, dass man die Stativbeine einer anderen Marke nicht mehr zusammenklappen kann. 

 

Alternativen

Neben den etablierten großen Playern im Stativ-Gewerbe gibt es auch kleinere, professionelle Anbieter wie etwa Oscar Heiler Mannheim (Köpfe und Stative hochwertig), E.Image oder Secced (die den Sachtler-Stativen sehr ähneln, allerdings taugen nur die Stativbeine etwas, die Köpfe sind nicht wirklich überzeugend) aus Asien.

 

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