Die Amerikaner nennen sie einfach Apple-Boxes, bei uns heißen die nützlichen Helfer Bühnenkisten. Mit Obstkisten haben sie allerdings wenig zu tun, sie sind sehr robust und aus Schichtleimholz hergestellt. Und sie sind auch nicht zu verwechseln mit kleinen Bühnenpodesten (Stage Platforms) für Konzerte, so genannten Ego-Risern. Sie sind in der Regel so bemessen, dass sie unterschiedliche Größen haben und ineinander gestellt werden können. Das spart Platz im Licht-LKW.

 

Sie sind aus speziellem schichtgeleimten dunkelbraunem Melamin,- Siebdruck,- oder Phenolharzfilm-Sperrholz hergestellt, welches nicht nur sehr widerstandsfähig, sondern zudem auch dunkel und damit nicht reflektierend ist, was an Filmsets sehr gefragt ist. Dünnere Sperrholzplatten können sich leicht verziehen, häufig ist das verwendete Holz deshalb Birkensperrholz wegen der höheren Stabilität. Von den Farben her gibt es nicht allzuviel Auswahl. Braun ist eigentlich der Standard für Bühnenkisten, es gibt die Phenolharz-Sperrholzplatten aber auch in Schwarz.

 

Wegen der vielen Schichten nennt man sie auch Multiplex-Platten. Die Stärke der Seitenwände ist mit 16, 18 oder 20 mm oft stärker als die Bodenplatten, das muss aber nicht sein, es gibt sie auch mit starken Böden, die aus dem gleichen Holz wie die Seiten gefertigt sind.

 

Paganini

 

Ganze Sets, bestehend aus ca. vier verschiedenen Kisten (jeweils 12 X 20 Zoll, also ca. 30,5 cm X 50 cm und in den Höhen 1,2,4 und 8 Zoll, also 2,5, 5, 10 und 20 Zentimeter Höhe) kosten gemietet etwa 10,00 € am Tag und im Kauf rund 250,00 Euro. Das ist nicht wenig und falls man mehrere Sets braucht, fast schon ein Grund, sich die Bühnenkisten selber zu bauen.

 

US-Apple Boxes

Die Amerikaner bauen diese Kisten nicht so platzsparend wie die Europäer, man kann sie dort nicht ineinander stapeln. Doch das hat andere, nicht ganz unpraktische Gründe. Die US Größen sind:

 

Full: 20"×12"×8" (=50,8×30,48×20,32 Zentimeter)

Half: 20"×12"×4" (=50,8×30,48×10,16 Zentimeter)

Quarter: 20"×12"×2" (=50,8×30,48×5,08 Zentimeter)

Pancake: 20"×12"×1" (=50,8×30,48×2.54 Zentimeter)

 

Die Maße für den Zuschnitt haben natürlich mit der Stärke des Materials zu tun. Bei der Berechnung der Höhe, also der Seitenteile der Kiste muss man jeweils vom letzten Wert, also 8,4,2,oder 1 Zoll die Stärke des Holzes abziehen, weil dieses ja als Bodenplatte die Höhe der Kisten erhöht. Die Bodenplatten selber haben für alle vier Kisten das gleiche Maß, nämlich 20"×12" Zoll oder 50,8×30,48 Zentimeter.

 

Aber wie gesagt, das amerikanische System ist eigentlich nicht wirklich platzsparend, hat aber den Vorteil, dass die Kisten sich zueinander in einem Höhenverhältnis verhalten, das man kombinieren kann. Also aus zwei 4 Zoll hohen Kisten kann man eine 8 Zoll Höhe zusammensetzen.

 

Wir in Europa bevorzugen die Kisten, die man ineinander stapeln kann (Siehe Unten). Diese gibt es auch, allerdings seltener in den USA und man nennt sie dort "Jokerboxes".

 

Materialwahl

Derartige Platten finden auch beim Innenausbau von Wohnmobilen und Schiffen Verwendung. Die Wände und Böden der Kisten sind sowohl verleimt, als auch verschraubt. Damit ist maximale Stabilität gewährleistet.

 

Damit das Sperrholz allerdings nicht splittert, muss man die richtigen Schrauben und die richtige Bohrtechnik nutzen. Die Schrauben sollten 4 oder 5 x 60 mm haben, und die Stirnseiten, also dort wo die Schrauben hineingeschraubt werden, auf die halbe Länge der Schrauben bereits vorgebohrt sein.

 

Wenn es kleine Podeste, die nicht hoch, sondern ganz flach sind und auch eigentlich nur ein stabiler Leimholz-Boden mit zwei Leisten an beiden Enden, nennt man sie Paganini, so wie der berühmte Geiger im 19ten Jahrhundert. Paganinis werden häufig als Unterbaumaterial für Schienen verwendet, wenn größere Höhenunterschiede zu überwinden sind.

 

Bühnenkiste

 

Noch dünner sind Klötze und ganz dünn sind dann Holzbrettchen. Die kleinste Einheit beim Unterbaumaterial sind Bierdeckel. Wer sich sein Set mit Elementen selber zusammenstellen möchte, braucht ein wenig Überredungskünste, um einen Schreiner dazu zu bewegen, so viele kleine Bretter und Klötze zurecht zu sägen. Doch es lohnt sich.

 

Was braucht man nun alles, um seine Bühnenkisten selber zu bauen?

 

Werkzeugliste

Bohrmaschine

Akkuschrauber mit (passendem) Bit

Bohrer Ø 4mm

Bohrer Ø 5mm

Senker 90 Grad

Holzfeile

Motor-Stichsäge oder Lochsäge für die Eingriffe

2 Schraubzwingen fürs Verleimen

 

Material

Seitenwände

Stirnseiten

Böden

jeweils als 12, 15 oder 16 mm Siebdruckplatte

Schrauben Rostfrei und in 4 oder 5mm Dicke und je nach Holzstärke ca. 6, 8 oder 10 Zentimeter lang

Holzleim

 

Berechnung europäische Variante

Bühnenkiste

 

Die notwendigen Zuschnitte hängen davon ab, welche Materialstärke und welches Gesamtmaß man benötigt. Um einen möglichst platzsparenden Transport zu gewährleisten, sollten die Kisten ineinander passen. Das bedeutet, fünf Kisten können ineinander gestellt werden und verbrauchen nur den Platz der äußersten, größten Kiste.

 

Da wir nicht wissen, welches Material Ihr verwendet, hier die Faustregel zur Bestimmung der Zuschnitte. Man muss jeweils die Breite, Höhe und Länge abhängig von der Stärke der Holzplatten und jeweils einer Zugabe von 3 Millimeter Spielraum zum Ineinanderstecken berechnen.

 

Ein sinnvolles Maß für die größte, äußere Bühnenkiste wäre: Länge: 48, Breite 32, Höhe 32 Zentimeter. Für die Bodenplatte benötigt man 48 X 32 Zentimeter.

 

Bei der Berechnung aller weiteren inneren Kisten jeweils die doppelte Materialdicke der Holzplatte plus 3 mm Spielraum von den Seitenbwänden abziehen. Die Maße der jeweiligen Bodenplatten erhält man aus der verbleibenden Länge X Breite.

 

Man legt also die Außenmaße der größten Kiste in Länge, Seite und Höhe fest und muss dann bei der jeweils kleineren Kiste die doppelte Holzstärke (!) plus drei Millimeter Spielraum sowohl bei der Länge und der Breite, die einfache Holzstärke (!) von der Höhe von den Maßen der jeweils größeren Kiste abziehen.

 

Eingriffe

Wer geschickt ist und die Luxusvariante wünscht, kann bei den höheren Kisten jeweils an den schmalen Seiten mit einer elektrischen Stichsäge Ausspaarungen zum besseren Greifen der Kisten aussägen. Alternativ kann man auch mit Kreisbohrern (Lochsäge) runde Öffnungen in die Böden sägen. Sinn und Zweck ist jeweils, eine Möglichkeit zu schaffen, diese Kisten besser und auch mit einer Hand tragen zu können. So etwas ist hilfreich, aber nicht zwingend notwendig.

 

Zusammenbau

 

Zunächst die Löcher auf der Siebdruck/Birkensperrholzplatte anzeichnen entsprechend bohren. Die Löcher immer etwas kleiner als die Schraubendicke bohren, z.B. Ø 4,5 mm bohren, wenn man 5mm Schrauben verwendet und nach dem Bohren Senken (ca. 3 mm tief, glatte Seite).

 

In den Stirnteilen die Bohrlöcher der Seitenteile anzeichnen und mit einem kleineren Bohrer etwa auf halbe Schraubenlänge (die Länge der Schraube abzüglich der Stärke des Holzes geteilt durch zwei) anbohren.

 

Seiten- und Stirnteile zusammen mit dem Boden zusammenspannen, an den Verbindungsenden mit Weißleim einstreichen, ausrichten, mit Spannzwingen zusammenpressen und verschrauben mit Schrauben (z.B. 4 oder 5 x 60 mm.) Unbedingt die Holzkanten vorsichtig entgraten, also mit einer Feile etwas abfeilen, damit man sich nicht am Holz verletzt.

 

Fazit

Abschließend sei an dieser Stelle angemerkt, dass das Bauprojekt Zeit kostet und Mühe. Man muss sich gut überlegen, ob man die Zeit übrig hat, oder lieber in der Zeit einen bezahlten Job ausführt und sich die Kisten fertig kauft. Wem es nicht wirklich Spaß macht, solche Dinge selbst zu fertigen, sollte sich überlegen, ob die Zeit gut investiert ist. Wem es aber Freude macht, der kann sich seine perfekten Profi-Bühnenkisten hervorragend selbst bauen.

 

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