Musikproduktion

  • Nutzungsrecht

    Münchner Philharmoniker

     

    Jede Musik, ganz gleich ob sie aus dem Radio, von der CD oder aus dem Internet kommt, stammt üblicherweise von einer oder mehren Personen und diese haben durch das Urheberrechtsgesetz zu bestimmen, wer ihr Werk wie, wo, wann und in welcher Form nutzen darf. Gebräuchlich ist dafür der Begriff Copyright und davon gibt es nicht nur eines, sondern gleich mehrere verschiedene Arten. Was bedeutet das, wenn man fertige Musiktitel in seinem Film verwenden möchte?

    Zunächst einmal haben der Komponist und der Texter das Copyright an ihrer Schöpfung. Meistens übertragen sie die daraus resultierenden Verwertungsrechte an einen Verlag.

    Zweitens haben die Musiker oder das Orchester, welches diese Musik aufgeführt hat, das Copyright an dieser Leistung. Diese übertragen die Nutzungsrechte meistens an eine Plattenfirma.

     

    Fremde Musik nutzen

    Was also ist zu tun, wenn man in seinem Film vorproduzierte Musik verwenden möchte?

    Die erste und wichtigste Regel lautet: So früh wie möglich die Rechte einholen, nicht erst wenn der Film fertig gemischt und die Musiknummer bereits fester Bestandteil des Soundtracks ist.

    Sind die Komponisten schon ein Jahrhundert, genauer 70 Jahre, verstorben, ist zumindest die Komposition in der Regel frei. Und auch Volksweisen können, wenn es denn nachweislich welche sind, frei verwendet werden. Doch Vorsicht – nicht alles, was man für Volksmusik oder Traditional hält, ist wirklich rechtefrei. Viele Songs, die man mal so eben in einem Film von den Darstellern singen lässt, beinhalten Rechte, die eingeholt werden müssen.

     

    Brennendes Beispiel, welches schon bei vielen Produzenten einen Beinahe-Herzstillstand zur Folge gehabt hat, ist das beliebte „Happy Birthday to You“. Wann immer es im Kino erklingt, auch wenn die Schauspieler es selber singen, klingt auch die Kasse der Warner/Chappell Music, Inc. Diese hat zuletzt die Rechte an dem Evergreen 1989 erworben und nimmt mit der Lizenz  jährlich ungefähr zwei Millionen US-Dollar ein. Zumindest hierzulande dürfte das den Produzenten jedoch ab dem 01.01.2017 kein Kopfzerbrechen mehr bereiten. Dann nämlich ist der Tod der älteren der beiden Hill-Geschwister, die die Melodie zum Song ursprünglich verfassten, siebzig Jahre her. Damit ist nach deutschem Recht der Schutz erloschen.

    Man muss also mit den Rechteinhabern, also z.B. dem Plattenverlag und den Urhebern, eine vertragliche Vereinbarung treffen. Darin werden folgende Punkte festgehalten:

     

    Filmtitel

    Musiktitel

    Rechte, die der Verlag dem Filmproduzenten einräumt

    Dauer der Musik im Film

    Nutzungsbereiche
    (Video, CD-Videos, Kino, Fernsehen, Satellit etc. – alle müssen einzeln aufgezählt werden!)

    Räumliche Auswertung (Territorien)

    Zeitliche Verwertungsdauer

    Lizenzentgelt

    Regelung über Gema, Veränderungen am Musikwerk etc.

     

    Kosten

    Was natürlich jeden interessiert sind die Beträge, die für eine solche Lizenzierung gezahlt werden müssen. Diese sind sehr stark vom individuellen Film, vom Wohlwollen des Plattenverlages und der Bekanntheit der Musik abhängig.

    Handelt es sich um unbekannte Gruppen/Titel, bei denen sich der Plattenverlag eine gewisse PR-Wirkung durch den Film erhofft, fallen die Lizenzen eher niedrig aus. Sind es aber bekannte Musiknummern, so können leicht 15.000 bis 50.000 Euro für einen einzelnen Titel anfallen. Berüchtigt sind etwa „Satisfaction“ von den Stones oder „Wonderful World“ von Louis Armstrong.

     

    Fazit

    Wenn Sie also Ihren Film öffentlich im Kino oder anderweitig vertreiben wollen, sollten Sie solche Dinge frühzeitig klären. Denn ein Musiklizenz-Betrag von beispielsweise 25.000 Euro sollte in der Kalkulation enthalten sein, sonst erlebt der Produzent später böse Überraschungen.

    Meistens ist es bezahlbarer und oft auch kreativer, die Musik für den Film neu produzieren zu lassen und vorab alle wichtigen Rechte direkt von Komponisten/Musikern zu erwerben.

    Darüber hinaus gibt es vorproduzierte Musik speziell für Filme, deren Nutzungsrecht man für relativ niedrige Pauschalbeträge erwerben kann.

    Für Seminaristen:
    Wer es ganz genau wissen will, erfährt mehr im Seminar.

     

     

     

  • Der Job des Tonmeisters

    Irgendwie schmeckt der Begriff nach Handwerk, nach alter Überlieferung, und tatsächlich wurde er bereits Ende der zwanziger Jahre von der UFA in Berlin erstmals verwendet. Und da viele Tonmeister ihr Know-how und sich selbst in die ganze Welt exportierten, findet sich dieser Ausdruck auch im Titelabspann völlig anderer Sprachräume wieder. Achten Sie doch mal beim nächsten türkischen Film, den sie sehen, auf den Abspann...

     

    Natürlich wird der Begriff auch beim Rundfunk, im Theater oder in der Musikproduktion verwendet und hat auch gewisse Unschärfen gegenüber dem moderneren Begriff des Toningenieurs. Im Titelabspann umgeht man gerne Begriffskonflikte und schreibt schlichtweg Ton hinein.

     

    Aufgaben

    Der Tonmeister beim Film hat vielfältige Aufgaben. Zunächst einmal muss er anhand des Drehbuchs herausfinden, welche Grundausrüstung er benötigt und für welche Szenen besonderes Equipment erforderlich ist. Gibt es Szenen, bei denen Funkmikros erforderlich sind, wird für Gesang etc. Playback benötigt, braucht man Unterwasser-Mikros oder sonstige Sonderformen? Je nach Verwendungszweck entscheidet er gemeinsam mit Regie und Produktion, auf welchem Format aufgenommen werden soll. Analog oder digital, zwei oder mehr Spuren? Genügen die Regler des Aufnahmegerätes oder wird ein zusätzliches Mischpult erforderlich? Wird mit Timecode gedreht, und wenn ja, wie synchronisiert man sich zur Kamera? In der Vorbereitungsphase sollte es dem Tonmeister ermöglicht werden, ggf. kritische Drehorte auf ihre akustische Eignung hin zu überprüfen. Der romantische, verträumte Garten kann zum akustischen Horror werden, wenn hinter dem Gartenzaun die vielbefahrene Landstraße verläuft. Nicht immer achten Regisseure oder Kameraleute bei der Motivwahl auf solche Details.

     

    In der Drehsituation plant der Tonmeister in enger Zusammenarbeit mit dem Tonassistenten die Art der Aufnahme, welche Mikrofone von wo verwendet werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Spätestens hier kommt neben der umfassenden Kenntnis der Geräte und ihrer Anwendung eine andere, musisch-künstlerische Komponente ins Spiel. Das Gefühl, die richtigen Aufnahmewinkel zu erspüren, Störungen hören und eliminieren zu können, Pegelsprünge zu erahnen, und zwischen Sicherheitsabstand und optimalem Vollpegel die richtige Balance zu finden, zeichnen den Tonmeister aus. Eine Sensibilität für Lautheit, für Rhythmus und eine hohe Musikalität sollten ebenfalls vorhanden sein. Die Isolation von Störgeräuschen, Dämmung von störenden Nebengeräuschen der Handlung (Geschirr, Türen, Quietschen) gehören ebenfalls zu den Aufgaben des Tonmeisters. Häufig fällt es dem Filmteam schwer, die Bedeutung der Tonebene richtig zu bewerten. Während Wartezeiten für Licht, Schauspieler oder Kamera klaglos hingenommen werden, kommt es schon mal zu Konflikten, wenn sich alle für eine Atmo oder einen Nurton (=Aufnahme ohne Bild, nur Ton) ruhig verhalten müssen. Einige wenige Tonmeister arbeiten nicht nur am Drehort, sondern auch im Bereich Vertonung und/oder Mischung. Diese Kombination ist ideal, da hierdurch ein viel größeres Wissen um die Verwendbarkeit, Notwendigkeiten und Grenzen des Tonmaterials entsteht und positiven Einfluss auf die Aufnahmen am Drehort hat.

     

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