kameratechnik

  • Dollies, die ersten Hilfsmittel für ruhige Kamerafahrten, sind heute noch genauso begehrt.

  • Sind sie wirklich geeignet, die Meisterin der ruhigen und zugleich bewegten Kamera, die Steadicam abzulösen?

  • Berufe

    Immo Rentz und Mathias Allary

    Kameramann (Jörg Widmer) und Regisseur (Mathias Allary) bei Dreharbeiten zu “Liebe Leben Tod"

    Die schlechte Nachricht zuerst: Regie ist kein geschützter Beruf. Jeder kann sich Filmregisseur nennen, wenn man ihn Filme machen lässt. Beim Berufsbild Kameramann/-frau ist das zwar ähnlich, aber im Spielfilmbereich kann niemand seine Unfähigkeiten an der Kamera so leicht kaschieren, Fehler werden hier sofort sichtbar. Regieschwächen aber werden oft genug durch Eigenregie der Schauspieler und hochbegabte Regiekameraleute ausgeglichen. Es hat schon viele Filme gegeben, bei denen von der Regie außer: „Kamera ab, Ton ab und Bitte“ kaum weitere Äußerungen zum Gelingen des Filmes beigetragen haben.

     

    Die gute Nachricht: Die Mehrzahl der Regisseure verfügt über ordentliches bis hervorragendes Wissen um Kameratechnik und Bildgestaltung. Während die vorgenannten „ahnungslosen“ Regisseure ihre Kameraleute “einfach machen lassen”, wollen die gut ausgebildeten natürlich auch beim Bild mitgestalten. Wie also kann so eine produktive Zusammenarbeit zwischen Regie und Kamera aussehen?

     

    Begriffsbestimmung

    Der/die Kameramann/-frau ist u. a. zuständig für das Licht, den kreativen Einsatz des Aufnahmemediums (Filmmaterial/Video), die richtige Belichtung, die Bildkomposition, für die Kadrage der Bilder und die Bewegungen der Kamera. Der/die Regisseur/in ist zuständig für die Schauspielführung und die künstlerische Kontrolle aller gestalterischen Elemente. Die Regie ist also verantwortlich für den Film in seiner Gesamtheit. Dazu gehören auch die Bilder. Es handelt sich also um eine gemeinsame Anstrengung von Kamera und Regie. Kurzum: Zwei handwerklich-künstlerische Persönlichkeiten, die gemeinsam sich überschneidende Arbeitsbereiche haben, arbeiten beim Film zusammen.

     

    Die Arbeit mit Kameraleuten

    Zunächst einmal hängt der Beitrag der Regie zum Bild von deren Fähigkeiten in diesem Bereich ab. Es gibt Regisseure, die ihre Vorstellungen gar nicht mitteilen können oder wollen, die den Kameraleuten sagen: Nun mach mal! Vielen fehlt schlicht und einfach das Fachwissen oder die Erfahrung, um in diesem Bereich mitreden zu können. Das Wissen um die Bildaufnahme, wie man damit umgeht und wie man sich darüber abspricht, gehört zu den Basis-Werkzeugen der Regisseure. Andere wollen stets nur ihre eigene Vorstellung umgesetzt wissen und lassen Ideen und Konzepte des Kameramanns gar nicht erst zu. Manche würden am liebsten selbst die Kamera in die Hand nehmen und alles alleine machen. Damit verschenken Sie die Chance, etwas von den Fähigkeiten eines anderen zu lernen. Leider gibt es auch Regisseure, die über Bildgestaltung reden, ohne irgendeine Ahnung davon zu haben. So eine Arbeit ist dann besonders hart für die Kameraleute. Manchmal haben die Regisseure selbst von der Schauspielführung keine Ahnung und die Kameraleute geben diese, getarnt als Positionsanweisungen gleich mit. Auch wenn man auf Pressefotos merkwürdigerweise die Regisseure häufig an der Kamera sieht, haben sie da eigentlich gar nicht viel zu suchen. Wenn der Kameramann ausnahmsweise mal sagt "Schau mal durch, wie findest du das?", dann ist das in Ordnung. Wenn aber der Regisseur ständig auf dem Dolly mitfährt, dann stimmt irgend etwas nicht. Viele lösen den daraus resultierenden Konflikt mit einer Videoausspiegelung. Dann kleben dieselben Regisseure vor dem Monitor und haben noch immer keinen Schimmer von der Wirklichkeit vor der Kamera.

     

    Wie sag ich's?

    Die ideale Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Darauf basieren alle hervorragenden Filme und das erklärt auch, warum Regisseure oft mit den selben Kameraleuten zusammenarbeiten. So hat etwa Bernardo Bertolucci meistens mit dem Kameramann Vittorio Storaro, Ingmar Bermann mit dem Kameramann Sven Nykvist oder Tom Tykwer mit Kameramann Frank Griebe gedreht. Regisseure, die nicht begreifen, dass ein Film als Teamwork einiger Kreativer entsteht, haben Wesentliches nicht begriffen. Kompetente, erfahrene Regisseure aber besprechen alle gestalterischen Mittel, von der Wahl der Brennweite über Bildkomposition, Kamerabewegungen und Licht. Der Schlüssel zur vertrauensvollen Zusammenarbeit liegt im Gespräch. Leider gibt es auch Regisseure, die sich nicht vermitteln (können oder wollen). Sie erwarten quasi von der Kamera seherische Fähigkeiten. Dabei kann man im Dialog vielfältige Mittel verwenden. Ob mal mit Fotos, Beispielen aus der Malerei, Grafik oder einfach anderen Filmen arbeitet, selbst wenn einem das Fachvokabular gänzlich fehlt, kann man sich trotzdem verständigen. Man sollte stets die Auffassungen des anderen respektieren und prüfen, die eigenen Ideen durch Überzeugungsarbeit zu vermitteln versuchen. Dass es dabei auch zu unterschiedlichen Haltungen kommt, ist selbstverständlich, der Dialog dient dann dazu, sich abzustimmen. Wenn gleichwertige Kreative zusammentreffen, helfen die Argumente, die man aufwendet, um den anderen zu überzeugen, ganz nebenbei, seine Vision von dem Film zu vervollkommnen.

     

    Zusammenhänge

    Dreharbeiten zu "Franta"

    Innerhalb eines Teams gibt es mehrere Gruppen, die enger zusammen arbeiten. Der Kameramann etwa ist auf engsten Dialog mit Licht, Kamerabühne und Kameraassistenz angewiesen. Auch zwischen Kamera und Regie sollte ein enger Zusammenhalt bestehen, damit eine gemeinsame optische Vision im Film ihren Niederschlag findet. Allerdings sollten die wichtigsten Gespräche vorab stattgefunden haben, vor Drehbeginn. Kamera und Regie sollten engste Vertraute während der Dreharbeiten sein, ihre Arbeitsbereiche sind unmittelbar miteinander verzahnt. Eine besonders schwierige Situation entsteht, wenn der Regisseur falsche oder schlechte Bildideen erzwingt und der Kameramann um den Irrweg weiß. Doch auch der umgekehrte Fall, eine technisch vielleicht einwandfreie, für den Stoff aber falsche Bildgestaltung, kann Regisseure (vorausgesetzt sie wissen, was sie tun) in große Konflikte bringen. Doch kaum etwas ist schlimmer für laufende Dreharbeiten, als wenn Kamera und Regie vor versammeltem Team über die Bildgestaltung streiten. In diesen Fällen ist es hilfreich, wenn es ebenso kreative Redakteure oder Produzenten gibt, die mit starkem Engagement erspüren, was für das Projekt richtig ist. Gemeinsam mit ihnen lassen sich viele, selbst scheinbar unversöhnliche Gegensätze wieder aufheben.

     

    Fazit

    Ein erfahrener Regisseur weiß, welchen Effekt welche Optik hat und spürt ob das Licht die gewünschte Stimmung transportiert. Es ist eine Gratwanderung, seine Visionen zu vermitteln, die Ideen anderer zuzulassen. Wichtig bleibt vor allem die künstlerische Kontrolle und die produktive Art, seine Vorstellungen mit denen der anderen Kreativen im Team sichtbar zu machen. Denn was immer auch die Gründe sein werden, warum ein Film misslang (das schlechte Drehbuch, die unprofessionelle Produktion, die schlechten Schauspieler), letztlich wird jeder sagen, es lag an der Regie.

     

  • Statt riesiger Kräne für die Schwenker-innen erledigen heute ferngesteuerte Schwenkköpfe den Job in schwindelnder Höhe...

  • Freies Sprechen

    Ohne Teleprompter findet heute fast keine Moderation mehr statt

    Ohne Teleprompter findet heute fast keine Moderation mehr statt

     

    Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass unsere Bewunderung für die weitgehend fehlerfrei sprechenden Fernsehmoderatoren nicht ihrem phänomenalen Textgedächtnis gelten sollte. Auch wenn es nicht so aussieht, sie lesen fast alle ab. Nicht vom Blatt, das würden wir ja sehen, sondern von einem Gerät, welches ihnen für uns unsichtbar, die Manuskripte anzeigt.

    Wenn jemand einen längeren Text direkt in die Kamera hineinsprechen soll, gibt es nichts Besseres als einen Teleprompter. Erfunden hat ihn Irving B. Kahn im Jahre 1972, der Neffe des berühmten Komponisten Irving Berlin.

     

    Sinn des Teleprompter ist es, den Moderatoren zu erlauben, ohne ständig auf ein Blatt Papier oder den Stapel Moderationskarten zu schauen, ihre Texte abzulesen. Die persönliche Ansprache des Zuschauers mit Blick direkt in deren Augen erweckt den Eindruck freien Sprechens selbst komplizierter Moderationen.

    Zu diesem Zweck wird der Text auf einen Monitor / LCD / TFT Display dargestellt, der vorne unterhalb der Kamera angebracht ist. Mit Hilfe eines halbdurchlässigen Spiegels wird dieser Text für den Moderator sichtbar, bleibt aber für die Kamera unsichtbar. Wenn man aber ganz genau hinschaut, speziell wenn die Kamera nah auf den Moderatoren ist, sieht man wie der Pupille von links nach rechts hin- und herwandert.

     

    Technik

    Teleprompter mit Handy

    Telemprompter können heute leicht mit Tablets oder Handys zusammenarbeiten

     

    Gesteuert werden Teleprompter von ganz normalen Computern. Software gibt es ab Windows 3.X. In der Regel muss jemand den Computer steuern, damit gleichmäßig genau der Text hin gescrollt wird, der gelesen werden soll. Deshalb muss eine Hörverbindung zum Operator bestehen. Es gibt auch Varianten mit Handtaster oder Fußschalter, bei denen sich die Moderatoren selbst den Text steuern, das ist aber stressiger für die Sprecher.

    Die Kameraprompter der neuesten Generation arbeiten mit 14" TFT Displays, die entsprechen etwa einem 17" Monitor. Sie sind heller als ein Monitorbild und natürlich auch leichter. Bei Monitoren zur Abbildung werden Ausgleichsgewichte benötigt, die den Kameramann behindern und eine zusätzliche Belastung für das Stativ bedeuten. Befestigt werden Teleprompter meist an Stützstangen, die aus einer Metallplatte ragen, die zwischen Kameraboden und Schwenkkopf geschraubt wird. Im Low-Budget Bereich gibt es aber auf Apps mit denen man ein Touch-Pad oder sogar Smartphone welches direkt neben die Kamera geklemmt wird, zum Teleprompter machen kann.

     

    Software

    Die modernen Teleprompter-Programme können alle gängigen Schriften verwenden. Man kann die Schriftgröße unterschiedlich wählen, sodass Abstände von bis zu 10 Metern realisierbar sind. Grundsätzlich unterscheiden sie zumeist ein Editier-Fenster, in dem man die Texte ändern kann, ein Ablauf-Fenster (Run-Order-Window) in welchem man die Reihenfolge einzelner Blöcke (Themen) umstellen kann, ein Stichwort-Menü (Bookmarks), welches erlaubt den Text nach Stichworten zu indizieren. Falls die Moderatoren aus aktuellem Anlass, Verwirrung, was auch immer in der Reihenfolge durcheinander kommen, kann man auf diese Weise recht schnell zu dem passenden Text wieder zurückspringen.

     

    Im Vorschau-Fenster (Preview) kann man sich dann die Abfolge in Simulation anschauen. Zeit-Angaben die auch für die automatische Steuerung dienen, können für jeden Textblock vergeben werden. Man kann auch den einzelnen Textblock vom Moderator sprechen lassen und per Mausklick die benötigte Zeit abstoppen. Die wird dann automatisch für den Block übernommen. Ein Software-Scroll-Temporegler erlaubt es die Geschwindigkeit manuell zu steuern, das ist wichtig damit der Textfluss die Moderatoren nicht vor sich hertreibt.

    Im Prinzip können bei modernen Geräten alle gängigen Schriften eingestellt werden

    Im Prinzip können bei modernen Geräten alle gängigen Schriften eingestellt werden, wobei deren gute Lesbarkeit auch auf Entfernung, das wichtigste Argument ist.

    Übrigens: Der wichtigste Unterschied innerhalb der Sender-Hierarchien zwischen Sprechern und Moderatoren liegt in der Erlaubnis, einen Teleprompter zu verwenden. Die reinen Sprecher (Nachrichtensprecher) müssen vom Blatt ablesen, während den Moderatoren der direkte Blickkontakt zum Zuschauer durch die Teleprompter garantiert wird. Ablesen tun diese trotzdem. Und die Texte stammen oft gar nicht aus ihrer eigenen Feder, sondern von Redakteuren.

     

    Anliefern kann man die Texte als Textfiles oder im Word Format. Die Operateure wollen diese Dateien auf einem Speichermedium (Diskette, CD, USB-Stick) am liebsten ein paar Tage vorher bekommen, um sich alles richtig einrichten zu können.

    Bei einigen älteren Telepromptern muss der Text noch von Hand eingetippt werden, die sterben aber immer mehr aus. Bei diesen alten Geräten muss der Text dann auf speziellen Papierrollen ausgedruckt werden, wenn man etwas verändert, auch nur ein paar Worte, muss wieder alles neu ausgedruckt werden.

     

    Vorbereitung ist alles

    Wichtig: Die Moderatoren sollten die Texte immer auch als Ausdruck auf Papier bekommen, zum Üben und Einlesen ist das leichter. Übung ist ein wichtiges Stichwort. Moderatoren und Operateure sollten stets die Texte und Abläufe vor der Aufnahme üben, damit die Sprech.- und Scrollgeschwindigkeit optimal abgestimmt werden. Oft haben die Computer mehrere Videoverteiler, um den Text auf verschiedene Teleprompter geben zu können, dadurch können sich die Moderatoren im Studio frei bewegen und auch auf unterschiedliche Kameras reagieren. Es gibt auch freie Teleprompter-Operateure, die ihr eigenes Equipment mitbringen. Da muss man mit etwa 300-400 Euro am Tag rechnen.

    Man kann übrigens als Low-Budget Variante auch mit einem Laptop, den man neben die Kamera hält, einen ähnlichen Effekt erzielen, auch wenn der Blick der Moderatoren nicht genau in die Kamera geht. Oder die guten alten Schrifttafeln werden neben die Kamera gehalten, von denen die wenigen, die heute im fernsehen noch frei sprechen, zumindest ihre Stichworte beziehen.

     

    Aktuelle Lösungen

    Mit den leichteren LCD Displays kamen kleine, leichte Teleprompter auf dem Markt, die man unmittelbar neben der Kameraoptik anbringen kann. Für kleine Entfernungen zum Sprechenden reichen diese völlig aus. Es gibt sogar schon Lösungen, bei denen das iPhone oder ein Touch-Pad als Teleprompter neben der Kamera befestigt werden kann und dessen Bildschirm durch eine Vergrößerungs-Folienlinse verdoppelt wird.

  • Zwei-Kamera-Technik

    Bei aufwendigen Actionszenen ist es bereits gang und gebe mit mehreren Kameras zu arbeiten, aber auch im normalen szenischen Bereich setzt man diese Technik immer öfter ein.

    Jeder der selber schon einmal eine Dialog-Szene zwischen zwei Personen aus mehreren Blickwinkeln gedreht hat, weiß, wie schwer es ist, Kontinuität beim Hin- und Herschneiden zu bewahren. Da steht der eine Schauspieler mal etwas weiter rechts oder links, die Hand ist auf dem Tisch statt auf dem Stuhl, das Licht bzw. der Sonnenstand haben sich geändert usw. Auch bedeutet es einen höheren Zeitaufwand, ein und dieselbe Szene mehrmals aus verschiedenen Positionen zu drehen. Deshalb wird des öfteren auch beim Film (vor allem natürlich in Hollywood) mit zwei oder mehr Kameras gearbeitet, die die ganze Szene gleichzeitig aus mehreren Blickwinkeln und/oder Einstellungsgrößen aufnehmen. Damit dies nicht wie die schnell abgedrehten Daily-Soaps aussieht (wo man auf aufwendiges Licht und Kameraführung aufgrund von Produktionskosten verzichtet), braucht es einen Regisseur und einen Kameramann mit viel Erfahrung und eine gute Abstimmung der einzelnen Abteilungen Regie, Kamera, Ton, Licht und Bühne.

     

    Methoden der Zwei-Kamera-Technik:

    Verschiedene Blickwinkel:

    Anwendung: z. B. Dialogszenen zwischen zwei Menschen
    Die Kameras werden für eine Schuss- und eine Gegenschussaufnahme gleichzeitig aufgebaut. Dies erfordert natürlich einen Kompromiss für das Licht, da ja relativ viel vom Set insgesamt zu sehen ist, und beide Schauspieler gleichzeitig in eine passende Lichtsituation gestellt werden müssen. Der Ton hat nun eine Kamera mehr zu beachten, in der er nicht zu sehen sein darf. Die Schauspieler bekommen den Vorteil, eine Szene nicht so oft spielen zu müssen und können aufgrund der perfekten Kontinuität ineinander sprechen, was das Spiel noch einmal flüssiger macht. Bei nur einer Kamera müssten sie für den Schnitt Sprechpausen lassen.

     

    Verschiedene Einstellungsgrößen:

    Anwendung: z. B. Szene, bei der wir die Reaktion des Schauspielers genau sehen wollen, z. B. durch Sprung von einer Halbtotalen auf eine Nahaufnahme. Die Kameras werden an gleicher Position und Blickrichtung, aber mit unterschiedlichen Objektiven, aufgestellt. Der Kompromiss für das Licht ist nicht so groß wie bei verschiedenen Bildwinkeln, und man kann ohne einen sprunghaft wirkenden Schnitt näher an den Schauspieler heran (oder natürlich auch umgekehrt von ihm weg...). Manche Schauspieler bevorzugen allerdings hier die Aufnahme mit jeweils nur einer Kamera, da sie natürlich für eine Nahaufnahme anders spielen, als für eine Halbtotale. Der Ton hat zusätzlich das Problem, für die Nahaufnahme nicht so nah angeln zu können, wie sonst üblich (man würde ihn ja in der Halbtotalen sehen). Aber auch hier kann man eventuell über Ansteckmikrofone bzw. angepassten Bildausschnitt (Headroom) eine akzeptable Lösung finden.

     

    Mischung der zwei Techniken, z.B. bei langen Szenen:

    Der Angeklagte und seine Anwälte lauschen gebannt den Worten des Staatsanwalts. Dieser verlässt seinen Platz und läuft durch den Gerichtssaal bis er vor der Anklagebank zum Stehen kommt. Es kommt zu einem Wortwechsel und entsprechenden Reaktionen der Beteiligten.

    So oder ähnlich könnte eine Szenerie aufgebaut sein, in der man mit einer Mischung aus den zwei vorher genannten Methoden arbeiten könnte. Die Kamera 1 beginnt mit einer engen Dreier und fährt in eine offenere Dreier zurück. Die Kamera 2 führt im Gegenschuss den Staatsanwalt von seinem Platz in eine Over-The-Shoulder-Dreier.

    Um diese Vielzahl an einzelnen Einstellungen bewältigen zu können, wird dann auch des öfteren ein sogenannter Arbeitszoom (oder Off-Zoom) eingesetzt, um die passenden Bildausschnitte zu bekommen. Dieser Arbeitszoom wird so getimt, dass er immer in Zeiträumen liegt, in denen das Bild der anderen Kamera wichtiger ist bzw. bereits klar ist, dass in der Postproduktion zu diesem Zeitpunkt das Bild der anderen Kamera zu sehen ist.

     

    Allgemeine Vor- und Nachteile auf einen Blick:

    Vorteile:

    • perfekte Kontinuität , dadurch auch mehr Möglichkeiten im Schnitt
    • angenehmer für die Schauspieler, eine Szene muss nicht so oft gedreht werden, keine Sprechpausen nötig
    • eventuelle Kostenersparnis, falls sich durch kürzere Drehzeit die zweite Kamera + Team rechnet

     

    Nachteile:

    • Kompromisse beim Licht
    • Längere Aufbauzeiten vor dem Dreh, wegen Licht, Ton und Kameraführung
    • eventuelle Mehrkosten, falls sich die 2. Kamera + Team nicht durch kürzere Drehzeit ausbezahlt

    Wenn man mal genau darauf achtet, entdeckt man vielleicht hier und da einmal den Einsatz von mehr als einer Kamera. Zum Beispiel in der deutschen Fernsehserie "Edel & Starck" auf Sat.1 wird des öfteren erfolgreich mit der Zweikameratechnik gearbeitet. Vielen Dank an dieser Stelle an den Kameramann Michael Boxrucker, bvk, der bei zahlreichen Folgen dieser Serie für Licht und Bildgestaltung verantwortlich war. Die vorgenannten Varianten erläuterte er dem Movie-College in einem Interview.

     

Workshops 2019

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen.