HDV-Kamera

  • In den ersten Jahren stellten sich Filmemacher die Frage, wie man mit DV und HDV Filmlook erzeugen kann

  • EBU und der Rest der Welt

    Panasonic Kamera

    Panasonic AG-HPX 500 Kamera, die aufgrund der hohen Datenrate und des größeren Kamerachips (2/3 Zoll) die Anforderungen der BBC erfüllt

    Produzenten sind darauf angewiesen, Ihre Filme möglichst vielfältig und in unterschiedlichste Regionen der Welt verkaufen zu können. Leider spielt ihnen gerade was die Austauschbarkeit angeht, die Industrie regelmäßig unerfreuliche Streiche.

    Gerade erst hat die Fachwelt ordentlich gestaunt über die Festlegung der EBU (European Broadcasting Union), als Standard für das künftige hochauflösenden Fernsehen in Europa 720p 50p festzulegen.

    Eine Vorgabe, die in den Fernsehanstalten in Form von Investitionsentscheidungen langsam durchgesetzt wird und die es den Sendern ermöglicht, einheitlich europaweit hochauflösende Programminhalte auszutauschen.

    Filmhändler, die sich auf den internationalen Fernseh- und Filmmessen darum bemühen, hiesige Produkte in die Welt zu verkaufen, konnten bei der Veröffentlichung dieser Entscheidung nur mit dem Kopf schütteln.

    Einkäufer aus den USA, Australien, Japan etc. betrachten 720p 50p gar nicht erst als HD. HD hat in diesen Ländern 1920 X 1080 Pixel und daran gibt es nichts zu rütteln. Und da man zukunftsorientiert Filme einkauft, lässt man die 720p Produktionen ganz einfach links liegen.

     

    Ohrfeigen aus Great Britain

    Die gute alte BBC, die ja bekanntermaßen ebenfalls die EBU Richtlinien kennt und sich an diese halten sollte, löst diesen Grundkonflikt relativ einfach. Sie hat im Frühjahr 2008 eine Normierung festgelegt, welche Art von Material als HD akzeptiert wird, und welches nicht. Die Festlegungen sind von ergreifender Klarheit und sollten alle Produzenten auch in den deutschsprachigen Ländern wachrütteln: 720p wird von der BBC nicht als HD akzeptiert!

    Die Kriterien der BBC sind sogar so restriktiv, dass folgende, von der Industrie gerne als HD oder HD-ready gefeierte Formate, bei der BBC gänzlich durchfallen und eindeutig als Standard Definition bezeichnet werden:

    • Alle HDV-Formate gelten als SD
    • Alle Kameras mit Sensoren, die kleiner sind als 1/2 Zoll
    • Alle Einzelbild-Formate (Interframe) mit Datenraten unter 100 Mbs
    • Alle GOP-Formate (Intra-Frame) mit Datenraten unter 50 Mbs

    Gänzlich radikal verhält sich die Ausgrenzung auch dem Film gegenüber. Hier wird Super 16 auch wenn es auf High-Definition Formate abgetastet wird, als nicht HD bezeichnet.

    Als High Definition akzeptiert die BBC lediglich:

    • 1920X1080 interlaced (=1080i25) mit 25 Bildern / Sekunde
    • 1920X1080 progressive (=1080p25) mit 25 Bilder / Sekunde

     

    Weite Welt

    HVX

    Die HVX 200 erfüllt die BBC Richtlinien auf Grund des kleinen Kamerachips streng genommen nicht, man benötigt also zwingend Kameras mit größeren Chips und ausreichender Farbtiefe.

    Wer also nicht nur für den heimischen Fernsehmarkt produzieren will, sondern sich auch Verkaufsoptionen ins Ausland offen halten möchte, sollte sich sehr genau überlegen, in welchem Format die nächste Produktion hergestellt werden soll.

    Die BBC akzeptiert in ihren HD-Produktionen maximal 25 % Material, das zu den oben genannten, nicht HD-Formaten gehört, also etwa HDV, welches dann aber mit Hardware-Konvertern umgewandelt sein muss. Die Umwandlung per Software in Schnittprogrammen lehnt die BBC als "not acceptable", ebenfalls ab.

    Als Speichermedium für die hochaufgelösten Filme zeigt sich die BBC übrigens ebenso unflexibel. Bis auf weiteres akzeptiert man lediglich HDCam Videokassetten. Eine Forderung die angesichts File-basierten Drehens ebenfalls gestrig erscheint.

     

    Konsequenzen und Perspektiven

    Folgt man der BBC-Vorgabe, so fallen schon mal alle HDV - Kameras wegen des schlechteren Codecs und der geringeren Datenrate  durch das Raster. Hier haben die Kamerahersteller teilweise nachgebessert, doch es gibt noch diverse semiprofessionelle Kameras denen der Weg in die Sender versperrt bleibt. Arris Alexa, die Red, die Blackmagic und viele andere Kameramodelle erlauben es inzwischen, den neuen Normen entsprechend zu produzieren. Man darf gespannt sein, wann die EBU ihre Normen wieder hochschraubt und 4 oder 8 K zur Pflicht machen will, auch wenn niemand den Qualitätssprung sehen wird.

    Am kritischsten darf man wohl der Ausgrenzung von Super 16 gegenüberstehen, denn dieses bietet dank der neuesten Materialien durchaus HD Auflösung an. Inwieweit man einer Produktion, die in 1080i aber mit kleineren Kamerachips gedreht wurde, dies auch wirklich ansehen kann, ist fraglich, es gibt zahlreiche herausragende Produktionen, die in den letzten Jahren auf 1/3 Zoll Chip Kameras gedreht wurden.

    Dennoch ist die Vorgabe der BBC, einem der größten Fernsehsender Europas, richtungweisend. Produzenten, die ein wenig in die Zukunft hinein arbeiten wollen, sollten möglichst versuchen, diese Richtlinien auch heute schon zu treffen.

  • Der kompakte digitale Magnetband-Standard

    HDV

    HDV sollte nur noch im 16:9-Format angeboten werden.

    Die Industrie war lange Zeit vorsichtig ernüchtert, wie zufrieden die Fernsehzuschauer mit ihren 4:3-Geräten waren, die zu allem Überfluss auch noch erstaunlich lange hielten. Auch genügte den meisten Zuschauern mit Breitbild-Wünschen das analoge 16:9-PAL-Plus-Format. Der Plan, möglichst rasch neue Gerätegenerationen der digitalen Art mit anderem Bildseitenverhältnis (16:9) und höherer Auflösung (HDTV) unter die Leute zu bringen, setzte sich langsamer durch, als erhofft. Daran änderten selbst gesetzliche Vorschriften (USA: landesweites digitales Fernsehen ab 2006) nichts. 2012 schaute die Mehrheit der Zuschauer in Europa SD (Standard Definition).

     

    Für alle aber, die sich kreativ und gestaltend mit Video auseinandersetzen und vielleicht sogar darüber nachdenken, ihre Werke auf Film aus zu belichten, waren die Entwicklungen im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends absolut spannend. Da wurden semiprofessionelle Camcorder zu günstigen Preisen auf den Markt gebracht, die sich den sündhaft teuren Cine-Alta (24p)-Systemen zumindest in manchen Parametern spürbar annäherten. Wer hochwertige Videofilme mit überschaubaren Kosten herstellen will, der kann das seit dem Erscheinen der HDV-Geräte auch tun. Eine kleine Revolution stellte die Trennung zwischen Profi- und Amateur-Equipment in Frage. Besonders interessant: jene Geräte im DVCPRO-HD-Standard, die eine Farbtiefe von 4:2:2 in bis zu 10 Bit bieten können.

    Sonys HVR-FX1, hier im Bild mit mit Chrosziel Mattebox 4X4

    Sonys HVR-FX1, hier im Bild mit mit Chrosziel Mattebox 4x4

     

    HDV hieß der erste semiprofessionelle High-Definition-Video-Standard, auf den sich die Big-Player im DV-Markt wie Canon, Sony, Sharp und JVC geeinigt hatten. Vorreiter dieser Entwicklung war die JVC, die mit ihrem JY-HD10 (bisher nur NTSC) den ersten HDTV-Camcorder auf DV-Basis herausgebracht hatten. Er bot Vollbildaufzeichnung (non interlaced) in 720p (das sind 1280 X 720 Bildpunkte). Die Industrieunternehmen erlaubten bei den Vorgaben zu ihrem Consumer HDTV Standard sogar höhere Zeilenzahlen, das Maximum sollte bei 1440 X 1080 Pixeln liegen, dann aber nicht als Vollbild, sondern im Halbbild-Modus (interlaced).

     

    Als Aufzeichnungsformat dienen die DV- und Mini-DV-Kassetten, die Farbauflösung beträgt 4:2:0. Damit liegt das Format unterhalb des höchsten HDTV-Fernsehstandards (1920 X 1080 Pixel), doch die Bildqualität ist beachtlich. Das Format wird ausschließlich für 16:9 ausgelegt sein, 4:3 wird nicht angeboten, die verschiedenen Standards 30 Bilder/60Hz (NTSC) und 25 Bilder/50Hz (PAL/SECAM) sind wählbar. Komprimiert werden die Bildinformationen mit MPEG-2, der Ton mit MPEG-1-Layer II.

     

    Peripherie

    Maßstab Auflösung

    Maßstab Auflösung

    Dieses Format zog natürlich eine Reihe weiterer Konsequenzen mit sich, denn für die Bearbeitung und Speicherung der HDV-Filme waren weitere Geräte erforderlich, die es so bisher nur im astronomisch teuren Profi-Bereich gab. Doch auch hier tat sich Einiges. So kam von „Blackmagic Design“ eine Schnittkarte für den Mac (Final Cut Pro 4, After Effects etc.) heraus, die für kleines Geld HDTV in 10Bit unkomprimiert verarbeiten konnte.

     

    Will man das Ergebnis, den geschnittenen Film, nicht auf HDV rausspielen (zum Beispiel, weil die Spieldauer der Mini-DV-Kassetten zu kurz ist), so bieten sich etwa HDTV-Videorekorder auf BluRay Basis an, die mit blauem Laserlicht auf die passenden Rohlinge (BD) über 23 Gbyte Fernsehsignal in HDTV (1920 X 1080 Bildpunkte) aufzeichnen können.

     

    Zur Orientierung

    Unser noch aktuelles Fernsehsystem PAL bildet 576 sichtbare (das Signal hat insgesamt 625) horizontale Zeilen ab. Die Breite des Fernsehbildes beträgt entsprechend 768 Pixel. Das VHS-Video-System zeichnet von diesen 576 Zeilen lediglich 240 auf, die Bildbreite entspricht 320 Pixel.

     

    HDTV-Festlegungen:

    720p entspricht 1280x720 Pixeln (Bildpunkten) im Vollbildmodus (p= progressiv= non-interlaced).

     

    1080i entspricht 1920x1080 (HDTV) oder 1440x1080 (HDV) Pixeln (Bildpunkten) im Halbbildmodus (i=interlaced).

     

    Diese Auflösungen werden für 25 und 30 Bilder/Sekunde, je nach Fernsehnorm, angeboten.

     

    Formatfrage

    Noch weniger als das professionelle Pendant, 24P/25P AVC Intra oder HD-Cam etc., kann HDV dem Film an Kontrastumfang und Farbwiedergabe das Wasser reichen. Es wird den Film nicht ersetzen können, aber es ist ein hochauslösendes Videoformat und bietet damit andere, ureigene Möglichkeiten, die hauptsächlich im Fernsehen und in begründeten Ausnahmefällen aber auch auf der Kinoleinwand für höhere Qualität sorgen können. Letztlich werden es die Inhalte sein, die wahrhaft überzeugen müssen. Starke Geschichten und überzeugende Filmfiguren lassen sich im 16:9-Bildformat jedenfalls deutlich besser kadrieren und entsprechen viel mehr dem natürlichen Gesichtsfeld des Menschen.