Filmtheorie

  • Die Industrie schwingt sich zu höheren Auflösungen auf, doch sind das die Optimierungen, die besseres TV bräuchte?

  • Innere Stimmen, Monologe, Erzähler, Beobachter,- Stimmen haben eine eigene Erzählqualität

  • In VR ist sie verpflichtend, doch warum kam sie in der Filmgeschichte so selten vor?

  • Paris 1995

    Von Trier und Vinterberg stellten im Mai 1995 während einer Konferenz aus Anlass des 100jährigen Jubiläums der Kinematografie mit viel Medienwirbel ihr Dogma-Manifest in Paris vor. Sie taten dies genau dort, wo 40 Jahre vorher François Truffaut gemeinsam mit anderen Kritikerkollegen der Filmzeitschrift "Cahiers du cinéma" das Autoren-Kino postulierte.
    Das in pseudo-religiösen Formeln aufgestellte Manifest zur Rettung des Films ist in die Jahre gekommen. Und auch die anfängliche Bewunderung ob soviel gestalterischer Keuschheit ist einer etwas realistischeren Einschätzung gewichen.

     

    Worum ging es?

    Die Rede war von den Wurzeln des Filmemachens, von der Verbannung allen modischen Effektes und technischer Spielerei. Pures Spiel der Darsteller, karge Handkamera, aufrichtiges Kino, so lauten die Grundformeln. Die Regisseure schwören, von ihrem persönlichen Geschmack Abstand zu nehmen, der Kunst zu entsagen. Als oberstes Ziel wollen sie ihre Akteure zur Wahrheit zwingen.

    Das Kino stirbt! DOGMA 95, das filmische Reinheitsgebot, der „Schwur der Keuschheit“ rettet das Kino! Der missionarische Eifer vor allem bei Lars von Trier zeigte sich bereits in den herumgereichten Formulierungen.

     

    Die Thesen

      1. Du sollst "on location" drehen. Weder Requisiten, noch Szenenbilder dürfen genutzt werden. Wenn eine bestimmte Ausstattung notwendig ist, so muss ein Drehort gefunden werden, an dem diese schon vorhanden ist.
      2. Du sollst den Ton nicht separat von den Bildern produzieren. Schauspieler darf man nur im O-Ton hören. Musik darf man nur verwenden, wenn sie am Drehort live während der Filmaufnahme gespielt wird.
      3. Du sollst nur mit der Handkamera drehen. Jede Bewegung oder Ruhestellung, die mit der Handkamera machbar ist, sei erlaubt. Schienen, Steadicam etc. sind verboten. Die Kamera soll dorthin gebracht werden, wo auch der Film stattfindet.
      4. Du sollst nur in Farbe filmen. Eine besondere Ausleuchtung ist verboten. Falls zu wenig Licht am Drehort ist, darf maximal eine Lampe an der Kamera befestigt werden.
      5. Du sollst den Film nicht optisch bearbeiten und keine Filter nutzen.
      6. Du sollst keine überdramatische Action in den Film einbauen. Künstliche Reize durch Schießereien oder Mordszenen sind untersagt.
      7. Du sollst weder zeitliche noch geographische Verfremdungen vornehmen. Also keine historischen Sujets, alles hier und jetzt.
      8. Genre-Filme werden nicht akzeptiert.
      9. Du sollst im Format Academy 35 mm drehen. Das entspricht 1:1,37, etwa dem heutigen TV Format.
      10. Du sollst nicht nennen deinen Namen! Der Regisseur soll weder im Vor- noch im Abspann erwähnt werden.

     

    Die Filme

    Wie realistisch waren und sind denn nun die Dogma 95 Filme wirklich? Wie sehr hielten sich die Regisseure an ihre Vorgaben?

     

    Das Fest(Thomas Vinterberg), Idioten(Lars von Trier), Mifune (Soren Kragh-Jacobsen) oder Italienisch für Anfänger strahlen zwar jede Menge Anarchie und Chaos aus, doch sind sie deshalb auch realistischer, filmischer, wahrhaftiger als andere Filme?

     

    Sicherlich bedeutet die Reduktion der Technik am Drehort im Idealfall eine stärkere Konzentration auf die Arbeit der Schauspieler. Und auch ein reduziertes, kleineres Team kann Vorteile haben. Diese Gedanken sind nicht neu, Regisseure wie Jonas Mekas oder John Cassevetes haben schon lange vor 1995 puristische Kameraführung erprobt.

     

    Wenn Lars von Trier im Abspann seines Filmes nicht genannt wird, zugleich aber über sämtliche verfügbaren Medien und Wege bis hin zu diversen Webseiten seine Autorenschaft postuliert, so wird klar, welche Widersprüche die Arbeitspraxis und die Forderungen von Dogma 95 in sich tragen. Zahlreiche Regelbrüche hat Lars von Trier selbst, stets werbewirksam der Öffentlichkeit enthüllt. Ein paar hervorragende Filme sind unter dem Label Dogma entstanden. Ob sie die gleiche Qualität auch vom Stativ oder Dolly gedreht, erreicht hätten, bleibt das Geheimnis ihrer Urheber.

     

    Realität oder Gestaltung

    Wie vermeiden die Dogmatiker, dass die Handkamera nicht ebenfalls eine persönliche Auswahl, einen Ausschnitt der Realität trifft? Nur weil das Bild wackelt ist es doch dadurch nicht wirklicher? Vielleicht gaukelt es uns durch die Nähe zum Amateurhaften den dokumentarischen Look nur vor? Und wie ist es mit dem Augenblick, den der Kameramann auswählt, einem zeitlichen Ausschnitt, den er dem Zuschauer aufzwingt? Jede Art von Aufnahme ist bereits eine Gestaltung. Nur weil die Kamera extrem wackelig (wie etwa in Idioten) ihre Bild-, und Momentauswahl dem Zuschauer darbietet, ist sie nicht objektiver.

     

    Es gibt auch eine Wahrhaftigkeit des Filmschaffenden, der durch seine Gestaltung die Wirklichkeit abbildet. Lügen alle Regisseure, die ihre Filme ohne Handkamera und mit Lichtgestaltung drehen?

     

    Zum Aufwachen und Nachdenken über pures Effektkino war Dogma 95 auf jeden Fall sinnvoll. Als Grundlage, Filmsprache gestaltend zu entwickeln, scheint es aber weniger geeignet. Lars von Trier ist mit „Dancer in the Dark“ wohl zu einem ähnlichen Schluss gekommen.

     

  • Amerika - anders drehen

    US-Kino

    US-Kino

     

    Wenn Sie in den Vereinigten Staaten drehen wollen, so gelten völlig andere Spielregeln als hier bei uns. Sie sollten die wichtigsten kennen, denn nichts darüber zu wissen, kann das rasche Aus für Ihr Projekt bedeuten. Und sie sollten Ihren Dreh noch gründlicher als gewohnt vorbereiten, damit Sie die Widrigkeiten mit den sehr starken Gewerkschaften und der nicht ganz überschaubaren Bürokratie meistern.

     

    Sie brauchen Bürgschaften, Sicherheiten. Die Screen Actors Guild (SAG) verlangt eine Absicherung der Darsteller-Gagen. Sie müssen vorab den Betrag der Gagen als Sicherheit bei der SAG hinterlegen. Wenn die Dreharbeiten vorüber und alle Darsteller bezahlt worden sind, erhalten Sie die Sicherheiten zurück. Sie müssen diesen Betrag unbedingt in Ihre Cash-Flow-Planung miteinbeziehen.

     

    Probleme bereitet zusätzlich, dass die SAG von Independent-Produktionen verlangt, dass ein Teil der Sicherheiten für mögliche kommende Forderungen zurückgehalten wird (continuing bond requiry). Manchmal gelingt es, durch Verhandlungen diese zu umgehen. Falls Sie bereits einen US-Verleiher haben, dann wird von diesem eine Sicherheit für in den Staaten offen bleibende Rechnungen/Forderungen verlangt. Produzenten kalkulieren eine so genannte Allowance for foreign residuals in ihr Budget ein, die etwa 5 % des Budgets ausmacht. Dies verteuert den Film selbstverständlich.

     

    Ausländische Produzenten müssen, wenn sie in den USA drehen, eine US-Firma gründen, eine Incorporated Company. In Kalifornien kostet dies etwa 2000 $. Mit solch einer Firma kann man überall in den USA drehen. Damit man mit dem amerikanischen Steuersystem keine zu großen Probleme bekommt (sämtliche weltweiten Einnahmen in den Staaten versteuern etc.), sollten alle Rechte bei der Heimatfirma liegen, und die in den USA gegründete sollte nur als Dienstleister in Erscheinung treten (production-service agreement with the foreign company).

     

    Es gibt natürlich auch die Beispiele, in denen Independent-Produktionen den strengen Augen der Gewerkschaften entgingen. Wenn das Budget (für amerikanische Verhältnisse) sehr klein ist (unter vier bis fünf Millionen US-Dollar), dann kann dies gelingen. Etwa indem man mit Schauspielern arbeitet, die selbst nicht Mitglied in der Gewerkschaft sind. Aber es kann passieren, dass man auch dann noch Jahre nach Fertigstellung des Filmes mit Forderungen von Seiten der SAG überzogen wird.

     

    Man benötigt in jedem Fall mehr Geld, wenn man in den Staaten produzieren will. Viel mehr Geld. Und einen guten ausführenden Produzent (line producer), der die Gegebenheiten vor Ort kennt und den Dreh zuverlässig abwickeln kann. Wer den Drehorten vieler großer Spielfilme nachspüren möchte, kann sich übrigens einen besonderen Stadtplan von New York besorgen, der Locations mit kurzer Beschreibung der Szenen und Einstellungen auflistet. Auch wenn New York seit den Terroranschlägen 2001 nicht mehr die Stadt ist, die sie einmal war, bleibt sie einer der wichtigsten Drehorte an der Ostküste.

     

     

  • Kamera mit DisplayBevor man einschätzen kann, wie hoch der Aufwand an Dreharbeiten zu einem Film wird, muss man Auszüge aus dem Drehbuch erstellen

  • Zweifelhafter Fortschritt

    Fernsehantennen

    Sie waren auf breiter Flur im Rückzug, durch DVBT erlebten sie einen zweiten Frühling,- die Fernsehantennen

    Totgesagte leben länger- Das vor allem durch die Kabelnetzbetreiber ins Abseits beförderte Antennenfernsehen machte eine Metamorphose durch in Form einer Umstellung auf digitale Signale. Dabei wurden die Zuschauer natürlich nicht gefragt, sondern mit sanfter Gewalt in die neuen Empfangsangebote hineinbewegt.

     

    DVB-T lautete das Zauberwort, die Abkürzung für "Digital Video Broadcasting Terrestrial". Neue Sendefrequenzen waren allerdings nicht hinzugekommen, vielmehr musste man die alten abschalten um die Frequenzen digital nutzen zu können.

     

    Zwangsabschaltung

    Hätte man den Menschen vor 20 Jahren mitgeteilt, dass ihr gewohntes Antennenfernsehen von einem auf den anderen Tag abgeschaltet würde und sie nur durch den Kauf von Zusatzgeräten in der Lage wären, weiterhin Fernsehen anschauen zu können, wäre vermutlich großer Unmut entstanden.

    Heute, wo Antennenempfang nicht mehr die wichtigste Empfangsart für TV ist (nur noch etwa 8%) und Kabel sowie Satelit entsprechende Verbreitung haben, berührte eine solche Umschaltung nicht mehr so viele Menschen gleichzeitig. Die Strategie, diese Umstellung nur punktuell und in Ballungsräumen vorzunehmen, trug ein Übriges dazu bei, die Stimmung beim Fernsehvolk nicht unnötig zum Schäumen zu bringen.

    In den USA, wo ähnliche Umstellungen nötig waren, wagte man so radikale Schritte nicht, hier war der Zeitraum gleichzeitiger analoger und digitaler Übertragung (Simulcast) deutlich länger.

     

    Neue Geräte

    Neue Empfänger

    Ganz gleich ob Set-Top Box oder Zusatzkarte für das Notebook, für digitales Antennenfernsehen waren neue Empfänger notwendig

    Die Investition von mindestens 50-60 Euro für eine Set-Top Box wurde den Zwangskunden dieser Geräte versüßt durch eine Vermehrung des Programmangebots (ca. 20). Dass sämtliche angeschlossenen Geräte, wie etwa der Videorekorder eine eigene Set-Top Box benötigen und dass die timergesteuerte Rekorderaufnahme deutlich umständlicher wird, merkten sie erst beim praktischen Einsatz. Und was ist schon eine Fernbedienung mehr,- man legt sie einfach zu den anderen.

     

    Der Fernseher empfängt das Programm nicht mehr über den eingebauten Empfänger, sondern über den AV-Eingang und ein Scart Kabel aus der Set-Top Box. Vorsicht, es muss schon eine DVB-T- Set-Top Box sein, die anderen für digitales Kabel- oder Satellitenfernsehen (DVB-C, DVB-S), darunter auch die dBox (Premiere) tun es nicht. Einige neue Fernsehgeräte haben DVB-T Empfänger auch bereits eingebaut. Alternativ gibt es für 100 bis 140 Euro auch PCMCIA Empfängerkarten, die Laptops für den Unterwegs-Empfang tauglich machen.

     

    Einige Bundesländer hatten finanziell schwach gestellten Familien Zuschüsse für den Erwerb von Set-Top Boxen gewährt. Zudem gab es Übergangszeiten, in denen zumindest noch die öffentlich-rechtlichen Sender (Grundversorgung) noch analog gesendet wurden, bevor auch diese abgeschaltet wurden. In München etwa wurde diese Übergangsfrist auf drei Monate begrenzt, in anderen Regionen waren es immerhin 10 Monate.

     

    Die gute alte Dachantenne ist auch nicht mehr zwingend notwendig, Zimmerantennen sind durchaus in der Lage, das digitale Fernsehen zu empfangen.

     

    Umstellung

    Begonnen hatte diese Empfangsänderung 2002/3 in Berlin, gefolgt von Köln/ Bonn, Hannover/ Braunschweig und Bremen / Unterweser Mitte 2004 und dann Hamburg/Lübeck, Kiel und Düsseldorf/Ruhrgebiet, Frankfurt/Mainz/Wiesbaden gegen Ende 2004. Am 30. Mai 2005 stellten der Großraum München, Nürnberg und Südbayern um, im November 2005 folgten dann Halle/Leipzig sowie Erfurt/Weimar auf.

     

    In Österreich hatte es bereits einen eng begrenzten Testbetrieb gegeben. Die großräumige Umstellung war 2007/2008 vollzogen. In der Schweiz wurde die Umstellung ebenfalls schrittweise vollzogen, erste Kantone waren Engadin und Tessin.

     

    Bessere Bilder?

    Bildstörungen bei DVBT

    Der digitalisierte Betrachter wird bei DVB-T mit einer ganz eigenen Variante an Bildstörungen konfrontiert

    Grundsätzlich bedeutet das digitale Antennenfernsehen, dass man auf der Bandbreite eines einzigen analogen Fernsehkanals (5 MHz) gleich vier digitale Fernsehsender unterbringen kann. Nein, nicht dass wir uns nicht missverstehen, Digitalisierung von analogem Fernsehen verringert nicht die Datenmenge, sondern, sie vergrößert sie. Würde man alle Informationen eines analogen Fernsehbildes in digitale Informationen umsetzen, bräuchte man sogar etwa 8 Mal soviel Bandbreite.

     

    Es ist also einmal mehr die Komprimierung von Daten, die dazu führt, dass man die notwendigen Bandbreiten reduzieren kann. Die üblichen Verdächtigen wie MPEG und Co arbeiten auch beim digitalen Antennenfernsehen eifrig mit. Übertragen wird nur das Nötigste. Wenn etwa eine Moderatorin vor einem Standbild oder der Wetterkarte ihre Informationen verliest, so überträgt der Sender nur das, was sich im Bild verändert, also die Sprecherin, während der Bildhintergrund bis zur Änderung des Hintergrundes weitgehend als Standbild übertragen wird. Bei MPEG-2 wird die Datenrate für ein einzelnes Programm zwischen 2 MBit/s und 15 MBit/s variiert, je nachdem, welche Qualität benötigt wird.

     

    Natürlich gibt es nicht auf jedem Sender so praktische, platzsparende Inhalte, bewegte Bilder, Sport etc. benötigen schon mal etwas mehr Bandbreite. Deshalb sind die Datenraten variabel, braucht der eine Sender weniger Bandbreite, kann ein anderer dafür mehr verbrauchen. Grundsätzlich sollte man die Qualität des neuen digitalen Antennenfernsehens besser nicht direkt mit dem alten analogen Antennenfernsehen vergleichen. Sonst würde man die reduzierte Bildinformation nämlich tatsächlich bemerken.

     

    Auch wenn die Industrie das nicht gerne hört und erst recht nicht zugibt: Vom Qualitätsstandpunkt betrachtet ist das volle analoge Antennensignal besser, als das komprimierte, um viele Bildinformationen beraubte digitale Fernsehbild.

     

    So ganz störungsfrei kommen die Bilder nicht immer an. Da bleibt schon mal das Bild einfach stehen während der Ton weiterläuft, überlagern Blöcke mit Hintergrundinformation den Vordergrund, gerne auch das Gesicht des Moderators oder machen sich rechteckige Störstreifen im ganzen Bild breit. Wo in der analogen Welt verstärktes Rauschen oder ein verzerrtes Bild Gewitter oder Reflektionen anzeigten, ist das digitale Bild im Fall von Empfangsstörungen zwar rauschfrei, dafür aber voller seltsamer Artefakte.

     

    Auf der anderen Seite kann durch DVB-T in vielen Fällen auf Kabelempfang verzichtet werden, fraglich ist jedoch, ob die Kabelbetreiber oder die Hausbesitzer ihre Kunden aus den Verträgen so einfach herauslassen.

     

    Zeitfaktor

    Ein weiterer Unterschied zum analogen Fernsehen liegt im Faktor Zeit. Auf Senderseite müssen die analogen Signale erst einmal digitalisiert und komprimiert (MPEG2), auf Empfängerseite wieder in ein analoges Signal umgewandelt (dekodiert und analog gewandelt) und zugleich noch von einer Fehlerkorrektur optimiert werden. Alles in Allem kann dadurch das Signal etwa 4 bis 7 Sekunden verzögert werden.

     

    Insbesondere bei TV-Silvesterparties oder deutlicher noch bei Sportübertragungen, bei denen die Jubelschreie schon mal aus den Fenstern dringen, zeigt sich, dass manche Zuschauer erst deutlich später jubeln als andere. Kleiner Trost- wer per Handy fernsieht, jubelt noch deutlich später, hier ist die Verzögerung noch wesentlich länger.

     

    Vorteil: Geringere Sendeleistung

    Da die benötigte Sendeleistung bei digitalem Empfang wegen der geringeren Störanfälligkeit (Reflektionen durch Hügel oder Gebäude erzeugen keine Doppelbilder oder Schatten mehr) niedriger ist, wird auch die elektromagnetische Strahlenbelastung geringer.

    Zudem sollte auch der mobile Empfang, also im Auto oder der Eisenbahn möglich sein, über erfolgreiche Versuche berichtete in all den Jahren allerdings Niemand, hier gingen die Fantasien der Anbieter weit über die Realitäten hinaus.

     

    DVB-T2

    2016 steigen möglicherweise bereits erste Privatsender aus der Übertragung ihrer Programme in DVBT aus. Gleichzeitig planen die öffentlich-rechtlichen Sender eine Umstellung auf einen HD-fähigen STandard, DVB-T2. Eine effektivere Komprimierung soll im neuen HEVC Verfahren mehr Daten als das bisher verwendete MPEG 2 transportieren. Von Juni 2016 bis 2019 sollen beide Standards also DVB-T und DVB-T2 über Antenne empfangbar sein. 2019 wird DVB-T dann abgeschaltet.

     

    Technisch gesehen wird DVB-T2 besser sein und vor allem, viele Sender der ARD und das ZDF werden die HD-Programme in 1080p senden ( das ist Full-HD =1920x1080 Bildpunkte bei 50 Bildern pro Sekunde). Die Privatsender planen, diese Qualität nur gegen zusätzliche Gebühren anzubieten.

     

    In Österreich funktioniert der Standard bereits, und wie so oft bei digitalen Neuerungen nutzt man ihn gleich um zusätzlich Geld in die Kassen der Programmanbieter zu spülen. Nur die ORF Programme sind kostenlos empfangbar, die Privaten sind verschlüsselt. Wenn DVB-T2 auch in Deutschland kommt, werden die Zuschauer zudem ein weiteres Mal ihre Geräte verschrotten und neue Empfänger kaufen müssen und vermutlich dann auch für diverse Sender zusätzlich zahlen.

  • Bei der Auflösung von Szenen in Einstellungen gibt es ganz klare Festlegungen der Einstellungsgrößen.

  • In den Sechziger Jahren machte sich im Kino eine neue Art von Filmen breit, die wie eine Welle über die hauptsächlich amerikanische Landschaft brach, und dann mit dem Ende des Kalten Kriegs auch ein leises Ende fand. Exploitation. Ausbeutung. Der Name war zwar nicht Programm, aber dennoch zeichnend für diese Art von Unterhaltung.

     

    B-Movies

    Exploitationfilme waren oft B-Movies. Unter B-Filmen versteht man eine Gattung mit ihren Wurzeln ab 1920. Früher gab es in den Kinos noch die sogenannten "Double Features". Man ging ins Kino und sah an einem Abend zwei Filme. Einen A- und einen B-Movie. Der Letzterer war stets eine Low-Budget Produktion (d.h. mit wenig Geld und Aufwand produziert) und hat sich auch oft inhaltlich von den anderen, bekannteren Filmen unterschieden.

     

    Gerade Tabuthemen wie z.B. Ed Woods Travestiedrama "Glenn oder Glenda" wurden aufgegriffen, auch wenn diese heute eher harmlos erscheinen. Stars wie Jack Nicholson und John Wayne hatten ihre Anfänge in B-Movies. Zu nennende Klassiker wären "El Topo"(Alejandro Jodorowsky) oder "The Blob" (Irvin S. Yeaworth Jr.).

     

    Action, Sex & Drogen

    Exploitationfilme waren Mitschwimmer. Mitläufer, die hofften auf die kommerzielle Welle aufspringen zu können, auch wenn viele diese Filme den Kommerz subversiv unterliefen. Nur wenige schafften es mit zu schwimmen und nur vereinzelte Werke wie "Shaft" sind der Masse (auch aufgrund von Remakes) heute noch bekannt. Als in den Siebziger Jahren das private Kabelfernsehen (in den USA) aufkam, war der Bedarf an Filmen groß. Um dem Zuschauer ein 24 Stunden Programm bieten zu können, wurden schnell massenweise, billige Filme produziert.

     

    Da die Bemühungen die Handlung zu rechtfertigen oft scheiterten, ergaben sich meist skurrile Handlungen. Doch oft ging es den Filmemachern bewusst um die Zerstörung von Vorbildern, sodass die Helden meist so verkommen wie ihre Gegenspieler waren und auch Drogen nur selten den gewünschten Abschreckungseffekt erhielten. Die Action wurde extrem übersteigert nach dem Motto: Quantität statt Qualität.

     

    Exploitationfilme wurden, auch schon damals, in Gattungen unterteilt wie Blaxploitation, Whitesploitation, Sexploitation,… Die bekannteste Gattung waren die Blaxploitation Filme wie "Superfly", "The diamond brothers", "Blacula" und "Dolemite", aber auch unbekannte Werke wie "Cleopatra Jones" oder "The legend of Nigger Charlie". Symptomatisch für diese Filme war, passend zum den ungleichmäßigen Verhältnissen in der Gesellschaft, dass der schwarze Hauptdarsteller mit oder auch ohne legale Mittel Kontrolle oder Macht erhalten hat. Im Whitesploitation war genau das Gegenteil, der Kontrollverlust, das gängige Bild der Hauptdarsteller.

     

    Generell war Sex sehr explizit, Bösewichte waren Nazis oder Zombies und es wurde viel getötet. Auch in Italien war der Exploitation Output mit "Spaghettiwestern" enorm. Charakteristisch waren die Werbemaßnahmen mit Untertiteln auf den Plakaten, um die Zuschauer von der Originalität und Qualität des Streifens zu überzeugen: "You don´t have to go to Texas to have a massacre. PIECES! It´s exactly what you think it is."

     

    Erbe

    Heute sind die meisten Filme der damaligen Zeit verstaubt oder gar verschollen, und der Exploitationfilm findet nur bei eingefleischten Cineasten Anklang. Doch Regisseure wie Quentin Tarantino lassen in ihren Filme Klassiker der damaligen Zeit wieder aufleben.

     

    Die Zitatspeilerei in seinem Werk "Jackie Brown" fängt bei der Besetzung von Pam Grier ("Coffy", "Foxy Brown", u.a.) an und geht sogar bis in den Soundtrack: der Titelsong "Across the 110th street" ist auch der Titelsong zu einem gleichnamigen Film von 1972. Manche Filme wie "Shaft" oder "The great white hype" wurden gar neu verfilmt und sorgen dafür, dass diese Gattung von Film nicht in Vergessenheit gerät.

     

  • Farbverfahren

    Farbfernsehen

    Farbige analoge Fernsehbilder sind eigentlich farbig überlagerte Schwarzweißbilder

    Auch wenn Fernsehen eine europäische Erfindung ist, die verschiedenen Farbfernsehsysteme Europas (PAL und SECAM) basieren weitgehend auf dem amerikanischen NTSC-Format, welches weltweit 1953 die ersten farbigen Fernsehsendungen ermöglichte. Auch wenn wir inzwischen weitgehend digital und in diversen Codecs Fernsehen anschauen, sind die Ursprünge des Fernsehens noch immer präsent.

     

    Eigentlich wäre es naheliegend gewesen, einfach die Informationen für ROT, GRÜN und BLAU abgekürzt RGB (die Bestandteile der additiven Farbmischung) zu übertragen. Doch die Signale sollten die Kompatibilität mit den älteren Schwarzweißgeräten sicherstellen, deshalb setzt sich das Farbbild aus folgenden Bestandteilen zusammen:

    • Das Helligkeitssignal (Luminanz), also das Schwarzweißbild.
    • Ein Farbdifferenzsignal (Chrominanzsignal) die Differenz von Rot minus Helligkeitssignal.
    • Ein zweites Farbifferenzsignal (Chrominanzsignal) die Differenz Blau minus Helligkeitssignal.

     

    Rechenkünste und Bandbreite

    So wird das Schwarzweiß-Bild von Farbinformationen überlagert, gewissermaßen coloriert. Dieses Verfahren nennt man auch YUV, damit ist gemeint, dass die Helligkeit aus der Summe von Rot, Grün und Blau besteht. Wenn wir also zusätzlich zur Helligkeitsinformation (Y), also dem Schwarzweißbild (Luminanz) noch die Farbinformationen übermitteln wollen, brauchen wir nicht wieder zusätzlich Rot, Grün und Blau zu übertragen. Es genügt, wenn wir zusätzlich die Differenz aus Helligkeit und Rot sowie die Differenz auf Helligkeit und Blau übertragen, daraus kann man den Wert für Grün errechnen. Auf diese Weise spart man Bandbreite beim Fernsehsignal.

     

    Was die Auflösung und Schärfe angeht, so wird diese weitgehend durch das Schwarzweißbild bestimmt, während die Farbinformation mit weit geringerer Auflösung übertragen wird. Das hängt einerseits damit zusammen, dass unser Auge für Farben weniger Empfindlich ist als für Helligkeitsunterschiede, andererseits mit dem Umstand, dass die Signalbandbreite nicht zu groß werden durfte.

     

    Wer früher VHS Kopien von VHS Kopien gezogen hat, konnte die Konsequenzen dieser schmalen Farbinformationen im Ergebnis betrachten - oft hing das Farbbild verschoben neben dem Schwarzweißbild, ein unschöner Bildfehler.

     

    NTSC

    Die Abkürzung NTSC bedeutet "National Television Standards Committee", wegen der entscheidenden Schwachstelle des Systems wird es aber auch gerne ironisch mit "Never The Same Colour" beschrieben. Kommt es nämlich auf dem Übertragunsweg zu Phasenverschiebungen im Signal (Das kann bei Antennenempfang durch zu dicht nebeneinander stehende Antennen, durch Häuserfassaden etc. vorkommen), kommt es zu Farbstichen. Wenn das Fernsehbild zu grün, rosa oder blau ist, kann man an den amerikanischen Fernsehern mit einem eigenen Regler (Hue) diesen Farbstich korrigieren.

    Im übrigen arbeitet das System mit 525 Zeilen, von denen 480 das sichtbare Bild ausmachen und 60 Halbbildern (exakt sind es 59,94 Halbbilder) in der Sekunde. Bei 3,58 MHz wird auf das Luminanzsignal die Farbinformation aufmoduliert. Es ist vor allem in USA, Canada, Taiwan und Japan verbreitet.

     

    PAL

    Testbild

    Testbild

    In Europa begann die Farbfernseh-Ära deutlich später Mitte der 60 er Jahre des letzten Jahrhunderts, dadurch konnten die Entwickler auch daran arbeiten, das Problem mit den Farbverschiebungen bei NTSC zu lösen. Walter Bruch, der Erfinder des PAL Verfahrens (Phase Alternating Line) kam auf die Idee, ähnlich wie es bei der symmetrischen Leitungsführung im Audiobereich geschieht, die Phasendrehung als Mittel der Auslöschung von Störungen zu nutzen.

    Die Farbinformation wird von Zeile zu Zeile jeweils um 180 Grad gedreht. Dieser Phasensprung führt dazu, dass jeweils der Mittelwert zweier Zeilen die Farbinformation bestimmt. Pal arbeitet mit 625 Zeilen und 50 Halbbildern, sichtbar sind davon 576 Zeilen. Bei 4,43 MHz wird auf das Luminanzsignal die Chrominanzinformation aufmoduliert.

     

    Wer nachrechnet, wird sich natürlich fragen, wie man aus 625 Zeilen jeweils halb so viele gerade wie ungerade Zeilen machen kann. Da haben die Techniker etwas getrickst,- die erste und die 625 te Zeile sind nur halb, stört aber nicht, sie sind ohnehin nicht zu sehen. Moderne PAL Fernseher können maximal 500 Zeilen darstellen, nur Studio-Fernsehmonitore haben einen Underscan-Modus, der mehr Zeilen darstellen kann.

     

    Neben dem in Europa überwiegend verbreiteten Standard PAL gibt es auch noch zwei Varianten, PAL N mit einer geringeren Bandbreite, sowie PAL M für 60 Hz Länder mit 60 Halbbildern in der Sekunde (Brasilien) bei 525 Zeilen.

     

    SECAM

    Dieses in Frankreich entwickelte Farbverfahren löste das Problem der Farbverschiebungen bei NTSC auf andere Weise als PAL. Hier werden zwei Trägerfrequenzen verwendet und die Farbinformation wird jeweils einzeln abwechselnd übertragen. Die zu übertragende Informationsmenge ist größer als bei PAL und wenn keine Farbe im Bild vorkommt, kann es, weil trotzdem die volle Farbamplitude übertragen wird, manchmal zu störenden Bildmustern kommen. Es gibt zwei inkompatible Varianten, das normale SECAM (Frankreich) sowie das Ost-SECAM (Osteuropa) auch MESECAM genannt.

     

  • alterFIlmprojektor 500

  • Genauer Blick

    Filmstreifen wird mit Lupe betrachtet

    Der genaue Blick auf den Film macht die Analyse erst möglich

    Über Filme sprechen und nachdenken gehört zu den Aufgaben, die vor allem an Schulen und Universitäten eine Vielzahl von Fragen aufwerfen. Immer wieder geben Dozenten ihren Studenten den Auftrag, Szenen oder ganze Filme zu analysieren, Grund genug einmal über den möglichen Aufbau einer solchen Analyse Gedanken zu machen.

     

    Dabei gibt es je nach Unterrichts- oder Studienfach hierfür unterschiedliche Schwerpunkte. Es gibt beispielsweise semiotische (filmsprachliche), psychologische, kommunikationswissenschaftliche, soziologische oder kunstwissenschaftliche Ansätze.

     

    Grundsätzlich werden in der klassischen Filmanalyse die formalen, filmtechnischen Mittel unterschieden von den inhaltlichen Aspekten. Eine gute Filmanalyse sollte heute jedoch genau diese beiden Welten sachlich begründet miteinander zu verknüpfen versuchen. Filmdozenten greifen seltsamerweise fast immer auf die gleichen Filme zurück, die ihre Studenten erforschen sollen. Klassiker der Filmgeschichte führen hier ganz eindeutig, Titel wie "Psycho", "Die Vögel", "North by Northwest" gehören zu den unangefochtenen Spitzenreitern.

     

    Sequenzanalyse

    Filme bestehen aus einer Vielzahl gestalterischer Elemente, darunter neben der Story und den Charakteren Gestaltungsmittel wie Ton, Licht, die Kameraführung, die Bildkomposition oder der Schnitt. Um eine solche Arbeit nicht zu umfangreich werden zu lassen, sucht man sich eine oder mehrere wichtige Sequenzen aus einem Film aus und analysiert diese stellvertretend für den ganzen Film.

     

    All diese Elemente werden in der Regel sehr gezielt eingesetzt um eine gewünschte Wirkung beim Zuschauer zu erzielen. Im Umkehrschluss macht es durchaus Sinn, um Filmsprache zu begreifen, diese verwendeten Mittel zu analysieren.

     

    Neben dem Film selbst ist die Basis der Sequenzanalyse das Sequenzprotokoll einer oder mehrerer wichtiger Szenen eines bestimmten Filmes.

     

    Filminhalt

    Die Sequenzanalyse geht weit über das reine Protokollieren der gestalterischen Elemente hinaus. In der Regel beginnt die Sequenzanalyse mit allgemeinen Informationen über den Film, den Regisseur sowie einer Inhaltsangabe. Gleichzeitig geht es auch darum ein Gefühl für die Struktur eines Films zu entwickeln. Je nach dem besonderen Aspekt der Analyse können bestimmte Schwerpunkte, etwa die Bedeutung und Charakterisierung der Figuren (Charakterlinie, Körpersprache), Motive des Handelns oder Gewaltdarstellungen besonders berücksichtigt werden. Welche Emotionen vermittelt der Film?

     

    Stichworte: Handlungsstränge, Handlungsverlauf, Erzählstruktur, Erzählweise, Erzählung  ( Erzählhaltung, Erzählperspektiven), Mittelpunkt, Nebenfiguren, Gegenspieler, Helden, Verlauf der Geschichte, Dramaturgie, Spannung, Höhepunkt, Schlüsselszene, Spannungsbogen, Handlungsort, Parallel (Drehbuch)

     

    Kategorien

    In der filmwissenschaftlichen Arbeit können auch Erläuterungen zu den verschiedenen Kategorien vorangestellt werden, sowie Anmerkungen etwa zu der Zeitbasis auf die man sich stützt, etc. Auch statistische Angaben, etwa, wie viele Einstellungen, wie viele Szenen der Film besitzt, und welche durchschnittliche Länge die Einstellungen haben, können hier Erwähnung finden.

     

    Steigt man in die Sequenzanalyse ein, so werden Schlussfolgerungen aus dem Sequenzprotokoll formuliert. Etwa, welche Unterschiede in der Länge der einzelnen Einstellungen aufgefallen sind und aus welchen dramaturgischen Absichten diese möglicherweise so gewählt wurden.

     

    Kamera

    Filmstreifen wird vermessen

    Welche Kriterien sind sinnvoll und kann man Film überhaupt theoretisch erfassen?

    Welche Einstellungsgrößen, welche Perspektiven, welche Kamerabewegungen?

     

    Beispiel zu Kamera & Einstellungsgröße: "Zu Beginn der Sequenz werden für die Beschreibung der Örtlichkeit und der Beziehung von Malvin und Lara auffallend viele Totalen, Amerikanische und Halbnahe verwendet, Größen die es uns erlauben, einen Überblick zu gewinnen und die Charaktere in ihrem Handeln genau zu erfassen.

     

    Mit Beginn der Bedrohung verdichten sich die Bilder zu Nahen und kurz vor dem Rettungssprung aus der U-Bahn- mehreren Großaufnahmen. Über 20 immer enger werdende Einstellungen verdeutlichen die zerstörte Harmonie. usw."

     

    Stichworte: Schuss/Gegenschuss, Bewegungsachse, Bewegungsrichtung, Perspektive, Fahrten, Schwenks, Einstellungsgröße, Bildausschnitt, Zoom, Bildbegrenzung, Bildkomposition, Vordergrund, Hintergrund, Kamerabewegungen,  Aufsicht, Untersicht

     

    Schnitt

    Welches sind die häufigsten Einstellungslängen, kurze oder längere? Wo findet man welche Art von Schnitten? Wo findet man Auf- Ab, Überblendungen. Wie sind die verschiedenen Einstellungen miteinander rhythmisch verknüpft?

     

    Beispiel zum Tempo/Schnitt: "Die ersten 12 Einstellungen in denen die Hauptfiguren Malvin und Lara vorgestellt werden, sind überproportional lang, einige davon länger als 30 Sekunden. Während die Beziehung der Beiden sowie die Örtlichkeit etabliert wird, hat der Rhythmus einem gleichmässigen Fluss. Das ändert sich, als die Bedrohung der Beiden durch Laras früheren, gewalttätigen Freund deutlich wird und die Schnittfolge sich deutlich beschleunigt. Die Einstellungen werden kürzer, als der Freund das Paar in dem U-Bahn Abteil angreift. Die Sequenz läuft auf ihren Höhepunkt zu, als Malvin und Lara der Sprung aus der sich schließenden U-Bahntür gelingt und ihre Erleichterung sich in einer langen ruhigen Einstellung auflöst. usw."

     

    Wichtige Stichworte: Parallelmontage, Tempobeschleunigung, Verlangsamung, Auf-, Abblende, Überblendung, Sequenzanfang,- ende, Einstellungen, Einstellungsdauer, Tempo, Ruhe, Schnittfolge

     

     

    Bildinhalt, Ausstattung

    Welche Räume, Landschaften, künstliche Hintergründe oder computergenerierte Bilder (CGI) werden wann wie verwendet? Welche Bedeutung hat das Lichtin dem Film? Wirkt es natürlich oder eher Effekt- Unterstreichend? Auf welche Weise werden die Filmfiguren durch Kostüme, Maskeetc. charakterisiert? Gibt es eine Farbsymbolik im Film und wenn ja, welche?

     

    Ton

    Tonebene

    In welcher Form kommt Sprache vor? (Schriften, Titel, Untertitel, Einblendungen / Dialoge, Kommentar, Erzähler etc.) Was kann man über die Stimmen im Ton aussagen? Welche Bedeutung hat der Ton im Verhältnis zum Bild? Wie werden Geräusche und Atmos verwendet, wie die Musik? (Ton) Auf welche Weise werden die verschiedenen Ebenen im Sound-Design miteinander verknüpft? Wie sind die Übergänge des Tons zwischen den einzelnen Szenen, hart oder fließend weich ineinander geblendet? Gibt es bewusste Tonlöcher- Stille, die vielleicht den Zuschauer irritieren, ja ängstigen soll? Ist der Ton in Stereo, 5.1 oder 7.1 auf der Tonspur vorhanden?

     

    Stichworte: Laut, leise, Parallelismus, Kontrapunktik, sensibel, ausgewogen, Originalton, Synchronisation, Filmmusik, Tonspur, durchkomponiert, Musiknummern, emotional, auf eine bestimmte Epoche verweisend, unmerklich.

     

    Sequenzprotokoll

    Das Szenenprotokoll ist im Wesentlichen eine tabellarische Auflistung der einzelnen Einstellungen einer Sequenz oder Szene in welcher zu jeder Einstellung Informationen zu verschiedenen gestalterischen Elementen protokolliert werden.

     

    Die Tabelle kennt also mehrere Spalten, in deren Kopfzeile jeweils die gewünschten Kategorien als Überschriften eingefügt werden. Das können sein: Nummer der Einstellung, Der Zeitpunkt innerhalb des Films, Die Dauer, Die Einstellungsgröße, Bildinhalt und Aufbau, Die Handlung, Licht und Farbe, Kameraposition, Bewegungen, Effekte, Ton etc.

     

    Es bietet sich an, für eine solche Tabelle das A4 Querformat zu wählen, um ausreichend Spalten für die gewünschten Kategorien zur Verfügung zu haben. Hier ein Download einer typischen Tabelle für das Herstellen eines Sequenzprotokolls ([Redaktion: Download wird bald bereitgestellt]). Wer über die technischen Möglichkeiten verfügt, sich Standbilder aus der entsprechende Szene zu speichern, kann auch eine Spalte der Tabelle für Einstellungsfotos reservieren.

     

    Details

    Die meisten Filmanalysen verlieren sich bedauerlicherweise in einer pedantischen Auflistung von Details, ohne aber den großen Zusammenhang des Filmwerks wirklich zu erspüren. Statt einer reich mechanistischen Fleißarbeit sollte man stets versuchen, gewonnene Informationen über den Einsatz bestimmter Gestaltungsmittel in Bezug zu setzen zu dramaturgischen Notwendigkeiten oder etwa filmgeschichtlichen Zusammenhängen. Denn eine Filmanalyse ohne Erkenntnisgewinn bleibt letztlich reines Tabellenfüllen.

     

  •  

    Handschriften und Bildsprachen

    Nicht wenige Filmemacher bemühen sich um eine eigene, wiedererkennbare Bildsprache, ein Unterfangen was nicht ganz einfach ist, weil der Werkzeugkasten an Möglichkeiten doch begrenzt ist und zugleich allen zur Verfügung steht.

    Viele Cineasten haben sich mit der Bild,- und Formensprache ausgewählter Regisseure und Kameraleute beschäftigt. An dieser Stelle verweisen wir auf herausragende Beispiele. Ausserdem verlinken wir auf interessante Seiten zur Filmanalyse und Montagetheorie.

     

    Wes Anderson

    Andy Crump´s "Beginners Guide"

    David Bordwell über "Grand Budapest Hotel"

     

    Francis Ford Coppola & Sergio Leone

    "Schlusssequenzen Montageanalyse" von Scott MacKenzie

     

    Filmmontage

    Hans Beller über den Schnitt

    Jan Speckenbach über den unsichtbaren Schnitt und den Jump Cut

    Lars Bo Kimergård über Basistechniken des Filmschnitts

    Maya Deren über den kreativen Schnitt

    Edvin Kau "Ist Montage Zusammensetzen oder Trennen von Einzelstücken"

     

    Walter Murch

    Cutter und Sound-Designer

     

    Anleitungen zur Filmanalyse

    Semiologie des Films

     

  • Nachdenklichkeiten

     

    Schatten

    Instant-Philosophie: Risiken und Nebenwirkungen willkommen

     

    Es ist dieses Gedankenflimmern, was neue, andere Filme hervorbringt, die Liebe, die Irritation, der Zweifel, das Vertrauen kurzum ein Sturm von Ideen der durch unseren ureigenen Filter vielleicht zu einer Geschichte, einer Erzählhaltung oder vielleicht auch nur zu einem wertvollen Gedanken werden kann.
    An dieser Stelle weisen wir in loser Folge auf Artikel  hin, die mal mehr, mal weniger faszinieren, Anstöße geben, in jedem Fall aber Nahrung sind für die von der alltäglichen Fernsehdröhnung geschädigten Seelen. 
    Gedankliche Exkursionen für all Jene, denen die Inhalte ihrer Drehbücher und Filme nicht gleichgültig sind, die etwas zu sagen haben, was Menschen bewegt. Die wissen wollen, was anderen Menschen in der Welt jenseits der Tagesaktualität, der PR-Schwindel und der Werbesprüche wichtig ist.
    Auf die Inhalte, Konsistenz und Verfügbarkeit jener fremden Seiten haben wir keinen Einfluss. Sollten verlinkte Seiten auf tote Links führen oder Links aus anderen nachvollziehbaren Gründen aus dieser Sammlung herausgenommen werden, bitten wir um eine kurze Nachricht an das Movie-College.
    Viel Vergnügen beim Stöbern und Entdecken von Sinnigem und Unsinnigem quer durch das weltweite Web.

     

    Verdammt authentisch

    Das Mainstream Kino besetzt vorzugsweise typgerecht, dass das für viele Schauspieler zugleich ein Fluch sein kann, beleuchtet dieser Artikel...

    Das Licht im Kino

    Gedanken darüber, was den Zauber ausmacht in der Lichtführung gelungener Filme- Sonne, Mond und Bogenlampen...

    Kino und Echtzeit

    Nchdenken über das Verhältnis von filmischer Zeit und Echtzeit...

    Crowdfunding for everybody?

    Dürfen auch finanziell gut gestellte Filmemacher Crowdfunding nutzen um ihre kommerziellen Werke herstellen zu können,- eine interessante Diskussion die mit dem Scheitern eines Projektes ausgebrochen ist...

    Rumänische Einstellungen

    Die langen Einstellungen im jungen rumänischen Kino haben sehr viel mit den Lebensbedingungen im Land heute und früher unter der Diktatur zu tun...

    Unschuld und Neugier

    Rüdiger Suchsland hat ein Gespräch mit Isabelle Hupert geführt über Ihre Arbeit mit verschiedenen Regisseuren... 

    Film und das Böse

    Es spielt eine immense Rolle im Kino und wird doch eher selten unter ästhetisch-philosophischen Aspekten betrachtet: Das Böse. Und mit ihm das Gute. Zeit, sich einmal intensiver damit zu befassen...

    Fernsehen

    Die Enthüllungen über einen neuen "Seilschaften"-Skandal beim Fernsehen führen zu neuer Nachdenklichkeit über die Qualität der Fernsehspiele. Im Spiegel sind wichtige Thesen zusammengestellt.

    Schauspielerdasein

    Man spricht nicht darüber, wie es sich so lebt als Schauspieler, wie man überlebt, wie man zwischen einzelnen Drehtagen die gut bezahlt sind, seine Miete weiterzahlt. Der Schauspieler Heinrich Schafmeister spricht doch und was er erzählt, ist lesenswert...

    Wahrheiten..

    Dass Filmkritiker das tun, was ihr Job eigentlich fordert, nämlich kritisch zu sein, ist wenigen vorbehalten, die meisten möchten ihre Einladungen zu den nächsten Premieren großer Filme oder Preisverleihungen nicht riskieren. Wenn es doch mal Jemand tut, sollte man unbedingt hineinlesen....

    Die Segnungen der modernen Technik haben Folgen...

    Fernsehen, Computer, Spiele, i-Pod, all die Segnungen der heutigen Technik haben angeblich dazu geführt, dass es in Zukunft immer weniger Interlektuelle gibt....

    Von den Anfängen der Wirtschaft,- Affenversuche...

    Affen haben keinerlei Interesse an Geld, weder an Noten noch an Münzen. Aber sie interessieren sich massiv für Marshmallows. Und weil diese so begehrt sind, haben sie sich als Belohn- und Bezahlsystem bestens bewährt....

    Wie Ehre entsteht...

    Vielleicht ein etwas altmodisches Wort und doch etwas, das im realen Leben wie im Verhalten von Filmfiguren größte Bedeutung hat- die Ehre. Wie sie entsteht und wie man sie erkennt....

    Kaufen ist wichtiger als arbeiten...

    Unsere Gesellschaft ist banaler, ist konsumergeben geworden. Warum das so ist und was mit den alten Werten geworden ist, beleuchtet dieser Essay...

    Frauen und Männer streiten ganz anders...

    Nein, nicht nur für Drehbuchautoren und Regisseure ist diese Erkenntnis wichtig, auch für beinahe jeden anderen Sterblichen unter uns stellt sich die Frage, warum viele Frauen ohne Ende über Konflikte und Probleme reden wollen, während Männer häufig lieber darüber schweigen. Versuch einer Analyse...

    Wo die Wut hinfällt...

    Es gehört zu den Merkwürdigkeiten dieser Welt, dass manche Menschen ihre Aggressionen, die sie in sich tragen, vorzugsweise gegen Andere richten, statt etwas an den Ursachen zu verändern. Eine Untersuchung über umgeleitete Aggression und zugleich Erklärung für Vieles...

    Himmlischer Dialog

    Bergmann und Antonioni starben am gleichen Tag, wer weiß, welche Diskussionen sie dort wo sie jetzt sind, miteinander führen. Ein Versuch...

    Glücksgefühle

    Die Menschen jagen ihnen hinterher, doch woher sie stammen und wie sie entstehen, ist von vielen Faktoren abhängig. Und die antworten, wie man glücklich wird, sind schier zahllos in ihrer Vielfalt. Ein Versuch, zu Aussagen zu gelangen...

    Die berühmteste Schauspielerin der Welt

    Nein,- nicht die und sie auch nicht... die berühmteste Schauspielerin der Welt lebte vor unserer Zeit und sie hieß Sarah Bernard und war ein französischer Bühnenstar. 1844 wurde sie geboren und starb 1923 nach einer grandiosen Karriere. Sie war neben Napoleon die Person Frankreichs mit dem größten Bekanntheitsgrad.

    Wer schrieb "Frankenstein"?

    Immer wieder gab es Zweifel darüber, ob "Frankenstein" wirklich von Mary Shelley geschrieben wurde. Gerade erst hat Kritiker John Lauritsen neue Zweifel geäußert, die These basiert eigentlich auf der Annahme, dass Frankenstein ein Meisterwerk sei und derartiges nicht so einfach von einer sonst unbekannten Autorin stammen könne. Doch der Guardian ist sich sicher,- das Buch muss von Mary Shelley stammen, weil es einfach so schlecht geschrieben ist...

    Superhelden haben es immer schwerer

    Ausgerechnet das Comic-Genre, welches so Vielen den festen Glauben an die Stärke und Gerechtigkeit des Guten beschert hat, befindet sich auf einem Abstieg. Vielleicht haben Realitäten wie der Irak-Krieg oder 9/11 Zweifel an der Unbesiegbarkeit der Kindheitshelden aufkommen lassen...

    Strukturen

    Aristoteles sagte, ein Drama benötigt einen Anfang, einen Hauptteil und einen Schluss. Gut, sagte Godard, - aber vielleicht nicht in dieser Reihenfolge...

    Was wären Kino und Computerspiele ohne sie...

    Kaum eine Idee zieht sich so konsistent durch das Kino und die Computerspiele unserer Zeit wie jene von den Untoten, den Zombies, die uns im Bedarfsfall hinter der nächsten Straßenecke auflauern können. Warum braucht unsere Gesellschaft Zombies?

    Der beste Weg zu guten Ideen...

    ...ist, möglichst viele Ideen zu haben und diese auch aufzuschreiben. Die Wissenschaft erforscht immer mehr die Wege menschlicher Kreativität und entdeckt, dass diese noch komplizierter sind, als wir bisher annahmen...
    Weitere Beiträge finden Sie in unserem "Gedankenarchiv" Das Movie-College haftet nicht für den Inhalt fremder Seiten.

     

  • Diskussion Graf Henke 500Handverlesene Artikel, Gespräche und Interviews rund um Film und Medien

  • Katharina Thalbach

    Frau Mischke (Katharina Thalbach) in "Liebe, Leben, Tod"

     

    Filmkritik kann unterschiedliche Aufgaben verfolgen. Die tagesaktuelle, den Kinostart begleitende Filmbesprechung mit persönlicher Bewertung, jene Kritik, die analytisch Stärken und Schwächen eines Filmes aufzeigt, oder die über das Einzelwerk weit hinausgehende, Genres oder Zeitphasen thematisierende Betrachtung sind nur ein paar Beispiele.

     

    Barbara Sichtermann zu "Liebe, Leben, Tod" (DIE ZEIT)

    „Wer ‚Liebe, Leben, Tod‘ gesehen hat und sich nicht zufrieden mit einer Welt, die solche Wunder zuläßt und bezahlt, zu Bett gelegt hat, ist entweder ein Banause oder ein unverbesserlicher Alarmist. Allarys Film […] führte die sogenannte Perversion zurück in die Normalität, wo sie längst angekommen ist und wo sie Liebe verdient, dem Leben Reiz verleiht und selbst den Tod nicht scheut.

     

    […] Wir haben alle unsere Eigenheiten, sagt dieser Film, und mehr: Erst in unseren Eigenheiten liegt unsere Würde. […] Solange solche Orchideen im Programm blühen, will man die Kommerzsender und ihren Druck auf die öffentlich-rechtlichen akzeptieren. Aber nur so lange! Wenn im Fernsehen keine Allarys mehr ihre Visionen vorführen dürfen, kann man das Medium als auch künstlerisches abschreiben.“

     

    Bedeutung

    Kritik kann, wenn sie produktiv verstanden wird, dem Zuschauer den Zugang zum Film erweitern, neue Sichtweisen eröffnen aber auch die Schöpfer eines Filmes über ihre eigene Arbeit bewusster werden lassen. Dabei erlauben nicht nur die bewertenden Bestandteile der Kritik, sondern auch die Inhaltsangabe Rückschlüsse darauf, ob die erzählte Geschichte richtig verstanden, ob die evozierten Emotionen und Haltungen auch tatsächlich vermittelt wurden.

     

    Beispiel für den Aufbau

    Kinosaal

    Als relevantes Entscheidungskriterium für Kinobesuche oder DVD Käufe, sind Filmkritiken von großer Bedeutung. Daneben aber sind sie Teil einer öffentlichen Auseinandersetzung mit künstlerischen Arbeiten

     

    Vom Aufbau her, wird in der Regel bei einer einfachen Kritik zunächst ein kurzer Inhalt zum Film geliefert, bevor dann die Kritik die gestalterischen und inhaltlichen Stärken und/oder Schwächen erläutert und zu einem Fazit kommt. Je nach Autor-in wird die Bewertung mehr persönlich oder neutraler zurückhaltend ausfallen.

     

    Konstruktive Kritik

    Die Kultur der Kritik hat maßgeblichen Einfluss auf die Qualität der Filme. Zeiten, zu denen in den Medien streitbare Geister über Einzelwerke, Stile und Tendenzen im Film gerungen haben, förderten die Risikobereitschaft und Entwicklungsfähigkeit der Filmemacher. Auch hitzige Diskussionen zwischen Publikum und Filmemachern waren letztlich, selbst wenn sie unangenehme Erkenntnisse zutage förderten, produktiv. Die legendäre Filmzeitschrift „Filmkritik“ (gegründet 1956 von Enno Patalas und dem 2001 verstorbenen Theodor Kotulla, herausgegeben unter Mitarbeit von Ulrich Gregor und Wilfried Berghahn), in welcher der Film bis 1984 auch im Sinne von Filmtheorie diskutiert wurde, kennt der heutige Filmnachwuchs schon gar nicht mehr.

     

    Die aufgeregten Diskussionen nach den Filmen sind selten geworden und beschränken sich auf Publikumsfragen nach den Herstellungskosten oder dem „Fun“ bei den Dreharbeiten. Und auch der prozentuale Anteil der Kritiken, die diesen Namen wirklich verdienen, hat deutlich abgenommen. Zudem wird der Begriff Filmkritik mehr und mehr verwässert durch fast wörtlich übernommene Pressetexte der Filmverleihe, die von werbefinanzierten Print-, Hörfunk oder Onlineredaktionen verbreitet werden.

     

    Schreiben

    Eine gewichtende, den Kern eines Filmwerks offenbarende Kritik schreibt sich nicht leicht. Das ist harte Arbeit, erfordert viel Sachverstand, Herzensbildung und Sattelfestigkeit, was die Filmgeschichte angeht. Noch gibt es sie hier und da, jene Kritiker, die sich auf diese Arbeit einlassen und trotz der Buffets und attraktiver Reisen zu Filmstarts beim Schreiben letztlich nur auf sich selbst vertrauen. Filmkritik im professionellen Sinne ist viel mehr als die persönliche Geschmacksanalyse eines Kinobesuchs. Sie hat mit Verantwortung, Vertrauen und Filmkultur zu tun. Eine zu beliebige Haltung der Kritiker, die keine wirklichen Abstürze und keine echten Annerkennungen von Spitzenleistungen zulässt, trägt zu mehr mittelmäßigen Filmen bei. Eine aufrichtige, in kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verankerte Kritik dagegen eröffnet echte Erkenntnisse und Chancen.

     

    Im Übrigen begannen auch einige bedeutende französische Regisseure etwa der Nouvelle Vague, wie z. B. Francois Truffaut, Jean-Luc Godard und Claude Chabrol als Filmkritiker. mehr...

     

    Links

    Die Linksammlung zu Seiten mit Filmkritiken offenbart bereits deutliche Unterschiede in Haltung und Anspruch der Kritiken.

    Kritiken-Archiv

     

    Cineclub
    Cineman
    epd Film
    filmfacts
    filmforum
    filmkritik.at
    filmrezension.de
    filmtext.com

    new filmkritik für lange texte, die schwester von new filmkritik
    Zeichensprache.de

  • In Zeiten, in denen für Filmkritiken immer weniger bis gar kein Geld mehr bezahlt wird, obwohl sie ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Filmkultur sind, ist es vielleicht umso wichtiger, sich einmal die Anfänge und Geschichte der deutschsprachigen Filmkritik vor Augen zu führen. Nicht zuletzt bildete sie eine der Grundlagen für die Filmanalyseund Filmwissenschaft.

     

    Kinosaal historisch

    Die Anfänge: Fachzeitschriften

     

    Alter Filmscheinwerfer

    Dass man in Feuilletons Filmkritiken lesen konnte, war gar nicht selbstverständlich.

     

    Etwa zeitgleich mit der Einrichtung echter Gebäude zum Zwecke der Filmaufführung, also einem Schritt weg von den Varietes, den Spiele-Arkaden und Rummelplatzvorführungen hin zu ersten Kinos, entstanden auch die ersten Fachzeitschriften für Film. Die wohl erste, der „Kinematograph" stammte aus Düsseldorf und schrieb seit 1906 über Filme.

     

    Dabei gaben sich die frühen Filmzeitschriften aufklärerisch, schließ kannte sich kaum Jemand mit dem neuen Medium Film aus.

     

    Tageszeitungen schrieben auch über Filme, oft aber eher, um den Protest bestimmter Interessensgruppen gegen den einen oder anderen Filminhalt zu publizieren.

     

    Im Sommer 1909 erschien erstmals „Die Lichtbild-Bühne", herausgegeben von Paul Lenz-Levy, eher mit dem Hintergedanken, Hinweise auf technische oder gestalterische Fehler in den besprochenen Filmen zu geben. „Kino-Theater-Kritik" nannte der Autor diese Art von Rezensionen. Das konnte bis hin zu Vorschlägen für eine bessere Musikuntermalung reichen. Wir befinden uns schließlich noch tief in der Stummfilmära, neben den dokumentarischen Wochenschauen mit Nachrichten,- und Magazincharakter gab es aber bereits eine Reihe von Unterhaltungsfilmen, die durchaus auch ernster Natur sein konnten.

     

    Diese Fachblätter wurden allerdings kaum von den normalen Zuschauern gelesen, sie richteten sich eher an die Branchenmitglieder, Filmleute und Kinobetreiber. Ob diese sich gerne vorhalten lassen wollten, was alles an ihren Arbeiten unzulänglich sei, ist fraglich.

     

    Näher an die Zuschauer

    Tanzschuhe

    Film wurde erst langsam von reiner Jahrmarktunterhaltung zu einer veritablen Kunstform

     

    Einige der ersten Kritiken in Tageszeitungen, erschienen in den „Münchener Neuesten Nachrichten" 1910. Sie waren Kinema-Kritik überschrieben und besprachen Uraufführungen.
    Doch erst mit der zunehmenden Filmlänge machte es Sinn, Filme ausführlicher zu besprechen. Anfang des zweiten Jahrzehnts, begannen die Filmproduzenten und Kinobetreiber, Pressevorführungen anzubieten. Diese Maßnahmen hatten Erfolg, nach und nach erschienen immer öfter Filmbesprechungen von ähnlichem Umfang wie Theaterkritiken.

     

    1913 wurde bereits der angeblich erste „Autorenfilm" in Berlin uraufgeführt, „Der Andere" von Max Mack. Die Tageszeitungen berichtete erstmals über diesen Film in ihren Feuilletons, die bis dahin weitgehend der Kunst, dem Theater, der Literatur und der Musik vorbehalten waren. Doch es blieben erst einmal Ausnahmefilme, die es bis ins Feuilleton schafften. Paul Wegeners „Der Student von Prag" gehörte ebenfalls dazu und wurde künstlerisch und schauspielerisch in den höchsten Tönen gelobt. Auffällig, wie wichtig den frühen Kritikern die Bewertung der schauspielerischen Leistungen war.

     

    Die Kino-Zeitschrift „Bild und Film", von der katholischen Kirche Finanziert und ein Vorläufer des späteren „katholischen Filmdienstes" kritisierte vor allem ästhetische Mängel, war aber auch offen für neue Entwicklungen im Kino. Zu den Regelmäßigen Autor-inn-en gehörten Ludwig Hamburger, Hermann Häfker, Adolf Behne, Alexander Elster, sowie mit Malwine Rennert und Hilda Blaschitz als frühe Filmkritikerinnen. Einige von ihnen formulierten sogar so etwas wie eine Theorie des Schauspielens, etwas das Béla Balázs' in den zwanziger Jahren in seinem Buch "Der sichtbare Mensch" intensiv ausformulierte. Und auch die Montage rückte mehr und mehr in den Fokus der Filmkritiker-innen.

     

    Fragen nach den Wirkungen

    Je mehr der Film zum Massenmedium wurde, umso stärker wurde auch der Ruf nach Zensur sowie die Auseinandersetzung damit, was jene Filme denn eigentlich mit den Zuschauern anstellen könnten. Welchen Einfluss würde Film in moralischer, religiöser oder politischer Hinsicht auf die Massen haben? Der erste Weltkrieg schließlich nutzte erstmals das Medium für Propagandazwecke. Der künstlerische Film lag während des ersten Weltkrieges bei den im Krieg befindlichen europäischen Filmländern praktisch am Boden. So gab es wenig, worüber man Kritiken schreiben konnte. Lediglich frühe Blockbuster wie „Birth of a Nation" fanden ihren begeisterten Niederschlag in Filmkritiken.

     

    Nach dem Ende des ersten Weltkrieges entstanden mit „Die Puppe" oder „Das Kabinett des Dr. Caligari" sowie „Nosferatu" Filme, die deutlich durch die Traumata und Zerstörungen des Krieges geprägt waren. Kurt Pinthus und Kurt Tucholsky, schrieben unter anderem für die Zeitschrift "Das Tagebuch" und das "8-Uhr-Abendblatt", später dann für "Die Schaubühne" Filmkritiken. Siegfried Kracauer schrieb ab 1921 für die "Frankfurter Zeitung" und war wohl der bekannteste Filmkritiker der zwanziger Jahre. Sein in den vierziger Jahren erschienenes Buch „Von Caligari zu Hitler" zählt auch heute noch zu den Standardwerken der Filmgeschichte.

     

    Ab Mitte der zwanziger Jahre veröffentlichten auch Bernard von Brentano und Rudolf Arnheim Filmkritiken und versuchten Gesetzmäßigkeiten in dem noch jungen Medium zu entdecken. Die Kritik am Film war endgültig etabliert...

     

  • Kinosaal

     

    Filme in der Diskussion

     

    Die aktuellsten Filmkritiken finden Sie hier.

     

    Die archivierten Filmkritiken aller Filme, die wir seit 1999 besprochen haben, finden Sie im Folgenden:

     

    In diesem Bereich finden Sie ein breites Spektrum an Texten zu Filmen, gesichtet und besprochen von der Movie-College-Redaktion. Die Kritiken sind individuell, unabhängig von Verleiherinteressen und geben ganz bewusst persönliche Sichtweisen und Haltungen wieder. Sie helfen bei der Orientierung, geben einen Überblick und sind zugleich ein Archiv all der Filme, die wir gesichtet haben.

     

    Hier eine Übersicht:

    #- A- B- C- D- E- F- G- H- I- J- K- L- M- N- O- P- Q- R- S- T- U- W- X - Y- Z

     

     

    #

    1:1

    2 Tage Paris

    20th Circuit Suspects

    24/7. Sunset Boulevard

    303

    4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage

    5x2 (Fünf mal Zwei)

    37 Uses for a Dead Sheep

    45 Years

     

    A

    Ab-normal Beauty

    Accident (Yi Ngoi)

    Accordion Tribe

    Achte Welt, Die

    Addicted to Plastic

    A few Days later

    Agitbrigada

    Aguaviva

    A Lake

    Alice im Wunderland

    Alte Affe Angst. Der

    Alles für meinen Vater

    Alter und Schönheit

    Am Anfang war das Licht

    Am Arsch der Welt

    Andere, Der

    Andere Liga, Eine

    Angel

    Angry Monk

    Anything Else

    Apartment-Schreck, Der

    Apocalypto

    Assassin's Creed

    Atash - Durst

    Auftrag Rache

    Augenlied

    Australia

    Avalon

    Avengers: Endgame

    Aviator

     

    B

    Bad Lieutenant

    Bal

    Balseros

    Band's Visit, The

    Basic Instinct

    Batella en el Cielo

    Beautiful Country

    Before Sunset

    Be Here To love Me: A Film About Townes van Zandt

    Belle Personne, La

    Bergblut

    Berufung, Die

    Best thing, The

    Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen

    Big Bad Swim, The

    Bilal

    Bildnis des Dorian Gray, Das

    Bin ich sexy?

    Bis später, Max!

    Black Box BRD

    Bloom

    Bluthochzeit, Die

    Bokunchi

    Bombón - Eine Geschichte aus Patagonien

    Bonjour Sagan

    Boy 7

    Brand, Der

    Breach

    Brief für den König, Der

    Britney, Baby, One More Time

    Broken City

    Bruno Manser

    Buddenbrooks

    Buffalo Soldiers

    Bug

     

    C

    Cachorro

    Candy

    Captain Fantastic

    Cars 3

    Carte Ghermez

    Casanova

    Case, The

    Casomai - Trauen wir uns?

    Caterina in the big city

    Center of the World, The

    Charlie und die Schokoladenfabrik

    Child, The

    Children of the Prophet

    Chinesischen Schuhe, Die

    Choses Secrètes

    Cinemania

    City of Ghosts

    Coffee and Cigarettes

    Collateral

    Colonia Dignidad

    Commune

    Comrades in Dreams

    Contender, The

    Contergan: Die Eltern

    Criminal Activities

    Cry Wolf

    Cuba-Coup, Der

     

    D

    Da geht noch was

    Dame, König, As, Spion

    Dark, The

    Dark Knight, The

    Das Leben ist nichts für Feiglinge

    Das Wunder im Meer von Sargasso

    Death of a President

    Denk' ich an Deutschland

    ... denn sie wissen nicht, was sie tun

    Descent, The

    Deuces Wild

    Devil's Rejects, The

    Devot

    Dialog mit meinem Gärtner

    Disgrace

    Dix-sept Ans

    Donnervogelfrau, Die

    Don't tell

    Double Hour, The

    Drive

    Drum

    Du sollst nicht lieben

    Duft von Lavendel, Der

    Duplex

    Durst

     

    E

    Eaten Alive

    Eddie The Eagle

    Eden

    Eisenfresser

    Eisprinzessin, Die

    Ejido - la loi du profit, El

    Eldorado

    Elenors Geheimnis

    Election

    Elle s'appelle Sabine

    Elsa und Fred

    End of the Century - The Story of the Ramones

    En garde

    Entdeckung der Currywurst, Die

    E.O.F.T. 2018/19

    Eros

    Esmas Geheimnis

    Esquive, L'

    Espinazo del Diablo, El

    Estrellas de la linea

    Es war einmal

    Everybody's Fine

    Exil

    Exile Famliy Movie

    Exte

     

    F

    Fall Chodorkowski, Der

    Fall Collini, Der

    Falscher Bekenner

    Familienreise

    Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer

    Fantastische Mr. Fox, Der

    Fateless - Roman eines Schicksallosen

    Fatherland

    Faust

    FC Venus

    Feed

    Feel like going home

    Ferpektes Verbrechen, Ein

    Fetten Jahre sind vorbei, Die

    Feuchtgebiete

    Feux Rouges

    Fiesta del chivo, La

    Fight Back, Fight Aids

    Fighting Temptations, The

    Fighter, The

    Filmfest: Amateurs

    Final Cut, The

    Finow

    Five minutes of heaven

    Five Obstructions, The

    Flammend Herz

    Fleur du Mal, La

    Flight Plan

    Fluch der Karibik 2

    Fly Me To The Moon

    Folie - pas du tout!, Á la

    Footloose

    Four Sheets to the Wind

    Francofonia

    Französisch für Anfänger

    Frau am Ende der Straße, Die

    Frau des Leuchtturmwärters, Die

    Freak Orlando

    Freedom2speak v2.0

    Fremde Haut

    Freund von mir, Ein

    Friedliche Zeiten

    Friends with money

    Friseuse, Die

    From Paris with Love

    Frontalknutschen

    Frozen

    Fuchs und das Mädchen, Der

    Fucking Amål - Raus aus Amal

    Für den unbekannten Hund 

    Fureur - Wut

     

    G

    Gates,The

    Gabrielle - Liebe meines Lebens

    Gegen die Wand

    Gegenüber

    Geh und lebe

    Geheimnis, Ein

    Gente di Roma

    Geschichte zum Erwachsenwerden, Eine

    Gespenster

    Gettin' the man's foot outta your baadassss!

    Ghost Rider - Spirit of Vengeance

    Ghostwriter, Der

    Girl with a Pearl Earing

    God is brazilian

    Godsend

    Golden Lemons

    Good Bye Lenin

    Good night and good luck

    Green Book

    Gregs Tagebuch - Ich war's nicht

    Grenze

    Great Happiness Space, The

    Grey, The

    Große Haie - Kleine Fische

    Große Reise, Die

    Größte Spiel seines Lebens, Das

    Grudge, The

    Grüße aus Dachau

    Gunman, The

     

    H

    Habermann

    Halbzeit-Bericht

    Hardcore

    Harold & Kumar

    Harry Potter und der Gefangene von Askaban

    Haus am Ende der Welt, Ein

    Hautnah

    Havanna Blues

    Headhunters

    Heaven's Doors

    Helfer und die Frauen, Die

    Hellboy II - Die Goldene Armee

    Herzogin, Die

    Hier kommt Lola!

    Himmelreich

    Hired Hand, The

    Historias Minimas

    Hitman - Agent 47

    Hologramm für den König

    Hope for All

    Horror Hotline... Big Head Monster

    Host, The

    House of Fools

     

    I

    I Love you, Phillip Morris

    Ich bin die Andere

    Ich bin doch keine Mörderin - Der Fall Dennis

    Ichi

    Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen

    Im Jahr des Hundes

    Immer Drama um Tamara

    Im Rennstall ist das Zebra los!

    In den Süden

    Independent Boy

    In ihrem Haus

    In meinem Himmel

    Inland Empire

    Inside Deep Throat

    Inside Hollywood

    International, The

    In the cut

    I, Robot

    Irina Palm

    Iron Man 2

    Iron Sky

    Irréversible

     

    J

    Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall

    Jede Sekunde zählt - The Guardian

    Jellyfish

    Jerichow

    Jerry Cotton

    Jesus Camp

    Junge im gestreiften Pyjama, Der

    Jungle Book, The

    Jurassic World

    Jurassic World 2: Das gefallene Königreich

    Just a Kiss

    Juha

     

    K

    Kammerflimmern

    Kaufmann von Venedig, Der

    Kebab Connection

    Keine Sorge, mir geht's gut

    Kick, Der

    Kick'n Rush

    Kike Like Me

    Kill Bill Vol.2

    Kinder der Seidenstraße, Die

    King Arthur

    Kiriku und die wilden Tiere

    Kiss & Kill

    Kissing Jessica Stein

    Kleine Schwester

    Knallhart

    Knowing

    Komm Näher - Happy As One

    Konkurrenten - Russlands Wunderkinder 2, Die

    König Laurin

    Königreich der Himmel

    Korankinder

    Koroshiya 1

    Krabat

    Kriegerin

    Kroppen Min

    Kunst, sich die Schuhe zu binden, Die

    Küss mich, bitte!

     

    L

    La belle Personne

    L. A. Crash

    Last Mimzy, The

    La Nana- Die Perle

    Leben der anderen, Das

    Lemony Snicket - Rätselhafte Ereignisse

    Letzte Sau, Die

    Liberty Heights

    Lichter

    Liegen lernen

    Life

    Life 2.0

    Lion

    Little Baby Jesus of Flandr

    Lobster, The

    Local Angel - Theological political Fragments

    London Has Fallen

    Lookout, The

    Lore 

    Lost River

    Lovely Rita

    Love's Brother - Eine italienische Hochzeit

     

     

    M

    Madame Brouette

    Mädchen mit dem Perlenohrring, Das

    Mafia mordet nur im Sommer, Die

    Mängelexemplar

    MAÏMOUNA - LA VIE DEVANT MOI

    Malen oder Lieben

    Manchester by the sea

    Manito

    Mann namens Ove, Ein

    Mann von der Botschaft, Der

    Manufactured Landscapes

    Manufacturing Dissent - Uncovering Michael Moore

    Margin Call - Der große Crash

    Maria voll der Gnade

    Marseille

    Mauer (Mur)

    Max Bill

    Max Frisch, Citoyen

    Me and my sister

    Me too (Yo, Tambien)

    Mein anderes Leben

    Mein Vater. Mein Onkel.

    Melinda und Melinda

    Memento

    Metallica - Some kind of Monster

    Miffo

    Milk

    Million Dollar Baby

    Mit dem Herz durch die Wand

    Mitte, Die

    Mission: Impossible - Phantom-Protokoll

    Models

    Mon Ange

    Mond und andere Liebhaber, Der

    Mondscheinkinder

    Mondscheintarif

    Mongole, Der

    Monster

    Moolaáde

    Moon

    Moonlight Mile

    Mord und Margaritas

    Motorcycle Diaries

    Mouth to Mouth

    Mr. Morgan's Last Love

    Mr. Nobody

    Musumedojoji

    Mutter & Sohn

    Mütter und Töchter

     

    N

    Nacht singt ihre Lieder, Die

    Nana - Die Perle, La

    Napola - Elite für den Führer

    Natarang

    Natur vor uns, Die

    Neulich in Belgien

    Neunte Tag, Der

    Nightmare on Elm Street, A

    Nina

    Nine

    Nomaden des Himmels

    Note by Note

    Novemberkind

    Number 23, The

     

    O

    Oasis

    Odette Toulemonde

    Offside

    O´Horten

    One day in Europe

    ONE - der Film

    One Fine Spring Day

    One Room Man - Kevin Coyne

     

    P

    Pans Labyrinth

    Parallel Lines

    Paris, Paris

    Party Monster

    Passing Stones

    Perlenstickerinnen, Die

    Peter Zadek insziniert Peer Gynt

    Phantom der Oper, Das

    Ping Pong

    Planes

    Ploschtscha

    Poem

    Possession - Das Dunkle in dir

    Pour le meilleur et pour l`oignon

    Possessed

    Precious - Das Leben ist kostbar

    Primo Amore

    Prinz Kaspian von Narnia

    Prinzessin

    Prison where I live, The

    Private

    Promoterin, Die

    Proof

    Prophezeiung von Celestine

    Prinzessinenbad

     

    Q

    Quantum Trost, Ein

     

    R

    Rage

    Rasberry Reich, The

    Ravin Iran

    Ravioli

    Reise der Pinguine, Die

    Relatos Salvajes

    Remember Me

    Rendezvous

    Requiem for a Dream

    Rescue Dawn

    Revanche

    Rhythm is it!

    Ring 2

    RIP: A Remix Manifesto

    Rize

    Road, The

    Robin Hood (2010)

    Rogue One: A Star Wars Story

    Roller Girl - Manchmal ist die schiefe Bahn...

    Romulus, My Father

    Rumba

     

    S

    Sakuran

    Saniyes Lust

    Say Yes

    Scanner Darkly, A

    Schatten der Zeit

    Schau mich an (Comme une Image)

    Scherbentanz

    Schläfer

    Schloß im Himmel, Das

    Schönste Tag in meinem Leben, Der

    Schuld und Rache

    Science of Sleep, The

    Seit Otar fort ist...

    Sempre Vivu!

    Shame

    Shattered Glass

    Shekarchi

    Shutter

    Sicario

    Silent Hill

    Silentium

    Silent Voice Silent Colour

    Silly Age, The

    Sin City

    Single Man, A

    Slasher

    Slovenian Girl

    Slow West

    Smile & Wave

    So finster die Nacht

    Sois sage

    Someone Beside You

    Somersault - Wie Parfum in der Luft

    Sonatine

    Son Frère

    Sonita

    Sophie Scholl

    So was wie Liebe

    Soul Keeper

    Spanglish

    Speed - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

    Spider

    Spider-Man 2

    Spielwütigen, Die

    Spun

    Spy Kids 4

    Stage Beauty

    Star Wars, Episode 3 - Die Rache der Sith

    Station Agent

    Status Yo!

    St. John's Wort

    Stein der Geduld

    Stella und der Stern des Orients

    Stilles Chaos

    Streetdance 3D

    Suburra

    Sui Pian (Snippets)

    Suite Habana

    Suite Havanna

    Sungnyangpari Sonyue Jaerim

    Super Size Me

    Syrische Braut, Die

     

    T

    Tae-Poong-Tae-Yang

    Talk to me

    Tal von Elah

    Tale of Tales

    Teknolust

    Tenrikyo

    Terkel in Trouble

    Terminator - Genisys

    Terminal

    Tetro

    Thank you for Smoking

    They Came Back

    Thing, The

    Thirteen Conversations About One Thing

    Thumbsucker - Bleib so, wie du bist

    Together

    Tokyo Tribe

    Toolbox Murders, The

    Transit

    Transporter - The Mission

    Transporter Refueled, The

    Traum, Der

    (T)Raumschiff Surprise

    Travelling with Che Guevara

    Treffpunkt der Doku-Szene

    Trennung

    Tribe, The

    Trilogia: To Livadi Pou Dakrisi

    Triunfo, El

    Troja

    Troppa Grazia

    Trouble ohne Paddel

    Troubled Water

    Twilight

    Typ, Der

    Tür, Die

    Türkisch für Anfänger

     

    U

    Underdogs

    Unglaublichen, Die

    Up in the air

    Up The Yangtze

    Urlaub vom Leben

     

    V

    Valhalla Rising

    Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeiten

    Vaterland

    Vatertage - Opa über Nacht

    Verfolgt

    Vergebung

    Vergessenen, Die

    Verlorene Sohn, Der

    Vermächtnis der Tempelritter. Das

    Verrückter Tag in New York, Ein

    Verrückte Weihnachten

    Verschwende deine Jungend

    Versus

    Vida que te espera - Your next Life, La

    Vierte Macht, Die

    Vierte Revolution, Die

    Vincent will Meer

    Virgin of Lust

    Visit, The

    Vitus

    Vorleser, Der

     

    W

    Wächter der Nacht

    Wadjda

    Waiting for Someone

    Warten auf Angelina

    Was nützt die Liebe in Gedanken?

    Water

    Water - Die gehmeine Macht des Wassers

    We feed the world

    Weihnachtsgeschichte, Eine

    Weisse mit dem Schwarzbrot, Der

    Welcome to Collinwood

    Wenn Träume fliegen lernen

    Wer früher stirbt, ist länger tot

    What the bleep do we (k)now

    Whisky

    Wholetrain

    Wie beim ersten Mal

    Wiedersehen mit Brideshead

    Wild Tigers I have known

    Willkommen an der Grenze

    Willkommen bei den Sch`tis

    Winona La Duke, die Donnervogelfrau

    Winterreise

    Wintertochter

    Wir haben vergessen, zurückzukehren

    Wolfman

    Wolfsburg

    Woman Liang

    Wrong Side Up

    Wunderbare Welt des Wahrhaftigen, Die

    Wundersame Welt der Waschkraft, Die

     

    X

    XXY

     

    Y

    Yasmin

    Yazid's Brüder

    Yes, I am!

    Yo tambien

    Yusuf - Trilogie

     

    Z

    Zatoichi - Der blinde Samurai

    Z Channel: A Magnificent Obsession

    Zeit, die bleibt, Die

    Zigeuner

    Zimmer 1408

    Zombieland

    Zoomania

    Zwischen Nacht und Tag

     

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  • FilmspracheFilme arbeiten nicht nur mit Bildsprache, sondern häufig auch mit Zeichen und Bedeutungen. Die Semiotik hilft, diese zu entschlüsseln.

  • Kommunikations- und Kunsttheorie

    Linke Gehirnhälfte / rechte Gehirnhälfte... was geschieht mit den Bildern, den Tönen, den Eindrücken, wenn wir Filme rezipieren?

    Linke Gehirnhälfte/rechte Gehirnhälfte... Was geschieht mit den Bildern, den Tönen, den Eindrücken, wenn wir Filme rezipieren?

    Über Sprache zu forschen, herauszufinden, wie sie sich entwickelt hat, wie gesellschaftliche Veränderungen ihren Niederschlag in den Worten der Menschen finden, hat eine lange Tradition. Auch andere Werkzeuge zur Mitteilung - wie Bilder und Skulpturen oder die Musik - wurden zum Gegenstand der Wissenschaft und Theorie. Es verwundert wenig, dass die theoretische Auseinandersetzung mit dem Film beinahe so alt ist, wie der Film selbst. Früher als man denkt, haben sich Theoretiker dem neuen, fremden Medium zugewendet, aus einer Mischung von Neugier, Angst, Sorge um bestehende Künste oder auch großer Freude heraus.

     

    Die Wirkung der Bilder

    Kaum hatte der Film aus den Penny-Arcades und Jahrmärkten seinen Weg in veritable Filmtheater gefunden, begann man intensiv über das moderne Medium nachzudenken. Gerade in seiner Anfangszeit wurde auf vielfältigste Art diskutiert, welche Wirkung, welchen Einfluss die bewegten Bilder, die vorgetäuschte Wirklichkeit denn auf die Menschen haben würde. Dass mit diesen Erörterungen unzählige Warnungen vor Schäden aller Art einher gingen, versteht sich von selbst.

     

    Ästhetik

    Doch auch ästhetische Gesichtspunkte insbesondere der Schauspielkunst, der Perspektive und der Montage früher Stummfilme wurden in Künstlerkreisen und Zirkeln bereits sehr kontrovers diskutiert. Die Geschichten mussten allein durch eine klare, universelle Bildsprache vermittelt werden, schließlich war nicht jeder Zuschauer des Lesens mächtig. Die Zwischentitel der Stummfilme waren lediglich eine Beigabe für das gebildete Publikum. Besonders beeindruckte die Theoretiker die völlige Loslösung bisher bekannter linearer Zeitauffassung. Mit Film war plötzlich alles möglich. Aktuelle Kunstrichtungen wie Futurismus, Expressionismus oder Surrealismus fanden ihren Niederschlag auch im Film.

     

     

    Später, als die technischen Voraussetzungen für den Tonfilm geschaffen wurden, diskutierte man die möglichen künstlerischen und medizinischen Schäden durch Tonfilm. Als er dann doch, lange Jahre nach seiner Erfindung, eingeführt wurde, begannen die ersten Autoren, darüber nachzusinnen, welche Möglichkeiten und Ausdrucksformen dem Film mit dem Ton gegeben wurden.

     

    Der Film als Kunst und Wissenschaft

    Alter Filmprojektor

    Alter 35mm Filmprojektor

    Filme vereinigen viele der klassischen Kommunikationsmittel der Menschen gleichzeitig in sich und haben zugleich nicht allein durch die zeitliche Dimension (Filmablauf) eigene Gesetzmäßigkeiten. Eine theoretische Auseinandersetzung mit Film und Filmsprache ist gerade wegen der Komplexität des Mediums besonders spannend. Nicht jedem Film liegt ein klares Konzept zugrunde. Vieles, was die Wirkung, die Bedeutung, den Einfluss von Filmen ausmacht, wurde intuitiv und unbewusst gestaltet oder hat sich gar zufällig ergeben.

     

    Oft haben Kreative auf unterschiedlichen Kontinenten, ohne voneinander zu wissen, ähnliche filmsprachliche Lösungen gefunden. In allen wichtigen Filmnationen fanden sich Theoretiker, darunter auch Philosophen und Psychologen, die begannen, den Film mit seinen vielschichtigen Ausdrucksebenen zu untersuchen. Namen wie Rudolf Arnheim, Siegfried Krakauer, Hans Richter, Béla Balázs oder Erwin Panovsky seien hier genannt. 1936 begann in den USA das Metropolitan Museum of Art mit dem Aufbau einer Filmsammlung, ein äußeres Signal, dass der Film endlich als Kunstform akzeptiert wurde.

     

    Filmtheorie erlaubt bis zum heutigen Tage Rückschlüsse, Deutungen und Reflektionen zum Medium allgemein und zu konkreten Filmwerken. Sie gehört damit, gemeinsam mit der ihr durchaus nicht so fernen Filmkritik, zu den wichtigsten Indikatoren für den Stand der Filmsprache. Vor allem aber sollte nicht vergessen werden, dass Filmtheorie auch der Weiterentwicklung des Mediums dient, denn Filmemacher können daraus wichtige Anstöße und Ideen für künftige Filme erhalten.

     

    Filmforschung

    Zugegeben, das Wort Forschung wird im universitären Bereich und an Hochschulen häufig recht inflationär gebraucht, man muss also schon genauer hinschauen, wenn man herausragende Arbeiten aufspüren möchte.

     

    Weitere Kapitel im Bereich Filmtheorie

     

    Natürlich gehört auch die Kenntnis gestalterischer und technischer Hintergründe zur Filmtheorie dazu.

     

    Hier finden Sie unter Filmgestaltung, Kamera, Licht, Regie, Schauspiel,Ton und Postproduktionwichtige Basics.

     

    Interessante Studien und Arbeiten finden Sie hier: http://filmstudiesforfree.blogspot.de/

    Eine Seite mit der Analyse von Farbstellungen populärer Filme finden Sie hier: http://moviesincolor.com/#_=_

  • Filmzeit und Realzeit

     

    Außer bei einer Liveübertragung hat man es bei jedem Film, gleich ob fiktiv oder dokumentarisch, stets mit einer von der Wirklichkeit abweichenden Zeit zu tun. Das ist auch ganz im Sinne des Zuschauers. Wer will schon die ganze Zeit zusehen, wie Meister Gepetto seinen Pinocchio schnitzt? Oder Phileas Fogg tatsächlich 80 Tage braucht, um um die Welt zu reisen? Nur sehr selten dauert eine Handlung im Film genau so lange wie in Wirklichkeit. Das erwartet der Zuschauer auch nicht. Film ist nicht die Wirklichkeit, Film ist komprimierte, ist gestaltete, neue Realität.

     

    Weniger ist mehr...

    Geschehnisse, die sich real über längere Zeiträume hinziehen, werden im Film zu wenigen Minuten zusammengerafft und der Zuschauer akzeptiert das ohne jede Frage. Man hat sogar das Bewusstsein, an diesem langen Zeitraum teilgenommen zu haben, selbst wenn ein ganzes Menschenleben im Film erzählt wird.

     

    Doppelte Zeit

    Dann wieder werden Abläufe, die sehr schnell vonstatten gehen oder sogar gleichzeitig mit anderen geschehen, langsamer oder durch Zeigen paralleler Geschehen in doppelter Zeit dargestellt. Oder ein und dasselbe Geschehen wird im Laufe eines Filmes mehrfach wiederholt. Zeit kann für Filmhelden in Todesangst bei Bedarf unendlich lange gedehnt werden. Regisseure und Cutter lassen sich die Wartezeit, bis rettende Hilfe naht, genüsslich auf der Zunge zergehen. Und der Zuschauer akzeptiert es. Film vermag also in unserer Wahrnehmung physikalische Gesetzmäßigkeiten außer Kraft zu setzen, unsere natürliche Zeiterfahrung zu verwischen.

     

    Zeitverluste

    Doch wo genau, an welcher Stelle, findet dieser Verlust der wirklichen Zeit statt? Zunächst einmal natürlich im Drehbuch, wo nur ganz bestimmte Ereignisse erzählt und viele andere weggelassen werden. Am Drehort gibt es in Form jeder gedrehten Einstellung Momente realer Zeit. Jede Einstellung hält von Anfang bis Ende wirkliche Zeit fest. Doch wenn die Kamera ausgeschaltet wird, läuft die wirkliche Zeit am Drehort weiter und geht, weil die Kamera nicht mehr läuft, verloren. Wir sammeln also auf unserem Filmnegativ oder der Videoaufzeichnung Ausschnitte der realen Zeit. Sobald eine Einstellung im Schnitt mit einer davor liegenden und einer folgenden kombiniert wird, entsteht eine ganz andere Zeitebene, die Filmzeit.

     

    Schaffen einer eigenen Wirklichkeit

    In jeder Szene wird beim Schnitt reale Zeit herausgeschnitten und durch das Kombinieren eine eigene zeitliche Wirklichkeit geschaffen. Jede verwendete Einstellung ist natürlich ein Ausschnitt der realen Zeit. Die Kombination verschiedener Einstellungen (realer Zeitausschnitte) zu einer Szene vermittelt dem Zuschauer den Eindruck eines Zeitablaufs, der sich von der realen Zeit nicht unterscheidet. Das ist auch ein Ziel des Schnittes, zu einer Szene gehörende Einstellungen, die vielleicht über einen ganzen Drehtag verteilt gedreht wurden, als glaubwürdige zeitliche Handlungsfolgen in einen Fluss zu bringen. Das Ergebnis des Drehtags dauert als Szene vielleicht ein oder zwei Minuten.

     

    Der Zuschauer

    Wer sich auf einen Film einlässt, liefert sich einem zeitlichen Nirwana aus, einer nur in diesem Film existierenden Zeit. Als wie lang die filmische Zeit subjektiv empfunden wird, hängt von den Zuschauern ab. Ob sie sich langweilen oder ob die Zeit nur so rast, entscheiden sie selbst. Auch darüber, ob sie die im Film komprimierte, neue Zeit als glaubhaft, ja vielleicht sogar als real empfinden. Unser Gehirn bestimmt das Zeitempfinden. Um die Empfindung der Zuschauer in die eine oder andere Richtung zu lenken, sind dramaturgische Mittel nötig. Drehbuch, Auflösung und Schnitt können gleichermaßen Einfluss nehmen auf das Zeitempfinden der Zuschauer. Und weil Regisseure, Kameraleute oder Cutter zugleich auch immer Zuschauer sind, orientieren sie sich bei der Beurteilung an ihrem eigenen Empfinden. Solange die Handlungsabläufe innerhalb einer Szene in ihrer zeitlichen Abfolge so wirken, als wären sie real, akzeptiert der Zuschauer die filmische Zeitebene. Als Verstöße gegen das Zeitempfinden nimmt der Zuschauer eher Zeitraffer oder Zeitlupe wahr.

     

    Zeitsprünge, Zeitachsen

    Die ganz großen Verstöße gegen die Realzeit, das Weglassen von Zeit und Handlung zwischen einzelnen Szenen oder die Sprünge von Vergangenheit über Gegenwart bis in die Zukunft, akzeptieren die Zuschauer als dramaturgisches Mittel aus Gewohnheit mehr oder weniger unbewusst. Wie auch bei anderen Erzählformen erwarten es die Zuschauer sogar, nur die wesentlichen, die interessanten Zeitausschnitte zu erfahren. Völlig klar, dass Nick Nolte und Eddy Murphy in „Nur 48 Stunden“ („48 Hrs.“, USA 1983) lediglich 92 Minuten lang zu sehen sind. Gänzlich jenseits der zeitlichen Illusion bewegt sich der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ („Groundhog Day“, USA 1993), in dem Bill Murray den 2. Februar wieder und wieder erleben muss. Den umgekehrten Ansatz verfolgt John Badham in seinem Film „Gegen die Zeit“ („Nick of Time“, USA 1995), in dem Gene Watson (Johnny Depp) 90 Minuten bleiben, um dem Entführer seiner Tochter (Christopher Walken) auf die Spur zu kommen. Badham fügt sein in üblicher Weise produziertes Material zu 90 Minuten „fiktiver Echtzeit“ zusammen, ohne Auslassungen, Dehnungen oder Kompressionen.

     

    Wie relativ Filmzeit ist, zeigt sich immer dann, wenn alte Stummfilme, die ursprünglich mit 16 Bildern in der Sekunde gedreht wurden, auf Projektoren oder Abtastern laufen, die eine Geschwindigkeit von 25 Bildern in der Sekunde haben. Die Filmzeit ist ungewollt beschleunigt, Chaplin läuft schneller, hat weniger Zeit für Liebeserklärungen und Herzschmerz. Die Filmzeit wird in der jüngsten Vergangenheit durch Videokünstler wie den Schotten Douglas Gordon in wiederum neue Realzeit eingepasst, indem er Filme langsamer ablaufen lässt. In einer seiner Installationen läuft Hitchcocks „Psycho“ in fünf Stunden. Ein John-Wayne-Western wird derzeit in Schweden auf über 5 Jahre gedehnt. Eine völlig veränderte Wahrnehmung von Filmzeit.

     

  • Solange es keine Internet-Pornofilme gab, war das Genre der Erotikfilme sehr erfolgreich.

  • Die Kassenknüller

    Mark Hintzen, Elisabeth Ulrich und Walter Spieske in 'Claudio'

    Mark Hintzen, Elisabeth Ulrich und Walter Spieske in 'Claudio'

    Werfen wir einen Blick auf die all time favorites der hiesigen Lichtspielhäuser; ganz hoch oben auf der Liste: der Kassenknüller „American Pie 2, 3, 4“, gefolgt von einem weiteren Nachfolger – „Scary Movie 2, 3, 4“ – außerdem „Zickenterror – Der Teufel ist eine Frau“, die ambitionierte Comicverfilmung „Ghost World“, der Kirsten Dunst-Hit „Verrückt/Schön“, die deutschen Produktionen „Engel + Joe“ und „Nichts bereuen“ sowie die Blondinen-Farce „Natürlich blond!“ mit Reese Witherspoon usw. All diese Filme haben etwas gemeinsam: Keiner ihrer Protagonisten hat die magische 20 überschritten, somit fallen sie alle in eine folgenschwere Kategorie: Teenager.

     

    Teen-Terror

    Viele Eltern fragen sich, was sie eigentlich falsch gemacht haben, wenn ihre Tochter urplötzlich eine heiße Leidenschaft für Hard-Rock-Musik oder ältere Männer entdeckt; ebenso machen sie sich Vorwürfe, wenn sie im Zimmer ihrer Prinzessin eine Packung Zigaretten oder schlimmer noch einen angerauchten Joint entdecken. Was tun, wenn der Sohn sich mit schmutzigen Pornoheftchen unter der Matratze Befriedigung verschafft oder eines Nachts im Vollrausch zur Tür hereintorkelt und sich später nicht wie üblich auf der Toilette sondern im eigenen Bett des überschüssigen Alkohols entledigt? Wie können Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn die Tochter sich zwischen Basketballstar und Klassenlehrer entscheiden muss? Wie helfen sie ihrem Sohn dabei, das gerade bei Beate Uhse frisch bestellte Zubehör zu bedienen? Fragen über Fragen und die einzige Antwort muss lauten: „Eltern, solange eure Kinder nicht zu euch kommen, haltet euch raus!“ Das gilt selbstverständlich nicht für schwerwiegendere Angelegenheiten wie sexueller Missbrauch, Drogenkonsum, kriminelle Anwandlungen etc.

     

    „Als ich noch jung war..."

    Junge Leute an Brunnen

    Zwischen Eltern und Jugendlichen scheinen manchmal Welten zu liegen.

    Obwohl jeder Erwachsene die Schreckensphasen der Pubertät mehr schlecht als recht hinter sich gebracht zu haben meint, fällt es ihm häufig schwer, sich in die Jugend hineinzuversetzen: Sprüche wie „Früher war alles ganz anders“ oder „Wir hatten damals gar nicht die Möglichkeiten...“ rufen bei Jugendlichen Brechreiz hervor. Doch auch, wenn Eltern übertriebenes Verständnis für ihre Zöglinge aufbringen, stößt das bei denen meist auf Ablehnung; welcher Teenager möchte sich schon ernsthaft vorstellen, wie die Nacht seiner Schöpfung zum Höhepunkt gefunden hat?

     

    Damit Eltern nicht vollends an ihrer Hilflosigkeit verzweifeln, sei ihnen geraten, Unterstützung von außen nicht bloß zu akzeptieren, sondern auch willkommen zu heißen. So ist die in Verruf geratene Zeitschrift „Bravo“ über Generationen hinweg zum Ratgeber der Jugend avanciert und ist aus der heutigen Pop-Kultur nicht mehr wegzudenken. Ebenso sind literarische Ergüsse wie z. B. Benjamin von Stuckrad-Barres „Soloalbum“ ein absolutes Pflichtprogramm für Heranwachsende. Da sich aber nicht jeder Sprössling für Literatur begeistern lässt, hat es ein anderes Medium geschafft, wie kein zweites der Generation X-Y-Z aus dem Herzen zu sprechen: der Film.

     

    Pickel, Partys, Pornoheftchen – die Probleme Heranwachsender als Publikumsmagnet

    Szenenbild

    Szenenbild aus "Claudio"

    Nicht erst seit dem enormen Erfolg der College-Klamotte „American Pie“ (USA 1999) hat die Filmwelt entdeckt, dass der so genannte Reifungsprozess nicht nur viel Stoff, sondern auch viel Kasse verspricht. Die Hauptzielgruppe von Kinofilmen sind junge Leute zwischen 14 und 24 Jahren; demnach ist es nicht überraschend, dass der Teenager-Film längst kein Sub-Genre mehr ist.

     

    Genres

    Im Gegenteil: Die Kategorisierung von Teen-Movies ist endlos. Wir hätten da die College-Comedy („American Pie“), den Teen-Horror („Scream“, USA 1996), den Teen-Thriller („Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast“, USA 1997), das Generationsportrait („Nowhere“, USA 1997), das Heranwachsenden-Drama („Stand By Me“, USA 1986), die romantische Teen-Comedy („Eine wie keine“, USA 1999), die tragische Teen-Love-Story („Eiskalte Engel“, USA 1999), den Independent-Teen-Film („Welcome to the Dollhouse“, USA 1995), den Teenager-machen-Musik-und-tanzen-Film („Dirty Dancing“, USA 1987; „Fame“, USA 1980), nicht inbegriffen generationsübergreifende Filme wie „American Beauty“ (USA 1999) oder gar die Verpflanzung von historischen Stoffen ins Teenagermilieu („10 Dinge, die ich an dir hasse“, USA 1999), die auf Motiven von Shakespeares „Der Widerspänstigen Zähmung“ beruht.

     

    Wie alles begann...

    So besitzt die Jugend nicht nur ihr eigenes Kinopanoptikum, sondern auch seine eigenen Stars: Die Liste reicht von Neve Campbell über Ryan Phillipe bis zu Julia Stiles. Denen blüht eine rosige Zukunft, wenn man bedenkt, dass selbst Stars wie Jodie Foster („Jeanies Clique“, USA 1980), Michelle Pfeiffer („Grease 2“, USA 1982), John Travolta („Saturday Night Fever“, USA 1977) und Tom Cruise („Lockere Geschäfte“, USA 1983) in Teen-Movies ihrem frühzeitigen Ruhm entgegentraten. Der Siegeszug über die Leinwände dieser Welt begann schon Anfang der 50er-Jahre mit Filmen wie „... denn sie wissen nicht, was sie tun“, in dem Teenager-Idol James Dean als „Rebel Without a Cause“ (Originaltitel) Weltruhm erlangte.

     

    Standen damals noch Autorennen und Schmuseorgien in Autokinos als rebellischer Auswuchs gegen die Moralität der Schranken auferlegenden Erwachsenenwelt, so haben die Jungspunde der 80er und 90er Jahre sowie des neuen Jahrtausends mehr mit den eigenen Schwächen und Konventionen ihrer Generation zu kämpfen. Die strengen Lehrer und unterdrückenden Eltern sind der intriganten Highschool-Zicke und dem prügelnden Football-Spieler gewichen. Die Autorennen wurden zu hemmungslosen Saufpartys, und das heute als spießig geltende Autokino-Knutschen findet eine neue Verkörperung in jeglichen (Ab-)Arten des Sexualverkehrs (Motto: egal wo, egal wie, egal womit).

     

    Alles Pie

    Bei der Freizügigkeit, mit der heutzutage ehemalige Tabuthemen behandelt werden, bleibt einem schon mal das Lachen im Halse stecken. Nicht selten driftet die flotte Teen-Comedy in brachialen Klamauk ab; als frühes Beispiel dient hier die israelische „Eis am Stiel“-Reihe, die es schaffte, sich nach dem großen Erfolg des noch recht unterhaltsamen ersten Teils von Fortsetzung zu Fortsetzung an Kalauern, peinlichen Dialogen und erbärmlicher Handlung zu übertreffen. So wurde aus der peppigen Jungs-suchen-Mädels-am-Strand-Comedy ein öder Jungs-poppen-Mädels-am-Strand-Softporno.

     

    Dennoch: Ohne „Eis am Stiel“ hätte wohl die erfolgreichste Teenager-Komödie der 90er Jahre nie das Licht der Leinwand erblickt: „American Pie“ war ein weltweiter Überraschungshit. Allein in Deutschland lockte der Film mehr als 6,5 Millionen Zuschauer in die Kinos. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass auch nur einer von ihnen die 40 überschritten hat. Dabei bietet „American Pie“ nichts wirklich Neues; keiner kann ernsthaft behaupten, dass die Handlung (eine Gruppe pubertierender Highschool-Bubis will endlich ihre Jungfräulichkeit verlieren) in irgendeiner Art und Weise innovativ und nicht (von besagtem „Eis am Stiel“) abgekupfert sei. Zugegeben: Der Film ist in einigen wenigen Szenen zum Brüllen komisch – man denke da nicht nur an die Apfelkuchen-Szene (Hauptdarsteller Jason Biggs taucht ein in die Welt des „American Pie“), inzwischen wohl ein moderner Klassiker, sondern auch an „Damals im Ferienlager...“. Zum Schreien...

     

    Derber Humor

    Aber auch diese Art des derben Humors, der das Überraschungsmoment perfekt nutzt, fand bereits in dem Farrely-Klamauk „Verrückt nach Mary“ seinen Höhepunkt. Was ist es also, das Teenager aus aller Welt an diesem Film so begeistert? Vermutlich sind es genau jene Szenen, in denen die Jugend mit entwaffnender Ehrlichkeit bloßgestellt wird. Der Film tut das ohne erhobenen Zeigefinger, ohne falsche moralinsaure Botschaft; er macht einfach nur Spaß und besitzt durchaus eine versöhnliche Wirkung. So werden z. B. Horrorvorstellungen von Teenagern (Eltern überraschen ihren Sohn dabei, wie er sich selbst befriedigt) in brillanten Slapstick-Einlagen zu dem degradiert, was sie in Wirklichkeit sind: nichts als dermaßen peinliche und dennoch ungemein komische Situationen. Kein Drama. Keine Tragödie. Keine Katastrophe. „American Pie“ ist alles andere als ein „Problemfilm“ und hebt sich somit angenehm vom amerikanischen TV- und Kinoeinerlei, das „die Jugend und ihre Gefühle und Probleme [vielleicht etwas zu] ernst nimmt“ ab.

     

    Dennoch hätte man sich eine etwas konsequentere Umsetzung gewünscht, denn die seichten Liebesgeschichtchen, von denen der Zuschauer leider auch in „American Pie“ nicht verschont bleibt, versprühen wenig des makabren Esprits, der einem in besagten Szenen vor Lachen die Tränen in die Augen steigen lässt.

     

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  • La grande Illusion

    Der Kuleshov-Effekt: Selbst Bilder ohne inneren Zusammenhang fügt der Zuschauer logisch zusammen. Wenn Sie die Bilder genau betrachten, sehen Sie in den Schwarzphasen gleichzeitig die Nachbildwirkung.

    Wann immer wir Filme auf Leinwand oder von einem Bildschirm sehen, werden wir allzu bereitwillig das Opfer diverser Illusionen. Jedwede Bewegung, die wir zu sehen glauben, erzeugt unser Gehirn aus einer mehr oder weniger großen Anzahl einzelner statischer Bilder. Jeder Film, den wir im Kino sehen, besteht aus 24 Einzelbildern in der Sekunde, jeder Fernseher zeigt uns, je nach System 25 oder 30 ganze (bzw. 50 oder 60 halbe) Bilder. Dass unsere Wahrnehmung aus diesen Bilderfolgen kontinuierliche Bewegungen macht, liegt an zwei wesentlichen Phänomenen. Der englische Arzt und Forscher Peter Mark Roget entdeckte und benannte bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Phänomen der Trägheit unserer Retina, die so genannte Nachbildwirkung. Sie besagt, dass auch wenn wir die Augen schließen, noch für einen Moment lang das vorher gesehene in unserer Wahrnehmung nachwirkt. Sie war und ist die Basis aller technischen Simulationen von Bewegung (auf nebenstehendem Bildbeispiel sehen Sie auf den Schwarzphasen jeweils noch das vorherige Bild der Person nachwirken).

     

    Das zweite für die Simulation von Bewegung wichtige Phänomen ist der stroboskopische Effekt, den der Psychologe Max Wertheimer in seinem Anfang des 20. Jahrhunderts veröffentlichten Aufsatz über Schein- und Realbewegung benannte. In seiner Theorie der Gestaltpsychologie erkannte er, dass die einzelnen Filmbilder und das, was wir als Bewegungsillusion sehen, zwei unterschiedliche Dinge sind. Einzelbilder verschmelzen zu einem Bewegungseindruck. Gemeinsam erlauben diese beiden Phänomene unserem Gehirn, die Abfolge von Standbildern als fortlaufende Bewegung wahrzunehmen. Film und Fernsehen sind durch sie überhaupt nur möglich.

     

    Räumlichkeiten

    Seifenblasen-Macher in Fussgängerzone

    Die Nutzung von Vorder, Mittel und Hintergrund lässt unse vergessen, dass Filme meistens in 2D sind

    Ein weiterer Betrug, über den wir gerne hinwegsehen, ist die fehlende Dreidimensionalität. Unsere Wirklichkeit, wie wir sie sehen und die durch die nebeneinander liegenden Augen räumlich wahrgenommen wird, bilden Film und Fernsehen, wenn wir nicht gerade in 3D drehen, nur zweidimensional ab. Auch wenn die Industrie versucht hat, zeitweise einen 3D-Hype aufzubauen, wird wohl die überwältigende Mehrzahl an Filmen bis auf Weiteres zweidimensional sein. Es ist unsere Seherfahrung der Wirklichkeit, welche uns hilft, beim Anschauen eines Filmes die fehlende Räumlichkeit zu einer Illusion an Bildtiefe werden zu lassen. Die Staffelung von Objekten in Vorder-, Mittel- und Hintergrund ist eine der Methoden, bei denen wir die fehlende Tiefe quasi hinzurechnen. Speziell ein großer Schärfentiefebereich unterstützt diese Illusion von räumlicher Tiefe. Orson Welles arbeitete in seinem Epos "Citizen Kane" intensiv damit und kreierte einen eigenen Filmstil.

     

     

    Kuleshov-Effekt

    Eine weitere Ebene der Illusion entsteht durch unsere eigene Kombinatorik von Sinnzusammenhängen. So wie unser Gehirn Einzelbilder zu Laufbildern zusammensetzt, so setzt es benachbarte Einstellungen zu kompletten Inhalten zusammen. Jeder ordentliche Cutter weiß um dieses Phänomen, welches Anfang der 20er Jahre von Lev Kuleshov entdeckt wurde. Nach Kuleshov ist das Gehirn bemüht, benachbarte Einstellungen zu Zusammenhängen zusammenzufügen, selbst wenn diese nicht zusammen gehören. Anfang der 20er Jahre machte er eine Reihe von Schnitt- Experimenten, die auch als "Mozhukhin-Experiment" bekannt wurden. Kuleshov kombinierte eine Aufnahme eines bekannten Schauspielers, Ivan Mozhukhin, mit verschiedenen kurzen Einstellungen unterschiedlichen Inhalts. Unter diesen etwa einen Teller Suppe, ein lachendes Kind und einen Toten.

     

    Je nachdem, mit welcher Einstellung die stets identische Einstellung von Mozhukhins Gesicht kombiniert wurde, interpretierte das Testpublikum unterschiedliche Gemütszustände. Sie waren sich sicher, dass der Gesichtsausdruck des Darstellers sich geändert habe. Hunger, Freude oder Trauer wurden der immer gleichen Aufnahme des Darstellers zugeschrieben, abhängig von den Zwischenschnitten. Aus diesen und anderen Experimenten entwickelte Kuleshov seine Montagetheorie. Längst sind die Zuschauer diesem Effekt nicht mehr gänzlich ausgeliefert, beinahe hundert Jahre Seherfahrung haben unsere Wahrnehmung differenzierter ausgeprägt. Doch das Grundprinzip des Kuleshov-Effekts hat auch heute noch Bestand.

     

    Rezeption

    Selbstverständlich spielt auch der Ort, und die Art und Weise unserer Filmbetrachtung eine große Rolle für den Grad an Illusion. Ein kleiner Fernsehbildschirm, um den herum wir die Wohnungseinrichtung sehen, wird viel weniger Räumlichkeitseindruck erzeugen als eine Leinwand in einem dunklen Kinosaal. Je perfekter die Aufführung, desto leichter identifiziert sich der Zuschauer mit der Kameraperspektive. Die stetige Verbesserung der technischen Abbildungsverfahren, speziell beim Film, aber auch beim Fernsehen (HDTV, 4K), verstärkt auch stetig die Perfektion der Illusion. Spezielle Verfahren wie 3D, Cinemax, Surround etc. und vor allem natürlich Virtual Reality haben zusätzliche Intensivierungen dieses Realitätseindrucks zur Folge.

     

    Kein Zufall

    Ohne unsere unbewusste Bereitschaft, uns täuschen zu lassen, wären Film und Fernsehen überhaupt nicht denkbar. Die Art und Weise wie unser Gehirn arbeitet, unser biologisches Erbe letztlich und das technische Verfahren des Films machen die Illusion erzählter bewegter Geschichten erst möglich.

     

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  • Kleine Kinogeschichte

    Es war eine seltsame Vermischung von Unterhaltung und Ingenieursgeist, welche dazu führte, dass Techniker, die bewegte Bilder aufnehmen und wiedergeben wollten und schlaue Entertainment-Veranstalter sich zusammentaten und unmittelbar zu Beginn des 20. Jahrhunderts erste Kinosäle errichteten.

     

    Chinese Theatre

    Chinese Theatre (Foto: Lucy Allary)

     

    Damit wurden die frühen Filmvorführungen recht schnell aus den improvisierten Zelten, Varietes und Theatern sehr schnell in eigens dafür konzipierte Häuser verlagert, die Leute, die das vorantrieben, waren Geschäftsleute, keine Künstler.

     

    Eines der ersten Kinos baute Adolph Zukor in New York (1904), eines der ersten deutschen Kinos baute in München 1907 Carl Gabriel, dessen Theater noch heute in der Dachauerstraße als „Neues Gabriel“ in Betrieb ist. Im gleichen Jahr baute Alfred Topp in Berlin das Kinematographen Theater Topp.

     

    Der überwiegende Teil der Filme war dokumentarisch, die Menschen gingen in die Kinos um sich anzuschauen, wie es in anderen Ländern aussah und was in der Welt so alles geschah.

    Schon bald wurden die Kinos größer und luxuriöser, sie orientierten sich an Opernhäusern, hatten Platz für über 1000 Zuschauer. Frühe Kinopaläste waren etwa das Filmtheater am Sendlinger Tor in München, das Ufa Filmtheater in Berlin, die Lichtburg in Essen und in Berlin oder der Ufa-Palast in Hamburg.

     

    Fernsehen bedroht die Kinos

    Kleines Kleinstadtkino in Malaysia

    Kleinstadtkino in Malaysia (Foto: Lucy Allary)

     

    Über viele Jahrzehnte waren die Kinos fester Bestandteil des Unterhaltungsprogramms, bis langsam durch die Verbreitung des Fernsehens, die Zuschauerzahlen abnahmen. Trotz großer technischer Anstrengungen durch Breitwand, Surround-Ton und frühe 3D Vorführungen, gingen die Zuschauerzahlen kontinuierlich zurück.

     

    Innovativ

    In den 70er Jahren entstanden in Deutschland erste Kinos, die nicht mehr dem Diktat der Verleiher folgten und Wochen,- und Monatelang die gleichen Filme abspielten, sondern gezielt und jenseits des Neuheiten-Kalküls eigene ungewöhnliche Programmierungen verfolgten,- die Programmkinos. Nicht selten gingen sie aus Uni-Kinoclubs hervor.

     

    Eine weitere Novität, die ebenfalls in den 70er Jahren in Deutschland entstand, waren kommunale Kinos, die unabhängig von der Kosten/Nutzenrechnung Film als kulturelles Gut betrachteten und mit lokaler Finanzierung durch die Kommunen Programm machten. Einige dieser Kinos, wie etwa das Filmmuseum München, die Black Box in Düsseldorf, das Kommunale Kino Frankfurt existieren noch heute.

     

    Nachdem nicht nur die Programmkinos in kleinen Sälen spielten, (gefürchtet die Enge etwa im Türkendolch oder im Studio Isabella in München), sondern auch die normalen kommerziellen Kinos immer kleiner wurden, im Gegenzug dazu aber das Fernsehen qualitativ immer besser wurde, fehlten die schlagenden Argumente, weshalb man Geld und Zeit investieren sollte um in garagengroßen Räumchen Filme anzusehen.

     

    Multiplexe

    Multiplex-Kino in Asien

    Multiplex-Kino in Asien (Foto: Lucy Allary)

     

    Mit den Multiplex-Kinos, die in den 90ern ihren Siegeszug antraten, wurde wieder auf große Kinosäle und Leinwände gesetzt, die kombiniert mit kleineren Sälen das geschickte Jonglieren mit den Filmkopien nach Zuschauerbedarf erlaubten. Der hemmungslos überteuerte Popcorn,- und Getränkeverkauf wurden in diesen Kinos, die sich den „Event“- Charakter auf die Fahnen geschrieben hatten, wichtige Einnahmequelle. Sitzt man dann drin in den riesigen Sälen, umgeben von Natchos knackenden Teenager-Monstern, sehnt man sich zurück nach den Zeiten, in denen die einzigen Töne von der Leinwand herüberklangen.

     

    Diesem Bedürfnis nach einem anderen Kino kommen aktuell Luxus-Kino nach, in denen die Zuschauer in breiten, gemütlichen Kinositzen mit Service am Platz wieder das Erlebnis Kino im Vordergrund sehen. Das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Zahl der Kinos in Deutschland immer mehr abnimmt. Besonders die kleinen Kinos oder jene in kleinen Ortschaften kämpfen ums Überleben. Das haben die Investitionen in HD Beamer, 3 D Technik (vor gar nicht langer Zeit irrtümlich als Heilsbringer des Kinos gefeiert) oder neueste Tonverfahren wie Dolby Atmos, nicht einfacher gemacht.

     

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  • Motivisch Denken

    Farben als Leitmotive

    Farben als Leitmotive in 'Franta'; Sabine Gutberlet und Jan Kurbjuweit" (Regie: Mathias Allary)

    Nein, es soll im Folgenden nicht um das Vereinsmotto des örtlichen Pfadfinderclubs gehen, sondern um ein gestalterisches Element, welches im deutschen Sprachraum geprägt wurde und deshalb selbst im amerikanischen und französischen Kino ohne Übersetzung als „Leitmotiv“ bezeichnet wird.

     

    Dieses Gestaltungselement vermittelt dem Zuschauer eines Films eine gewisse erzählerische Sicherheit und es erlaubt erzählerische Kunstgriffe, die einen Film reicher, gestalteter wirken lassen. Deshalb kann es nicht schaden, sich etwas eingehender damit zu beschäftigen.

     

    Verbinden und vereinen

    Film hat – wie auch Literatur und Musik – sehr viel Verwandtschaft mit der Mathematik. Im Verlauf einer Geschichte oder eines Filmes wiederkehrende Elemente sind in beinahe allen Filmwerken zu finden. Dies transportiert nicht nur Inhalte, sondern es verbindet, vereint die Struktur einer literarischen, filmischen oder musikalischen Komposition.

     

    In der Musik wird häufig Richard Wagner als Namensgeber der Leitmotive benannt, musikalische Erinnerungsmotive, die bereits Geschehenes beim Zuhörer erneut ins Bewusstsein rufen. Aber auch in Kompositionen von

     

    Hector Berlioz, Carl Maria von Weber oder Franz Liszt finden sich Leitmotive.

    In der Literatur hat das Leitmotiv eine vergleichbare Funktion, es ruft dem Leser – durchaus auch in Variationen – bestimmte Ereignisse, Situationen oder Personen wieder ins Gedächtnis.

     

    Vielfältige Erscheinungsformen

    Unter Leitmotiv versteht man beim Film ein Thema, ein Motiv, welches mit einer bestimmten Filmfigur, einer Örtlichkeit oder einer Idee verbunden ist und unter dramaturgischen Aspekten innerhalb eines Filmwerks wiederholt wird. Dabei erfährt es eine Verstärkung, wird eindringlicher für den Zuschauer. Dabei kann sich dieses Leitmotiv auf vielfältige Weise ausprägen.

     

    Kostueme aus Franta

    Gefärbte und übermalte Kostüme aus "Franta" (Kostümbild: Ute Burgmann, Regie: Mathias Allary)

    Als Einstellung: Etwa wenn durch verkantete Kamera klaustrophobische Gefühle oder durch wankende Handkamera der Einfluss von Alkohol, Halluzinationen etc. herbeizitiert werden. Wenn in „Vertigo“ der Detektiv John „Scottie“ Ferguson (James Stewart) Höhenangst bekommt.

     

    Als Tonelement: Eine Filmfigur ist in der Nähe eines Bahngleises aufgewachsen, sodass das wiederkehrende Geräusch eines vorbeipolternden Güterzuges an die Kindheit der Figur erinnert. Gleichermaßen kann der vorbeifahrende Krankenwagen an den Verlust eines guten Freundes erinnern etc.

     

    Als Dialogteil: Eine Filmfigur wurde durch bestimmte Sätze moralisch erniedrigt. Diese Formulierungen werden von einer anderen Person zu einem späteren Zeitpunkt im Film wieder verwendet.

     

    Als Musik: Unser Filmheld war in der Vergangenheit unsterblich verliebt. Seine Jugendliebe hat er aber aus den Augen verloren. Der Filmkomponist hat dieser Liebe jedoch ein musikalisches Motiv gewidmet, welches im Verlauf des Filmes immer wieder auftaucht, wenn der Held sich an seine alte Liebe erinnert, nach ihr sucht, oder sie sich ihm sogar zeigt, er die „Unbekannte“ aber zunächst nicht wiedererkennt. Im Film „Der dritte Mann“ steht die Zither-Musik von Anton Karas stellvertretend für Harry Lime (Orson Welles) oder bei „Krieg der Sterne“ (Musik: John Williams) Skywalkers „Anakin’s Theme“ – eine bezaubernde Melodie – für Anakins Abkehr vom Bösen. Es kann auch durchaus mehrere Leitmotive nebeneinander geben, wie „As Time Goes by“ (Musik: Max Steiner) und die „La Marseillaise“ in Casablanca anschaulich machen.

     

    Als thematische Verknüpfung: Innerhalb eines Filmes geschehen bestimmte Ereignisse stets zu bestimmten Daten (immer an Feiertagen, Geburtstagen, immer an Weihnachten, an Halloween etc.) oder eine Filmfigur wird immer wieder von ihrer (unrühmlichen oder tragischen) Vergangenheit eingeholt.

     

    Als Orte: An bestimmten Orten tritt etwas wiederkehrend ein. In Historien- und Fantasyfilmen werden gerne bestimmte Orte mit Eigenschaften belegt, an denen sich irgendein Geschehen wiederholt, so z. B. auf Schlachtfeldern oder Turnierplätzen.

     

    Ausstattung als Leitmotiv

    Ausstattung als Leitmotiv in 'Endloser Abschied' mit Hilde Ziegler" (Szenenbild: Annette Ganders, Regie: Mathias Allary)

    In der Ausstattung: Bestimmte Requisiten oder stilistische Elemente können andere Zusammenhänge symbolisieren. In „Endloser Abschied“ findet sich das fortschreitende Krankheitsbild einer Alzheimer-Patientin in einer verfremdeten Wohnwelt wieder. Für kurze Momente scheinen Alltagsgegenstände, ja sogar die ganze Zimmereinrichtung mit einer Art Rauhputz überzogen. Ein Sinnbild für die Krankheit.

     

    Als Farbe: In dem Film „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (Nicholas Roeg) wird die Farbe rot als Leitmotiv genutzt. In „Franta“ taucht ein bestimmtes Blauviolett als Wagenspuren im Sand, in der Uniform Frantas und in der Kleidung der Flüchtlingsfamilie wiederkehrend auf.

     

    Als poetisches Motiv: Die Zeit (Lebenszeit, Zeitdruck, Uhren) oder Gegensätze, Entfernung etc. tauchen in Variationen, die sich aufeinander beziehen, auf.

     

    Montageelement: Ein visuelles Motiv kehrt während des Films immer wieder, um z. B. die Obsessionen einer Filmfigur zu symbolisieren.

     

    Dies ist nur eine Auswahl der Möglichkeiten, man kann mit detektivischem Geschick in Filmen noch zahlreiche andere Varianten entdecken.

     

    Spurensuche

    Auf Ihrer eigenen Suche nach Leitmotiven in den Filmen, die Sie betrachten, sollten Sie sehr aufmerksam sein, um die Spur zu verfolgen. So etwas lässt sich idealer Weise mit Video oder DVD bewerkstelligen. Sie werden einige Sequenzen mehrfach anschauen, sich Fragen stellen.

     

    Welche Verknüpfungen oder Stimmungen erzeugen die Leitmotive?

     

    Auf welche Weise geschieht dies: aus sich selbst heraus oder in Verknüpfung mit den Filmbildern?

     

    Wann tauchen die Leitmotive auf?

     

    In welchem Verhältnis stehen sie in Bezug auf den gesamten Film?

     

    Bleiben die Leitmotive konstant, oder verändern sie sich, vielleicht sogar in Verknüpfung mit der dramatischen Entwicklung der Handlung?

     

    Nicht selten sind Leitmotive in Filmen unter der Oberfläche und nicht so leicht aufzuspüren. Nicht aufgeben, Sie wissen ja, in einem guten Film kann man auch beim x-ten Anschauen noch etwas Neues entdecken...

     

  • Was wäre das Kino ohne Romanvorlagen? Besser,- Schlechter, Innovativer? Einblicke in ein Genre

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    MTV und Co

    Li Hagman-Schmalenbach in „Himmelbett“, Episode aus „Midsommar Stories

    Li Hagman-Schmalenbach in „Himmelbett“, Episode aus „Midsommar Stories

     

    Hervorgegangen aus den Arbeiten der Performatler in den 70er und 80er Jahren haben sich die Videoclips zu einer eigenen Form weiterentwickelt, auch wenn sie, ähnlich wie die Werbung, häufig genug Anleihen bei Kinofilmen machen. Und natürlich ist die Erfolgsgeschichte der Musikvideos ganz eng an die von MTV gekoppelt.

     

    Während in der Anfangszeit viele Musikvideos häufig nur gedrehte Mitschnitte von Live-Konzerten waren, entstanden nach und nach, nicht zuletzt auch dank der jährlich vergebenen Music Video Awards, immer aufwändigere und anspruchsvollere Videoclips. Einige davon sind in höchstem Maße artifiziell. Insbesondere die Vermischung von Realem und Visionen und der wachsende Mut zum Künstlerischen führten zur Blüte der Videoclip-Kultur.

     

    Produktionsweise

    Der Name führt übrigens ein wenig in die Irre, da ein großer Teil der Musikvideos gar nicht auf Video, sondern auf 35mm-Film gedreht werden. Vor allem die hochwertige Qualität des Originalmaterials, welche dann alle denkbaren Bearbeitungsschritte zulässt, und der ans Kino erinnernde „Filmlook“ sind Gründe für diese Entscheidung. Die Budgets liegen zwischen 1500 Euro und 1 Million Euro, wobei die berühmtesten Interpreten und Bands auch die höchsten Etats mitbringen. Professionelle Produktionsfirmen, die sich auf Videoclips spezialisiert haben, beginnen allerdings meist erst ab 35.000 Euro.

     

    Die Drehzeit ist häufig recht kurz. Zwei bis drei Drehtage bei recht hohem Drehverhältnis und 16-Stunden-Tagen müssen meist genügen. Werden aufwändige Kamera-Trickaufnahmen gemacht (Time-Slice etc.), dauert so ein Dreh auch schon mal länger. Mehr Zeit und Aufwand wird verstärkt im Postproduktions-Bereich eingesetzt. Die aufwändigsten Compositing-Programme sind gerade gut genug, um die Stars und Sternchen optisch aufzupeppen.

     

    Am Anfang steht jeweils eine bereits fertige Musikproduktion. Diese muss am Set auf einem exakt gleichlaufendem Medium (z. B. DAT) zur Verfügung stehen. Sind die Interpreten im Musikvideo zu sehen, so singen sie in den Takes zum Playback der vorproduzierten Musik. Damit sie die Einsätze richtig treffen, werden so genannte Einzähler (zählen bis Vier oder Klicks bis zum Einsatz) vor die Clips akustisch aufgezeichnet. Um auch später im Schnitt trotz häufig durchgezeichneten Storyboards noch alle Freiheiten zu haben, werden oft längere Passagen als nötig (oder sogar der ganze Song) in jeder Einstellung mit Playback aufgenommen. Dann kann nachträglich freier entschieden werden, in welcher Einstellung welcher Songtext verwendet wird.

     

    Wichtigste Regel: Tonschnitt bestimmt den Bildschnitt, der Ton ist immer maßgebend.

     

    Für den Dreh von Musikvideos sind die sonst eher unnötigen Timecode-Klappen durchaus sinnvoll. Sämtliche Aufnahmen müssen nämlich präzise auf die Musik angelegt werden können, Timecode ist hierfür extrem hilfreich, wenn nicht unumgänglich.

     

    Stil

    Rhythmus und Melodie der Musik erlauben bereits eine starke Emotionalisierung, welche durch geeignete visuelle Sprache noch deutlich gesteigert werden kann. In den letzten Jahren haben sich eigene Stilformen für die meisten Videoclips herauskristallisiert (Fun, Gothic, Western, Country, Trash, Road, Religious). Generell steht der Stilwille ganz im Vordergrund, manchmal wird sogar der Song den medialen Inszenierungen unterworfen, im Negativfall sogar geopfert. Dabei wurde, beginnend in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts, eine starke Symbolsprache entwickelt, die mit zahlreichen Andeutungen und Zitaten arbeitet, um ein besonderes Lebensgefühl zu vermitteln. Freizeit, Party, Bürgertum, Arbeitswelt, Karneval, Armut, Weltuntergang, soziales Engagement, Luxuswelten, Natur, Urgewalten, Science Fiction, Elemente des Lebens, Anonymität der Menschen, Krieg oder Hunger sind einige der Themenbereiche, die immer wieder in Clips variiert werden. Reicht die Qualität von Musikgrundlage und Optik nicht aus, wird auch schon mal mit Gewalt oder Tabubrüchen gearbeitet. Die Indizierung der Clips wird als willkommene Publicity mit einkalkuliert.

     

    Regisseure

    Ähnlich wie die Songs, die sie transportieren, ist der Lebenszyklus eines Videoclips ernüchternd kurz. Einige Clipregisseure haben den Sprung ins Kino versucht. Viele von ihnen (Scott Kalvert, Joseph McGinty Nichol, Tarsem Singh, oder Hype Williams) haben aber sichtlich Schwierigkeiten, im Spielfilm mehr als nur tolle Optik und guten Sound anzubieten. Wer will schon einen stark überdehnten Videoclip mit Langweilefaktor im Kino betrachten? Geschichte, Psychologie und Schauspielführung beim Spielfilm stellen eben doch noch ganz andere Erfordernisse. Auf der anderen Seite haben auch renommierte Kinoregisseure wie Spike Lee oder Martin Scorsese sich an Videoclips herangewagt.

     

    Doch nicht nur in den USA, auch in Europa gibt es diverse Clipregisseure und Produktionsfirmen, die weltweit hoch angesehen sind. Frankreich etwa hat sich in diesem Bereich einen sehr guten Namen gemacht. Quentin Dupieux, der Flat Eric erschaffen hat, die Rolling Stones, Björk (sechs Videoclips), Beck oder die Chemical Brothers haben mit Regisseur Michel Gondry gearbeitet, Neneh Cherry und Missy Elliot mit Jean-Baptiste Mondino, U2, Red Hot Chili Peppers, REM, Garbage oder Alanis Morissette mit Stéphane Sednaoui.

     

    Wie auch im Kinobereich fördert der französische Staat das Genre der Videoclips sehr intensiv. Für Projekte, die zwischen 45.000 und 75.000 Euro kosten, gibt es Förderung, die Ausstrahlung im Fernsehen bringt Geld, und die CNC (Staatliches Filmzentrum) verleiht jedes Jahr 90 bis 100 Prämien (à 10.000 Euro) für qualitativ hochwertige Clips. Glückliches Frankreich!

     

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    Die Neuverfilmung als solche

    Ob „Ocean‘s Eleven“ (USA 2001) oder „Vanilla Sky“ (USA 2001), im Kino werden mit hoher Regelmäßigkeit Filme aufgeführt, die es bereits schon einmal gab. Eigentlich merkwürdig, dass Neuverfilmungen (Remakes) fast ausschließlich in Amerika produziert werden. „Noch einmal machen“ ist das Motto, unter dem entweder ältere Filmerfolge oder nicht amerikanische Erfolgsfilme für eine neue Verwertung neu aufgelegt werden. In jedem Fall wird der Erfolg des Vorbilds als Produktions-Voraussetzung betrachtet.

     

    Die amerikanischen Produzenten rechnen mit einem zweiten Erfolg, wenn man nur aktuelle amerikanische Stars in der gleichen, bereits früher erfolgreichen Geschichte platziert. Seltsamerweise bleiben die ursprünglichen Vorblider meist stärker in Erinnerung.

     

    Alles wird besser?

    Dabei gäbe es durchaus unzählige Filme mit guten Ansätzen aber fehlerhafter Umsetzung, die durch eine Neuverfilmung deutlich verbessert, ja zu Erfolgen werden könnten. In diesem Fall hätten die Neuverfilmungen eine reale Chance, besser zu werden als die Vorbilder. Doch dieser Fall tritt praktisch nicht auf. Die amerikanischen Produzenten sind schließlich keine Dramaturgen, welche die Stärken und Schwächen vorhandener Filme abklopfen, sondern Geschäftsleute, die sich an den Einnahmen der Filme orientieren.

     

    Stattdessen werden herausragende, nahezu perfekte Filme nochmals verfilmt, wodurch die Möglichkeiten für Verbesserungen weniger auf das Handwerk als vielmehr auf die spätere Vermarktung reduziert werden. Schlimmer noch, in vielen Fällen sind die Vorbilder trotz kleinerer Budgets den teuren Neuverfilmungen qualitativ überlegen. Besonders augenfällig wird dieses Phänomen, wenn Vorbild und Neuverfilmung sehr zeitnah oder gleichzeitig gestartet werden, wie es etwa bei „Vanilla Sky“ und dem Vorbild „Virtual Nightmare – Open Your Eyes“ („Abre los ojos“, Spanien/Frankreich/Italien 1997) von Alejandro Amenábar der Fall war. In diesem Fall übernahm Penélope Cruz ihre Rolle gleich in beiden Filmen.

     

    Doch auch wenn der Aufwand zu vergleichen höher ist und man schon mal in ein Archiv gehen muss – wie bei „Ocean‘s Eleven“ und seinem Vorbild „Frankie und seine Spießgesellen“ („Ocean’s Eleven“, USA 1960) oder „Codename – Nina“ („Point of No Return“, USA 1993) und dem Vorbild „Nikita“ (Frankreich/Italien 1990), bleibt das merkwürdige Gefühl, dass es sich nicht gelohnt hat. Außer originäre Geschichten neu zu verfilmen und ggf. zu amerikanisieren, hat sich nicht viel getan. So schaffte es die französischen Komödie „Drei Männer und ein Baby“ („Trois hommes et un couffin“, Frankreich 1985) trotz amerikanischer Starbesetzung nur zu einem müden Imitat.

     

    Was man nicht kennt

    Da es um das Wissen vieler Amerikaner um die Filmkultur der restlichen Welt nach wie vor nicht zum Besten bestellt ist, geht die Rechnung der Produzenten auf; ein Vergleich mit den Vorbildern findet in der Regel nicht statt. Auch nach amerikanischen Vorbildern gedrehte Neuverfilmungen werden vom größten Teil des vorwiegend jüngeren Kinopublikums als völlig neu wahrgenommen.

    Auch in Deutschland gibt es Beispiele, erfolgreiche Eigenproduktionen neu zu verfilmen. Unter dem folgerichtig „German Classics“ getauften Label produzierte Bernd Eichinger in den 90er Jahren Neuverfilmungen von „Charleys Tante“ (Deutschland 1934, 1955, 1963), „Die Halbstarken“ (Deutschland 1956), „Es geschah am helllichten Tag“ (Deutschland 1958) und „Das Mädchen Rosemarie“ (Deutschland 1959).

     

    Erfolgsversprechen

    Es drängt sich der Eindruck auf, dass es vor allem die Kassenwirkung der amerikanischen Stars ist, die im Vordergrund der meisten US-Neuverfilmungen steht. Doch es ist auch ein psychologischer Aspekt, der die Wertigkeit von Neuverfilmungen erhöht. Gegenüber der Vorstellungskraft, die Entscheider im Filmgeschäft aufbringen müssen, um aus den hunderten von Drehbüchern, die sie während eines Jahres lesen, die möglicherweise erfolgversprechenden herauszufinden, ist die Sichtung eines fertigen Films geradezu ein Vergnügen. Wohnen die Produzenten gar einer öffentlichen Aufführung des Vorbilds bei, haben sie sogar Gelegenheit, die Publikumsreaktionen live mitzuerleben – ein unschlagbares Verkaufsargument. Von der Kostenseite her ist der Erwerb von Buchrechten etwa europäischer Filme oft viel günstiger, als einen amerikanischen Starautor für sein Originaldrehbuch zu bezahlen.

     

    Und die Vorbilder?

    So manche europäische Filmemacher fühlen sich bereits geadelt, wenn eine US-Produktion die Stoffrechte für eine Neuverfilmung kauft. So mancher wähnte schon einen Fuß im amerikanischen Filmmarkt. Doch außer dem Geldsegen färbt auf die Urheber des Filmwerks durch die teurere amerikanische Neuverfilmung in der Regel nichts ab. Bestenfalls bleibt darüber hinaus eine höhere Anerkennung in der heimischen Filmbranche.

     

    Oft genug hört man von den Neuverfilmungen nach dem Rechtekauf nie wieder etwas. Entweder wurden sie gar nicht verwirklicht oder gingen irgendwo als drittklassige TV-Produktionen unter. Jeder größere amerikanische Produzent hat mehr Buchrechte erworben, als er tatsächlich verwirklicht – nicht selten allein, um Stoffe, die den eigenen Projekten ähneln, aus dem Verkehr zu ziehen. Von Doris Dörries „Männer...“ (Deutschland 1985), Katja von Garniers „Bandits“ (Deutschland 1997) oder Caroline Links „Jenseits der Stille“ (Deutschland 1996) Neuverfilmung hörte man bei uns nie wieder etwas.

     

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    Gerade ohne Ton müssen die Bilder Bände sprechen

    Gerade ohne Ton müssen die Bilder Bände sprechen.

     

    Der Film war ohne Original- oder Synchronton, deshalb sprechen wir von der Stummfilmzeit. Sie dauerte von 1895 bis 1927. Die Filme liefen allerdings nicht wirklich stumm, insbesondere um die Dunkelheit und das Ungewohnte in den Vorführräumen erträglich zu machen, wurden Musikuntermalungen eingesetzt. Klavier, Kinoorgel, Musiker aller Art gaben den Filmen emotionale Unterstützung. Teilweise gab es auch Erzähler, die das Gesehene kommentierten. Insbesondere in Japan entwickelte sich die Kultur der "Benshi", welche zu zweit die Handlung erklärten und sogar Dialoge nachsprachen. Der Bruder von Akira Kurosawa etwa war ein solcher Kinoerzähler. Nach dem Wegfall seiner Arbeitsmöglichkeiten verfiel er in Depression und nahm sich später das Leben.

     

    Anfänge und Filmsprache

    Bis zum Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts war die Filmsprache noch spürbar vom großen Vorbild der Bühne geprägt. Die Handlung spielte sich mehrheitlich vor der Kamera ab, es gab auch keine reduzierte Realzeit und Schnitte waren ebenfalls nicht gestalterisch gesetzt. Die Einstellungsgrößen waren distanziert, die Darsteller waren so gut wie immer von Kopf bis Fuß zu sehen, also in Halbtotalen oder Totalen. Auch Kamerabewegungen sind in Ermangelung von Schwenkköpfe, Schienen, Kränen etc. kaum auszumachen. Erste Filme bestehen folgerichtig aus einer kompletten Einstellung. Ab 1903 entstanden mehr und mehr Filme, die aus mehreren Einstellungen entsprachen und die inszenierte Inhalte hatten.

     

    Frühe Genres

    Der Film zeigte neben dokumentarischen Inhalten wie Krönungen, Miltärparaden oder Weltausstellungen auch Attraktionen von Varietés und Jahrmärkten. Schlangenmenschen, Tänzer, Akrobaten aber auch sportliche Wettkämpfe standen auf dem Programm. Technische Innovationen wie die Eisenbahn oder Automobile wurden ebenfalls zu elementaren Genres.  "The Great Train Robbery", der angeblich erste Western und zugleich Eisenbahnfilm (1903 von Edison produziert) arbeitete bereits mit mehreren Einstellungen, bestand aus 14 Szenen und enthält als Sensation eine Einstellung, in welcher der Gangsterboss in einer Nahaufnahme auf den Zuschauer zielt und schießt. Kennzeichnend für den Film sind lange, feste Einstellungen und wie zu dieser Zeit üblich, eher Halbtotalen. Eine Besonderheit des Films ist auch die Parallelmontage, man sieht sowohl den Bahnbeamten in seinem Büro, als auch parallel die Zugräuber auf ihrer Flucht. Der Film wurde für Edison, den Produzenten des Filmes, sowie seinen Regisseur, Edwin S. Porter, ein großer kommerzieller Erfolg.

     

    Georges Méliès gilt als Pionier des Science-Fiction- und Trick-Films. In seinen Filmen, die zumeist in seinem Studio, welches wie eine Bühne aufgebaut war, entstanden, arbeitete er bereits mit Stop-Trick und Mehrfachbelichtungen. Seine 16minütige "Reise zum Mond" (1902) war sehr bühnenhaft, gilt aber als Meilenstein des Trickfilms. Auffällig, dass in diesem Film besonders wichtige Handlungsdetails zweimal gezeigt wurden, wohl um deren Bedeutung zu unterstreichen. Die Möglichkeit, unterschiedliche Geschwindigkeiten zu drehen, das Filmmaterial rückwärts laufen zu lassen, oder der Stopptrick wurden in zahllosen kleinen humoristischen Streifen genutzt.

     

    Filmnationen

    Was die technische Entwicklung der neuen Technik angeht, waren Amerika, Frankreich, England, Italien, Russland und Deutschland weltweit führend. Sie exportierten ihre Filme in alle Welt. In Italien entstanden gigantische Filme wie "Quo Vadis" oder "Cabiria".

     

    Weltweiter Erfolg

    Von den Vorführungen in den Metropolen Paris, New York, Wien, London und Berlin verbreitete sich der Film rund um den Erdball. Der Film wurde die wichtigste Unterhaltungsform des angehenden 20. Jahrhunderts. Die Kinosäle wurden immer größer, komfortabler und entwickelten sich zu regelrechten Filmpalästen. Bereits sehr früh kristallisierten sich neue Erzählformen wie das Drama, die Komödie, Serien, aber auch schon Trick- und Animationsfilme heraus.

     

    Streit ums Geld

     

    Stummfilm Szene

     

    Bereits in der Anfangszeit des Films versuchte man, die Erfindung des Films, die nachweislich einer Vielzahl von Menschen zugeschrieben werden muss, zu patentieren. So strengte Edison ab 1897 in vielen Gerichtsverfahren eine Entscheidung zu seinen Gunsten an. Als diese nicht in seinem Sinne ausfiel, gründeten die großen Anbieter (Edison, Biograph, Vitagraph, Essany, Selig, Kalem, Méliès und Pathé) eine Art Kartel, die MPPC (Motion Picture Patents Company). Filmhersteller George Eastman (Gründer von Kodak) lieferte sein Material nur noch an Mitglieder dieses Kartells. Natürlich wehrten sich Produzenten, die nicht zu diesem Kartell gehörten, gegen diese Einschränkungen und gründeten eigene Produktionsfirmen. Allen voran die Firma von Carl Laemmle, "Universal Pictures". Nach etwa 10 Jahren juristischer Auseinandersetzungen wurde die MPPC letztendlich für rechtswidrig erklärt.

     

    Langfilme

    Während die frühen Filme jeweils recht kurz waren, in der Regel zwischen einer und 10 Minuten, drehte D. W. Griffith mit "The Birth of a Nation" (1915) einen Langfilm. Zugleich gilt er als erster Blockbuster. Mit Produktionskosten von etwas über 100.000 Dollar spielte er über 60 Millionen Dollar ein. Griffith führte, inspiriert durch das Opernglas im Theater, nähere Einstellungen als Bildsprache ein. Die Halbnahe und Nahe wurden als Einstellungsgrößen plötzlich gesellschaftsfähig. Bereits ein Jahr später brachte Griffith den Monumentalfilm "Intolerance" heraus, in einigen Massenszenen waren 16.000 Komparsen im Einsatz, die Griffith von einem Fesselballon aus dirigierte. Die Kulissen, etwa der babylonische Turm, waren 70 Meter hoch. Der Film wurde dennoch ein Flop.

     

    Deutschland

    Bereits zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts entstanden Filme, die internationale Beachtung fanden und weite Verbreitung im Ausland. "Der Andere" (1913) von Theaterregisseur Max Mack, "Der Student von Prag" (1913) von Stellan Rye und Paul Wegener (gilt vielen als erster Horrorfilm der Welt), "Der Golem" (1915) von Henrik Galeen, "Die Augen der Mumie" (1918) von Ernst Lubitsch.

     

    Während des Ersten Weltkriegs wurde der Film in Deutschland eher zu Propagandazwecken genutzt. Die immer beliebter werdenden Wochenschauen sollten die Meinung der eigenen Bevölkerung beeinflussen. Damit und durch die Konzentration aller Kräfte auf die Kriegsindustrie wurde der deutsche Film erst einmal bedeutungslos. Mit zunehmender Ausweitung des Krieges, dem Einsatz von Giftgas an der Front, machte sich insbesondere in Deutschland eine zunehmend depressive Stimmung breit. Die Menschen fühlten sich von der Politik zu einem menschenverachtenden Krieg verleitet.

     

    Frankreich

    Nach einigen sehr erfolgreichen Jahren mit Großproduktionen wie "Fantomas" oder "Les Miserables" verliert der französische Film an Bedeutung. Dort wie eigentlich in allen am Ersten Weltkrieg beteiligten Nationen außer den USA führte der Krieg zu einem Beinahe-Stillstand der Filmkultur.

     

    Amerika

    Stummfilm Schauspieler

     

    Gleichzeitig hatten die Amerikaner während des Ersten Weltkrieges Ruhe und Zeit, ohne lästige Konkurrenz aus Europa eine Vormachtstellung im Kino aufzubauen. Während in Europa unzählige Menschen auf den Schlachtfeldern ihr Leben verloren, entstanden in Amerika Produktions- und Verleihkonzerne wie "Paramount", "Metro Goldwyn Mayer", "Twentieth Century Fox" und die von Charles Chaplin, Mary Pickford, Douglas Fairbanks und David W. Griffith gegründete "United Artists". Zu den frühen Stars des amerikanischen Kinos gehörte Charles Chaplin, seine traurig-heiteren Komödien "Der Vagabund" (1916), "Gewehr über" (1918) katapultierten ihn schnell in die Riege der bestverdienenden Filmdarsteller seiner Zeit.

     

    Edwin S. Porter

     

    Zu Teil 2 der Geschichte des Stummfilms

  • Heute selbstverständlich, hätten Internet, Handy & Co unzählige Kinogeschichten der Filmgeschichte schlichtweg zerstört...

  • Tiere zu filmen bringt einige Herausforderungen mit sich. Der Tierfilmer Andreas Schulze erklärt in seinem Praxisbericht auf was es ankommt.

  •  Tonebenen 500Es gibt mehrere Tonebenen, die parallel zum geschnittenen Bild angelegt werden. Die gestalterischen Elemente setzen sich zusammen aus: O-Ton,  Sound-Effekte, Atmos, Musik,....

  • Alte Träume

    Tonwalze

    Edisons Phonograph mit Tonwalze

     

    Ganz gleich, ob wir Töne digital oder analog aufzeichnen, unser Wissen über die Erkenntnisse der Technik-Pioniere und ihre Erfindungen ist für die professionelle Anwendung modernster Verfahren auch heute wichtig.

    Schall, (aber auch das Licht,) welchen wir Menschen wahrnehmen, basiert auf Wellenformen. Unser Ohr ist so aufgebaut, dass es Unterschiede im Luftdruck der Atmosphäre als Schall empfangen kann. Schall ist stets auf ein Medium angewiesen, um transportiert zu werden. Wasser, feste Körper und natürlich die Luft fallen einem da als erstes ein. Wenn die Luft Schall transportiert, so wird der Luftdruck verdichtet oder entspannt je nach Wellenform.

     

    Die Versuche der ganzer Erfindergenerationen konzentrierten sich folgerichtig darauf, diese Wellenformen in irgendeiner Weise mechanisch oder elektrisch zu konservieren, sie aufzuzeichnen. Ende des 19ten Jahrhunderts arbeiteten Techniker und Erfinder intensiv daran, das Abbild und die Äußerungen der Menschen und ihrer Umwelt aufzuzeichnen. Vor allem der Gedanke, legendäre Musiker über deren Tod hinaus hören zu können, beflügelte die Entwickler. Experimente, etwa mit einer Stimmgabel, an deren Zinken man eine Nadel befestigte, und die man schwingend auf eine mit Ruß geschwärzte Glasplatte hielt, zeigten deutlich Schwingungslinien auf der Glasplatte.

     

    Die ersten Tonaufnahmen der Welt

    Eines der ersten funktionsfähigen Geräte zur Tonaufzeichnung war 1877 Edisons Phonograph. Ein Gerät zum Aufzeichnen und Abspielen von Tönen auf Tonwalzen mit einer Spieldauer bis zwei Minuten. Das Prinzip bestand aus einem Tontrichter um Schallwellen zu bündeln und zu verstärken, an dessen unteren Ende eine Membran befestigt war, auf der ein Metallstift saß. Im Prinzip ein Vorläufer des Mikrofons. An dem Stift vorbei bewegte sich während der Aufnahme eine mit Wachs (später Schellack) beschichtete, rotierende Walze. Je nach Amplitude (Größe der Schallwelle) ritzte der Stift unterschiedlich tiefe, fortlaufende Rillen in die Walze. (Tiefenschrift) Bei der Wiedergabe lief der Stift in der Rille entlang, versetzte die Membran in Schwingung, welche wiederum von dem Trichter verstärkt wurde. Edisons Phonograph war im Prinzip ein rein mechanisches Gerät, mit dem die Luftdruckunterschiede (also der Schallwellen) mechanisch in unterschiedliche Vertiefungen in der durch eine Nadel eingeritzten Aufnahmerille übersetzt wurden.

     

    Bis heute basieren alle Aufnahmesysteme auf der Umwandlung einer Wellenform in eine andere. Wichtige Grundlage dafür war auch das Telefon, erfunden 1875 durch Bell. Dieses System übersetze erstmals Schallwellen in elektrische Wellen und nach der Übertragung beim Telefonpartner wieder in Schallwellen. Größter Schwachpunkt in der Anfangszeit des Telefons war, dass die Leistung mit der Kabellänge zwischen den Telefonen rasch abnahm. Konsequenterweise konzentrierte sich die Forschung auf Möglichkeiten der Verstärkung, die Verstärkerröhre wurde Anfang des 20ten Jahrhunderts erfunden. Bis Ende der 40er Jahre wurden alle elektrischen Verstärker mit Röhrenschaltungen realisiert, bis 1948 John Bardeen, W. Brattain und William Shockley den Transistor erfanden.

     

    Das Bessere ist des Guten Feind

    Grammophon

    Grammophon

    Interessanterweise war Edisons Antrieb, später den Cinematographen (den Film) zu entwickeln, vor allem als Ergänzung seines Phonographen gedacht. Besonders die kurze Spielzeit, aber auch technische Schwächen, etwa die fehlende Reproduzierbarkeit (jede Walze war ein Original), führten rasch zur Entwicklung des Grammphons und der Schallplatte. Deren Erfindung wird dem in Hannover geborenen Emile Berliner zugeschrieben.

     

    Während Edisons Nadel unterschiedlich tiefe Rillen erzeugte, und dadurch die Modulation aufzeichnete, erfand Berliner die waagerechte Schwingung, die sogenannte "Seitenschrift". Sie erzeugte Wellenlinien mit unterschiedlicher Amplitude und Frequenz.

     

    1902 nahm Enrico Caruso in Mailand seine erste Schallplatte auf, die sich sensationell verkaufte. Berliners Firma war es auch, die das Markenlabel "His Master´s Voice" mit dem Hund vor dem Grammophontrichter kreierte, welches man noch heute auf den CDs der EMI sehen kann. Die Platten liefen mit 78 Umdrehungen pro Minute, klangen kratzig und dauerten nur drei bis vier Minuten. Erst als nach dem zweiten Weltkrieg statt Schellack Plastik verwendet wurde, konnte die Geschwindigkeit mit 33 Umdrehungen mehr als halbiert und die Spieldauer erhöht werden.

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    Alte Schellack-Schallplatte

     

  • Auf der Suche nach neuen Techniken

    Tonbandgerät

    Frühes Tonbandgerät

    Mit zunehmendem Perfektionismus wurde der Wunsch stärker, Tonaufnahmen in besserer Qualität und ohne umfangreiche technische Prozesse sofort verfügbar zu haben. Die sofortige Verfügbarkeit bot ja bereits der Phonograph von Edison. Doch die höhere Qualität eröffnete erst die Magnetaufzeichnung. Schon 1888 beschrieb der Amerikaner Oberlin Smith die Möglichkeit, mit Baumwoll- oder Seidenfäden, in die Stahlstaub hineingearbeitet wurde, aufzuzeichnen. Statt Walzen oder Spulen verwendete man Garnröllchen.

     

    Bereits 1900 experimentierte man mit Drähten und Metallbändern, ohne großen Erfolg. Der Däne Valdemar Poulsen etwa entwickelte Stahldrahtgeräte, zunächst auf Walzen, ähnlich dem Phonographen, aber statt mit Wachs beschichtet, eng bewickelt mit Draht. Später entwickelte Poulsen Spulen-Drahtgeräte, bei einer Geschwindigkeit von 3 Metern in der Minute konnte man 2 Minuten aufzeichnen. Sie waren unhandlich, und man konnte sie nicht bearbeiten. Wurden verschiedene Stücke zusammengelötet, ging auch die Aufnahme verloren, weil die Magnetisierung sich aufhob.

     

    Die Anfänge der Magnetbandaufnahme

    Magnetophon K1

    Magnetophon K1

    Erfunden wurde das als Magnetband bekannte Verfahren 1928 von dem Deutschen Fritz Pfleumer, war aber zunächst noch nicht marktreif. Er verwendete mit Metallpulver beschichtete Papierstreifen für die Aufnahme. Pfleumer arbeitete in der Zigarettenindustrie, seine Entwicklung von Zigaretten-Mundstücken brachte ihn auf die Papierstreifen. In Vorführungen machte er Aufnahmen, riss diese in verschiedene Stücke, klebte sie wieder in anderer Reihenfolge zusammen und spielte das Ergebnis wieder ab. Das erste editierbare Aufzeichnungsmedium war erfunden, aber noch zu empfindlich.

     

    Bereits 1934 wurde das erste Magnetband von dem Vorläufer der BASF, der IG Farben vorgestellt. Das passende Aufnahmegerät, Magnetofon K1 baute die AEG, die das Patent von Fritz Pfleumer gekauft hatte, die Zeit des Magnetophons war gekommen. Die ersten Geräte bestanden aus 3 Koffern (Laufwerk, Verstärker, Lautsprecher) und wogen zusammen einen Zentner. Sie liefen mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Minute. Ein 30cm - Spule - Band reichte für 20 Minuten Aufnahme. Genau drei Tage lang waren sie die Sensation auf der Funkausstellung, da brach ein Feuer in der aus Holz gebauten Halle 4 aus und vernichtete die ersten Geräte.

     

    Mitte der Dreißiger Jahre begann die eigentliche Ära der Magnetbandgeräte. Bereits die K2 von AEG lief mit der vergleichsweise niedrigen Geschwindigkeit von 77cm pro Minute. Leider rauschten die Aufnahmen ziemlich stark. Richtig gut wurde die Qualität erst, als 1940 durch einen Zufall Dr. Weber und Dr. Braunmühl bei der Reichsrundfunkgesellschaft, die Hochfrequenz-Vormagnetisierung entdeckten. (Sie entwickelten, forschten an einer Gegenkopplung von Hör- und Sprechkopf zur Verringerung der Störspannung, die unwillkürlich anfing, zu schwingen und damit das Rauschen drastisch reduzierte.)

     

    Das erste Reportagegerät

    Maihak - Tonbandgerät

    Maihak - Tonbandgerät

    Mit dem Kriegsende verliert Deutschland alle Patente am Tonband an England und Amerika und mit den deutschen Entwicklungen wird von da an weltweit daran weiterentwickelt. Die monströsen Geräte werden lange Zeit nur stationär oder in großen LKWs eingesetzt. Hintergrund dieser Dimensionen war nicht nur die robuste Mechanik der Geräte, sondern auch der Umstand, dass bis in die Vierziger Jahre jedwede Verstärker nur mit Röhren betrieben wurden (In Amerika wird 1948 der Transistor erfunden). Das ändert sich 1949, als die Firma Maihak ein Tonbandgerät mit Federwerksantrieb vorstellt, das erste (schwere) Reportagegerät.

     

    Das Maihak-Gerät hatte einen Antrieb mittels Federwerk und nur die Vor- und Aufsprechverstärker wurden mit Batterien betrieben. Es war recht schwer und groß, wie ein tragbarer Filmprojektor. Für synchrone Filmtonaufnahme gab es auch eine Variante, in der statt Schmalband Perfoband (Magnetfilm) lief, das sogenannte Magnetocord. Auf jeden Fall waren die Geräte alles andere als mobil. Weitere Konstrukte anderer Hersteller waren etwa das Tefifon oder auch der Musikus.

     

    Klein und Kompakt

     

    Nagra

    Nagra - der kompakte Klassiker

     

    Anfang der 50er Jahre werden bereits fertig mit Musik bespielte Tonbänder verkauft und die überwiegende Mehrzahl der Filme mit Magnetton aufgezeichnet. Verschiedene Hersteller entwickeln eigene Kassetten-Systeme, die Vielfalt der Produkte verhindert zugleich eine Standardisierung. Bereits 1954 gibt es erste Stereo-Geräte.

     

    Ende der 50er Jahre ersann der polnische Ingenieur Kudelski ein Gerät, welches die portable Tonaufnahme revolutionieren sollte und dank dem Synchronverfahren Neo-Pilot bis etwa zur Jahrtausendwende an Filmsets anzutreffen war:
    Die Nagra. Sie war klein, lieferte hervorragende Aufnahmequalität, konnte mit einem Tragegurt über die Schulter gehängt werden und besaß alles, was man für den synchronen Filmton benötigte.

     

    Tonmeister

    An Finesse und Robustheit kaum zu übertreffen, laufen selbst Geräte der ersten Generation auch heute, nach über 50 Jahren noch einwandfrei. Qualitätsprobleme deutlich neuerer Geräte mit undichten Kondensatoren oder kratzenden Kontakten kennen diese Geräte praktisch nicht. Schon seltsam... Kein Wunder, dass viele von ihnen heute als begehrte Sammlerstücke hoch geschätzt sind.

    Tonmeister

    In den 60er Jahren entwickelten zahlreiche Hersteller Tonbandgeräte für den Hausgebrauch und übertrafen sich gegenseitig in abenteuerlichsten Design- und Farbgebungen. Ein weitere Meilenstein ist Mitte der 60er Jahre die Kompakt-Kassette, eine Entwicklung von Phillips, die sich weltweit durchsetzen sollte.

     

  • Nach tagelangen Spaziergängen hatte das Warten ein Ende: der Hund schiss nun endlich auf die Straße, ein 150 Kilo schwerer Transvestit ging darauf los, bückte sich und fing an, in wahrer Leidenschaft, das Exkrement zu verzehren und hatte dabei noch größtes Vergnügen. So schmutzig und dreckig die Welt da draußen auch ist, Divine ist schmutziger.

     

    Den eingefleischten Kinofans ist diese Szene nicht fremd. John Waters´ "Pink Flamingos" reiht sich wie seine weiteren Werke "Desperate living" und "Female trouble" in die Reihe der klassischen Trashfilme, neben Werken von Russ Meyer ("Vixen" u.a.), Ed Wood ("Plan 9 from outer space") und Paul Morrissey ("Heat").

     

    Anfänge

    Doch wie der Name und die gängige Bezeichnung für TV- und Kinoschrott darauf schließen lassen, geht es bei Trashfilmen und deren Ästhetik nicht darum, schlechte Filme in einen Mülleimer der Bezeichnung zu werfen, sondern lassen sich hier viel mehr zwei Grundströmungen dieser Stilrichtungen ausmachen, die miteinander sehr verwandt und optisch erst auch nicht unterscheidbar sind.

     

    Bei Ed Wood, dem "schlechtesten Regisseur aller Zeiten", geht es bei den geschichtlichen Anfängen des Trash um ungewollten Dilettantismus, Low-Budget, abgefahrene Geschichten und ebenso die Intention der Schaffung eines "guten" Films. Zwei Darsteller für eine Rolle, eine Wechsel zwischen Tag und Nacht in einer Szene und die Taufe der gesamten Crew, um von der evangelischen Kirche ein Budget zu bekommen, sind nur wenige der von ihm verwendeten "Stilmittel", und küren somit sein Werk "Plan 9 from outer space" zum "schlechtesten Film aller Zeiten".

     

    Den Spannungsbogen nicht über den ganzen Film verteilt aufzubauen, sondern nach einer Minute schon mitten in Horror und Splatter zu sein, war George Andrew Romeros Devise in "Night of the living dead". Russ Meyer spezialisierte sich auf große Oberweiten seiner Darstellerinnen und löste mit seinen Filmen die Welle des "Sexploitation" (siehe Exploitation) los. Sein berühmtestes Zitat spricht für seine Vorliebe und steht für seine Filme: "Wenn ich mich nicht so sehr für Busen interessiert hätte, hätte aus mir vielleicht ein großer Filmemacher werden können."

     

    Neue Welle

    Im Zuge der sexuellen Revolution und den Vorläufern der 68er, kam eine neue Welle ins Medium Film. Im Gegensatz zu den Nachkriegsjahren, kam Ende der 60er eine enorme Flut von A-, aber verstärkt auch B-Movies (Low-Budget Produktionen, die zur damaligen Zeit als Vorfilm der eigentlichen Kinovorstellung, den A-Movies, gezeigt wurden), mit neuen Inhalten und Zielrichtungen.

     

    Filme wie "The Hustler Squad" (Cesar Gallardo), "Foxy Brown" (Jack Hill) oder "Blackenstein"(William A. Levey) sind Beispiele für den Output der Siebziger und deren Ästhetik, zusammengefasst im Genre "Exploitation". Rabiatere Gewalt, offener Sex und Endzeitvisionen wurden dem Zuschauer näher gebracht, während der Gang ins Kino (manchmal auch versehrt mit sog. Gimicks, wie z.B. dem Abschluss einer Lebensversicherung vor einem Horrorfilm) zum Happening wurde.

     

    Abseits dieser Ausschlachtung kam Anfang der 70er ein junger Mann aus Baltimore Namens John Waters mit neuen Vorstellungen von guter Unterhaltung und gab dem Begriff "Bad Taste" bis dato eine neue Bedeutung. Vielleicht nicht als der Erste, aber definitiv als einer der Pioniere, war es Waters der sich die Merkmale des ungewollten Trash als Maxime setzte: wenig Budget, skurrile Story und das freizügige Ignorieren jeglichen Talents. So war für ihn die Frage, ob seine Darsteller in Wirklichkeit so sind, wie sie in den Filmen dargestellt werden, das größte Kompliment.

     

    Auch große Künstler wie z.B. Andy Warhol widmeten sich zeitweise dem Trash. Paul Morrissey führte in den von Warhol produzierten Filmen "Blood for Dracula" (mit Udo Kier) und "Trash" Regie. Viele der damaligen Filme sind heute Kult, doch gemessen an der Vielzahl der damals gedrehten Filme, sind es nur wenige unter extrem Vielen, die heute noch bekannt und nicht in Vergessenheit geraten sind.

     

    Gegenwart

    In den Achtziger und Neunziger Jahren wurde aus diesen Mitteln mehr und mehr eine Stilrichtung, und viele heute bekannte Regisseure fingen mit "anspruchsvollem" Trash ihre Karrieren an, oder haben sich diesem gar ganz verschrieben. Gegen den Mainstream und der Bruch mit sozialen und handwerklichen Konventionen war die Devise.

     

    Die Liste geht von Christoph Schlingensief über Peter Jackson bis hin zu Quentin Tarantino. Während sich Schlingensief in seinen Werken "100 Jahre Adolf Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker" und "Das deutsche Kettensägenmassaker" aus den Mitteln einen Zweck machte und zum ersten mal mit Trash politisierte, ging es in Tarantinos "Jackie Brown", dem für viele so enttäuschenden Nachfolger von "Pulp Fiction", um eine Ode an den Exploitationfilm der Siebziger, mit Pam Grier in der Hauptrolle, der Queen des "Blaxploitation".

     

    Bis vor Jahren noch als Pseudo-Kunst verschrien, wird der Trashfilm heutzutage Salonfähiger, und erreicht nun schlussendlich seine Anerkennung. Sogar Filmhochschulen produzieren ab und an Trashfilme, wie der Film von einem Münchner HFF-Studenten "Der Goldene Nazivampir von Absam 2" zeigt. Auch wenn viele den Trash als einen Möchtegern Versuch in der Kinokultur sehen, bleibt es jedoch immer noch eine Kunst die Unkunst gut und unterhaltsam zur Schau zu stellen.

     

  • Am Anfang war die Nacht

    Wer einem Vampir begegnen will, der sollte nicht vor Einbruch der Dunkelheit sein trautes Heim verlassen, denn das ist seit jeher ein unumstößliches Gesetz: Der Vampir ist ein Nachtschattengewächs. Dunkle schlecht-ausgeleuchtete Gassen in Großstädten („Interview mit einem Vampir“, „Die Zärtlichkeit der Wölfe“), verlassene, öde Wüstenlandschaften („Near Dark“, „From Dusk Till Dawn“, „John Carpenter’s Vampire$“), undurchdringbare, einsame Wälder (sämtliche Hammer-Filme) bis hin zu düster-majestätischen Schlössern („Bram Stoker’s Dracula“) und fiebrig-bebenden Nachtclubs („Begierde“, „Blade“), der Vampir fühlt sich überall dort wohl, wo sich der Mensch nie freiwillig, sondern nur in seinen Albtraumschreckensszenarien hinbegibt. Hierbei bestätigen natürlich auch wieder Ausnahmen die Regel, wer verbindet nicht die romantische Vollmondnacht oder das wohlig-warme Karminfeuer mit den dunklen Gefährten der Nacht?

     

    Am Tag schlafen Vampire doch...

    Dennoch gibt es einige Beispiele, in denen die Vampire auch bei Tage für Unruhe sorgen. Erwähnenswert wären hier folgende Fälle: Eher unfreiwillig wandeln in Carl Theodor Dreyers expressionistischem Meisterwerk „Vampyr - Der Traum des Allan Gray“(F 1932) die Untoten durch gleißendes Tageslicht. In wahnwitzigen Kameraeinstellungen begleitet von dumpfen Klavierklängen und sehr wenigen Dialogzeilen orientiert sich der Film frei an Sheridan Le Fanus Vampirklassiker „Carmilla“, sozusagen der weiblichen Komponente zu Dracula.

     

    Kuerbisse

    Die harmlosen Kürbisgewächse hat Regisseur John Carpenter mit Horror in Verbindung gebracht.

    Da die Untoten in der ersten Hälfte des Films nur als Schatten sichtbar durch Häuser, Wälder und über Wiesen huschen, war ein großer Lichteinfall nötig. Bei sämtlichen Außenaufnahmen war es hellichter Tag, obwohl der Film in schwarz-weiß gedreht wurde, ist es an einigen Stellen unübersehbar, dass die Sonne gerade hoch am Himmel steht, wobei es der Handlung nach tief in der Nacht sein soll. Dennoch ist Dreyers märchenhafte Träumerei gerade künstlerisch betrachtet ein absolutes Meisterwerk und sollte den Vergleich zu Murnaus „Nosferatu“ nicht scheuen.

     

    „Blade“

    Ein weiteres Beispiel wäre der moderne Actionkracher „Blade“ (USA 1998) von Stephen Norrington, hier dürstet es den Bösewicht Deacon Frost (bravourös gespielt von Stephen Dorff) nach der Herrschaft der Vampire über die Menschheit, die lässt sich allerdings nur verwirklichen, wenn die Nachtschwärmer auch bei Tage auf Beutefang gehen können (Sunblocker und verdunkelte Motoradhelme erfahren hier eine ganz neue Bedeutung). Blade (Wesley Snipes) selbst ist ein Zwitterwesen zwischen Mensch und Vampir und somit befähigt auch bei Tage in Erscheinung zu treten, allerdings hat er sich den Diensten der Menschheit verschrieben und macht mit Stahlpflöcken und Karatekampftechniken Hatz auf seine machtgierigen Halbbrüder und Halbschwestern. Tricktechnisch ist „Blade“ brilliant in Szene gesetzt, und auch die Action-Sequenzen überzeugen durch ein irrsinniges, atemloses Tempo, inhaltlich gerät der Film aber leider hier und da ins Staucheln. Dennoch erfährt der Vampir in diesem Film seine Auferstehung als kompromissloser, düsterer Comicheld, der das Kinopublikum begeisterte. Die Fortsetzung „Blade II“ wird hoffentlich im nächsten Jahr an diesen Erfolg anknüpfen können.

     

    „From Dusk Till Dawn“

    Der Kultfilm von Regisseur Robert Rodriguez aus dem Jahr 1996 hauchte dem bereits angestaubten Vampirgenre wieder neues Leben ein. Mit Quentin Tarantino als Drehbuchautor und diversen Hollywoodgrößen in wirklich ungewöhnlichen Rollen schuf man einen Film, der in der Beliebtheitsscala unzähliger Freunde des Vampir- und Horrorfilms noch immer unter den ersten Plätzen rangiert.

     

    Die Brüder Seth (George Clooney) und Richard Gecko (Quentin Tarantino), zwei skrupellose Verbrecher versuchen nach einem spektakulären Bankraub nach Mexiko zu fliehen. Dabei nehmen sie einen ehemaligen Pfarrer (Harvey Keitel) und dessen Kinder (Juliette Lewis & Ernest Liu) als Geiseln um unbemerkt über die Grenze zu kommen, was ihnen auch tatsächlich gelingt. Doch dann nimmt ihre Flucht ein unerwartetes Ende, als sie sich mitten in der Wüste eine Nacht imTitty Twister um die Ohren schlagen müssen. Denn die zwielichtige Spelunke, in der Ströme von Alkohol fließen und halbnackte Schönheiten auf den Tischen tanzen, ist der Wohnsitz einer hungrigen Vampirsippe, die ihr Etablissement benutzt um unvorsichtige Biker und Trucker abzuschlachten. In die Falle gelaufen, kämpfen nun die Geiseln mit den Gecko Brüdern und einigen anderen Gästen zusammen ums nackte Überleben.

     

    Ein Film der definitiv nichts für zartbesaitete Gemüter ist. Wird zu Anfang des Films "nur" ein wenig geschossen und hie und da mal ein Fausthieb ausgeteilt, fliegen gegen Ende richtig die Fetzen. Wenn die höllische Vampirbrut ihre Maskerade aufgibt und ihre ahnungslosen Opfer regelrecht zerreißt, spritzt das Blut in alle Ecken und die abgetrennten Gliedmaßen fliegen nur so durch die Lüfte. Was ihn allerdings stilistisch interessant macht, ist die Tatsache, das der Film bis zur Hälfte keine einziges Wort über Vampire verliert, ja nicht einmal eine kleine Andeutung auf das Übernatürliche macht. Für den Zuschauer kommen die Blutsauger quasi ebenso überraschend wie für die Protagonisten. Ein brutales Vampirspektakel, das unter Horrorfilmen noch immer seinesgleichen sucht. Die beiden Prequels "Texas Blood Money" (1999) und "The Hangmans's Daughter" (2000) konnten ihrem Vorgänger nicht mehr das Wasser reichen.

     

    „The Reflecting Skin“

    Das letzte Beispiel, auf das hier eingegangen werden soll, ist Philip Ridleys „Schrei in der Stille – Reflecting Skin“ (USA 1990). Der Junge Seth Dove (Jeremy Cooper) lauscht voller Spannung den Vampirgeschichten seines Vaters. Schon bald beginnt er die junge Witwe Dolphin Blue (traurig-schön: Lindsay Duncan) zu verdächtigen, ihrem Mann das Leben entzogen zu haben. Er findet in ihrem Haus eine Schatulle mit Haaren und ein Fläschchen mit Schweiß des Verstorbenen. Als sein Bruder Cameron (Viggo Mortensen) aus dem Krieg zurückkommt und der tragischen Schönen mit Haut und Haar verfällt, beschließt Seth ihrem Treiben ein Ende zu setzen...

     

    Wenn man beim Anblick von wogenden Roggenfeldern in strahlendem Sonnenschein den Hauch des Todes spürt, so liegt das an Ridleys bedrückender und doch unsagbar schönen Bilderflut. Das Grauen geschieht wirklich, findet seine Manifestation in krassen Bildern, so wird ein riesiger Ochsenfrosch von Seth mit einem Strohhalm aufgeblasen und zerplatzt, oder Seths Vater, Besitzer einer Tankstelle, übergießt sich mit Benzin, trinkt es sogar literweise und setzt sich schließlich vor den Augen seines fassungslosen Sohnes in Brand, allerdings kommen die Vampire nur in Seths verzweifelter Phantasie zum Vorschein.

     

    Das  Motiv der ländlichen Idylle, des Nicht-Eingestehen-Wollens der Protagonisten, dass sie sich auf einen Abgrund zu bewegen, wird jedoch gerade in den altmodischen Vampirfilmen häufig aufgegriffen. Ridleys schonungsloses Psychodrama sei all jenen ans Herz gelegt, die die Schönheit der Grausamkeit ertragen können.

    (Zeichnungen: Mark Zaschka)

     

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    Am Anfang war die Verführung

    Kasch

     

    Can't touch this !

    Wenn man sich die Nosferatu-Darsteller Max Schreck und Klaus Kinski in Erinnerung ruft, so dürfte es einem schwer fallen, sie mit erotischen Sehnsüchten in Verbindung zu bringen. Ganz anders hingegen die namhafte Riege der Dracula-Darsteller von Bela Lugosi über Christopher Lee bis hin zu Gary Oldman:

     

    Dracula war schon immer ein Frauenschwarm. Obwohl der Graf sich zumeist zugeknöpft und wenig nackte Haut zeigt, verfallen ihm die Frauen scharenweise. Seine mächtige, männliche und aggressive Ausstrahlung, sowie seine unbändige Körpersprache erlauben es ihm, jeden Morgen bei Anbruch der Dämmerung blut- und lustgestärkt in sein Versteck zurückzukehren. Eigentlich seltsam, denn der eigentliche Sexualverkehr findet nicht statt. Der Vampir begattet seine Opfer nicht mit dem Geschlecht, sondern mit dem Mund, in dem seine langen Zähne nach Blut lechzen.

     

    Der Biss

     

    Der Biss des Vampirs hat auf sein Opfer meist exstatische Wirkungen, die an einen Orgasmus erinnern lassen. So schreibt Horrorpapst Stephen King über eine Szene in Stokers Roman: „[...] Stoker deutet an, dass Lucy einen Orgasmus hat, der ihr das Gehirn wegpustet.“ Dass King mit dieser Annahme nicht allein dasteht, zeigt Coppola in seinem Film in folgender Sequenz: Lucy wacht in einer Gewitternacht auf, sie räkelt sich lustvoll in ihrem Bett. Plötzlich springen die Fenstertüren auf, und ein Windstoß erfasst das durch Kerzen erhellte Zimmer. Durch wehende Gardinen sucht Lucy, nur mit einem seidenen Nachthemd bekleidet, den Weg ins Freie, ins tosende Unwetter. In einem majestätischen Irrgarten streift sie lustvoll lachend umher, bis sie schließlich auf einer Empore völlig nackt von einem wolfsähnlichen, riesigen Monstrum vergewaltigt wird. Völlig von jeglicher Vernunft verlassen, gibt sich Lucy dem Werwolf hin und bezahlt es mit dem Leben.

     

    Stilisierte Vampire

    Filmische Stilmittel, die hier verwendet werden, um den Koitus zu verbildlichen, wären einmal die eher altmodische Wahl von Blitz und Donner, der stetig bedrohlich anschwellende Score von Wojciech Kilar und zu guter letzt massive Blutfontänen, die das Bild und den dargestellten Moment in sich zu ertränken scheinen. Eine atemberaubende Szene, die ihresgleichen sucht! Seine Verkörperung als erotisches, sexuelle Konventionen durchbrechendes Geschöpf fand der Vampir allerdings häufiger in seiner weiblichen Darstellung.

     

    So wurden schon in den britischen Filmen der Hammer-Studios die vampirischen Gefährtinnen des potenten Dracula als laszive, sexhungrige Nymphen verheizt. Bis auf einige gewichtige Ausnahmen ist das leider bis in die heutigen Tage so geblieben, man denke an die Sexhäschen von Deacon Frost in „Blade“, an die drei Vampirluder in dem enttäuschenden „Dracula 2000“ oder auch an den erotischen Höhepunkt von „From Dusk Till Dawn“, Salma Hayeks wilden Schlangentanz. Als lesbische Verführerinnen hingegen konnten auch die weiblichen Vampire im männerdominierten Genre Fuß fassen. Dieses Anfang der 70er Jahre aufkommende Subgenre des Vampirfilms beschränkte sich zu Beginn auf blutige Softpornos und bedarf keiner besonderen Erwähnung; allerdings gibt es auch hier wenige Ausnahmen. Eine davon ist Jesus Franco Maneras „Vampyros Lesbos“ (Deutschland/Spanien 1970), wie der Titel schon erahnen lässt, nicht gerade inhaltlich ein Meilenstein auf dem Friedhof der Vampire, jedoch ein durchaus prickelnder Erotik-Cocktail mit hübschen Darstellerinnen, schrägen Kamerafahrten und einem scharfen, swingenden Soundtrack.

     

    Grufties

    Einer der wohl einzigartigsten Vampirfilme überhaupt rückte den weiblichen Vampir Anfang der 80er Jahre in ein völlig neues Licht: Tony Scotts 80er-Schocker „Begierde – The Hunger“ (USA 1983). Mit einer qualitativ hochwertigen Besetzung (Catherine Deneuve, David Bowie und Susan Sarandon) schuf Scott eine bitterböse Abrechnung auf die 80er Jahre und auf die Überheblichkeit der Untoten. Die weibliche Verführerin Deneuve treibt mit ihrem Partner Bowie ihr Unwesen in heruntergekommenen Grufti-Nachtclubs; wie wilde Tiere fallen sie über ahnungslose Twens her. Scott verstärkt diesen Eindruck, indem er zeitgleich den brutalen Todeskampf zwischen zwei Affen zwischenschaltet.

     

    In grellen Farben und mit einem abgefuckten 80er-Soundtrack inszeniert er die erste Stunde des Films, die den Zuschauer zugleich ekelt und fasziniert. Susan Sarandon spielt eine junge Wissenschaftlerin, die an Affen ein Serum testet, welches den Alterungsprozess verzögern soll. Sie ist fasziniert von der eleganten, undurchschaubaren Deneuve, welche die ahnungslose Wissenschaftlerin bezirzt, um sie sich zur neuen Gefährtin zu machen, denn ihr bisheriger Wegbegleiter Bowie scheint auf rapide Weise zu altern und verwest zusehends... Nicht nur inhaltlich sondern auch stilistisch ein außergewöhnlicher Film, denn wenn „Begierde“ in der ersten Hälfte von kalten, apokalyptischen Bildern gepeitscht durch düstere Großstadtlandschaften hetzt, so wird er in der zweiten Hälfte von warmen, pastellfarbenen Bildern und einem Klavierscore weich aufgefangen. Der Sturz ins Verderben bleibt allerdings unausweichlich.

     

    Action-Vampire

    Wenn wir schon mal bei den 80er Jahren angelangt sind, wäre noch zu erwähnen, dass dies die Zeit des effekt- und actionreichen Prollvampir-Movies war. Das wohl bekannteste Beispiel ist Joel Schumachers „The Lost Boys“ (USA 1987), ein, trotz seiner schwachen Handlung und nicht immer gut getimeten Effekte enormer Box-Office-Hit weltweit. Zuvor beglückte uns Tom Holland mit seiner wirklich „rabenschwarzen“ Vampirkomödie „Fright Night“ (USA 1985), welche drei Jahre später eine Fortsetzung nach sich zog, die weniger gelungen war. Ebenfalls einen interessanten Ausflug in die Welt des neuzeitlichen Vampirmythos wagte Skandalfilmer Ken Russell („China Blue – Bei Tag und Nacht“, „Die Hure“) 1986 mit seinem Spukschloss-Schocker „Gothic“, in dem die menschliche Psyche außer Kontrolle gerät, jedoch lassen sich auch in den Verhaltensmustern der Protagonisten vampirische Züge erkennen.

     

    Ein absolutes Highlight des 80er Jahre-Proll-Vampir-Horrors ist Kathryn Bigelows düstere Actionromanze „Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis“ (USA 1987), die deutlich die starken Bindungen der Vampire untereinander beleuchtet. Hier spielt der weibliche Vampir eine wichtige Rolle, wie auch in „The Queen of the Damned“ (USA 2002), einem Horrofilm, der lose auf den Romanen der Bestsellerautorin Anne Rice basiert. In der Hauptrolle ist hier die leider viel zu früh bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommene R’n’B-Sirene und Schauspielerin Aaliyah zu sehen, die eigentlich auch für einen Part in der Fortsetzung von „Matrix“ vorgesehen war.

     

    Romantische Vampire

    Anne Rice lieferte bereits 1994 die Vorlage für einen modernen Klassiker des romantischen Vampirfilms: „Interview mit einem Vampir“ überzeugte mit einer erlesenen Besetzung (Tom Cruise, Brad Pitt, Antonio Banderas, Stephen Rea, Christian Slater und der grandiosen Kirsten Dunst), die in samtig-weichen Bildern und einem unheimlichen Score von Elliot Goldenthal unter ihrer Existenz als leidend-liebende Untote zugrunde gehen. Ein weiterer Aspekt des brillant melancholischen Opus von Neil Jordan (Oscar für sein Drehbuch zu „The Crying Game“) sind die homoerotischen Untertöne zwischen den männlichen Vampiren. Obwohl die Frauenschwärme Pitt, Cruise und Banderas vielmehr das weibliche als das männliche Publikum verzückten, schienen sie in ihren Filmcharakteren keinerlei Interesse am anderen Geschlecht zu haben.

     

    Auch hier bleiben die Frauen mit Ausnahme von Kirsten Dunst, eine nicht-alternde Vampirgöre, als willige Opfer mit üppiger Oberweite weitgehend unbeachtet. Das Beziehungsgeflecht unter den Vampiren scheint in diesem Film nicht von sexuellen Konventionen, vielmehr von Freundschaft und physischer sowie psychischer Anziehungskraft bestimmt. Die Homosexualität fand schon in der Gestalt des hübschen Sohnes des Graf Dracula-Doubles in Polanskis neckischem „Tanz der Vampire“ ihren Vorreiter, der sich natürlich prompt in einen der Vampirjäger verknallt. Die Verführung im Reich der Vampire kennt also viele Facetten.Verführung

     

  • BadewanneBei der Unmenge an Filmen, die jedes Jahr entstehen, stellt sich die Frage: Müssen Filme, überhaupt gut sein?

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