Filmset

  • Was genau machen RegisseurInnen eigentlich am Drehort und wie viel Plan und wieviel Zufall prägen den Dreh?

  •   Bild vs. Ton? Sie sind keine Erbfeinde, im Gegenteil. Eine Kooperation der beiden ist das Zauberwort, um zu einem guten Film beizutragen. Mangelhafte Tonarbeit beschert eine Nachvertonung, die nicht gerade billig ist...

  • Greenscreen

    Deutlich sieht man am Rig oberhalb des Studios die Scheinwerfer, welche den Hintergrund gleichmäßig ausleuchten

     

    Theoretisch kann man natürlich sämtliche Grundfarben als Key verwenden, doch Blau ist aus verschiedenen Gründen die ideale Key-Farbe. In den meisten Aufnahmen tauchen Menschen und damit die Hautfarben auf.

     

    Die geringsten Key-Probleme hat man, wenn man die Gegenfarbe, also Blau verwendet. Grün kann man verwenden, es hat sogar einen höheren Reflektionsgrad als Blau und senkt damit geringfügig den Lichtaufwand. Leider kommt es in vielen Objekten und Mischfarben vor.

     

    Wie man sein Set gestaltet

    Das gelingen von Chroma-Key-Tricks hängt ganz maßgeblich von der Einrichtung des Studios bzw. des blauen Hintergrunds ab. Der Hintergrund kann bestehen aus:

    • Spezial-Textil
    • Spezial-Farbe
    • Spezial-Klebeband
    • Hochreflektierende Leinwand, gleichmäßig blau oder grün beleuchtet
    • Transparente Leinwände (diffuse Folie), hinter denen zahlreiche blaue oder grüne Neonröhren für gleichmäßiges Licht sorgen.

    Man kann z. B. den Hintergrund und ggf. den Boden mit Spezialfarbe anstreichen. Die meisten Filterhersteller bieten diese an. Textilhintergrund ist ebenfalls dort erhältlich. Auch Rollhintergründe aus Papier sind erhältlich und eröffnen zugleich die Möglichkeit, fließende Übergänge zwischen Wand und Boden herzustellen.

     

     

    Wie groß muss der Blue Screen sein?

    Schublade, aus der Zeitungsausschnitte quillen

    Die futuristisch anmutenden Stangen mit den weißen Punkten dienen als Tracking-Markierungen für virtuelle Studiohintergründe

    Ideal ist natürlich ein komplett blauer Studioboden und Hintergrund. Aber wenn man Kosten minimieren möchte, so genügt es eigentlich, wenn rings um den Darsteller herum alles gleichmäßig mit blauem Hinter- oder Untergrund (bei einer Totalen) versehen ist.

     

    Die meisten Compositing-Anwendungen erlauben es, den Rest des Hintergrunds, bei dem kein Blau oder Grün vorhanden ist, mit einer einfachen Maske wegzustanzen (Garbage Matte).

     

    Das spart viel Fläche und erlaubt es im Zweifelsfall auch außerhalb eines Studios, Außen oder an beliebigen Drehorten Personen oder Objekte auszustanzen. Eine transportable blaue oder grüne Papp- oder Sperrholzplatte oder ein gespannter grüner oder blauer Stoff kann auf diese Weise für Außenshots den Keyhintergrund bilden.

     

    Beleuchtung

    Der Hintergrund muss möglichst gleichmäßig und völlig unabhängig von den Personen davor ausgeleuchtet sein. Warum? Jede Unregelmäßigkeit, also hellere oder dunklere Stellen auf dem Hintergrund, werden von der Keying-Software als unterschiedliche Farben registriert. Die Bandbreite an Blautönen, welche die Software erkennen und filtern muss, steigt damit extrem an. Das Ergebnis wird damit schlechter.

     

    Deshalb sollte man das Licht sehr weich (z. B. Flos 4 Bank) mit Diffusern (Soft Boxes etc.) halten. Der optische Eindruck reicht nicht. Unbedingt mit dem Belichtungsmesser nachmessen, ob die Werte überall gleichmäßig sind. Die Lichtquellen sollten einheitlich sein. Gleiche Farbtemperatur und auf keinen Fall einzelne Lampen dimmen, das verändert die Farbtemperatur! Wenn das Licht durch Dimmen gelblicher oder rötlicher ist, ändert dies den Blauanteil im Hintergrund!

     

    Der Aufwand wird geringer, wenn man Außen dreht. Das Himmelslicht ist sehr gleichmäßig! Wenn man unbedingt auch den Boden ausstanzen muss, kann es zu Problemen kommen, weil das Licht auf den Boden anders auftrifft als auf den Hintergrund und auch anders reflektiert wird. Das wird von der Software als anderes Blau wahrgenommen! Man kann das Problem meistens mit einem Polfilter lösen. Hierfür sollte das Licht für den Boden aus der gleichen Achse kommen wie die Kamera.

     

    Und die Schauspieler?

    Die Schauspieler selbst sollten aber ganz normal und mit den üblichen Kontrastverhältnissen ausgeleuchtet werden. Das ist wichtig, denn manchmal werden auch die Schauspieler irrtümlich sehr flach ausgeleuchtet und sehen dann im Ergebnis etwas kränklich aus.

     

    Aufpassen, dass der Hintergrund nicht auf die Objekte reflektiert! Die Schauspieler daher so weit wie möglich vom blauen Hintergrund entfernt aufstellen. Blaue Reflektionen auf die Schauspieler können das Keying vereiteln. Um dagegen zu steuern, kann man z. B. die Schauspieler mit einem leicht gelben Hinterlicht (Kante) versehen. Das hilft, jeden Rest von blauer Reflektion vom Hintergrund zu entfernen.

     

    Beim Führungslicht des Schauspielers darauf achten, dass es nicht den Hintergrund (Blue Screen) trifft und auch keine Schatten auf den Hintergrund fallen. Manche Kameraleute verwenden für den blauen Hintergrund HMI (Tageslicht-Farbtemperatur) und für die Darsteller Kunstlicht-Farbtemperatur.

     

    Passen Sie die Lichtrichtungen Ihrer Schauspieler an die Lichtrichtungen des Bildes an, das in den Hintergrund gestanzt wird! Es sieht wie ein schwerer Fehler aus, wenn im Hintergrund die Sonne von rechts kommt und auf dem eingestanzten Schauspieler von links! Das gilt auch für die Lichtart (Farbtemperatur) sowie den Charakter (diffus oder hart).

     

    Probleme und Lösungen

    Achten Sie darauf, dass bei der Auswahl der Kleidung/Kostüme die Hintergrundfarbe (Blau) nicht vorkommt! Wenn es aus dramaturgischen Gründen unbedingt ein Darsteller in blauer Jeans mit blauem T-Shirt sein muss, ist als Keyfarbe Grün angesagt!

     

    Ein ständiges Problemthema beim Keying sind Glas- oder Metallelemente, Wasser oder Qualm. Die Gefahr, dass sie das Blau direkt reflektieren und damit von der Keying-Software ebenfalls ausgestanzt (unsichtbar) werden, ist riesig.

     

    Das Aufnahmeformat sollte möglichst hochwertig sein. Je besser die Farbtrennung und Auflösung, desto besser das Ergebnis. Insbesondere Mini DV oder auch HDV sind mit ihrer reduzierten Farbtiefe nicht optimal für Keying.

     

    Eine Farbtiefe von 4:2:2 wie bei Beta SP, DIGI-Beta, Super VHS (veraltet) oder DVCPRO HD ist zu empfehlen. Wird erst nach dem Keyer (z.B. im Bildmischer) auf Mini DV oder HDV aufgenommen, sind die Ergebnisse ebenfalls hochwertig. Eine preiswerte ältere 3-Chip Kamera mit Komponentenausgang kann in einem Studio auf diese Weise in Kombination mit einem Keyer und einer HDV-Kamera mit Komponenteneingang hervorragende Dienste verrichten.

    Klebeband

    Lassoband in grüner Key-Farbe

    Die Kamera sollte auf einem möglichst stabilen Stativ ruhen. Das Licht fertig einrichten. Dann mit einem weißen Blatt Papier an der Position des Schauspielers einen sauberen, wenn möglich manuellen Weißabgleich machen!

     

    Manche Kameraleute schwören darauf, um etwa eine halbe Blende unterzubelichten. Die Schärfeebene des Schauspielers sollte sauber eingestellt, der blaue oder grüne Hintergrund leicht unscharf (große Blende) sein.

     

    Bezugsquellen

    Einige Quellen, auch preiswerte Alternativen zu den teuren Filterherstellern haben wir in der Knowledge Base gelistet (Rubrik „Bezugsquellen“).

     

     

     

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  • Fett, fett, fett

    Dreharbeiten

    Dreharbeiten

    Wohin man auch schaut: An allen Ecken entstehen Newcomer- oder Bewerbungsfilme mit beachtlichem Aufwand. Da werden 20- bis 30-Mann/Frau-Teams gebildet, werden LKW angemietet, werden Sponsoren aufgetrieben, wird geplant, motivgesucht, aufgelöst und häufig auch nur "Wir drehen einen Film" gespielt.

     

    Was ein guter Film wirklich braucht ist nicht in eine Standardformel zu quetschen. Aber das große Equipment, der möglichst hohe Kran, die langen Schienen, der tolle Dolly und die dicken 35mm-Adapter, um das kleine Mini-DV wie 35 mm aussehen zu lassen, gehören sicher nicht an die erste Stelle einer idealen Filmrezeptur. Wer das Equipment vor die Geschichte, die Kraft der Schauspieler und die Bildgestaltung stellt, hat im Grunde genommen nicht verstanden, wo sich die magischen Momente beim Film wirklich abspielen.

     

    Mattschwarz lackiertes Selbstbewusstsein

    Oft genug wird unendlich viel Zeit darüber diskutiert, welcher Dolly zwingend gebraucht, welche Scheinwerfer unerlässlich sind, aber über die Dramaturgie und die Inhalte der Filmgeschichte schweigt man mit professionellem Pokerface. Seltsamerweise sind es oft gerade die Nachwuchskameraleute, die einen technischen Overkill einfordern, als gelte es, durch möglichst teures und professionelles Equipment die eigene Professionalität zu untermauern. Je höher der Geräteberg, desto stärker das Selbstwertgefühl. Wie oft wird völlig unmotiviert in Szenen gefahren, werden Kranfahrten eingesetzt, wo sie nichts zu suchen haben, nur um irgendwie mit dem großen Kino mithalten zu können, auch wenn man die Gestaltungsmittel gar nicht reflektiert hat?

     

    Wirklich erfahrene Kameraleute sind in manchen Situationen dagegen durchaus in der Lage, mit nur einer Styroporplatte, einer Kamera und einem Kamerastativ geniale Bilder herzustellen. Alles ist relativ und man sollte sich für einen Erstling nicht finanziell ruinieren, nur weil irgendwer vollmundig teures Gerät verlangt. Es ist nichts Verwerfliches, wenn die Darsteller auch mal durch Schattenbereiche gehen, wenn sie an den wichtigen Stellen im Raum vernünftig ausgeleuchtet sind. Auch vorhandene Lichtquellen können als Scheinwerfer dienen, Reflektoren helfen, es umzulenken, Tischlampen, Deckenlampen, Tageslicht ohnehin.

     

    Planspiele

    Es klingt merkwürdig, aber neben kräftezehrenden "Da brauchen wir aber unbedingt"-Debatten sind Planungsfehler die zweiten großen Energiefresser bei Filmproduktionen. Wann man idealerweise welches Motiv dreht, wie viele Umzüge an einem Drehtag möglich sind und wann man für welche Lichtstimmung am Set bereit sein muss, gehören zu den wichtigen Fragen, die viel Kummer zu vermeiden helfen. Wenn man sein Team um 14 Uhr ans Set bestellt, um eine Außenszene bei Dunkelheit zu drehen, zwingt man ziemlich viele Menschen dazu, stundenlang rumzustehen und auf die Dunkelheit zu warten. Umgekehrt, wenn man das Team für eine Dämmerungsszene so knapp bestellt, dass die Dämmerung bereits beim Eintreffen einsetzt und man ganz gehetzt noch irgendwie die kurze Lichtphase nutzen will, leidet die Qualität. Die Zeiten für Sonnenauf- und Untergang kann man online präzise erfahren.

     

    Auch so naheliegende Fragen wie jene, wo denn das Team und die Schauspieler zur Toilette gehen können, sind von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Drehs, bei denen man ein Fahrzeug als sogenannten Toiletten-Shuttle definiert und vorzugsweise Schauspieler bei Bedarf zu irgendwelchen Restaurant-Toiletten gekarrt hat, haben sich als nicht besonders entspannt erwiesen. Auch die Ernährungslage sollte unbedingt organisiert sein. Gerade wenn man früh am Set sein muss, können viele Zuhause gar nicht frühstücken. wenn dann nicht einmal warme Getränke und belegte Brötchen am Set sind, sinkt die Motivation der Teammitglieder und Schauspieler auf einen Minimalwert. Besonders unerfreulich sind auch nicht abgeklärte Motive - sei es, dass die Hausbewohner eines Motivs nicht informiert wurden und verärgert sind, dass im Treppenhaus alles vollgestellt ist, oder dass die Regie ein Motiv nicht gefällt und man mitten im Dreh ein Ersatzmotiv beschaffen muss.

     

    Askese

    Diverse professionelle Filme haben es vorgemacht: Man kann mit minimalem Geräteaufwand, kleinem Team und der Konzentration auf die Geschichte und deren Umsetzung Großartiges leisten. Es gibt sicher Filme, bei denen für bestimmte Szenen ein größerer technischer Aufwand unumgänglich ist, aber er hat nur einen Sinn, wenn es die Geschichte erfordert und wenn das Budget dafür da ist. Für alle anderen Filme kann es befreiend und die Energien bündelnd wirken, wenn man sich auf die Stärken von kleinen Videokameras beruft und nicht versucht, großes Kino zu imitieren. Geschichten, die durch ihre Kraft und Umsetzung überzeugen, können auch ohne Berge an Equipment ihren Weg ins Kino oder Fernsehen machen.

     

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