Filmanimation

  • Vom Spiegeltrick zum Motion-Control... Schublade, aus der Zeitungsauschnitte quillen

    Die immer größeren Möglichkeiten der Filmtricks, allen voran das Compositing haben die Notwendigkeit präziser, wiederholbarer Bewegungen der Kamera entstehen lassen. Die Antwort auf diese neuen Erfordernisse lautet: Motion-Control

    Präzision bei der Herstellung verschiedener, zu kombinierender Bildebenen war eigentlich schon immer gefordert. Ob bei den Spiegeltricks (Schüftan-Verfahren) oder Travelling Mate, stets mussten die Bildteile, die auf den unterschiedlichen Bildebenen (Layer) in der Kamera direkt oder auf der Oxberry (optische Bank) kombiniert werden sollten, präzise zueinander passen. Dies bezog sich auf den Bildinhalt, das Licht, die präzise Begrenzung der Masken etc.

    Wenn man etwa in Filmen der Fünfziger und Sechziger Jahre die Schauspieler im Studio in ein Auto setzte, und durch Rückprojektion die Straßen, über die es fuhr hinzufügte, so sah es schnell künstlich aus, wenn die Bewegungen des Autos oder der Schauspieler nicht mit denen des Hintergrundes übereinstimmten.

    Die Kamera musste bei derartigen Trickmanövern selbstverständlich absolut starr auf dem Stativ bleiben. An Eigenbewegungen der Kamera wie Schwenks oder Kamera war dabei gar nicht zu denken.  Schließlich hätte der Kamera-Schwenker wenn er denn über die Schauspieler im Studio-Auto geschwenkt hätte, bei den Aufnahmen der Hintergründe (Fahrt/Landschaft etc.)  exakt die gleiche Geschwindigkeit und den gleichen Schwenkwinkel einhalten müssen. Eine Forderung, welche die menschlichen Fähigkeiten absolut übersteigt.

     

    Kamera-Roboter

    Motion-Control Systeme sind in gewisser Weise Kamera-Roboter, welche durch Präzisionsmotoren, exakte Getriebe, Hydraulik und Computersteuerung die absolute Wiederholbarkeit von Kamerabewegungen in allen Ebenen bis hin zu kleineren Kranfahrten ermöglichen. Sie sehen recht unförmig, beinahe wie Panzer aus und wer schon einmal in einer modernen Autofabrik die Montageroboter gesehen hat, erkennt sofort, woher die Motion-Control Systeme stammen. Es braucht schon einen LKW um solch ein Gerät an den Drehort zu transportieren.

    Sie kommen häufig in der Werbung zum Einsatz, setzen sich auch im Spielfilmbereich mehr und mehr durch, wenn aufwändige Tricks gefragt sind. Sie ermöglichen Bewegungsabläufe der kamera mit hohen Geschwindigkeiten. Schienfahrten oder Kranbewegungen von bis zu 2 Metern pro Sekunde sind kein Problem. Die Kamera kann um die optische Achse rotieren und gleichzeitig über 5 Meter in die Höhe rasen. Dabei können Schärfe und Blende ebenso wie die Bewegungen computergesteuert verändert werden.

    Sollen mit Hilfe von Maskentricks Schauspieler ihre eigenen Zwillingsbrüder darstellen oder aber langsam unsichtbar werden, oder durch Wände hindurchgehen ohne dass die Kamera dabei starr auf dem Stativ fixiert bleibt ("Ein Mann geht durch die Wand") so lässt sich das nur mit Hilfe von Motion-Control verwirklichen.

     

    Maskentricks

    Wenn nämlich die Kamera bei allen Teilbelichtungen oder allen (später, nicht direkt in der Kamera zu kombinierenden) Bildebenen exakt die gleichen Bewegungsabläufe vollzieht, so sind alle klassischen Maskentricks plötzlich auch mit bewegter Kamera möglich. Voraussetzung dafür ist allerdings auch Präzision auf Seiten des technischen Stabes. Präzise Planung, Absprachen mit dem Trickteam (Compositing Editors) und dem Kameramann gehören zu den Vorbereitungen. Am Set sind genaue Justagen, Vermessungen und Eingaben bis hin zu den Optiken in das Computer-System unerlässlich. Nur so können die heutigen Multilayering-Verfahren sinnvoll angewendet werden.

    Bei der Kombination von computeranimierten Trickfiguren mit realen Aufnahmen, können die Daten der Motion-Control Computer in die Graphik-Programme eingelesen werden und umgekehrt. Nur auf diese Weise sind viele der atemberaubenden Tricks heutiger Fantasy- Spielfilme überhaupt möglich.

    Wer mit Motion-Control arbeitet darf den Justage- bzw. Programmieraufwand nicht unterschätzen. Bis alle Abläufe stimmen, ist viel Feinabstimmung erforderlich.

    Wenn Sie das nächste Mal in einem Clip oder Werbespot die Kamera mit einem irren Tempo und zugleich ungeheuer präzise auf eine Person oder einen (beworbenen) Gegenstand zurasen sehen, oder im Kino atemberaubende Doppelgänger Tricks mit bewegter Kamera, dann steckte mit großer Sicherheit einer dieser netten unförmigen Kamera-Roboter dahinter.

  • Bei der Aufnahme auf Film tut man sich etwas schwer, mit Scanner oder Digicam die Bildinhalte zu übertragen. Hier ist ein Tricktisch oft die preiswertere und qualitativ hochwertigere Variante.

     

    Tricktische

    Wer sich mit der klassischen Aufnahme von Filmtiteln, Zeichen- oder Legetrick beschäftigt, bei der ohne Einskannen und Computerbearbeitung direkt mit einer Film- oder Videokamera aufgenommen wird, kommt früher oder später nicht um den Kauf oder Eigenbau eines Tricktisches herum.

     

    Die einfache Variante

    Einfacher Tricktisch

    Einfacher Tricktisch

    Im Prinzip besteht so ein Tricktisch in seiner einfachsten Ausführung aus einer Grundplatte (auf die man die Titeltafeln oder Animationszeichnungen legt), Beleuchtungsquellen, sowie einer Säule und Aufhängung für die Kamera. Im Fotohandel gibt es solche einfachen Tricktische z.B. unter der Bezeichnung "Reprosäule" (Repro-Stand). Bei dieser Grundversion sind je nach Größe der aufzunehmenden Grundfläche mindestens zwei ,besser vier Lichtquellen, entweder links und rechts, oder an allen vier Ecken der Grundplatte angebracht. Als Lichtquelle eignen sich Kunstlicht-Glühbirnen in Matt-Ausführung (kein Klarglas!). Am besten eignen sich die Glühbirnen für Foto-Vergrößerer, die haben die beste Mattierung.

    Den Abstand der Kamera von der Grundplatte variiert man durch eine verstellbare Kamerasäule, die Position der Titeltafeln oder Animationsbilder, ggf. durch Verschieben.

     

    Die professionelle Variante

    Titelfolie auf Durchlichteinheit

    Titelfolie auf Durchlichteinheit

    Für die Herstellung aufwändiger Trickaufnahmen oder Tricktitel sind weitere Einstellmöglichkeiten wichtig. Dabei spielt vor allem die Reproduzierbarkeit und die Justierbarkeit von Einstellungen eine wichtige Rolle. Aus diesem Grunde erlauben die hochwertigeren Tricktische auch die Verstellbarkeit der Bodenebene und der Kameraebene.

    So lässt sich die Bodenebene mit evtl. Passerstiften für die einzelnen Animationsphasen in der horizontalen und vertikalen Ebene verstellen. Alte Tricktische verfügten dafür über zwei Kurbeln mit präziser Untersetzung und Skala, moderne Tricktische über elektronisch- oder computergesteuerte Schrittmotoren.

     

    Auch die Kameraaufhängung lässt sich horizontal und vertikal verstellen und erlaubt damit eine genauere Feinjustierung und/oder die Simulation von Fahrten.

    Für die Aufnahme von Titeln, bei denen häufig im Fotosatz ausbelichtete Filme verwendet werden, ist eine Durchlicht-Einrichtung sehr sinnvoll. Dabei handelt es sich um eine Lichtquelle unterhalb der Bodenplatte. Die ausbelichteten Strichfilm- Titelfolien (das sind Filmmaterialien für den Fotosatz, die keine Graustufen abbilden, sondern nur Schwarz oder Weiß) sind bei weißer oder farbiger Schrift dort, wo die Buchstaben sind, transparent. Legt man eine weiße Mattfolie unter den Film, so erzielt man durch das Unterlicht damit weiße Schrift, legt man farbige Folien darunter, entsprechend farbige Schrift.

     

    Für Rolltitel arbeitet man mit einer entsprechend langen Titelfolie, die von eine Abwickelrolle zu einer Aufwickelrolle an der Aufnahmeebene vorbei, gerollt wird. Auch hier gibt es die Variante von Hand zu rollen oder mit Hilfe eines steuerbaren Schrittmotors.

     

    Für Zeichentrickfilme wiederum sind mehrere Aufnahmeebenen sinnvoll, um Vorder, -Mittel- und Hintergrund als unterschiedliche Schärfebenen aufnehmen zu können. (Multiplan-Kamera) Auf jeder Ebene befinden sich zur

    deckungsgleichen Justierung der Animationsfolien sogenannte Passerstifte. Sie befinden sich ober- und unterhalb der Aufnahmeebene. Diese entsprechen genau den Stiften mit denen auch die Phasenzeichner an ihrem Zeichentisch gearbeitet haben. (Eigenbau-Anleitung:

    www.animationbureau.com

    Für die ersten Heimkino-Versuche tut es die Mechanik eines Büroordners und Phasenfolien werden mit einem Bürolocher gelocht. Für professionelles Zwecke ist das bei weitem, zu ungenau. International haben sich drei verschiedene Normen am weitesten verbreitet: ACME, OXBERRY und DISNEY. Diese bestehen aus drei runden und eckigen Stiften, die je nach Norm unterschiedlich groß sind und unterschiedlich weit auseinander liegen.

     

    Die Kamerasäule muss entsprechend höher sein und die einzelnen Ebenen sind dann Glasplatten. Die Glasplatten sind nicht durchgehend transparent, sondern nur in dem Bereich, der für die Animationsfolien benötigt wird. Drumherum sind sie mit Lack geschwärzt, um Streulicht aus den anderen Ebenen zu vermeiden. Jede Ebene hat eigene Lichtquellen.

     

    Kamerasteuerung

    Intervallometer

    Intervallometer

    Spezielle Trickkameras (z.B. Krass, Rostrum) oder auch konventionelle Filmkameras mit Einzelbildschaltwerk (Bolex, Arri et.c.) werden im einfachsten Fall Bild für Bild von Hand ausgelöst. (Videokameras sollten mindestens den Vollbildmodus (Frame) anbieten, damit man dann für die Bearbeitung im Schnittprogramm daraus Einzelbilder capturen kann.)

     

    Beim professionellen Arbeiten mit Filmkameras sind aber elektronische Auslöser mit automatischer Zähleinrichtung, sowie die motorische Steuerung von Blende, Umlaufblende und Schärfe üblich.

     

    Die einfacheren Steuergeräte (Intervallometer) erlauben die manuelle Einzelbildauslösung mit Zählfunktion (dabei wird die Anzahl der belichteten Filmbilder digital angezeigt) sowie die automatische Einzelbildauslösung in justierbaren Intervallen (ein Bild alle...Sekunden, Minuten oder Stunden) Man kann damit also auch Zeitraffer-Aufnahmen machen (Das Aufblühen einer Blüte kann damit im Film in wenigen Sekunden geschehen). Auch die Dauer der Belichtung eines einzelnen Bildes ist einstellbar. Damit kann man durch entsprechend lange Belichtungszeiten auch bei geringstem Licht noch (zeitgeraffte) Aufnahmen machen.

     

    Aufwändigere Steuerungen arbeiten mit Computerprogrammen und berücksichtigen etwa die Bewegungsschritte und programmierte Veränderungen der einzelnen Aufnahmeebenen sowie der Kamerafunktionen. Auf diese Weise können z.B. Auf- oder Abblenden an einer bestimmten Phase der Animation oder der Rolltitel verwirklicht werden.

     

    Die Kameras befinden sich schließlich relativ hoch über der Grundplatte, welche, der bequemeren Arbeitsweise wegen, etwa in der Höhe eines normalen Schreibtischs befindet.

    Um also durch einen herkömmlichen Sucher zu schauen, und Einstellungen vorzunehmen, müsste man jedes Mal auf einen Stuhl oder eine Leiter steigen, was auf Dauer keine wirklich akzeptable Arbeitsweise ist. Zur optischen Kontrolle kann man sich das Leben mit einer Videoausspiegelung erleichtern, doch wirklich präzise ist nur der Blick durch den Kamerasucher.

     

    Beschaffung

    Wer es unbedingt einmal ausprobieren möchte, der kann sich mit Reprostativen aus dem Fotobereich die Basis verschaffen. Diese kann man auch gebraucht günstig erwerben. Wer den Selbstbau vorzieht, sollte über handwerkliches Geschick verfügen, die Feinmechanik ist nicht Jedermanns Sache.

     

    Da heute die verschiedenen Trickverfahren mehr und mehr per Scanner und Software verwirklicht werden, haben viele Tricktische inzwischen ausgedient. Man kann sie manchmal zum Materialwert in Gebrauchtbörsen oder dem Anzeigenmarkt mancher Fachzeitschrift (Film & TV Kameramann) oder im Kleinanzeigenmarktdes Movie-College finden.

     

Workshops 2019

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