Dreharbeiten

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  • Könnte es sein, dass die neue Datenschutzverordnung öffentliche Dreharbeiten nahezu unmöglich macht?

  • Das Direct Cinema und das Cinéma Vérité und sein Erbe bei Michael Moore

    Dreharbeiten zu

    Dreharbeiten zu "Aufhören tut keiner", Dokumentarfilm über Fernfahrer in Deutschland

    In den letzten Jahren hat sich der Dokumentarfilm im Kino wieder einen Namen gemacht. Ob Michael Moore mit seinen politisch provokativen Filmen ("Bowling for Columbine", "Fahrenheit 9/11"), Michael Glawogger ("Working mens death" oder "Whores Glory") oder hochcharätige Dokumentationen über Tiere wie "Die Reise der Pinguine" u. v. a... Dokumentationen haben einen wichtigen Stellenwert in unserer Medienlandschaft.

     

    Dieses wird allerdings oft von Diskussionen begleitet, die drüber kreisen, was der Dokumentarfilm denn darf und was nicht. Immer noch wird unser Blick für den Dokumentarfilm von einem Bild geprägt: Ein Filmemacher hält seine Kamera auf einen interessanten Umstand und wir werden Zeugen einer unverstellten Realität. Und wenn auch nur die leise Ahnung besteht, dass Szenen womöglich nachgestellt, inszeniert wurden, dann wird der Filmemacher an den Pranger gestellt. Denn das sei im Dokumentarfilm ja wohl verboten.

     

    Ist das denn aber tatsächlich so? Um besser zu verstehen, wie unsere dokumentarischen Sehgewohnheiten geprägt sind und um zu zeigen, dass der Dokumentarfilm sich nicht immer als beobachtendes Medium verstanden hat, soll in diesem Beitrag ein bisschen Dokumentarfilmgeschichte aufbereitet werden.

     

    Die dokumentarische Verständnis-Basis

    Szene aus dem Dokumentarfilm „Polster-Willi

    Szene aus dem Dokumentarfilm „Polster-Willi"

     

    Befasst man sich mit fiktionalen Filmstoffen, dann spricht man bei ihrer Realisierung ganz klassisch von einer Inszenierung. Soll es aber um Dokumentarfilme gehen, muss man sich darüber klar sein, dass diese Spielart des Films verschiedene Ansätze der Umsetzung beansprucht, aus denen sich auch unterschiedliche Arbeitsweisen ergeben.

     

    Grierson liefert 1926 eine erste theoretische Basis - die grundsätzlich heute noch gebraucht wird - indem er den Dokumentarfilm mit der damaligen Kinowochenschau vergleicht. Er misst der Wochenschau nur eine rein beschreibende Funktion der aktuellen Themen zu. In Flahertys Filmen aber erkennt er eine interpretierende Wirkung. Er schließt daraus, dass der Dokumentarfilm die Wirklichkeit eher kreativ behandelt.

     

    Dabei geht es nicht unbedingt darum, dass sich der Regisseur zu seiner Intention auch äußert. Aber für Grierson muss zumindest der Ansatz des Filmes indirekt erkennbar sein. Unter dem Ansatz versteht man das erkennbare Verfahren, das der Regisseur einsetzt, um seine Intention, seine Absicht durchzusetzen. Wie unterschiedlich solche Ansätze ausfallen können, zeigt sich in den 60er Jahren anhand verschiedener Ausrichtungen des Dokumentarfilms: das Direct Cinema und das Cinéma Vérité.

     

    Der Dokumentarfilm vor 1960 und die technischen Erneuerungen

    Selten hat ein Gerät die gestalterischen Möglichkeiten so verändert, wie die Nagra des Ingenieurs Kudelski

    Selten hat ein Gerät die gestalterischen Möglichkeiten so verändert wie die Nagra des Ingenieurs Kudelski.

     

    Bis zu Beginn der 60er herrschte beim Dokumentarfilm, grob gesagt, die Ästhetik des Stummfilms vor. Den Bruch, den der Spielfilm in den 30ern erlebte, wird im Dokumentarfilm erst in den 60ern sichtbar. Zwar benutzte auch der Dokumentarfilm den Ton, aber da die Aufnahme wegen der unhandlichen, schweren und nicht transportablen Technik des Originaltons nicht möglich war, wurden meist nur Kommentare eingesetzt, die ex post auf das Bild gesprochen wurden. Geräusche und Stimmen wurden nachsynchronisiert. So ergab sich eine Dominanz von schönen Bildern:

     

    "Viele Dokumentarfilme dieser drei Dekaden glichen eher Bildgedichten als Reportagen oder Dokumentationen im journalistischen Sinne" (Wilhelm Roth, 1982)

     

    Zudem führte die mangelhafte Tontechnik zu Inszenierungen. Die Arrangierung und Wiederholung von schwierigen und komplexen Szenen war nicht selten. Dazu trug natürlich auch die Kamera bei, die ebenso noch zu schwer war, als dass man sie frei bewegen konnte. Die Filmemacher waren an eine vom Stativ getragene und damit unflexible Kamera gebunden.

     

    Ab 1950 kommt es durch verschiedene technische Erneuerungen auch zu neuen Anätzen im Dokumentarfilm. Das Filmmaterial von 16 mm wird zum Standard und liefert eine allgemein akzeptierte Qualität, da das Material auch ohne zusätzliches Licht brauchbar ist. Zudem bewirkte die massive Reduzierung des Gewichts der Kamera eine höhere Beweglichkeit des Kameramanns mit seinem Gerät auch ohne Stativ. Durch die neue Technik werden auch synchrone Tonaufnahmen durch tragbare Tonrekorder möglich. Ab jetzt steht nicht der Bildaufbau im Mittelpunkt. Endlich ermöglichte die Technik, dass Kamera und Zuschauer dem selbstständigen und frei agierenden Menschen folgen und sich der Mensch mit seiner Geschichte nicht länger dem inszenierten Bildaufbau unterwerfen muss.

     

    von Despina Grammatikopulu
     
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  • Dreharbeiten gehören einfach zu den spannendsten Erfahrungen in Medienberufen und oft genug sind sie spannender als der eigentliche Film selbst.

  • Filmteam

    Filmteams sind ein fragiles Gebilde.

    „Ich kann so nicht arbeiten!“

    Unzulänglichkeiten können überall auftreten und lassen sich im Gespräch durch Veränderungen, Einsicht, Motivation, Vorbild, Disziplin und Teamgeist meistens abstellen. Ansprechpartner (siehe Konflikte) können idealerweise Aufnahme- und Produktionsleiter, aber auch Regieassistenten sein.

     

    Davon aber soll hier nicht die Rede sein, sondern von Querulanten, Nörglern von Kritikastern, die Schwierigkeiten verursachen. Es gibt sie nämlich nicht nur am klassischen Arbeitsplatz, im Büro oder in Behörden, sondern auch am Filmset. Für so manchen sind Dreharbeiten schon zur persönlichen Hölle geworden. Produzenten, die unter seelischem Druck lebensgefährlich erkrankten, kamerapreisgekrönte Kameraleute, die nie wieder eine Kamera in die Hand nehmen wollten, Tonmeister, die jeden Abend zitternd und weinend nach Hause kamen, waren die Opfer. Was tun, wenn man als Produktionsfahrer mit dem achtsitzigen Kleinbus den arroganten Schauspieler vom Flughafen abholt und der sich weigert, „in diesen Viehtransporter“ einzusteigen?

     

    Innerer Drehschluss

    Set-Licht

    Holen Sie die Problememacher aus dem Schatten, machen Sie Konflikte öffentlich.
    Innerhalb eines Teams finden sich neben denen, die ihre Arbeit engagiert ausüben, stets einige Mitarbeiter/-innen, die einfach „schwierig“ sind. Sie verursachen Probleme, dort wo keine sind, sind bemüht, andere ebenfalls mit ihrer Unzufriedenheit zu infizieren und kosten viel Zeit und letztlich Geld. Denn so ein Team, bestehend aus vielen Einzelpersonen ist eine fragile Konstruktion auf Zeit. Ganz schnell kann sich aus Unzufriedenheit Feindseligkeit entwickeln und die Dreharbeit zum Spießrutenlauf werden. Bei vielen Teammitgliedern führt das zum „inneren Drehschluss“, zu schlechter Arbeitsatmosphäre und Antriebslosigkeit. Wenn die Stimmung erst einmal eisig ist, fehlt einfach die Motivation, die Energie ins Filmprojekt zu stecken. Sie finden Problememacher in allen Aufgabenbereichen. Selbst einige wenige Regisseure leben den Mythos der „ewigen Feindschaft zwischen Regie und Produktion“ mitten am Set aus.

     

    Es hilft bei der Vermeidung oder Lösung solcher psychosozialer Konfliktsituationen durchaus, die verschiedenen Problem-Charaktere zu kennen. Vor allem sollten Sie herausfinden, worin das Grundproblem des Störers besteht, welche Ziele er verfolgt und ihm klar signalisieren, dass er bei Ihnen damit nicht landen kann. Sie sollten rechtzeitig erkennen, wann jemand Sie zum Opfer machen will, stets gelassen reagieren und sich niemals auf das Niveau der Problemperson begeben.

     

    Das Who is Who der Problememacher

    Der Miesmacher

    Er verbreitet im Team vor allem schlechte Laune. Das Catering ist drittklassig, die Arbeitszeiten zu lang, das Hotel für das Team unmöglich und das Drehbuch ohnehin Mist. Man sollte Erschwernis-Zuschlag wegen des schlechten Hotels verlangen. Oder das Essensgeld auszahlen lassen, und jeder kann sich selbst mittags was zu Essen kaufen. Zudem entdeckt er an jeder Ecke Unwägbarkeiten und Probleme, die man eigentlich kaum lösen kann. Auch die Anschlüsse von Szene zu Szene, die können ja gar nicht funktionieren. Dabei hätte man wirklich etwas besseres verdient. Er zieht die Kollegen mit in einen tiefen Abgrund der Unzufriedenheit. Es dauert gar nicht lange, und ein Zustand der Lähmung verlangsamt diverse Arbeitsabläufe am Set. Die Regieassistentin sieht plötzlich keinen Weg, das Pensum in die Drehzeit hineinzuzwängen.

     

    Strategie

    Sie haben es nicht mit konkreten Problemen, sondern mit einer Lebenshaltung zu tun. Deshalb sollten Sie den Nörgler in seinem Grundgefühl ernst nehmen, aber keinesfalls in seinem Dauerleid bestätigen. Lassen Sie es nicht an sich herankommen, bleiben Sie höflich, aber bestimmt.

     

    Der Hinterlistige

    Er/Sie steht nicht wirklich im Vordergrund. Das tun andere durch ihre Leistungen und natürlich missfällt ihm das. Deshalb werden Gerüchte, Andeutungen und Lügen gezielt eingesetzt, um andere aufzuwiegeln. Man hat schließlich üble Geschichten gehört, wie X sich bei der letzten Produktion verhalten hat. Und die Produktion habe ja die letzten zwei Filme in den Sand gesetzt. Man müsste die Gagen vielleicht im voraus verlangen. Es freut ihn, wenn es gelingt, in anderen Neid zu schüren. Verdienen die vom Produktionsstab tatsächlich höhere Gagen? Warum müssen Maske, Licht und Kostüm zu so früher Stunde am Drehort sein, während die anderen zwei Stunden länger ausschlafen können?

     

    Er selbst ist heiter und gesprächig, hält sich ansonsten ganz im Hintergrund. Denn natürlich soll nach außen der Eindruck entstehen, er selbst habe mit dem Ärger gar nichts zu tun.

     

    Strategie

    Da es ja die anderen sind, die laut schimpfen oder einfach nur spürbar unzufrieden werden, fällt es schwer, den Urheber auszumachen. Doch dessen Angriffe sind massiv und Sie müssen ihm unbedingt direkt mitteilen, dass Sie um diese wissen. Machen Sie ihm deutlich, dass Sie wissen, welches Spiel er treibt. Bleiben Sie sachlich und bitten Sie ihn um ein Gespräch zu den kritisierten Punkten.

     

    Der Zweifler

    Alles muss sehr genau überlegt sein, Improvisation ist ihm ein Gräuel. Bevor nicht jeder Aspekt wirklich durchdacht ist, geschieht erst einmal gar nichts. Und bevor man an den Erfolg glaubt, sollte man erst einmal möglichst viele Bedenken äußern. Jede Veränderung, jeder Vorschlag wird aus Prinzip erst einmal angegriffen. Wozu neue Ideen diskutieren, das könnte nur Probleme machen?

     

    Strategie

    Argumente helfen nichts und auch den Charakter werden Sie in der Drehzeit nicht verändern können. Am besten Sie setzen ihn irgendwo ein, wo es nicht auf Zeit ankommt. Und lassen Sie ihn in dem Gefühl, der einzig vernünftige Geist in dem ganzen Team zu sein.

     

    Der Streitsüchtige

    Einschüchterung ist für ihn ein Genuss. Deshalb strebt er Positionen innerhalb des Teams an, die ihm erlauben, andere einzuschüchtern. Regie, Produzent, Hauptdarsteller fallen einem da zunächst ein. Regisseure etwa, die Praktikanten zusammenbrüllen, weil diese vergessen haben, aus welcher Teekanne sie am Nachmittag ihren Rooibush-Tee zu trinken pflegt, zählen zu dieser Spezies. Zu denen, die ihm dienen und ihn unterstützen, ist er zuckersüß, alle anderen sollen was erleben, schließlich sind sie gegen ihn. Auch wenn man weiß, dass tiefsitzende Minderwertigkeitsgefühle dahinter stecken, ist der Umgang mit ihm extrem unangenehm. Man möchte möglichst weit weg sein, fürchtet den barschen Umgangston und Schikanen.

    Strategie

    Ja, zugegeben, auch Ihnen macht das Verhalten Angst. Die dürfen Sie aber nicht zeigen, auch nicht ihren Ärger über das unsinnige Verhalten. Es nützt gar nichts auf Kollisionskurs zu gehen. Halten Sie fest an ihrer Meinung und meiden Sie die Konfrontation. Beim nächsten Dreh werden Sie gewiss einen freundlicheren Ersatz für ihn finden.

     

    Der Selbstgerechte

    Er ist ein Profi, hat alles schon gemacht, in viel aufwändigeren Produktionen gearbeitet und durchschaut alle Fehler, die gemacht werden, längst. Eigentlich gebührt ihm die Führungsposition, aber man weiß ja, wie die aktuelle Produktionsleitung sich an ihren Job gemogelt hat. Wenn es nach ihm ginge, würde das alles besser laufen. Niemand ist so routiniert und fit wie er, über die inneren Verspannungen redet er nicht. Und die Fehler anderer fallen ihm sofort ins Auge, doch dafür hat er kein Verständnis, baut sie bestenfalls in seine bissigen Witze ein. Null Toleranz, nur keine Nachgiebigkeit. Auch im Benutzen anderer Teammitglieder, die ihn sogar bewundern, sowie im Gründen von Oppositionen. Vielleicht fällt ja auch jemand aus, macht schlapp, rausgemobbt. Dann springt er ein, als Rettungsengel quasi. Kritik kann er auf keinen Fall einstecken. Warum auch?

     

    Strategie

    Eine wirklich harte Nuss. Eine faire Auseinandersetzung ist praktisch unmöglich. Es hilft nicht, sich mit ihm anzufreunden, auch nicht, vor ihm Mauern zu errichten. Bleiben Sie sachlich und ruhig im Gespräch und zeigen Sie ihre Kompetenz und innere Stärke.

     

    Der Tausendsassa

    Ja, eigentlich hat er ja sonst als Kameramann gearbeitet, macht den Job hier als Beleuchter nur wegen der Kohle. Aber wenn er mit ansehen muss, was für einen Mist der Kameramann abliefert, kann ihm Angst und Bange werden. Zum Beispiel der Lichtaufbau der letzten Szene, das hätte man mit weniger Aufwand besser hingekriegt. So hat es doppelt so lang gedauert, und das ganze Team muss drunter leiden. Er ist eigentlich immer viel besser informiert und spricht auch gerne laut und im Vordergrund stehend darüber. Er muss geliebt werden und kompensiert Minderwertigkeitsgefühle durch Fachwissen.

     

    Strategie

    Lassen Sie sich nie auf Fachdiskussionen ein! Die sind sein Spezialgebiet, da können Sie nur verlieren. Zeigen Sie sich interessiert an seinen Meinungen, signalisieren Sie, dass sie ihn für kompetent halten. Zeigen Sie aber auch klar Ihr Vertrauen in die übrigen Teammitglieder, besonders jene, die er für inkompetent hält.

     

    Fazit

    Diese Hinweise sollen Ihnen helfen, Distanz zu gewinnen zu den kleinen und größeren Giftdosen, die von Problememachern im Team verteilt werden. Reagieren Sie stets frühzeitig, bevor schlechte Stimmungen sich hochschaukeln und machen Sie Konflikte öffentlich. Wenn Probleme vor dem ganzen Team besprochen werden, bleibt nicht viel Raum für Intrigen. Und seien Sie versichert, die Situationen, die Sie erleben, sind kein Einzelfall.

     

  • IMG005Lileto Dreh 500Der Begriff stammt eigentlich aus dem Theater, doch nicht selten arbeiten immer die gleichen Leute auch bei Filmen zusammen, warum ist das so?

  • Berufe

    Immo Rentz und Mathias Allary

    Kameramann (Jörg Widmer) und Regisseur (Mathias Allary) bei Dreharbeiten zu “Liebe Leben Tod"

    Die schlechte Nachricht zuerst: Regie ist kein geschützter Beruf. Jeder kann sich Filmregisseur nennen, wenn man ihn Filme machen lässt. Beim Berufsbild Kameramann/-frau ist das zwar ähnlich, aber im Spielfilmbereich kann niemand seine Unfähigkeiten an der Kamera so leicht kaschieren, Fehler werden hier sofort sichtbar. Regieschwächen aber werden oft genug durch Eigenregie der Schauspieler und hochbegabte Regiekameraleute ausgeglichen. Es hat schon viele Filme gegeben, bei denen von der Regie außer: „Kamera ab, Ton ab und Bitte“ kaum weitere Äußerungen zum Gelingen des Filmes beigetragen haben.

     

    Die gute Nachricht: Die Mehrzahl der Regisseure verfügt über ordentliches bis hervorragendes Wissen um Kameratechnik und Bildgestaltung. Während die vorgenannten „ahnungslosen“ Regisseure ihre Kameraleute “einfach machen lassen”, wollen die gut ausgebildeten natürlich auch beim Bild mitgestalten. Wie also kann so eine produktive Zusammenarbeit zwischen Regie und Kamera aussehen?

     

    Begriffsbestimmung

    Der/die Kameramann/-frau ist u. a. zuständig für das Licht, den kreativen Einsatz des Aufnahmemediums (Filmmaterial/Video), die richtige Belichtung, die Bildkomposition, für die Kadrage der Bilder und die Bewegungen der Kamera. Der/die Regisseur/in ist zuständig für die Schauspielführung und die künstlerische Kontrolle aller gestalterischen Elemente. Die Regie ist also verantwortlich für den Film in seiner Gesamtheit. Dazu gehören auch die Bilder. Es handelt sich also um eine gemeinsame Anstrengung von Kamera und Regie. Kurzum: Zwei handwerklich-künstlerische Persönlichkeiten, die gemeinsam sich überschneidende Arbeitsbereiche haben, arbeiten beim Film zusammen.

     

    Die Arbeit mit Kameraleuten

    Zunächst einmal hängt der Beitrag der Regie zum Bild von deren Fähigkeiten in diesem Bereich ab. Es gibt Regisseure, die ihre Vorstellungen gar nicht mitteilen können oder wollen, die den Kameraleuten sagen: Nun mach mal! Vielen fehlt schlicht und einfach das Fachwissen oder die Erfahrung, um in diesem Bereich mitreden zu können. Das Wissen um die Bildaufnahme, wie man damit umgeht und wie man sich darüber abspricht, gehört zu den Basis-Werkzeugen der Regisseure. Andere wollen stets nur ihre eigene Vorstellung umgesetzt wissen und lassen Ideen und Konzepte des Kameramanns gar nicht erst zu. Manche würden am liebsten selbst die Kamera in die Hand nehmen und alles alleine machen. Damit verschenken Sie die Chance, etwas von den Fähigkeiten eines anderen zu lernen. Leider gibt es auch Regisseure, die über Bildgestaltung reden, ohne irgendeine Ahnung davon zu haben. So eine Arbeit ist dann besonders hart für die Kameraleute. Manchmal haben die Regisseure selbst von der Schauspielführung keine Ahnung und die Kameraleute geben diese, getarnt als Positionsanweisungen gleich mit. Auch wenn man auf Pressefotos merkwürdigerweise die Regisseure häufig an der Kamera sieht, haben sie da eigentlich gar nicht viel zu suchen. Wenn der Kameramann ausnahmsweise mal sagt "Schau mal durch, wie findest du das?", dann ist das in Ordnung. Wenn aber der Regisseur ständig auf dem Dolly mitfährt, dann stimmt irgend etwas nicht. Viele lösen den daraus resultierenden Konflikt mit einer Videoausspiegelung. Dann kleben dieselben Regisseure vor dem Monitor und haben noch immer keinen Schimmer von der Wirklichkeit vor der Kamera.

     

    Wie sag ich's?

    Die ideale Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Darauf basieren alle hervorragenden Filme und das erklärt auch, warum Regisseure oft mit den selben Kameraleuten zusammenarbeiten. So hat etwa Bernardo Bertolucci meistens mit dem Kameramann Vittorio Storaro, Ingmar Bermann mit dem Kameramann Sven Nykvist oder Tom Tykwer mit Kameramann Frank Griebe gedreht. Regisseure, die nicht begreifen, dass ein Film als Teamwork einiger Kreativer entsteht, haben Wesentliches nicht begriffen. Kompetente, erfahrene Regisseure aber besprechen alle gestalterischen Mittel, von der Wahl der Brennweite über Bildkomposition, Kamerabewegungen und Licht. Der Schlüssel zur vertrauensvollen Zusammenarbeit liegt im Gespräch. Leider gibt es auch Regisseure, die sich nicht vermitteln (können oder wollen). Sie erwarten quasi von der Kamera seherische Fähigkeiten. Dabei kann man im Dialog vielfältige Mittel verwenden. Ob mal mit Fotos, Beispielen aus der Malerei, Grafik oder einfach anderen Filmen arbeitet, selbst wenn einem das Fachvokabular gänzlich fehlt, kann man sich trotzdem verständigen. Man sollte stets die Auffassungen des anderen respektieren und prüfen, die eigenen Ideen durch Überzeugungsarbeit zu vermitteln versuchen. Dass es dabei auch zu unterschiedlichen Haltungen kommt, ist selbstverständlich, der Dialog dient dann dazu, sich abzustimmen. Wenn gleichwertige Kreative zusammentreffen, helfen die Argumente, die man aufwendet, um den anderen zu überzeugen, ganz nebenbei, seine Vision von dem Film zu vervollkommnen.

     

    Zusammenhänge

    Dreharbeiten zu "Franta"

    Innerhalb eines Teams gibt es mehrere Gruppen, die enger zusammen arbeiten. Der Kameramann etwa ist auf engsten Dialog mit Licht, Kamerabühne und Kameraassistenz angewiesen. Auch zwischen Kamera und Regie sollte ein enger Zusammenhalt bestehen, damit eine gemeinsame optische Vision im Film ihren Niederschlag findet. Allerdings sollten die wichtigsten Gespräche vorab stattgefunden haben, vor Drehbeginn. Kamera und Regie sollten engste Vertraute während der Dreharbeiten sein, ihre Arbeitsbereiche sind unmittelbar miteinander verzahnt. Eine besonders schwierige Situation entsteht, wenn der Regisseur falsche oder schlechte Bildideen erzwingt und der Kameramann um den Irrweg weiß. Doch auch der umgekehrte Fall, eine technisch vielleicht einwandfreie, für den Stoff aber falsche Bildgestaltung, kann Regisseure (vorausgesetzt sie wissen, was sie tun) in große Konflikte bringen. Doch kaum etwas ist schlimmer für laufende Dreharbeiten, als wenn Kamera und Regie vor versammeltem Team über die Bildgestaltung streiten. In diesen Fällen ist es hilfreich, wenn es ebenso kreative Redakteure oder Produzenten gibt, die mit starkem Engagement erspüren, was für das Projekt richtig ist. Gemeinsam mit ihnen lassen sich viele, selbst scheinbar unversöhnliche Gegensätze wieder aufheben.

     

    Fazit

    Ein erfahrener Regisseur weiß, welchen Effekt welche Optik hat und spürt ob das Licht die gewünschte Stimmung transportiert. Es ist eine Gratwanderung, seine Visionen zu vermitteln, die Ideen anderer zuzulassen. Wichtig bleibt vor allem die künstlerische Kontrolle und die produktive Art, seine Vorstellungen mit denen der anderen Kreativen im Team sichtbar zu machen. Denn was immer auch die Gründe sein werden, warum ein Film misslang (das schlechte Drehbuch, die unprofessionelle Produktion, die schlechten Schauspieler), letztlich wird jeder sagen, es lag an der Regie.

     

  • Aufgaben der Regieassistenz

    Regieassistentin Basia Baumann bei den Dreharbeiten zu „Midsommar Stories"

     

    Kaum ein Arbeitsbereich beim Film unterliegt so vielen Fehldeutungen wie die Regieassistenz. Während die einen in der Regieassistenz so etwas wie eine Zweitregie für Komparsen und Kleindarsteller wähnen, meinen die anderen, es handle sich um ein persönliches mobiles Sekretariat des Regisseurs. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, denn das Aufgabengebiet der Regieassistenz ist sehr weit gefasst. Sowohl gestalterische, dramaturgische als auch organisatorische Aufgaben müssen parallel bewältigt werden - keine einfache Aufgabe, will man es ordentlich machen. Nicht wenige behaupten sogar, dass die Regieassistenz viel erfahrener sein muss als die Regie. Das erklärt auch, weshalb es ein grobes Missverständnis wäre, zu glauben, als Film-Neuling arbeitet man am Besten erst einmal als Regieassi. So etwas gibt es zumindest an professionellen Filmsets nicht. Regieassistenten sind "alte Hasen", sie haben schon viele Drehs hinter sich und bringen jede Menge Erfahrung mit.

     

    Die Vorbereitung

    Die Arbeit der Regieassistenz beginnt einige Wochen vor dem ersten Drehtag. Am Anfang stehen die sorgfältige Lektüre des Drehbuchs und erste Besprechungen mit der Regie über die grundsätzliche Linie und gestalterische Präferenzen bei der Umsetzung. Die Regieassistenz versucht im Vorfeld, kritische Bestandteile und mögliche Schwierigkeiten innerhalb des Buches aufzuspüren. Je nach Stoff besorgt sie vielleicht zusätzliche Infos aus Bibliotheken oder Archiven zur Recherche und Weitergabe an andere Mitarbeiter. Ein Durchgang beim Lesen des Drehbuchs gilt der Zeiterfassung. Jede Szene wird vorgestoppt, das heißt, man liest sich die Szene mit der Stopuhr vor und versucht Handlung ohne Dialogteile zeitlich ungefähr einzuschätzen. Die Vorstopzeiten geben Aufschluss darüber, ob evtl. noch gekürzt werden muss, um auf die gewünschte Filmlänge zu kommen.

     

    Ein weiterer wichtiger Vorbereitungsschritt sind die Drehbuchauszüge. Zu jeder Szene werden wichtige Details, die Personen, Kostüme, Effekte etc. herausgeschrieben. Diese Auszüge sind wichtig bei den kommenden Besprechungen mit den verschiedenen Departments. Die Aufzeichnungen helfen auch, wenn von der Produktion der Drehplan erstellt wird. Hier sollte die Regieassistenz nach Möglichkeit dabei sein. Sie assistiert der Regie bei der Besetzung, kümmert sich eigenständig darum, die für die jeweiligen Szenen notwendigen Komparsen zu finden. Außerdem ist sie bei der Motivsuche dabei und bei den diversen Besprechungen und Abnahmen von Kostüm, Requisite und Ausstattung durch die Regie.

     

    Die Dreharbeiten

    Schließlich sollte sie auch bei den Besprechungen von Regie und Kamera über die Auflösung dabei sein, um sich die entsprechenden Festlegungen in ihr Drehbuch einzeichnen zu können. Wenn dann die Dreharbeiten beginnen, kümmert sich die Regieassistenz um den Drehablauf und erteilt dem Team Auskünfte über Pensum, Auflösung und sonstige Abläufe. Es werden ohnehin unzählige Fragen an die Regie gerichtet, wenn die Regieassistenz einen Teil der Fragen abfangen und selbst beantworten kann, hilft das ungemein. Eine ganz wichtige Eigenschaft der Regieassistenz ist eine gewisse Transparenz dem Team gegenüber. Bei einem Film ändern sich ständig irgendwelche Details. Diese Informationen an alle relevanten Mitarbeiter weiterzugeben fällt in den Aufgabenbereich der Regieassistenz. Je nach Absprache mit der Regie inszeniert sie die Abläufe von Komparsen - keine leichte Aufgabe, wenn alles natürlich aussehen soll.

     

    Je nach Fähigkeiten inszeniert sie auch eigenständig „Nur-Ton“ Aufnahmen mit Schauspielern oder Komparsen. Häufig werden einzelne Sätze, Ansagen, Rufe, Lachen oder allgemeines Gemurmel benötigt, da muss nicht unbedingt die Regie dabei sein. Wenn ihr bei der Inszenierung der Schauspieler Fehler auffallen, macht sie die Regie darauf aufmerksam (nicht verantwortlich ist sie für Anschlüsse aller Art, dies macht Script/Continuity.) Auch bei den abendlichen Mustervorführungen sollte sie unbedingt teilnehmen. Für die Produktion ist sie Ansprechpartner in Zusammenhang mit den Dispos für den nächsten Tag. Sie kann Schwierigkeitsgrad und Pensum der geplanten Szenen am Besten einschätzen.

     

  • Es klingt ganz harmlos, doch der Job ist sehr verantwortungsvoll und nicht ohne Tücken. Wir haben genauer hingeschaut...

  • Franta (Set) Franta und das Team600Regie zu führen kann man, zumindest in vielen wichtigen Bereichen, auch Online erlernen

  • Storyboards sind einfach toll anzuschauen und helfen einem, seine visuellen Ideen auch Anderen zu vermitteln...

  • Für Dreharbeiten braucht man meistens Strom. Wenn da Sicherungen fliegen oder Kabel abbrennen wird es kritisch. Basics zu einem wichtigen Thema...

  • Während der Dreharbeiten zur 8ten Staffel stürzte ein Stuntman aus mehr als 8 Metern Höhe auf Beton und verstarb in der Klinik.

  • Bei den Dreharbeiten zu "Mission Impossible 6" verfehlte Cruise beinahe das Dach auf dem er bei einem Sprung landen sollte und prallte gegen eine Hauswand

  • Als Tonmeister hat man auf eine Menge Dinge zu achten: Dabei darf man einige für jede Einstellung essentielle Faktoren nicht außer Acht lassen: Der Lautstärkepegel, Schallreflexionen, Hintergrundgeräusche und die Toncharakteristik...

  • NY 5th 12 500Viele träumen von amerikanischen Dreharbeiten, sind diese wirklich so genial? Vielleicht sollte man ein wenig differenzierter hinschauen.

  • Boden Vlies 2 500Es gibt viele Motivgeber, die nach Dreharbeiten schlichtweg entsetzt sind. Wie man verbrannte Erde und jede Menge Ärger vermeidet

Workshops 2019

Viel Kreatives vor? Mit Movie-College Hands-On Workshops Filmlicht, Filmton/Location Sound, Kamera, Drehbuch u.v.a, kann man sein Knowhow spürbar verbessern und stärkere Filme machen.

 

26-10--2019 12:00 pm - 27-10--2019 16:00 pm

09-11--2019 12:00 pm - 10-11--2019 16:00 pm

30-11--2019 12:00 pm - 01-12--2019 16:00 pm