Kamerakran

  • Fahrtaufnahmen

    Autos auf der Leinwand...

    Spezialfahrzeuge erlauben es, komfortabel vor dem Spielfahrzeug herzufahren und zu drehen.

    Kaum ein Film, in dem keine Fahrtaufnahmen vorkommen. So häufig, wie Autos in unserem Leben vorkommen, tauchen sie auch auf Leinwand und Bildschirm auf. Was ist zu bedenken, damit Fahrtaufnahmen auch wirklich realistisch aussehen? Welche Varianten gibt es und wie unterscheiden sie sich in Aufwand und Wirkung? Welche Probleme tauchen auf, wie kann man sie lösen?

     

    Selbstbespiegelung

    Scheiben gehören zwar zum Auto, haben aber den unangenehmen Nachteil, dass sie reflektieren. Die Frontscheibe tendiert wegen ihrer Neigung dazu, den hellen Himmel zu reflektieren und damit die Schauspieler im Innern des Fahrzeugs zu überlagern. Die Seitenfenster hingegen bilden gerne die Kamera samt Operator ab. Hier ist dunkle Kleidung angesagt, Molton kann ebenfalls Wunder wirken, um unerwünschte Spiegelungen loszuwerden.

     

    Lösungswege:

    Wenn sich der Himmel in der Windschutzscheibe spiegelt, kann man die Schauspieler im Auto kaum mehr erkennen.

    Ist der Ausschnitt auf die Gesichter der Schauspieler beschränkt, kann man auf dem Spielauto einen Gepäckträger und daran ein paar lange Holzlatten befestigen, die über die Frontscheibe ragen. Hängt man darüber schwarzen Molton, so ist die Sicht auf die Darsteller frei. Allerdings reduziert man damit natürlich auch das Licht, welches vom Himmel die Schauspieler beleuchtet. Hier muss dann unbedingt von Vorne außen oder innen mit künstlichem Licht aufgehellt werden.

     

    Bei seitlichen Aufnahmen kann man die Seitenscheiben einfach herunterkurbeln – bei Ein- und Ausstiegsszenen kein Problem, beim Fahren selbst ist der Erfolg abhängig vom Wind.

     

    Man kann aber auch mit einem Polfilter arbeiten, um die Reflektionen herauszufiltern. Von Autos mit getönten Scheiben ist abzuraten. Der Kontrast von Außenlicht zur Helligkeit im Auto ist ohnehin schon sehr hoch.

     

    Variationsmöglichkeiten beim Aufbau

    Von der Ladefläche eines Kleinbusses aus kann man gut nach hinten herausfilmen.

    Das Fahrzeug, das im Bild selbst vorkommt, und welches von den Schauspielern gefahren wird, nennt man übrigens „Spielauto“.

      • Variante 1: Die Kamera wird starr an dem Fahrzeug befestigt. Das kann über Saugbefestigung (Klemm- oder Saugstativ) oder eine seitlich eingehängte Kamera geschehen. Der Kameramann ist nicht an der Kamera, die Schauspieler sind allein mit der Kamera, das Auto fährt selbst. Vorteil: relativ preiswerte Lösung. Nachteil: Es können keine Zusatzscheinwerfer außen installiert werden, sondern nur innen im Wagen. Dort werden kleine Leuchten (Miniflos, LEDs oder Sofittenlicht) an der Sonnenblende oder am Armaturenbrett befestigt.

     

    Fahraufnahmen mit Kranaufbau

    Kamerafahrzeug mit Kranaufbau für Remote-Head
      • Variante 2: Die Kamera befindet sich im Spielauto. Man dreht den Fahrer vom Beifahrersitz aus. Die Aufnahme des Schauspielers wird zwangsläufig recht profilig. Muss in einem zweiten Arbeitsgang auch ein Beifahrer gedreht werden, wird es eng. Wird auf Video produziert, können kleine Drei-Chip-Kameras recht gut am Armaturenbrett befestigt werden. Da sie im Gegensatz zu Filmkameras keine Kassette obenauf oder hinten besitzen, erlauben Sie einen deutlich größeren Abstand von den Schauspielern.

     

     

      • Variante 3: Das Auto steht auf einem Tiefausleger (sehr tief liegender Anhänger, der von einem Wagen gezogen wird). Außen ist genug Platz, um Kamera auf Stativ und Zusatzscheinwerfer anzubringen, Schutzgitter sichern das Team während der Fahrt. Der Kameramann ist an der Kamera und kann auch Schwenken oder korrigieren.

     

      • Variante 4: Das Spielauto fährt selbst. Die Kamera befindet sich auf einem zweiten Fahrzeug, welches vorausfährt. Das kann ein Kleinbus sein, aus dem hinten rausgefilmt wird, oder ein PKW mit Schiebedach, in dem das Stativ mit der Kamera durch das Schiebedach ragt. Ist das Aufnahmefahrzeug sehr weich gefedert, ist das eine gute Alternative. Es gibt auch Spezialfahrzeuge, die richtige Sitze und Befestigungsbügel (Scheinwerfer) für Kamera und Assistent auf der Ladefläche bieten. Einige sind auch mit einem kleinen Kran bzw. Ausleger ausgestattet und erlauben es, während der Fahrt seitlich oder von vorne in einer Einstellung in das Spielauto hinein zu filmen.

     

      • Variante 5: Um optimale Kontrolle über Licht und Tonverhältnisse zu haben, arbeiteten die amerikanischen Studios lange mit Rückprojektion. Ein Auto wurde im Studio optimal ausgeleuchtet und passende Fahrtaufnahmen, die vorgedreht waren, wurden auf eine dahinter befindliche Leinwand projiziert. Kräftige Helfer wackelten am Auto herum, um Fahrbewegungen zu simulieren. Doch irgendwie sah das nie wirklich echt aus. Auch heute, wo man mithilfe von digitalen Stanzverfahren bewegte Hintergründe sauberer integrieren könnte, ist das Risiko eines künstlichen Eindrucks sehr hoch. Abzuraten ist von Varianten, bei denen sich Kameraleute am Autodach anseilen und hängend mit der Handkamera von außen drehen. Das ist nicht nur lebensgefährlich, sondern auch optisch unbefriedigend!

     

    Der Fahreindruck

    Der Kran auf dem Pickup erlaubt ungewöhnliche Perspektivwechsel während der Fahrt.

    Bei den Varianten 1 bis 3 befindet sich die Kamera auf der gleichen mechanischen Ebene wie das Fahrzeug, das fährt. In Bezug auf den Bewegungseindruck hat dies zur Folge, dass das Auto selbst (Rahmen, Armaturenbrett etc.) scheinbar völlig unbewegt ist, während die Schauspieler durch die Bodenunebenheiten der Straße hin- und herschaukeln. Zudem liegt das Spielfahrzeug bei Variante 3 durch den Tiefausleger, auf dem es gefahren wird, ein gutes Stück höher als die übrigen Fahrzeuge im Straßenverkehr. Speziell bei Szenen an Ampeln wirkt es sehr irritierend, auf die übrigen PKW herabzublicken.

     

    Bei Variante 4 ist die Kamera selbst mechanisch vom Rahmen des Spielfahrzeugs gelöst, wodurch sich nicht nur die Schauspieler bewegen, sondern auch das Fahrzeug. Nachteil: Um keinen Unfall zu riskieren, muss der Mindestabstand zum Spielfahrzeug relativ groß gehalten werden! Auch die Kamera bekommt die Boden-Unebenheiten zu spüren.

    Der 2CV, liebevoll auch Ente genannt, als Kamerawagen

     

    Fährt die Kamera vor einem Wagen her, der durch ein Schlagloch fährt,ergibt sich folgender Eindruck:

     

    Man sieht das Spielauto und die Schauspieler fahren. Plötzlich macht die Kamera einen kleinen Knick nach unten, um sofort wieder aufzutauchen; unmittelbar danach vollführt das Spielfahrzeug dieselbe Bewegung, da es in das gleiche Schlagloch fährt, welches zuvor die Kamera einsacken ließ.

     

    Eine ideale Lösung für holprige Wege und Straßen ergibt sich aus der Kombination der Variante 4 mit einer Steadicam. Diese kann man auch in eine Aufhängung einhängen, die man am Fahrzeugholm anflanscht. Dann fängt die Steadicam alle Boden-Unebenheiten des Aufnahmefahrzeugs auf, sodass das Bild völlig ruhig bleibt, während das Spielauto über die wildesten Schlaglöcher brettern kann. Und plötzlich sieht es ganz realistisch aus...

     

  • Kamerafahrten

    Von Hölzchen und Stöckchen...

    Kameraschienen

    Warum haben die Kamera-Bühnen Leute nur immer diese Kisten mit Holzklötzchen dabei? Wer keine Steadicamzur Verfügung hat, und Kamerafahrten verwirklichen will, muss häufig Schienen legen.  Das klingt einfacher als es ist, denn die Untergründe (Erde, Asphalt, Fliesen etc.), auf denen diese verlegt werden müssen, sind nie völlig eben und haben zu allem Überfluss oft eine Schräge.

     

    Damit die Unebenheiten und Neigungen auskorrigiert werden können, legt man unter die Schwellen Bühnenkisten (Apple Box/ Treppchen/ Paganinis) und/oder Holzklötzchen. Diese dosiert man via Wasserwaage so, dass die Schienen exakt waagerecht verlaufen.

     

    Die Klötzchen gibt’s als Abfälle aus Schreinerei, um die Feinabstimmung vorzunehmen, eignen sich auch Bierdeckel vorzüglich. Warum das alles so wichtig ist? Nun ein Winkel in den Schienen bedeutet, dass die Kamera, die auf dem Schienenwagen oder Dolly fährt, sich ungewollt neigt oder kippt. Oder dass dort, wo die Schienen zusammengesteckt sind, an den Übergängen (Schwellen) ein Ruckler entsteht.

     

    Vor- und Nachteile der Schienen

    Kamerakran auf Dolly

    Der Zeitaufwand hierfür ist nicht unerheblich. Gute Set-Organisation kann Wartezeiten vermeiden, indem frühzeitig die Fahrten festgelegt werden, und der Aufbau der Schienen parallel mit der Arbeit an einer anderen Einstellung erfolgen kann.

     

    Neben dem Zeitaufwand haben Schienen auch andere Eigenheiten. Wenn man etwa vor einem oder mehreren Schauspielern mit der Kamera vorneweg fahren möchte, so müssen die Schauspieler zwischen die Schwellen der Schienen gehen, um nicht die Kamera selbst zu erschüttern. Die Folge kann im ungünstigsten Fall ein etwas storchenhafter Gang der Filmhelden sein.

     

    Ein weiteres Problem ist, dass ab einer bestimmten Länge der Schienen,  je nach Richtung und Bildausschnitt, Gefahr besteht, dass diese selbst im Bild zu sehen sind.

    Es gibt Schienen in verschiedenen Längen, Breiten, Rundungen und Profilen, auch geschlossene Kreise lassen sich realisieren, etwa wenn die Kamera um das frischverliebte Paar herumfahren soll oder wir bei einer Tanzszene mitten drin sein wollen.

     

    Welche Schienen sind am besten geeignet?

    Uni-Klemme als Schienenstopper

    Damit man mit dem Dolly nicht von den Schienen rollt, helfen Uni-Klemmen am Ende der Schienen als Stopper

    Als Material sind Edelstahl (rostfrei, wichtig bei Regen!) Aluminium und Kunststoff verbreitet, einige Ausführungen sind klappbar. Gängige Breiten sind 62er oder 100er Spur, gemeint sind Zentimeter. Die Mietpreise pro Tag liegen pro laufenden Meter zwischen 7 und 15 Euro, Bogenschienen liegen bei 12 bis 30 Euro am Tag für einen achtel Kreis.

     

    Es gibt Schienen in Leichtbauweise, die man zusammen mit einer fahrbaren Kameraplattform in einer großen Tasche transportieren kann. Die passt in jeden Kombi rein. Es versteht sich von selbst, dass man über solche Schienen keine schweren Dollies rollen lassen kann. Auf die Plattform stellt man ein Stativ mit Kamera, das ist alles.

     

    Für die schweren Dollies oder gar Kräne braucht man auch robustere Schienen, die passen dann auch in keine Tasche mehr, die brauchen einigen Platz in einen Kamera-Bühnen- LKW. Für schwere Dollies gibt es als Hilfsmittel auch eine Auffahrrampe.

     

    Die Entscheidung, welche Schienen gewählt werden sollten, ist abhängig davon, ob eine Plattform (mit Stativ) oder ein Dolly verwendet wird, und wer alles mitfahren muss. (Kameramann, Kamerassi). Auch die Kostenseite ist nicht ganz unwichtig bei der Entscheidung. Neueste Techniken (Funkschärfe, Remote Head, etc.) erlauben auch Varianten, bei denen die Kamera alleine fährt, ferngesteuert geschwenkt und kontrolliert wird. Entsprechend leichter können die Konstruktionen ausfallen. Es gibt aber auch Lösungen, bei denen die Kamera auf einem Schienensystem in Augenhöhe fährt und der Kameramann einfach nebenher geht.

     

    Es gibt sogar Systeme, die nur aus 2 Plastikrohren (Abflussrohre aus dem Baumarkt) bestehen und deren Spurbreite dadurch entsteht, dass der Kamerawagen mit Rädern, die wie Felgen aussehen, über sie rollt. Dieses preiswerte Verfahren kommt häufig in Südamerika zum Einsatz, und wird dort humorvoll „Third World Travelling“ genannt.

     

    Auch wenn Sie es nicht glauben: Es ist schon so mancher Film im Kino gelaufen, dessen Kameraplattform auf diesen dünnen, grauen Abflussrohren geschoben wurde. Das ist sicher nicht die optimale Lösung, besonders in Hinblick auf Stabilität und Ausgleich von Unebenheiten im Boden hat sie diverse Nachteile, aber wenn kein Geld da ist, kann man sich auch damit behelfen!

     

  • Kamerakran

     

    Technocrane

    SuperTechno 30"

    Kamerakräne erlauben es zunächst einmal, die Kamera höher zu positionieren, als es mit einem Stativ möglich wäre. Zudem können wir Personen oder Gegenstände unmittelbar unter der Kamera aufnehmen, eine Perspektive welche mit Dollies oder Stativen unmöglich wäre. Auch die Ausrichtung und Umpositionierung geht vergleichsweise schnell, bei Schienen müsste man erst wieder den ganzen Aufbau verschieben und die Schienen neu mit der Wasserwaage ausrichten.

     

    Gerade in einem zweidimensionalen Medium wie Film und Video können Aufnahmen vom Kran deutlich mehr räumlichen Eindruck erzeugen.

     

    Aufbau

    Klassische Studio oder Location-Kräne bestehen in der Regel aus mehreren Komponenten:

     

    Die Basis, welche statisch oder auch fahrbar sein kann

     

    Den Arm, der die eigentliche Höhenveränderung ermöglicht

     

    Die Gegengewichte zum Ausgleich zu Kamera und ggf. Operator

     

    Der Leveling- Arm, ein kürzerer Zusatzarm, welcher dafür sorgt, dass der Schwenkkopf bei Höhenveränderungen den gleichen Winkel behält.

     

    Kräne nutzen die Hebelgesetze aus und ermöglichen durch die Gegengewichte zu Kamera und ggf. Operator eine leichte Bewegung, leichtes Anfahren und leichtes Abbremsen der Kranfahrt. Es ist die Schwungkraft, welche ein sanftes Anfahren und Abbremsen ermöglicht. Selbst wenn man die Höhe nicht verändert, erlauben Kräne elyptische Bewegungen die man mit Schienen nicht realisieren kann.

     

    Technocrane Gegengewichte

    Gegengewichte des SuperTechno 30"

    Bereits die richtige Position zum Aufbau der Basis benötigt eine Menge Erfahrung. Zu wissen von welchem Punkt aus man die optimale Kranbewegung erzielen kann, erfordert viel Erfahrung und Übung. Da der Arm bei einer horizontalen Bewegung die Position der Kamera verändert, ist der richtige Basispunkt von größter Bedeutung um gute Anfangs- und Endpositionen der Kranfahrt zu erzielen.

     

    Fahrten

    Kranfahrten sind im Prinzip Kamerafahrten in der vertikalen Ebene. Diese Bewegungsart ist für den Menschen eher ungewöhnlich und entspricht weniger unserer Raumerfahrung. Bestenfalls das Treppensteigen, Klettern oder Fahrstuhlfahren ähnelt dieser Art von Bewegung.

     

    Sie ermöglichen dem Zuschauer Sichtweisen, die eine ungewöhnliche Perspektive wiedergeben, die sonst vielleicht nur Vögel haben. Kranfahrten können Personen in der vertikalen Ebene verfolgen, etwa wenn die Filmfiguren Treppen steigen, klettern etc. Oder aber sie sind nicht durch die Bewegung der Darsteller motiviert und haben filmsprachliche Qualitäten.

     

    Annäherung und Entfernung

    DOP Stephan Spreer auf Plattform eines Pegasus-Kamerakrans

    DOP Stephan Spreer auf Plattform eines Pegasus-Kamerakrans, hier bei Dreharbeiten zu "Midsommar-Stories"

    Man kann sich durch eine Kamerafahrt von einem erhöhten Standpunkt aus einen Überblick über die Örtlichkeit verschaffen und sich dann einer oder mehreren Personen oder einem bestimmten Motiv nähern. Sie gewährt zu Beginn eine Übersicht, eine Vogelperspektive und nähert sich dann der Handlung. Diese Art von Kamerafahrt eignet sich besonders für Film- oder Szenenanfänge.

     

    Die umgekehrte Fahrt von einer Person oder einem Motiv weg in die Höhe und zu einer Totalen wird gerne ans Ende eines Filmes oder einer Szene gestellt. Damit entfernt man sich quasi von einem Geschehen, einer Figur oder einer ganzen Geschichte. Es ist eine Art Abschluss. Filmsprachlich kann dies eine Art Lösung, ein sich Entfernen, einen Abschied bedeuten. Zugleich werden die Menschen, die man eben noch aus der Nähe gesehen hat, immer kleiner, vielleicht auch unwichtiger oder verlorener. Kranfahrten die sich entfernen, hinterlassen so ein Gefühl von Lösung von den Filmfiguren und der Örtlichkeit sagen uns "So ist das Leben".

    Beispiel: Léon- der Profi (Luc Besson) Mathilda geht von der Schießerei fort.

     

    Kameraführung

    Kamerakran einrichten

    Die Kamera wird auf der Plattform eingerichtet

    Während einer Kranfahrt verändern sich diverse Parameter. Wird etwa der Kranausleger horizontal bewegt, verändert sich der Bildausschnitt so als würde man mit einem Schwenkkopf auf einem Stativ horizontal schwenken. Will man bei der Aufnahme aber den Ausschnitt halten und nur die Perspektive und den Aufnahmewinkel verändern, muss der Schwenkkopf am oberen Ende des Krans nachgeführt werden.

     

    Ähnliche Wirkung hat die vertikale Kranfahrt, man verliert das eingerichtete Motiv unweigerlich aus dem Kameraausschnitt, sobald der Kran seine vertikale Position verändert. Auch hier muss in den meisten Fällen die Kamera nachgeführt werden um das Motiv nicht zu verlieren.

     

    Die meisten Kranfahrten lassen sich bewerkstelligen, ohne dass die Basis bewegt wird. Wenn sich nicht nur der Arm des Krans bewegt, sondern die Basis fahrbar ist und ebenfalls bewegt wird, ist jede Menge Koordination erforderlich, um saubere, sinnvolle Bilder herzustellen. Saubere Fahrten können eigentlich nur auf Schienen bewerkstelligt werden, die zudem sehr präzise ausbalanciert sein müssen. Der Arm des Krans verstärkt nämlich jede Ungenauigkeit extrem.

     

    Je weiter die Objekte entfernt sind, die man aufnimmt, desto geringer ist der plastische Effekt, den eine Kranfahrt bewirkt. Objekte oder Personen in der Nähe der Kamera ergeben die stärkste räumliche Wirkung.

     

    Schärfe

    Damit die veränderten Abstände vom Objekt bei einer Kranfahrt berücksichtigt werden können, ist in der Regel eine Schärfezieheinrichtung erforderlich, die fernbedient werden kann. Kameraseitig sind Objektive notwendig, die Zahnkränze besitzen, an die man die fernbedienbaren Motore anflanschen kann.

     

    Klassische Kräne

    Kranabbau

    Kamerastudenten der Macromedia bei Zusammenbau eines Panther Krans

    Klassische Kamerakräne (z.B. Chapman "Titan", Movietech "Felix", Panther "Galaxy", ) sind recht massiv und erlauben es in den meisten Fällen, dass ein Operator auf der Plattform des Armes sitzt und das Bild direkt gestaltet. Dies ist und bleibt die beste Methode der Bildgestaltung, sie ist am organischsten und liefert die besten Ergebnisse.

     

    Der Operator sitzt auf einer Plattform und gleicht mit dem Schwenkkopf die Bewegungen des Kranes so aus, dass der gewünschte Bildausschnitt erreicht wird.

     

    In der einfachsten Variante ist bereit der Jib- Arm, den man auf einen Dolly montieren kann ein Kran, mit dem man etwa 2-3  Höhenmeter überbrücken kann.

     

    Es gibt auch kompakte Kräne wie etwa den "Felix" von Movietech, der sich trotz Plattform für Kameraleute sehr klein zerlegen lässt und sogar in einen PKW passt.

     

    Teleskopkräne

    Teleskopkrann

    Teleskopkräne ermöglichen Höhenveränderungen auf kleinstem Raum und mit hohen Geschwindigkeiten

    Hier hat sich besonders die Firma Technocrane (z.B. Supertechno) einen Namen gemacht und Horst Burbulla als Entwickler der Teleskopkräne sogar einen Technik-Oscar erhalten. Die Erfindung dieses Kamerakrans geschah für ein eigenes Filmprojekt von Burbulla, bei dem der Drehort nicht ausreichend Raum für einen normalen Kran anbot. So entwickelte er den ferngesteuerten Teleskopkran für sein Vorhaben. Aus der Einzelanfertigung wurde rasch die Serienproduktion und heute gehören diese Kräne mit zum Repertoire der Kamerabühne weltweit.

     

    Sie ermöglichen durch eine veränderbare Länge des Armes durch Teleskopelemente Kamerafahrten auf kleinstem Raum und mit hohen Geschwindigkeiten ohne die Kranbasis zu verändern. Die Aufbauzeiten von Teleskopkränen sind deutlich niedriger als die von herkömmlichen Kamerakränen.

     

    Die aufsehenerregenden elektronisch gesteuerten Kamerafahrten in Filmen wie Spiderman, Matrix oder Roger Rabbit wären ohne die Teleskopkräne kaum möglich gewesen. Besonders eindrucksvoll sind die schnellen Rückwärtsfahrten, die sich mit diesen Kränen verwirklichen lassen.

     

    Leichtkräne

    Seit einigen Jahren erfreuen sich sogenannte Leichtkräne (z.B. "Speedy" von ABC, "CamCrane EFP" von Sachtler oder "Pixy" von Panther) größter Beliebtheit. Sie sind wie der Name schon sagt, sehr leicht, meistens aus Kohlefaser oder Leicht-Aluminium (Flugzeugbau) gefertigt, lassen sich sehr kompakt zusammenlegen und können von einer Person getragen werden. Leichtkräne können auf die Schalen von Kamerastativen oder Dollies (150er Schale) montiert werden und erreichen Kranlängen von etwa 6 bis 9 Metern.

     

    Es versteht sich von selbst, dass hier nur die Kamera in die Höhe bewegt wird, der Operator bleibt am Boden und überwacht und steuert die Bildgestaltung mittels einer Steuerung und eines Monitors. Bei den meisten Leichtkränen kann man vorwählen, ob die Kameraposition beim verändern der Höhe konstant bleibt, oder ob diese automatisch mitgeneigt wird.

     

    Diese mechanische Anpassung der Neigung ist häufig anzutreffen, das gleichzeitige Schwenken in der Horizontalen Ebene ist dagegen schon aufwändiger. Hochwertige professionelle Leichtkräne arbeiten mit fernbedienbaren Schwenkköpfen, sogenannten Remote-Heads, die dann alle Schwenkoptionen eines normalen Kopfes zulassen.

     

    Die Fernbedienung kann über Kabel oder Funkfernsteuerung erfolgen, die angepasste Neigung geschieht meist mechanisch über Seilzüge.

     

    Bei Leichtkränen kann es vorkommen, dass die Führung des Armes am unteren Ende zu empfindlich reagiert. Da kann es helfen, wenn man den Arm näher an der Basis bewegt.

     

    Skylift

    Arbeitsbühne

    Um von einer erhöhten Position aus zu drehen oder auszuleuchten, reichen Arbeitsbühnen

     

    Wenn keine Kranfahrt, sondern lediglich ein Dreh von einer erhöhten Position gewünscht ist, kann auch eine Hebebühne oder ein Skylift verwendet werden. Diese selbstfahrenden Arbeitsbühnen gibt es nicht nur bei diversen Mietfirmen, sondern auch bei der Stadt. Damit werden Straßenlaternen gewartet oder bei den Verkehrsbetrieben Oberleitungen von Straßenbahnen repariert.

     

    Sie sind aber in der Regel nur als erhöhte Position für Kameraaufnahmen oder die Positionierung von Scheinwerfern geeignet, Bewegungen und Höhenveränderungen bei laufender Kamera kann man damit nicht so sinnvoll ausführen, weil die Plattformen zu sehr schwanken.

     

    Einzige Ausnahme sind Aufnahmen mit einer Steadicam,- hier gleicht das Kamerastabilisierungssystem die Schwankungen eines Skylifts aus und erlaubt damit die Verwendung dieser preiswerten Kranvariante.

     

    Sicherheit

    Teleskopgewichte

    Basis und Gegengewichte eines Teleskopkrans

    Große Kamerakräne bewegen erhebliche Gewichte,- kein Wunder können sie doch Kamera und Operator tragen und durch entsprechende Gegengewichte ausgleichen. Durch ihre Beweglichkeit stellen sie zugleich ein erhebliches Gefahrenpotential dar.

     

    Sie sollten also darauf achten, dass sich niemand im Bewegungsbereich des Krans befindet, außer dem Kamerabühnenmann, der den Kran bedient. Der Hub- Schwenk und Fahrbereich sollte unbedingt freigehalten werden.

     

    Die Basis sollte stets absolut sicher und auf geradem Untergrund stehen. Unebenheiten müssen mit stabilen Holz- oder Steinplatten ausgeglichen werden.

     

    Es kommt immer wieder vor, dass Leute aus dem Team, vor allem unerfahrene, Praktikanten, ja sogar Schaulustige unter dem Ausleger des Krans stehen und damit gefährdet sind, verletzt zu werden.

     

    Am Besten ist es, den Gefahrenbereich mit einem Absperrband zu sichern, so lassen sich Unfälle vermeiden. Eine besondere Gefahrenquelle bei der Arbeit mit Kränen sind Stromleitungen. Sowohl Überlandleitungen als auch die Oberleitungen von Straßenbahnen sind ein absolutes Tabu für den Aufbau von Kränen. Auch wenn Sie gar nicht beabsichtigen, den Kran so hoch zu bewegen, bauen sie ihn niemals unter Stromleitungen auf. Der Arm des Kranes muss eine Hochspannungsleitung gar nicht berühren, um zur tödlichen Gefahr zu werden. Spannungen können bis zu einem Meter weit überspringen und sind unkalkulierbar.

     

    Seil-Tricks

    Wem die Erfahrung mit der richtigen Platzierung von Kränen fehlt, der kann sich mit der Seil-Methode helfen. Man schneidet ein Seil in der Länge des Kran- Armes zurecht und macht an dem Punkt, wo der Arm auf der Basis sitzt, einen Knoten. Dann hält jemand das Seil am Knoten fest und stellt sich an die Position wo die Basis aufgestellt werden muss. Anschließend kann man das obere Ende des Seils, also dort wo beim Arm die Kamera wäre, bewegen und schauen ob man von den erreichbaren Punkten aus, den Bildausschnitt erreicht, den man sich vorstellt. Dazu kann man die Kamera oder einem Motivsucher verwenden. Kriegt man von dort seinen gewünschten Ausschnitt nicht, muss man die Basis verändern. Will man die Höhe simulieren, kann eine Trittleiter helfen. Auch wenn es vielleicht etwas albern aussieht, der Umbau einer falsch platzierten Kranbasis braucht ein Vielfaches an Zeit.

     

    No-Budget Kran

    Wer mit einer Steadicam dreht, kann auch mit Hilfe eines Baustellenbrettes und mehreren Praktikabeln eine Rampe bauen, auf der ein Operator hinauf oder Herabgehen kann. Damit lassen sich kleinere Kranfahrten erzeugen.

     

    Wer ruhige Hände hat und mit einer Videokamera mit Klapp-Display dreht, kann die einfachste Variante einer Kranfahrt quasi aus dem Stand heraus machen. Man hält die Kamera mit beiden Händen- linke Hand am Display, rechte Hand am Kameragriff (Schlaufe), geht in die Knie und beginnt mit der Aufnahme. Dann geht man langsam in den normalen Stand über, hebt die Kamera am Oberkörper hoch bis sie schließlich über dem Kopf am ausgestreckten Arm ist. Mit der linken Hand dreht man dabei das Display jeweils so mit, dass man den Ausschnitt stets sehen kann.

     

  • Remote-Heads

    Statt riesiger Kräne für die Schwenker-innen erledigen heute ferngesteuerte Schwenkköpfe den Job in schwindelnder Höhe...