Montage

Wie man Einstellungen zu Szenen, Szenen zu Akten, zu einem Film zusammenfügt

Klebstoff

Mancher mag denken, wenn die Dreharbeiten abgeschlossen sind, ist auch der Film so gut wie fertig. Das Gegenteil ist der Fall. Eigentlich entsteht am Schneidetisch oder dem Schnittplatz noch einmal eine neue Geschichte. Sie wird erzählt mit dem vorhandenen Material und nicht, wie beim Drehen mit Absichten. Die Montage eines Filmes ist im ureigensten Sinne immer auch Storytelling, das Erzählen der Geschichte mit dem real vorhandenen Material aus den Dreharbeiten, sowie weiteren Quellen wie Animation, Titel, Grafik etc.

 

Es ist eine Chance für den Regisseur, neu an den Film heranzugehen. Oft ist man während der Drehzeit mit bestimmten Szenen unzufrieden, die sich im Schnitt aber als durchaus wertvoll erweisen können. Oder ein Regisseur kann einen Darsteller nicht so gut leiden, eine Haltung, die sich beim Schnitt relativieren kann. Selbst Takes, von denen man sich sicher war, sie sind nicht so gut oder gar unbrauchbar, können in der Schnittarbeit plötzlich Sinn ergeben.

 

Auch wenn der Produzent da völlig anders denkt: Eine Vielzahl von Einstellungen (nicht Takes!) kann die kreative Gestaltung einer Szene im Schnitt bereichern. Dabei muss man natürlich beim Drehen die ökonomische Arbeitsweise im Blick haben. Man kann auch ohne großartige Lichtumbauten aus einer vorgegebenen Situation mehrere unterschiedliche Einstellungen erzielen. Man sollte, falls es bei einer Szene keine gute Schnittlösung gibt, keine Scheu haben, auch in bereits ausgemusterten, also als nicht so geeignet bewerteten Takes, nach wichtigen Teilen zu suchen. Das ist zeitaufwändig, aber manchmal findet man in der sonst mittelmäßigen Einstellung einen guten Blick oder einen Moment, der wunderbar ist. Montage bemerkt man als Zuschauer, Schnitt aber nicht. Oft gibt man sich eine Riesenmühe, tolle Anschlüsse zu drehen. Wenn der Zuschauer diese jedoch bemerkt, hat man etwas falsch gemacht.

 

Zeitaufwand

Die Schnittzeiten sind meistens zu kurz. Ein abendfüllender Spielfilm (ab 85 Minuten) benötigt etwa zwei Monate für den reinen Bildschnitt. Dann kommt anschließend noch der Tonschnitt dazu. Doch dies sind nur Richtwerte. Jedes Projekt hat andere Notwendigkeiten. Sind es viele Einstellungen, viele Schnitte, ist der Film eher episch in längeren Bild-Zusammenhängen? Man kann auch deutlich länger für den Schnitt benötigen, das ist nicht selten. Jedes Kopierwerk, jedes Mischatelier kann unzählige Geschichten von verschobenen Terminen erzählen, weil der Schnitt mal wieder länger gedauert hat.

 

Der Film „All that Jazz“ von Bob Fosse wurde angeblich fast ein Jahr lang geschnitten. In Amerika sind oft 20 bis 30 Personen mit dem Schnitt beschäftigt. Es gibt spezielle Dialogcutter, andere für Action, Toncutter, Musikcutter etc. Sie alle sind damit beschäftigt, aus allen möglichen die beste Verknüpfung von Bildern und Tonelementen herauszufinden.

 

Bügeln und Glätten

Sind die Anschlüsse beim Drehen nicht optimal gelöst worden, so kann der Schnitt die unschönen Übergänge nachträglich glätten. Wenn etwa bei einem Zusammenschnitt mit Schuss/Gegenschuss die Ausschnitte und Größenverhältnisse nicht optimal zusammenpassen, kann man im Schnitt dadurch etwas helfen, dass man den Ton der jeweils folgenden Einstellung eine Sekunde vorher in die laufende Einstellung vorzieht (vorher beginnen lässt), um den Schnitt schneller zu machen.

 

Eigentlich kann man es sich denken, der Begriff Schnitt ist natürlich historisch bedingt, wurden doch die Bilder und auch die Töne lange Zeit tatsächlich mit Scheren bearbeitet, bis dann an ihre Stelle Klebeladen mit präzise fixierten Schneidemessern traten. In den digitalen Schneideräumen von heute werden Scheren bestenfalls noch zum Öffnen von Pizzakartons benötigt.