Digitaler Dreh

Hochauflösendes Video fürs Kino

Die Wahl, ob Sie auf Film oder digital drehen, war lange Zeit eine Entscheidung über Qualität, Aussehen (Look), Produktionskosten und Vertriebsmöglichkeiten. Über Jahrzehnte hinweg hat die Industrie daran gearbeitet, die Qualität im Kino immer weiter zu verbessern. Inzwischen wird der analoge Film mehr und mehr durch digitale Aufnahmen abgelöst, die Filmhersteller haben weitgehend aufgegben, die analogen Materialien weiter zu bedienen. Und tatsächlich nähert sich im High-End-Bereich die digitale Cinematographie der Qualität des analogen Klassikers an. Grund genug, sich die Parameter genauer anzuschauen.

 

Kosten

Beginnen wir mit den Kosten. Der erste Irrtum, der in Zusammenhang mit dem Vergleich beider Verfahren gerne gemacht wird, ist die Vermutung von Einsparungen. Digital muss nicht billiger sein als analog. 24p, der digitale Herausforderer, ist im High-End teurer als Film! Die Gründe:

 

  • Teures Equipment: 24p-Kamera, Klasse-1-Monitor am Set (dringend empfohlen).
  • Ein zusätzlicher Mitarbeiter, der das Kamera-Setup und Daten-Handling übernimmt.
  • Höherer (Zeit-)Aufwand bei der Ausleuchtung als Film, je nach Kamera kein optimales Schwarz wie beim Film zugleich Probleme mit hellen Lichtern.
  • Die evtl. unumgängliche Nachbearbeitung (Filmlook) auf Compositing-Systemen ist ebenfalls sehr kostenintensiv.
  • Das Ausbelichten (FAZ) in hoher Qualität ist teuer, wenn man es umgeht, bitten die Dienstleister für ein DCP auf Festplatte zur Kasse. Allerdings gibt es diverse DIY Workarounds, um hier zumindest etwas zu sparen.

 

Farbraum

Der Film hat (noch) einen deutlich größeren Spielraum und einen viel größeren Farbraum zu bieten, ist einfach flexibler und die Bilder haben mehr Brillanz, was auch bei einer späteren Bearbeitung noch für Reserven sorgt. Je höher die Qualität des Ausgangsprodukts, desto besser die Bearbeitungsvariationen und die Endprodukte. Die meisten von uns haben diese Erfahrung schon einmal gemacht: Will man ein besonders farbintensives Bild malen, so bieten uns die verschiedenen Farben und Verfahren eine ganz unterschiedliche Brillanz. Mit Öl- oder Lackfarben sind einfach andere Farbkontraste und Dichten möglich, wie etwa mit Kreide oder Buntstiften. Ähnlich verhält es sich mit den verschiedenen Farbtiefen der wichtigsten Bildmedien. Da wir Sie unmöglich gleichzeitig in einen dunklen Kinosaal, vor einen TV-Monitor und in eine digitale Projektion mitnehmen können, lassen sich die verschiedenen Farbräume nur simulieren. Schließlich ist es ein Computerbildschirm, auf dem Sie diese Seite betrachten. Und jeder Bildschirm ist ein wenig anders, daher kann dieser Vergleich nur symbolisch sein. Die folgende Grafik zeigt, wenn Sie mit der Maus über die Links fahren, die Grenzen der verschiedenen Medien auf.

 

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Mehr Informationen zu den Farbmodellen CMY(K)/RGB und zur Beamer-Projektion:

 

 

Auflösung

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Auflösung eines analogen 35mm-Films

Die Qualität und Informationsdichte von 35mm-Film ist im Idealfall weitaus höher als bei HD Video. Und das nicht nur in der ersten Generation (Original-Filmnegativ), sondern auch in guten Kinokopien, die davon gezogen werden. Man darf sich da nicht von Begrifflichkeiten wie 4 K oder gar 8 K irritieren lassen, denn auf dem Weg zum Zuschauer geht von der theoretischen Qualität durch diverse Kompressionsalgorythmen sehr viel verloren. Wäre die Entwicklung von Filmemulsionen weiter voran getrieben worden, wären angeblich 8 bis 10 K möglich gewesen.

 

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Auflösung eines HDTV-Bildes

HDTV ist mit 2 K der TV-Spitzenreiter, 4 K soll kommen, ist aber noch viel zu teuer, 35mm-Film liegt bei durchschnittlich 4 bis 5 K und wurde bis 2011 stetig weiterentwickelt. Das Maß der Auflösung ist die Anzahl von senkrechten Linien, die man nebeneinander abbilden und getrennt wahrnehmen kann. Bei einer Auflösung von 4 K sind also 4000 einzelne Linien in der Bildbreite nebeneinander darstellbar. Das ist nicht nur wichtig für die absolute Wiedergabequalität, sondern auch für die Möglichkeiten, das ursprüngliche Ausgangsmaterial zu bearbeiten. Wenn man etwa einen Ausschnitt des ursprünglichen Bildes kopieren möchte, spielt die Auflösung plötzlich eine ganz entscheidende Rolle. Doch auch, wenn man die Bilder komprimieren möchte (für DVD, Blu-ray etc.) ist ein möglichst hochwertiges Material mit hoher Auflösung wichtig.

 

Kontrastumfang

Bei Video muss man sehr viel vorsichtiger ausleuchten, sonst sind Spitzlichter, helle Fenster oder Gegenlicht nicht mehr sichtbar. Man kann diese Fehler auch in der Nachbearbeitung nicht mehr reparieren. Der Lichtaufwand für szenisches Video ist also höher als beim Film. Momentan kann man sich entscheiden: Entweder die Schatten und Mittelbereiche sind okay und die Highlights fressen aus, oder aber die Highlights sind gut und im Schattenbereich fehlt es an Zeichnung.

Hohe Schärfentiefe

Hohe Schärfentiefe

 

Die Hersteller führen ein wenig in die Irre, wenn Sie erklären, HDTV habe 11 Blenden Umfang (zwischen der dunkelsten und der hellsten Stelle im Bild). Eine Faustregel sagt, der Kontrastumfang ist jeweils eine Blende weniger als die Auflösung in Bit. Systeme mit 12 Bit log/pro Farbkanal liefern theoretisch wirklich 11 Blenden Kontrastumfang – aber nur wenn die elektronischen Chips mitspielen, und dass ist zur Zeit noch nicht der Fall. Acht bis neun Blenden sind hier eher realistisch und die Realität hat einen weitaus höheren Kontrastumfang. Kameras wie die Sony F35, die Arri Alexa oder auch Aatons Penelope versprechen inzwischen 13 Blenden, auch hier ist der Film näher gerückt.

 

Schärfentiefe Film und 24p

Die CCD-Chips in den preiswerteren Kameras sind sehr klein, wodurch eine enorme Schärfentiefe entsteht. Wenn man so etwas will ("Citizen Kane") ist es wunderbar, will man es aber nicht, hat man ein Problem.

Geringe Schärfentiefe

Geringe Schärfentiefe

 

Konnte man im Schwarzweißfilm die Aufmerksamkeit der Zuschauer neben der Kadrage und der Schärfentiefe auch stark über das Licht steuern, so kommen beim Farbfilm die Farbkontraste als zusätzliche Ablenkungsgefahr hinzu. Sie konkurrieren mit den Helligkeitskontrasten. Einen speziell mit großer Schärfentiefe arbeitenden Film wie "Citizen Kane" heute in Farbe zu drehen wäre mit Sicherheit ungleich schwieriger als in Schwarzweiß. Es sind die speziellen Schärfenverhältnisse bei 35 mm, die zum typischen Kinolook gehören. Um sich diesem Look mit Video zu nähern (wenn man nur wenig Tiefenschärfe will), sind Vollformat-Chips notwendig, die es lange Zeit nur nur in teureren Kameras gab. Wer diese nicht hatte, musste längere Brennweiten verwenden und mit weiter oder gar offener Blende drehen. Doch nach und nach fallen auch hier die Einstiegspreise.

 

Alternativ wird sie auch durch spezielle Programme für künstliche Unschärfe (Post Effects Blur Tools) nachträglich optimiert. Doch das Ergebnis ist dennoch ein anderes. Bei szenischen Produktionen mit HDTV wird auch gerne mit Nebelmaschinen oder Imkerpfeifen der Hintergrund mit Dunst versehen, um die übergroße Tiefe zu reduzieren. Also verständlich, weshalb die Meisten mit Vollformat-Kameras drehen wollen, ein Wunsch der von der Industrie zunächst nur sehr langsam bedient wurde.

 

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