Kamerakran

 

Technocrane

SuperTechno 30"

Kamerakräne erlauben es zunächst einmal, die Kamera höher zu positionieren, als es mit einem Stativ möglich wäre. Zudem können wir Personen oder Gegenstände unmittelbar unter der Kamera aufnehmen, eine Perspektive welche mit Dollies oder Stativen unmöglich wäre. Auch die Ausrichtung und Umpositionierung geht vergleichsweise schnell, bei Schienen müsste man erst wieder den ganzen Aufbau verschieben und die Schienen neu mit der Wasserwaage ausrichten.

Gerade in einem zweidimensionalen Medium wie Film und Video können Aufnahmen vom Kran deutlich mehr räumlichen Eindruck erzeugen.

 

Aufbau

Klassische Studio oder Location-Kräne bestehen in der Regel aus mehreren Komponenten:

 

Die Basis, welche statisch oder auch fahrbar sein kann

 

Den Arm, der die eigentliche Höhenveränderung ermöglicht

 

Die Gegengewichte zum Ausgleich zu Kamera und ggf. Operator

 

Der Leveling- Arm, ein kürzerer Zusatzarm, welcher dafür sorgt, dass der Schwenkkopf bei Höhenveränderungen den gleichen Winkel behält.

 

Kräne nutzen die Hebelgesetze aus und ermöglichen durch die Gegengewichte zu Kamera und ggf. Operator eine leichte Bewegung, leichtes Anfahren und leichtes Abbremsen der Kranfahrt. Es ist die Schwungkraft, welche ein sanftes Anfahren und Abbremsen ermöglicht. Selbst wenn man die Höhe nicht verändert, erlauben Kräne elyptische Bewegungen die man mit Schienen nicht realisieren kann.

 

Technocrane Gegengewichte

Gegengewichte des SuperTechno 30"

Bereits die richtige Position zum Aufbau der Basis benötigt eine Menge Erfahrung. Zu wissen von welchem Punkt aus man die optimale Kranbewegung erzielen kann, erfordert viel Erfahrung und Übung. Da der Arm bei einer horizontalen Bewegung die Position der Kamera verändert, ist der richtige Basispunkt von größter Bedeutung um gute Anfangs- und Endpositionen der Kranfahrt zu erzielen.

 

Fahrten

Kranfahrten sind im Prinzip Kamerafahrten in der vertikalen Ebene. Diese Bewegungsart ist für den Menschen eher ungewöhnlich und entspricht weniger unserer Raumerfahrung. Bestenfalls das Treppensteigen, Klettern oder Fahrstuhlfahren ähnelt dieser Art von Bewegung.

 

Sie ermöglichen dem Zuschauer Sichtweisen, die eine ungewöhnliche Perspektive wiedergeben, die sonst vielleicht nur Vögel haben. Kranfahrten können Personen in der vertikalen Ebene verfolgen, etwa wenn die Filmfiguren Treppen steigen, klettern etc. Oder aber sie sind nicht durch die Bewegung der Darsteller motiviert und haben filmsprachliche Qualitäten.

 

Annäherung und Entfernung

DOP Stephan Spreer auf Plattform eines Pegasus-Kamerakrans

DOP Stephan Spreer auf Plattform eines Pegasus-Kamerakrans, hier bei Dreharbeiten zu "Midsommar-Stories"

Man kann sich durch eine Kamerafahrt von einem erhöhten Standpunkt aus einen Überblick über die Örtlichkeit verschaffen und sich dann einer oder mehreren Personen oder einem bestimmten Motiv nähern. Sie gewährt zu Beginn eine Übersicht, eine Vogelperspektive und nähert sich dann der Handlung. Diese Art von Kamerafahrt eignet sich besonders für Film- oder Szenenanfänge.

 

Die umgekehrte Fahrt von einer Person oder einem Motiv weg in die Höhe und zu einer Totalen wird gerne ans Ende eines Filmes oder einer Szene gestellt. Damit entfernt man sich quasi von einem Geschehen, einer Figur oder einer ganzen Geschichte. Es ist eine Art Abschluss. Filmsprachlich kann dies eine Art Lösung, ein sich Entfernen, einen Abschied bedeuten. Zugleich werden die Menschen, die man eben noch aus der Nähe gesehen hat, immer kleiner, vielleicht auch unwichtiger oder verlorener. Kranfahrten die sich entfernen, hinterlassen so ein Gefühl von Lösung von den Filmfiguren und der Örtlichkeit sagen uns "So ist das Leben".

Beispiel: Léon- der Profi (Luc Besson) Mathilda geht von der Schießerei fort.

 

Kameraführung

Kamerakran einrichten

Die Kamera wird auf der Plattform eingerichtet

Während einer Kranfahrt verändern sich diverse Parameter. Wird etwa der Kranausleger horizontal bewegt, verändert sich der Bildausschnitt so als würde man mit einem Schwenkkopf auf einem Stativ horizontal schwenken. Will man bei der Aufnahme aber den Ausschnitt halten und nur die Perspektive und den Aufnahmewinkel verändern, muss der Schwenkkopf am oberen Ende des Krans nachgeführt werden.

 

Ähnliche Wirkung hat die vertikale Kranfahrt, man verliert das eingerichtete Motiv unweigerlich aus dem Kameraausschnitt, sobald der Kran seine vertikale Position verändert. Auch hier muss in den meisten Fällen die Kamera nachgeführt werden um das Motiv nicht zu verlieren.

 

Die meisten Kranfahrten lassen sich bewerkstelligen, ohne dass die Basis bewegt wird. Wenn sich nicht nur der Arm des Krans bewegt, sondern die Basis fahrbar ist und ebenfalls bewegt wird, ist jede Menge Koordination erforderlich, um saubere, sinnvolle Bilder herzustellen. Saubere Fahrten können eigentlich nur auf Schienen bewerkstelligt werden, die zudem sehr präzise ausbalanciert sein müssen. Der Arm des Krans verstärkt nämlich jede Ungenauigkeit extrem.

 

Je weiter die Objekte entfernt sind, die man aufnimmt, desto geringer ist der plastische Effekt, den eine Kranfahrt bewirkt. Objekte oder Personen in der Nähe der Kamera ergeben die stärkste räumliche Wirkung.

 

Schärfe

Damit die veränderten Abstände vom Objekt bei einer Kranfahrt berücksichtigt werden können, ist in der Regel eine Schärfezieheinrichtung erforderlich, die fernbedient werden kann. Kameraseitig sind Objektive notwendig, die Zahnkränze besitzen, an die man die fernbedienbaren Motore anflanschen kann.

 

Klassische Kräne

Kranabbau

Kamerastudenten der Macromedia bei Zusammenbau eines Panther Krans

Klassische Kamerakräne (z.B. Chapman "Titan", Movietech "Felix", Panther "Galaxy", ) sind recht massiv und erlauben es in den meisten Fällen, dass ein Operator auf der Plattform des Armes sitzt und das Bild direkt gestaltet. Dies ist und bleibt die beste Methode der Bildgestaltung, sie ist am organischsten und liefert die besten Ergebnisse.

 

Der Operator sitzt auf einer Plattform und gleicht mit dem Schwenkkopf die Bewegungen des Kranes so aus, dass der gewünschte Bildausschnitt erreicht wird.

 

In der einfachsten Variante ist bereit der Jib- Arm, den man auf einen Dolly montieren kann ein Kran, mit dem man etwa 2-3  Höhenmeter überbrücken kann.

 

Es gibt auch kompakte Kräne wie etwa den "Felix" von Movietech, der sich trotz Plattform für Kameraleute sehr klein zerlegen lässt und sogar in einen PKW passt.

 

Teleskopkräne

Teleskopkrann

Teleskopkräne ermöglichen Höhenveränderungen auf kleinstem Raum und mit hohen Geschwindigkeiten

Hier hat sich besonders die Firma Technocrane (z.B. Supertechno) einen Namen gemacht und Horst Burbulla als Entwickler der Teleskopkräne sogar einen Technik-Oscar erhalten. Die Erfindung dieses Kamerakrans geschah für ein eigenes Filmprojekt von Burbulla, bei dem der Drehort nicht ausreichend Raum für einen normalen Kran anbot. So entwickelte er den ferngesteuerten Teleskopkran für sein Vorhaben. Aus der Einzelanfertigung wurde rasch die Serienproduktion und heute gehören diese Kräne mit zum Repertoire der Kamerabühne weltweit.

 

Sie ermöglichen durch eine veränderbare Länge des Armes durch Teleskopelemente Kamerafahrten auf kleinstem Raum und mit hohen Geschwindigkeiten ohne die Kranbasis zu verändern. Die Aufbauzeiten von Teleskopkränen sind deutlich niedriger als die von herkömmlichen Kamerakränen.

 

Die aufsehenerregenden elektronisch gesteuerten Kamerafahrten in Filmen wie Spiderman, Matrix oder Roger Rabbit wären ohne die Teleskopkräne kaum möglich gewesen. Besonders eindrucksvoll sind die schnellen Rückwärtsfahrten, die sich mit diesen Kränen verwirklichen lassen.

 

Leichtkräne

Seit einigen Jahren erfreuen sich sogenannte Leichtkräne (z.B. "Speedy" von ABC, "CamCrane EFP" von Sachtler oder "Pixy" von Panther) größter Beliebtheit. Sie sind wie der Name schon sagt, sehr leicht, meistens aus Kohlefaser oder Leicht-Aluminium (Flugzeugbau) gefertigt, lassen sich sehr kompakt zusammenlegen und können von einer Person getragen werden. Leichtkräne können auf die Schalen von Kamerastativen oder Dollies (150er Schale) montiert werden und erreichen Kranlängen von etwa 6 bis 9 Metern.

 

Es versteht sich von selbst, dass hier nur die Kamera in die Höhe bewegt wird, der Operator bleibt am Boden und überwacht und steuert die Bildgestaltung mittels einer Steuerung und eines Monitors. Bei den meisten Leichtkränen kann man vorwählen, ob die Kameraposition beim verändern der Höhe konstant bleibt, oder ob diese automatisch mitgeneigt wird.

 

Diese mechanische Anpassung der Neigung ist häufig anzutreffen, das gleichzeitige Schwenken in der Horizontalen Ebene ist dagegen schon aufwändiger. Hochwertige professionelle Leichtkräne arbeiten mit fernbedienbaren Schwenkköpfen, sogenannten Remote-Heads, die dann alle Schwenkoptionen eines normalen Kopfes zulassen.

 

Die Fernbedienung kann über Kabel oder Funkfernsteuerung erfolgen, die angepasste Neigung geschieht meist mechanisch über Seilzüge.

 

Bei Leichtkränen kann es vorkommen, dass die Führung des Armes am unteren Ende zu empfindlich reagiert. Da kann es helfen, wenn man den Arm näher an der Basis bewegt.

 

Skylift

Arbeitsbühne

Um von einer erhöhten Position aus zu drehen oder auszuleuchten, reichen Arbeitsbühnen

 

Wenn keine Kranfahrt, sondern lediglich ein Dreh von einer erhöhten Position gewünscht ist, kann auch eine Hebebühne oder ein Skylift verwendet werden. Diese selbstfahrenden Arbeitsbühnen gibt es nicht nur bei diversen Mietfirmen, sondern auch bei der Stadt. Damit werden Straßenlaternen gewartet oder bei den Verkehrsbetrieben Oberleitungen von Straßenbahnen repariert.

 

Sie sind aber in der Regel nur als erhöhte Position für Kameraaufnahmen oder die Positionierung von Scheinwerfern geeignet, Bewegungen und Höhenveränderungen bei laufender Kamera kann man damit nicht so sinnvoll ausführen, weil die Plattformen zu sehr schwanken.

 

Einzige Ausnahme sind Aufnahmen mit einer Steadicam,- hier gleicht das Kamerastabilisierungssystem die Schwankungen eines Skylifts aus und erlaubt damit die Verwendung dieser preiswerten Kranvariante.

 

Sicherheit

Teleskopgewichte

Basis und Gegengewichte eines Teleskopkrans

Große Kamerakräne bewegen erhebliche Gewichte,- kein Wunder können sie doch Kamera und Operator tragen und durch entsprechende Gegengewichte ausgleichen. Durch ihre Beweglichkeit stellen sie zugleich ein erhebliches Gefahrenpotential dar.

 

Sie sollten also darauf achten, dass sich niemand im Bewegungsbereich des Krans befindet, außer dem Kamerabühnenmann, der den Kran bedient. Der Hub- Schwenk und Fahrbereich sollte unbedingt freigehalten werden.

 

Die Basis sollte stets absolut sicher und auf geradem Untergrund stehen. Unebenheiten müssen mit stabilen Holz- oder Steinplatten ausgeglichen werden.

 

Es kommt immer wieder vor, dass Leute aus dem Team, vor allem unerfahrene, Praktikanten, ja sogar Schaulustige unter dem Ausleger des Krans stehen und damit gefährdet sind, verletzt zu werden.

 

Am Besten ist es, den Gefahrenbereich mit einem Absperrband zu sichern, so lassen sich Unfälle vermeiden. Eine besondere Gefahrenquelle bei der Arbeit mit Kränen sind Stromleitungen. Sowohl Überlandleitungen als auch die Oberleitungen von Straßenbahnen sind ein absolutes Tabu für den Aufbau von Kränen. Auch wenn Sie gar nicht beabsichtigen, den Kran so hoch zu bewegen, bauen sie ihn niemals unter Stromleitungen auf. Der Arm des Kranes muss eine Hochspannungsleitung gar nicht berühren, um zur tödlichen Gefahr zu werden. Spannungen können bis zu einem Meter weit überspringen und sind unkalkulierbar.

 

Seil-Tricks

Wem die Erfahrung mit der richtigen Platzierung von Kränen fehlt, der kann sich mit der Seil-Methode helfen. Man schneidet ein Seil in der Länge des Kran- Armes zurecht und macht an dem Punkt, wo der Arm auf der Basis sitzt, einen Knoten. Dann hält jemand das Seil am Knoten fest und stellt sich an die Position wo die Basis aufgestellt werden muss. Anschließend kann man das obere Ende des Seils, also dort wo beim Arm die Kamera wäre, bewegen und schauen ob man von den erreichbaren Punkten aus, den Bildausschnitt erreicht, den man sich vorstellt. Dazu kann man die Kamera oder einem Motivsucher verwenden. Kriegt man von dort seinen gewünschten Ausschnitt nicht, muss man die Basis verändern. Will man die Höhe simulieren, kann eine Trittleiter helfen. Auch wenn es vielleicht etwas albern aussieht, der Umbau einer falsch platzierten Kranbasis braucht ein Vielfaches an Zeit.

 

No-Budget Kran

Wer mit einer Steadicam dreht, kann auch mit Hilfe eines Baustellenbrettes und mehreren Praktikabeln eine Rampe bauen, auf der ein Operator hinauf oder Herabgehen kann. Damit lassen sich kleinere Kranfahrten erzeugen.

 

Wer ruhige Hände hat und mit einer Videokamera mit Klapp-Display dreht, kann die einfachste Variante einer Kranfahrt quasi aus dem Stand heraus machen. Man hält die Kamera mit beiden Händen- linke Hand am Display, rechte Hand am Kameragriff (Schlaufe), geht in die Knie und beginnt mit der Aufnahme. Dann geht man langsam in den normalen Stand über, hebt die Kamera am Oberkörper hoch bis sie schließlich über dem Kopf am ausgestreckten Arm ist. Mit der linken Hand dreht man dabei das Display jeweils so mit, dass man den Ausschnitt stets sehen kann.