
Bei aller Liebe zum analogen Film,- was hat die Herstellung, Entwicklung und Distribution der Umwelt abgefordert? Film war das wahrscheinlich wichtigste Medium von Anfang des 20ten Jahrhunderts an und hat entscheidend zur Verständigung, Annäherung und kulturellen Verbindung der Kulturen in der Welt beigetragen. Worauf allerdings in der Rückschau weniger geachtet wird, ist die Frage danach, was der Film von der Umwelt, von den Ressourcen unseres Planeten abverlangt hat.
Doch gemach, wer jetzt allzu vereinfachend den analogen Film umwelttechnisch verdammt und den digitalen Film wegen des anderen technischen Ablaufs heilig spricht, der verkennt all die Umweltbelastungen, die durch Herstellung von Halbleitern, Kameras, Speichermedien, Datensicherungen etc. entstehen. Die werden wir uns in einem anderen Beitrag gesondert anschauen.
Als ich vor Jahrzehnten mit einem eigenen Kinofilm auf dem Filmfestival in Taschkent / Usbekistan eingeladen war, bekamen wir auch eine Führung durch die dortigen Filmstudios und das Studioeigene Kopierwerk. Damals fiel mir auf, dass aus den Entwicklungsmaschinen Rohre in betonierte Rinnsale im Boden des Kopierwerks führten, die wiederum alle nach draußen in den Gartenbereich des Gebäudes führten. Das kannte ich von den heimischen Kopierwerken, damals Geyer, Bavaria und später Arri, anders. Doch ganz gleich, ob aufgefangen oder ins Grün abgeleitet, eines war unübersehbar- Film war nicht nur ein künstlerischer, sondern auch und vor allem ein chemischer Prozess. Was also hat das für die Umwelt bedeutet?
Dazu muss man sich verschiedene Aspekte im Entstehens,- und Lebensprozess eines Filmes genauer anschauen. Der fotografische Prozess, der ja dem bewegten Film zugrunde liegt, erforderte unter anderem Silber, Gelatine, chemische Substanzen, Kohle und jede Menge Wasser und Energie. Und parallel dazu blieben chemisch belastete Abwässer, Emissionen und andere industrielle Rückstände zurück.
Filmmaterial
Nun Filmhersteller waren Chemieunternehmen. Sie benötigten für die Herstellung von Rohfilm und Kopien zurüchst einmal Energie, viele Jahrzehntelang bereitgestellt durch Kohle, Erdöl, Gas, später auch in Form von Elektrizität.
- Für die Herstellung benötigte man zunächst Nitrozellulose, später Celluloseacetat und noch später Polyester als Trägermaterial
- Für die eigentliche fotoempfindliche Schicht, auch Emulsion genannt, Gelatine die aus Kollagen hergestellt wird, welche aus Rinderhäuten und Knochen, also Schlachthausabfällen gewonnen wird.
- In der Gelatineschicht gelöst sind Silberhalogenide beides zusammen wird zu einer lichtempfindlichen Schicht.
Kopierwerke
Für Entwicklung / Bleichbäder und Fixierung waren Chemikalien erforderlich, die in Bergwerken abgebaut wurden. Silber, Chemikalien für Entwicklungsbäder und Fixierung, Trägermaterial, Abwasser, die Liste ist lang. Allerdings landete vieles davon nicht einfach so in der Umwelt, es war schlicht zu wertvoll und wurde recicelt. Silber etwa verblieb bei Schwarzweißfilm nur dort, wo Licht auf den Film fiel, auf der Schicht, der Rest wurde im Fixierbad ausgespült und nach Möglichkeit aufgefangen. Und bei Farbfilm wurde im Farbprozess fast das gesamte Silber durch Farbkuppler ersetzt und wieder aus dem Film entfernt. Es konnte dann aus den Chemikalienlösungen wieder zurückgewonnen werden.
Große Kopierwerke hatten aus diesem Grund elektrolytische Silberrückgewinnungs-Anlagen. Aus verbrauchten Fixierbadchemikalien wurde durch Elektrolyse das Silber abgeschieden und das Bad für den nächsten Einsatz teilweise regeneriert. So wurden bis zu 90 % des Silbers zurückgewonnen.
An Chemikalien wurde bei Schwarzweiß und Farbe unterschiedliche Stoffe verwendet.
- Metol und Hydrochinon wandelten bei Schwarzweiß das belichtete Silberhalogenid in schwarzes metallisches Silber um
- Für die Farbentwicklung verwendete man im wesentlichen CD-3 als Farbentwicklungsmittel
- Natriumsulfit als Antioxidations-/ Konservierungsmittel
- Natriumbromid als Entwicklungsbremse/Antischleiermittel
- Natriumcarbonat für die alkalische Eigenschaft
- Natriumbicarbonat als Puffersubstanz
Von diesen Chemikalien sind Natriumcarbonat vom Prinzip her Soda und Natriumbicarbonat entsprechend Natron. Am kritischsten neben dem Silber war wahrscheinlich der enorme Wasserverbauch. Es gab allerdings auch frühe Prozesse, die verwendeten Formaldehyd, Chromate und Dichromate, die für die Umwelt deutlich belastender waren.
Analoger Film heute
Heute sind die Möglichkeiten der Bereinigung, des Silberrückgewinnens und auch der Materialherstellung von Rohfilm ungleich umweltfreundlicher als je in der Geschichte des analogen Films. Die chemischen Prozesse bei der Entwicklung haben sich deutlich entschlackt und die Filteranlagen sind perfektioniert worden. Durch das Scannen der belichteten Negative und die Distribution per DCP werden auch viel weniger Filmmeter benötigt als früher, wo mit Arbeitskopien, Intermeds und Filmkopien in den Kinos für jeden Film tausende an Filmmetern benötigt wurden.
Gesamtbilanz
Wie schon eingangs erwähnt, setzt auch der digitale Film der Umwelt zu. Wenn man dann aber noch in die Abwägung mit einbezieht, dass ein einmal entwickelter Film problemlos viele Jahrzehnte gelagert werden kann und seinen Inhalt ohne jeden Energieeinsatz behält, während digitale Daten auf Servern, Festplatten etc. regelmäßig umkopiert werden müssen, auf Clouds oder Servern sogar permanent Strom verbrauchen und viel höhere Lagerungs / Archivierungskosten verursachen.
Auf jeden Fall war und ist der analoge Film auch mit dem Verbrauch von Ressourcen verbunden, wie so vieles, was wir Menschen auf diesem Planeten so anstellen.
