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Bibi (Nala) und Marita (Fia-Marie Lin) in der Vergangenheit, © LEONINE Studios

 

Regie: Gregor Schnitzler
Kameramann: Ralf Noack
2nd Unit Kameramann: Gregor Perle
Drehbuch: Bettina Börgerding
Filmeditor: Marc Pav D’Auria
Filmeditorin: Laura Wachauf
Schauspielcoach für Kinder: Yette Dankou
Produzentin: Johanna Bergel
Produzent: Quirin Berg, Max Wiedemann

Kinostart: 24.09.2026
Verleih: LEONINE Studios

 

Inhalt

Bibi muss, weil sie die Anmeldung verschlafen hat, ein Praktikum im Museum machen. Das findet sie zunächst sehr langweilig bis eine historische Spieluhr gestohlen wird. Bibi und Marita auf die Idee kommen sich in die Nacht des Diebstahls zurück zu hexen. Doch plötzlich befinden sich die beiden 139 Jahre in der Vergangenheit auf Schloss Klunkerburg. Im Mittelpunkt steht hier das Thema Freundschaft, Freiheit und Selbstbestimmung, Mut und Zusammenhalt, und Verantwortung, durch die sich Bibi ihren Weg bahnen muss. Insgesamt ein zauberhaftes Kinoerlebnis für die ganze Familie!

 

Fritzi von Klunkerburg (Carmen Diego) und Mathilde von Molch (Fritzi Haberlandt), © LEONINE Studios

 

Darstellung von Feminismus in unterschiedlichen Epochen

Bibi und Marita kommen aus der heutigen Zeit. Sie sind selbstbewusst, können eigene Entscheidungen treffen, und selbstverständlich ihren eigenen Weg gehen. Bibis Mutter Barbera ist die starke, unabhängige Frau, der Vater backt Kekse und ermutigt Bibi jeden Beruf wählen zu können, der ihr gefällt.

Dann reisen Bibi und Marita  139 Jahre in die Vergangenheit zurück, und treffen Fritzi von Klunkerburg. Fritzi befindet sich in einer Gesellschaft mit ganz anderen Vorstellungen davon, was eine Frau darf und wer über ihr Leben und Besitz bestimmen kann. Das wird besonders deutlich, als Fritzis Tante sie gegen ihren Willen, in einem so jungen Alter verheiraten will, oder Fritzis Spieluhr, ein Erbstück ihrer Mutter, an sich nehmen will. Dadurch zeigt der Film unter anderem wie sich die Stellung von Frauen im Laufe der Zeit verändert hat. Die Zeitreise ist also nicht nur ein Abendteuer, sondern gibt einen Blick darauf, dass Dinge die heute selbstverständlich erscheinen, es früher nicht waren, und Frauen wie Fritzi hart für ihre Rechte kämpfen mussten. Auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat, ist der Kampf für Gleichberechtigung lange noch nicht vorbei, denn echte Gleichstellung darf keine Forderung, sondern muss selbstverständlich sein.

 

Kameraführung und Klassisches Kino

Die Kameraführung wird von Ralf Noack umgesetzt. Als Unterstützung ist auch Gregor Perle als B Kamera beteiligt gewesen. Die Kameraführung deutet einen Bereich an, dieser wird ausführlich gezeigt und kurze Zeit später wird genau das Dargestellte verändert. Beispielsweise wird in der Anfangsszene Bibi Blocksberg (Nala) auf dem Weg zum Praktikum ins Museum gezeigt. Sie fährt ökologisch mit dem Fahrrad. Ihre zwei Hexenfreundinnen Flauipaui (Philomena Amari) und Schubia (Carla Demmin) sind währenddessen mit ihren Hexenbesen deutlich schneller als Bibi unterwegs. Der Drahtesel der jungen Hexe wird in Nahaufnahmen gezeigt. Für diese Kameraentscheidung gibt es vorerst keinen ersichtlichen Grund. Eine einmalige Halbtotale hätte ausgereicht, um das Klapperrad zu zeigen, das sicherlich drei Mal so alt ist wie Bibi. Es werden drei Nahaufnahmen gewählt. Das rostige Schutzbleck des Hinterrads, die quietschende Kette und von Vorne das Dynamosystem, Licht und einem Lenker, der mehr sperrig als lässig ist.

Warum diese Einstellungsgröße von dem Regisseur Gregor Schnitzler gewählt wurde, wird nun klar. Denn Bibi fühlt sich durch die Geschwindigkeit ihrer Hexenfreundinnen auf den Besen inspiriert ihr Fahrrad kurzerhand zu verhexen. Eben beschriebene Nahaufnahmen werden wieder aufgeführt. Dieses Mal werden die Aufnahmen gezeigt, wie der Hexenspruch durch Wackeln, Rauchen und Zauberkraft das Fahrrad mit einem Elektromotor aufbessert. Damit ist für mehr PS und die Vortriebskraft gesorgt. Der Dozent Hagen Keller an der Hochschule für Fernsehen und Film in München hatte in der Summer School „How to split a script into shots“ genau davon gesprochen. Ein Ereignis wird innerhalb des Klassischen Kinos für den narrativen und visuellen Stil der Filmgestaltung vorbereitet. Jede Einstellungsgröße ist bewusst gewählt, weil sie einen Zweck erfüllen soll. Die drei Nahaufnahmen passieren nicht einfach so, sondern sind geplant vorbereitet, um den Hexenspruch narrativ und visuell darzustellen.

Die Frage nach dem „Warum?“, fällt auch auf die Darstellung der besonderen Schmuckkiste, die innerhalb der Ausstellung mit vielen Unter- und Seitenansichten visuell dargestellt wird. Was passiert, wenn man auf einen Quader aus Glas filmt? Es spiegelt. Daher werden nur bestimmte Winkel für die Darstellung des wertvollen Kunstobjekts, die im Sicherheitssystem und Glaskasten dargestellt werden, verwendet. Je nach Budget des Filmprojekts gibt es auch Möglichkeiten die Kamera mittels eines Strahlteilers oder durch die Postproduktion, die Kamera im Nachhinein digital Bild für Bild aus der Aufnahme zu entfernen. Diese Details innerhalb der Kameraführung wird den meisten vermutlich nicht auffallen, jedoch für Filminteressierte, die sich für die Kameraarbeit interessieren oder selbst Film machen, werden beim Film Bibi Blocksberg Freude haben.

 

Praktikantin Marita (Fia-Marie Lin) mit Polizeikomissar Krause (Thorsten Merten) im Einsatz, © LEONINE Studios

 

Berufsleben in der Moderne

Eine tiefere Bedeutung innerhalb der Storyline des Films eingebaut wurde, ist die modernen Strukturen in der Arbeitswelt. Während die Figur Maxim (Jakob Eberle) beispielsweise bereits als junger Knabe in der Küche arbeiten muss, Aufgaben wie Besteck polieren, Kräuter sammeln und Gerichte würzen, hat er grundsätzlich eine große Freude an seinem Beruf als Koch. Dieser Junge weiß, dass die ein oder andere Aufgabe weniger Freude bereitet, aber dass er für das große Ganze arbeitet. Die schauspielerische Leistung für die Rolle des leidenschaftlichen Maxims ist bemerkenswert. Jede/r kenn jemanden in seinem Umfeld, der mit einer Freude und Leidenschaft seiner Arbeit nachgeht und mitreißend ist.

Marita (Fia-Marie Lin), die beste Freundin von Bibi, absolviert ihr Praktikum bei der Polizei unter der Leitung des Polizeikommissars Krause (Thorsten Merten). Dort werden anfangs noch sehr klassisch die hierarchischen Strukturen der Beamt/innen dargestellt, die sich gegen Ende der Geschichte lösen. Marita muss die „Drecksarbeit“ machen und darf nur zuarbeiten, Protokoll führen, mitschreiben was der Chef erläutert. Es wird gezeigt, wer sich bei der Polizei anstrengt, der wird auf Augenhöhe behandelt. Dies sollte ein Grundrecht sein und nicht etwas, dass erst durch Leistung hervorgerufen werden sollte.

 

In Freundschaften wird zusammen gehalten, Florian (Aithonas Avgoustakis), Flauipaui (Philomena Amari), Bibi (Nala), Marita (Fi-Marie Lin) und Schubia (Carla Demmin), © LEONINE Studios

 

Florian (Aithonas Avgoustakis) arbeitet als journalistische Praktikant bei Karla Kolumna (Palina Rojinski) für die örtliche Zeitung. Dort ist die Hierarchie aufgelöst und von Anfang an wird der Junge als vollwertiger Mitarbeiter angesehen. Er arbeitet teils selbstständig und teils im Team. Die Zusammenarbeit wird auch durch die offene und freundliche Art von Frau Kolumna unterstützt, die bei einer gelungenen Mission ein High Five abklatscht. Wie in den Zeichentrickfilmen oder Hörbüchern – früher noch auf Kassette – ist sie mit einem Motorroller unterwegs. Dort nimmt sie ihren Kollegen Florian immer mit.

 

Frau Farrah Pahani (Nilam Farooq) mit ihrer Museumspraktikantin Bibi Blocksberg (Nala), © LEONINE Studios

 

Das Klischee für Museumspraktikant/innen wird bedient, als gezeigt wird, wie der neue Ansprechpartner im Museum auf Bibi Blocksberg reagiert. Während sich Bibi – trotz der verspäteten Bewerbung – auf das Praktikum als Museumswärterin freut, wird ihr schnell gespiegelt, dass Herr Tristan Brehl (Langston Uibel) weniger begeistert ist sie zu sehen. Wie oft geraten Kinder in ihren ersten Tagen des Praktikums an Menschen, die pessimistisch, unpädagogisch und von ihrem Job frustriert sind. Dies wird bei Bibis ersten Begegnung sehr deutlich. Die Museumsangestellte Frau Farrah Pahani (Nilam Farooq) nimmt sich kurzerhand die Aufgabe als Betreuerin für Bibi an, wird jedoch durch die polizeilichen Ermittlungen ihr wieder entzogen.

Bernhard Blocksberg (Friedrich Mücke) ist sich des gesellschaftlichen Drucks bewusst und versucht seien Bibi so gut es geht zu unterstützen. Er ermutigt seine Tochter mehrere Dinge auszuprobieren, um den richtigen Beruf zu finden. Hier unterscheidet seine Frau Barbara Blocksberg (Rosalie Thomass) auch nochmal zwischen einem Beruf und einer Berufung. Maxim hat eine Berufung Koch zu werden. Es ist eine natürliche Gabe, die er durch die Lehre als Koch ausübt und stets erweitern möchte. Er geht in seinem Beruf auf und kann sich nichts anderes vorstellen. Bei Barbara ist es ebenso, die mit Heilkräutern und Pflanzen als Hexe eine eigenständige Aufgabe hat. Dieser Verpflichtung hat sie sich mit Freude angenommen. Denn wenn man weiß, was man nicht will, kann man manche Bereiche bereits aussortieren. Bibis Vater deutet an, dass durch den Versuch neue Dinge auszuprobieren auch neue Hobbys entstehen können. Hobbys können zum Beruf oder zur Berufung werden oder sie bleiben – im Fall von Bernhard Blocksberg mit dem Tanzen – ein Hobby.

Bibi Blocksberg - Die total verhexte Zeitreise ist auf jeden Fall ein Film für die ganze Familie. Es wird gesungen, getanzt und der bunte Farbfächer an Emotionen wird bedient. Definitiv auch ein witziger und unterhaltsamer Film für die Millennials.

 

Gesehen von Romy Werner, Dschamila Noe

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