
Regie: Michal Kwiecinski
Originaltitel: Chopin! Chopin!
Drehbuch: Bartosz Janiszewksi
Produktion: Malgorzata Fogel-Gabrys, Jan Kwiecinski und Michal Kwiecinski
Kamera: Michal Sobocinski
Schnitt: Bartlomiej Piasek und Piotr Wójcik
Länge: 114 Minuten
Genre: Biografisches Drama
Chopin verzaubert seit dem frühen 19. Jahrhundert mit seiner Klaviermusik. Bis heute haben seine Werke in unserer Gesellschaft eine große Bedeutung. Enthusiasten der Romantik aus aller Welt ist er ein Begriff. Seine Kompositionen werden fleißig gespielt und immer wieder neu interpretiert. Doch was versteckt sich hinter diesem bedeutenden Namen, den wir vor Allem durch Notenblätter kennen? Wer war Chopin? Dieser Frage widmet sich der polnisch-französische Spielfilm „Chopin – eine Sonate in Paris“. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch Chopins Leben und Schaffen, zeigt uns die Hochs und Tiefs und die Welt, die sich der begabte Künstler geschaffen hat.
Inhalt
Nachdem Chopin (Eryk Kulm) auf einer Party plötzlich Blut hustet, bekommt er von seinem Arzt eine erschütternde Diagnose: Er leidet unter Tuberkulose und wird nicht mehr lange leben. Mit dieser Nachricht im Gepäck muss Chopin einige Dinge in seinem Leben hinterfragen und versucht, das Beste aus seiner verbleibenden Zeit zu machen. Während er versucht, die makellose Fassade aufrechtzuerhalten und mit seinem Bekannten Liszt (Victor Meutelet) das Publikum begeistert, plagen ihn Sorgen wie die Fortpflanzung, sein Nachlass und die Weitergabe seines Wissens und Talents. Auch seine Beziehung mit George Sand (Joséphine de La Baume) kann seine Wehmut nicht fernhalten. In einem Chaos aus Musik, Beziehungen und Erwartungen versucht Chopin sich zurecht zu finden und durchlebt dabei eine Achterbahn der Gefühle.

Musik
Natürlich spielt das Klavier eine bedeutende Rolle. Chopin galt zeitlebens als Wunderkind und beeindruckte mit seiner Musik die Pariser Salons. Ein solches Genie authentisch darzustellen und den Umgang mit dem Klavier nicht aufgesetzt wirken zu lassen ist schwer und wurde dennoch von diesem Film gemeistert. Eryk Kulm lässt das Publikum glauben, er spiele das Instrument völlig mühelos. Er lässt sich vom Klavier leiten, mitreißen, zur Euphorie und in den Wahnsinn treiben. Alles nimmt man dem Schauspieler von der ersten bis zur letzten Minute ab. Man könnte meinen, dass er in jeder Sequenz tatsächlich seine Fingerspitzen über die Klaviatur schweben und dabei eine träumerische Melodie ertönen lässt. Ein solcher Film über ein Musikgenie lebt selbstverständlich von besagter Musik. Ob dieser Film dann gelingt hängt stark von der Einbindung jener ab. Und genau diese musikalische Reise liefert in „Chopin – eine Sonate in Paris“ gekonnt ab.
Auch neben den bereits bekannten Werken von Chopin selbst, die im Film aufgegriffen werden, zieht uns die originale Filmmusik in ihren Bann. Eine Kombination aus klassischem Klavier und dunkler, elektronischer Musik schafft eine düstere Atmosphäre, die Chopins schwindende Gesundheit untermalt. Das Spielfilmdebüt von Musikproduzent Robot Koch ist somit mehr als gelungen.

Eine Zeitreise
Der Film katapultiert uns in das 19. Jahrhundert. Wir befinden uns in einer Zeit, die sich maßgeblich von unserer heutigen unterscheidet. Andere Gesellschaft, andere Sitten, und andere Kleidung. Das Kostümbild ist in historischen Filmen von unschätzbarem Wert. Wirken die Klamotten unauthentisch, kann das die gesamte Illusion zerstören. Doch auch hier kann der Film überzeugen. Visuell höchst ansprechend gestaltet und von Hut bis Schuh durchdacht darf das Publikum fast 2 Stunden in eine andere Welt eintauchen. Vom prunkvollen Adel zum Maskentragenden Totenkärrner bekommt man die verschiedenen Facetten des 19. Jahrhundert zu sehen. Somit wurde dieser Film mehr als verdient beim polnischen Filmfestival in Gdynia mit dem Preis für das Beste Kostümbild ausgezeichnet.
Mit „Chopin – eine Sonate in Paris“ bietet Michal Kwiecinski einen unterhaltsamen, dramatischen und durch und durch schön gestalteten Spielfilm. Sowohl für Fans der klassischen Musik als auch für tendenziell desinteressierte Menschen amüsant und von Bedeutung.
Gesehen von Pia Ludwig
