
Regie und Drehbuch: Reem Kherici
Originaltitel: Pour le plaisir; dt.: „Zum Vergnügen“
Kamera: Dominique Fausset
Musik: Laurent Aknin
Länge: 85 Minuten
Genre: Komödie
Im Jahr 2014 stolperte der nichtsahnende Michael Lenke aus Niederbayern über eine aufschlussreiche Studie: Frauen erreichen beim Geschlechtsverkehr statistisch viel seltener den Höhepunkt als Männer. Erzürnt über diese Erkenntnis macht er es sich zur Mission, mit Hilfe seiner Frau Brigitte, den Markt für die Lust der Frau zu revolutionieren. Gemeinsam entwickeln sie ein Sex-Spielzeug, welches andere zu übertreffen scheint: Der Womanizer, ein Gerät, das die Klitoris über Druckwellen stimuliert, ohne diese dabei zu berühren. Schnell wird die Erfindung zu einem weltweiten Erfolg, unzählige Frauen sind begeistert und erleben Sexualität auf ganz neue Art und Weise.
Die Entstehungsgeschichte fasziniert auch noch 12 Jahre später. Drehbuchautorin und Schauspielerin Reem Kherici bringt sie mit ihrer Filmkomödie „Cheri, ich komme!“ erneut zum Leben und erzählt eine humorvolle, von dem deutschen Ehepaar inspirierte, Geschichte über die weibliche Lust.
Fanny (Alexandra Lamy) bekommt von einer Sexualtherapeutin (Reem Kherici) den Auftrag, ihrem Ehemann Thomas (Francois Cluzet) zu gestehen, dass sie in ihrem gesamten Leben noch nie einen Orgasmus hatte. Um das Wohlbefinden seiner Frau besorgt, beschließt Thomas herauszufinden, wie er Fanny bei ihrer sexuellen Befriedigung helfen kann. Gemeinsam werden sie an verschiedenen Orten intim, besuchen Fetisch-Partys und experimentieren mit diversen Mitteln der Vibration. Auch alleine versucht Fanny, unter anderem mithilfe von erotischen Audios, ihren Höhepunkt zu erreichen. Nach mehreren Hochs und Tiefs, gescheiterten Versuchen und peinlichen Momenten entwickelt Thomas schließlich das Gerät, das Fanny ihren ersten Orgasmus verschafft. Begeistert erzählt sie Freundinnen und Bekannten davon und ermutigt Thomas, seine Kreation markttauglich zu machen.

Unterhaltsam oder unangenehm?
Der Film bietet einige gelungene Pointen und lustige Momente, die die Zuschauerschaft herzlich zum Lachen bringen können, seien es die unverblümten Gespräche zwischen Fanny und ihrer Schwester (Delphine Baril) oder die Ahnungslosigkeit von Thomas. Jedoch scheint er die Grenze zwischen einem geglückten Witz und reiner Peinlichkeit öfters zu übersehen, was zu so manchen Momenten unschöner Verlegenheit führt. Wenn zum Beispiel die eigene Tochter (Mitty Hazanavicius) über die Sex-Toy Werkstatt ihrer Eltern stolpert und anstatt von diesen ernst genommen zu werden als prüde dargestellt wird, entsteht kein Gefühl der Belustigung, sondern ein Gefühl der Fremdscham. Außerdem wird einem durch offensichtliches foreshadowing oft die Gelegenheit genommen, sich von einem Witz wirklich überraschen zu lassen, was ebenfalls den Effekt erlöschen lässt. Auch werden einige Szenen dermaßen ins Absurde gezogen, dass es unpassend wirkt und nicht mit dem Gesamtfilm in Einklang scheint, was einen genauso aus dem amüsanten Filmerlebnis reißt. Mit anderen Worten: Thomas hätte wirklich nicht die Fische seiner Tochter in der Toilette runterspülen müssen. Nichtsdestotrotz hat der Film seine humoristischen Momente, die einen immer wieder zum Schmunzeln bringen können. Und den Charme, den er trotz Allem ausstrahlt, darf man ihm nicht absprechen.
Tabuthema
Auch im Jahr 2026 bleibt die Sexualität ein sensibles Thema. Der offene Umgang mit Lust ist noch immer nicht selbstverständlich. Genau dagegen geht Fanny vor. Sie wiederholt Sex-positive Mantras, kommuniziert endlich klar mit ihrem Mann und teilt ihre Reise mit ihrer Schwester. Es wird nichts umschrieben oder durch Euphemismen verschönert. Der Fokus liegt auf dem weiblichen Vergnügen und das Publikum wird direkt damit konfrontiert.
Fazit
Auch wenn der Film es manchmal nicht schafft, die Fremdscham zu vermeiden, ist „Chéri, ich komme!“ eine warmherzig lockere Komödie, die die Frau gelungen in den Mittelpunkt stellt. Er hinterlässt gute Stimmung und einen Funken Hoffnung, der einen über das ein oder andere Klischee hinwegsehen lässt.
Gesehen von Pia Ludwig
