
Dass man die Sonnenscheibe in Gänze im Bild hat, kommt selten vor. In Filmen über die Wüste, über Menschen, die in Western oder Dramen die Hitze spüren, sie erleiden. Und dann natürlich auch, wenn die Sonne mal durch den Mond verdunkelt wird. Eine Sonnenfinsternis ist für viele Video,- und Fotografen eine echte Challange, wie macht man eigentlich Aufnahmen von der Sonne. Die aktuelle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026 war eigentlich nur innerhalb einer bestimmten Bahn, die eher Grönland und Spanien streifte, ideal zu beobachten, in Deutschland, Österreich und der Schweiz beispielsweise waren die Bedingungen nicht wirklich ideal. Doch 2027 wird schon die nächste erwartet. Wie aber nimmt man so ein Ereignis vernünftig auf Video auf. Nun dazu gibt es sowohl technische als auch gestalterisch so einiges zu sagen. Wie so oft, ist das eigentliche Ereignis vielleicht viel weniger visuell als das Drumherum. Im Idealfall sollte man eine zweite Kamera dabei haben, um die Menschen, die sich langsam verdunkelnde Landschaft, Lichtflecken am Boden und vieles mehr ebenfalls zu drehen. Ihr werdet sehen, all die Menschen, die erwartungsvoll mit ihren Spezialbrillen zum Himmel starren, das langsame Dunkelwerden, das Verstummen der Vögel, die Lichtflecken am Boden, all das ist mindestens so spannend wie die runde Scheibe, die sich langsam verdunkelt. Ach ja, und der Ton dazu ist ebenfalls nicht ganz unwichtig.

Doch zurück zu unserer Hauptaufgabe: Zunächst einmal muss man natürlich technisch auf die ungeheure Helligkeit der Sonnenscheibe reagieren. So wie die Menschen gewarnt wurden, nicht mit bloßem Auge die Sonnenfinsternis zu betrachten, um Schädigungen der Netzhaut zu vermeiden, so müssen auch die Kameras entsprechend angepasst werden. Sonst können auch Sensoren Schaden nehmen. Was ist zu tun?
Helligkeit reduzieren
Wenn die Sonne noch nicht oder eben teilweise (partielle Phase) vom Mond verdeckt ist sollte ein echter Sonnenfilter vor der Frontlinse des Objektivs befestigt sein. Handelsübliche ND-Filter, auch keine sehr starken oder variablen ND-Filter sind da nicht ausreichend, weil sie evtl. Teile des Spektrums durchlassen. Typisch sind spezielle Sonnenfilterfolien oder noch besser fotografische Sonnenfilter, sogenannte Solarfilter. Diese müssen gut an der Frontlinse besfestigt werden, im besten Fall aufgeschraubt sein. Unsere Einstellungen an der Kamera sollten manuell vorgenommen werden, also Schärfe, Farbtemperatur (Weißabgleich), Belichtung etc. Auch hier geht es teilweise um das Wegnehmen von Helligkeit. Es beginnt damit, dass wir die niedrigste ISO, vermutlich 100 oder 200 ISO einstellen. Eine Blende 8, 11, 16 hilft, je nachdem, was der Solarfilter noch durchlässt, die Helligkeit anzupassen.Diese Maßnahmen sind vor allem wichtig, um den Sensor zu schützen und natürlich um überhaupt etwas vernünftig abbilden zu können.
Eine weitere Stellschraube, die wir haben, ist der Shutter, also die Belichtungszeit. Bei Video können wir sie zwar nicht länger einstellen, als die 50 tel Sekunde bezogen auf 25 B/Sekunde, aber wir können sie verkürzen, was zusätzlich Licht wegnimmt. Kontrollieren kann man das Bild auf dem Display, man sollte die entsprechenden Warnanzeigen nutzen um zu verhindern, dass die Sonnenfläche einfach nur weiß ausbrennt.
Abbildung und Schärfe

Auch wenn einem die Sonne mit bloßem Auge betrachtet riesig vorkommt, auf den Aufnahmen sieht sie möglicherweise winzig aus. Um eine signifikante große Abbildung der Verdunklung zu erhalten, braucht es ein Telefobejktiv oder ein leistungsstarkes Zoom. Bezogen auf einen Vollformat-Sensor dürfen es gerne 300 bis 800 mm sein, wenn es einem vor allem um die Sonnenscheibe geht. Totalere Aufnahmen mit diesen Belichtungseinstellungen und Vorkehrungen machen nur bedingt Sinn, weil Landschaft etc. vermutlich zu dunkel sein werden. Scharfstellen sollte man manuell, nicht immer ist die Unendlich Markierung auf dem Schärfering des Objektivs genau. Damit die Aufnahme ruhig wird, sollte man ein Stativ verwenden, und da der Vorgang sich über eine Stunde hinzieht, ist Zeitraffer sinnvoll, damit man die Verdunklung auch tatsächlich als Vorgang filmisch erzählen kann. Auch nicht ganz unwichtig,- die Kamera muss nachgeführt werden, denn sie wandert. Will man also den gesamten Ablauf festhalten, kann ein Schrittmotor der sich programmieren lässt (man muss den Winkel und die Schritte sorgfältig für den Standort und die Brennweite berechnen) Sinn machen. Oder aber man macht sich auf dem Display eine Markierung (z.B. mit Malerkrepband für den rechten und den unteren Rand der Sonnenscheibe und korrigiert von Hand den Ausschnitt so, dass die Sonne stets an der gleichen Stelle auf dem Display erscheint.
Einige der notwenigen Vorkehrungen und Anpassungen sind tatsächlich sehr fordernd und die Häufigkeit mit der so eine Sonnenfinsternis auftritt, verschafft uns nicht allzuviele Übungsmöglichkeiten.
