
Sie revolutionierte das Filmemachen und befreite die Filmkameras weltweit von Dollies, Stativen und Kamerakränen. Bis hinein in die 70 er Jahre war die Beweglichkeit von Kameras stark eingeschränkt. Wer ruhige Aufnahmen wollte, war auf Schienen, Dolly oder Kran angewiesen, alles Tools die keine harten Wendungen, keine Treppenhäuser oder Ähnliches filmisch sinnvoll durchfahren konnten. Man konnte mit Schienen nicht um die Ecke, nicht durch Treppenhäuser, nicht durch Wasser fahren.Man konnte mit Kränen nicht durch Wohnungen hindurch, nicht über U-Bahnsteige in Ubahnzüge hinein und wieder hinausfahren, man konnte so vieles einfach nicht mit den klassischen Werkzeugen verwirklichen.
Es gab einfach keine Möglichkeit, sich mit laufender Kamera so durch die Welt zu bewegen, wie es das menschliche Auge des Menschen mit großer Leichtigkeit tun kann. Die Kameras klebten irgendwie immer am Boden.
Gimbal
Viele die heute mit einem elektronischen Gimbal ihre Filmaufnahmen stabilisieren, wissen nicht einmal mehr, dass der Gimbal eigentlich etwas rein mechanisches war und von einer der wichtigsten technischen Entwicklungen zur Entfesselung der Kamera,- der Steadicam stammte.
Es war der Kameramann Garrett Brown, der unzufrieden mit den Ergebnissen der Handkamera war und in den 70er Jahren ein Gerät entwickelte, was das Kino für immer verändern sollte: Die Steadicam. Ein rein mechanisches Kamerastabilisierungssystem, welches dem „New Hollywood“ Kino ganz neue Möglichkeiten eröffnete.
Damals waren die Filmemacher auf der Suche nach authentischerer, wahrhaftiger Bildsprache ohne Studiolook, Schienen,- und Kranfahrten. Sie wollten on location drehen, fast so wie Dokumentarfilmer, aber ohne wacklige Kameraführung.
Garrett Brown mochte das Gewackel der Handkamera nicht. Sie repräsentierte überhaupt nicht das, was Menschen sehen, wenn sie sich bewegen,- weil unser Wahrnehmungsapparat auch wenn wir gehen, das was wir sehen, stabilisiert. Und so kombinierte er verschiedene Dinge, die es schon gab, nämlich die kardanische Aufhängung (hilft u.a. als Getränkehalter in Autos, dass Getränke stets aufrecht bleiben) und den Federarm (wurde vom Militär verwendet, um vom fahrenden Jeep oder Panzer erschütterungsfrei schießen zu können) mit Eigenentwicklungen. Dazu gehörten die Weste die sich der Operateur umschnallt, sowie der Post mit Kamera und Akku um eine ebensolche Bildstabilisierung für Kameras zu schaffen.
Neue Möglichkeiten
Ziemlich schnell zeigte sich, dass das neue Kamerasystem mit einer gewissen Trägheit arbeitete und deshalb auch ein gewisses Mindestgewicht notwendig war, damit es funktionierte. Außerdem musste die Kamera mit Hilfe von Verschiebeplatte und Post perfekt ausbalanciert werden. Nach diversen Prototypen hatte Brown eine erste Steadicam fertig und konnte sie in Filmen wie Hal Ashbys „Bound for Glory“, „Rocky“ , "Marathon Man" oder „Shining“ (Standley Kubrick) einsetzen. Für letzteren entwickelte Brown den Low-Mode, die unten am Post aufgehängte Kamera.
Nach dem Erfolg von Shining arbeiteten auch andere Regisseure mit anderen Steadicam-Operateuren die von Garret Brown ausgebildet wurden, zusammen. So etwa David Lynch (Dan Keene), James Cameron (James Munro), Martin Scorsese und Brian De Palma (Larry McConkey). Das war nämlich eine weitere Voraussetzung, um mit der Steadicam zu arbeiten,- man musste mit dem Gerät lernen und trainieren um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Weil die Hürde des Erlernens und Trainierens so hoch war, gab es viele Kameraleute, die es schlichtweg ablehnten, die Arbeit mit diesem Instrument zu erlernen. So wurde der Job des Steadicam-Operators, des Spezialisten geboren, den man für einzelne Drehtage dazumieten konnte. Aber natürlich gab es später auch lichtsetzende Kameraleute, also DOPs die die Steadicam erlernt haben,
Erste Steadicam-Filme
- "Bound for Glory" (Regie: Hal Ashby, USA 1976)
- "Marathon Man" (Regie: John Schlesinger, USA 1976)
- "Rocky" (Regie: John G. Avildsen, USA 1976)
- "Der Willi-Busch-Report" (Regie: Niklaus Schilling, Deutschland 1979)
- "The Shining" (Regie: Stanley Kubrick, Großbritannien / USA 1980)
- "Return of the Jedi" (Regie: Richard Marquand, USA 1983)
Diese Filme hatten eine so andere und innovative Bildsprache, dass die Steadicam ihren Siegeszug rund um den Globus begann und nachhaltig die Bildsprache so vieler Filme veränderte.

