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Im Film übernimmt das Rennen, das Laufen diverse wichtige erzählerische und charakterisierende Funktionen (KI-Illustration)

 

Sport wurde und wird im Film seit Anfang der Filmgeschichte immer wieder thematisiert. Was, wenn die Filmhelden in Filmen rennen müssen, um ihre größten Herausforderungen zu meistern? 2026 startet der Film "The Runner" (Regie: Kevin Macdonald) in Amazon Prime, in welchem die Schauspielerin Gal Gadot die Figur der Maia spielt, einer Anwältin, bei der aus einem kleinen Jogging ein Lauf um das Leben ihres Sohnes wird. Ihr Sohn wurde nämlich entführt und die Entführer zwingen Maia diverse Aufgaben zu erfüllen, wenn sie sein Leben retten will. Der Film reiht sich ein in eine beachtliche Reihe an Filmen, bei denen die Protagonisten bis zur Erschöpfung laufen müssen, nicht nur eine spanndende physische Prämisse, sondern auch eine starke symbolische Aussage.

 

Bestimmung

Damit reiht sich der Film in eine erstaunlich umfangreiche Anzahl an Filmen ein. in denen das Rennen verschiedenste dramaturgische Funktionen erfüllt. Dahinter stehen beispielsweise Flucht, Verfolgung, Zeitdruck, Sport, Überleben oder auch die Charakterisierung von Filmfiguren. Auch wenn es nur feine Unterschiede sind, doch sie sind da,- während das Laufen irgendwo zwischen Gehen, Joggen und Rennen liegen und durchaus auch gemütlich sein kann, verstehen wir unter Rennen stets eine schnelle, intensive Bewegung, die im Film eigentlich immer einen bedeutenden dramaturgischen Grund hat.

 

Filmsprachliche Bedeutung

Natürlich interessiert uns das Rennen ganz besonders, weil es unter anderem ein Zeichen von Flucht, oft vor einer Bedrohung ist. Schließlich ist das Rennen alles andere als entspannt und kontrolliert, es signalisiert Gefahr und den Kontrollverlust über eine Situation oder vielleicht ein ganzes Leben. Deshalb reichen normale Bewegungen wie Gehen oder Laufen nicht mehr aus. Auf jeden Fall markiert es eine Ausnahmesituation.

Eine andere Bedeutung besitzt das Rennen, denn es positiv konotiert ist. Dann symbolisiert es Entschlossenheit, Hoffnung, Rettung, Liebe und Sehnsucht. Besten Fall steht es im Film innerhalb der Geschichte an einem Wendepunkt, an einem Punkt maximaler Veränderung. Dann laufen unsere Protagonisten gleichzeitig vor etwas davon und auf etwas anderes, besseres zu. Das Laufen und das Zurücklegen von Entfernungen kann dann auch eine innere Entwicklung in den Filmfiguren mit erzählen.

Gar nicht selten macht das Laufen oder Rennen etwas eigentlich unsichtbares, nämlich die Zeit, sichtbar. Häufig rennen die Filmfiguren gegen die ablaufende Zeit an. Würden die Protagonisten unbeweglich an einem Ort bleiben, würden sie scheitern, deshalb ist das Laufen oder Rennen ihre einzige Option, um ein drohendes Schicksal zu verändern. Dieser Wettlauf mit der Zeit wird durch das Laufen/Rennen körperlich erfahrbar.

Und natürlich bietet die Flucht vor etwas, bei der man rennt, stets auch die Chance auf Freiheit. Das kann auch im übertragenen Sinne die Befreiung von gesellschaftlichen und institutionellen Einengungen sein.

Das Rennen kann auf diese Weise auch einen Übergang kennzeichnen, sei es von Gefangenschaft hin zur Freiheit, von der Kindheit hin zum Erwachsensein, von einem alten Leben in ein neues, die Veränderungen werden durch die körperliche Bewegung sichtbar gemacht.

In den seltensten Fällen ist das Laufen/Rennen im Film einfach nur Selbstzweck. So gut wie immer macht es innere Zustände und Veränderungen sichtbar. Und selbst die Nicht-Bewegung, das Aufhören, zu Rennen bekommt eine erzählerische Bedeutung indem es von Ausweglosigkeit erzählt.

Filmsemiotisch bietet das Laufen und Rennen deshalb sehr starke Möglichkeiten.

 

Gerannt wurde schon immer

Schon in frühesten Stummfilmen wurden Wettläufe festgehalten (KI-Illustration)

 

Das Laufen und Rennen spielte schon sehr früh in den Stummfilmen eine große Rolle. Überhaupt waren viele Stummfilme weitaus physischer, die Schauspieler mussten ihre Körper häufig ganz anders einsetzen als es dann später im Tonfilm der Fall war. In den Slapstick-Filmen von Buster Keaton etwa, rennt er als Hauptfigur extrem viel, so beispielsweise auch in "Seven Chances" (1925), wo er vor allem möglichen, Felsen, Frauen etc. wegrennt.

Aus Deutschland fällt einem dabei natürlich gleich "Lola rennt" (Regie: Tom Tykwer D 1998) ein, in dem Franka Potente als Lola in drei Varianten derselben Geschichte durch Berlin rennen muss. Das Laufen wird dadurch zum dramaturgischen Grundprinzip des Films. Ein wenig ist das auch bei "Marathon Man" (1976) so, wo Dustin Hoffman als Läufer regelmäßig trainiert, was der Film zugleich als Symbol für Ausdauer, Flucht und Überleben setzt. Oder man denke nur an Alfred Hitchcocks "North by Northwest" (1959) in der Cary Grant an einer abgelegenen Landstraße im Nirgendwo plötzlich von einem Flugzeug aus beschossen wird und um sein Leben rennen muss. In Francois Truffauts (Nouvelle Vague) Erstling "Sie küssten und sie schlugen ihn" (1959) rennt die Hauptfigur um in Freiheit zu gelangen und in "Forest Gump" ist das Rennen charakterisierend und zugleich eine Metapher. Nicht zu vergessen all die Agentenfilme, in denen wahlweise verfolgt oder weggerannt wird.

 

Bis an die Grenzen

Einige dieser Filme waren auch für die Schauspieler*Innen extrem herausfordernd, vor allem wenn sie selbst lange Strecken vor der Kamera laufen mussten, die nicht durch Stuntleute ersetzt werden konnten. Zu diesen besonders fordernden Filmen gehören sicherlich "Lola rennt", "1917", "Apocalypto", "Marathon Man", "Mission: Impossible" und "Gallipoli".

Schauspielerin Franka Potente (Lola Rennt) etwa hat später in Interviews beschrieben, dass sie überhaupt keine Läuferin gewesen sei, viel geraucht habe und für den Film ohne Lauftraining gehabt zu haben, wiederholt durch Berlin rennen musste. Und dies nicht in Sportschuhen sondern in schweren Dr.-Martens-Stiefeln. Nach den Drehtagen hätten ihr vor Erschöpfung die Knochen wehgetan.

Auch die Schauspieler George MacKay und Dean-Charles Chapman („1917“) seien, so der Regisseur in einem Interview, beim Dreh wirklich erschöpft gewesen. Das lag an den langen, scheinbar ungeschnittenen Einstellungen, es gab einfach keine Schnitte zwischen denen sie sich hätten erholen können, außerdem waren Uniformen, Gewehre, Rucksack etc. zusätzlich belastend.

 

Filmliste

(Auswahl)

  • „Seven Chances“ (Buster Keaton, USA, 1925)
  • „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) (Alfred Hitchcock, USA, 1959)
  • „Sie küssten und sie schlugen ihn“ (Les Quatre Cents Coups) (François Truffaut, Frankreich, 1959)
  • „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ (The French Connection) (William Friedkin, USA, 1971)
  • „Marathon Man“ (John Schlesinger, USA, 1976)
  • „Die Warriors“ (The Warriors) (Walter Hill, USA, 1979)
  • „Die Stunde des Siegers“ (Chariots of Fire) (Hugh Hudson, Großbritannien, 1981)
  • „Gallipoli“ (Peter Weir, Australien, 1981)
  • „Runaway Train“ (Andrei Konchalovsky, USA, 1985)
  • „Run“ (Geoff Burrowes, USA/Kanada, 1991)
  • „Gefährliche Brandung“ (Point Break) (Kathryn Bigelow, USA, 1991)
  • „Auf der Flucht“ (The Fugitive) (Andrew Davis, USA, 1993)
  • „Forrest Gump“ (Robert Zemeckis, USA, 1994)
  • „Trainspotting – Neue Helden“ (Trainspotting) (Danny Boyle, Großbritannien, 1996)
  • „Lola rennt“ (Tom Tykwer, Deutschland, 1998)
  • „Minority Report“ (Steven Spielberg, USA, 2002)
  • „Catch Me If You Can“ (Steven Spielberg, USA/Kanada, 2002)
  • „Mission: Impossible III“ (J. J. Abrams, USA, 2006)
  • „Casino Royale“ (Martin Campbell, Großbritannien/USA, 2006)
  • „Apocalypto“ (Mel Gibson, USA, 2006)
  • „Run, Fatboy, Run“ (David Schwimmer, Großbritannien/USA, 2007)
  • „Das Bourne Ultimatum“ (The Bourne Ultimatum) (Paul Greengrass, USA/Deutschland, 2007)
  • „Slumdog Millionär“ (Slumdog Millionaire) (Danny Boyle, Großbritannien, 2008)
  • „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Ghost Protocol) (Brad Bird, USA, 2011)
  • „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ (The Maze Runner) (Wes Ball, USA, 2014)
  • „Mission: Impossible – Fallout“ (Christopher McQuarrie, USA, 2018)
  • „1917“ (Sam Mendes, Großbritannien/USA, 2019)
  • "The Runner" (Regie: Kevin Macdonald, USA 2026)

 

Thema: Filmtheorie Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Filmtheorie. Mehr zur Filmtheorie
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