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Von frühesten Stummfilmen bis heute sind Pferde äußerst beliebt für Filmszenen (Originalfoto mit KI-Optimierung)

 

Wohl kaum ein Tier hat den Film im letzten Jahrhundert so nachhaltig geprägt wie das Pferd. Lange bevor Autos oder Raumschiffe in der Filmwelt unterwegs waren, spielte das Pferd den treuen Begleiter von Helden wie Cowboys, Ritter, und Abenteurern. Das Pferd steht zum Beispiel in Western, Kinderfilmen, Fantasy, historischen Dramen und Dokus, für Freiheit, Kraft und Loyalität. Unvergesslich und fast schon eine Ikone der gefleckte Schimmel bei "Pippi Langstrumpf", dem die Schauspielerin Inger Nilsson während der Dreharbeiten den Spitznamen „Kleiner Onkel“ gab.

Pferde waren schon ganz zu Beginn der Filmgeschichte dabei. Ab 1895 waren sie mit dem Cinematographen der Lumiere Brüder auf der Leinwand zu sehen. Mit der Entwicklung erster Kurzfilme und den ersten Kinos wurde das Pferd zum festen Darsteller der 1900er Jahre. Kein Wunder, schließlich waren Pferde im Umfeld der Menschen, ganz gleich ob auf dem Land oder in den Städten, allgegenwärtig. Pferde wurden zu wichtigen Helfern und Partnern des Menschen. Kein Wunder, dass sie auch vor der Kamera von besonderer Bedeutung waren.

 

Späte Sensibilität

Das ist erstaundlich, denn die Tiere gelten jedoch als besonders anspruchsvolle Filmpartner, da sie sehr empfindlich auf Licht, Ton, und hektische Bewegungen reagieren. Deshalb müssen Filmpferde oft Jahrelang auf ihren Einsatz vorbereitet werden. Besonders Stuntpferde die dramatische Stürze hinlegen sollen, brauchen ein intensives Training.

Doch früher war das noch nicht so. Viele Pferde wurden in gefährliche Stunts geschickt, ohne jegliche Vorbereitung oder Ausbildung. In dem Western „Jesse James“ von 1939 starb ein Pferd, als es mit verbundenen Augen in eine Schlucht stürzte, oder bei der Fortsetzung der Filmreihe 1940, als Pferde über ein gespanntes Drahtseil zu Fall gebracht wurden, und dabei acht Tiere starben. Diese Verletzungen wurden von Filmproduzenten sogar billigend in Kauf genommen, um die Attraktion ihrer Filme zu erhöhen. Man nannte das Running W oder wire trips: Damit wurden galoppierende Pferde mittels Draht bzw. einer Vorrichtung an den Vorderbeinen bewusst vor der Kamera zu Fall gebracht. Das sah dann auf der Leinwand sehr spektakulär aus, führte aber häufig zu schweren Verletzungen bei den Tieren.

 

Die Drehbedingungen für Pferde waren in einigen US-Filmen, zumeist Western, katastrophal und führten zu festen gesetzlichen Richtlinien für den Schutz von Tieren bei Dreharbeiten  (KI-Illustration)

 

Aber nicht nur Tiere wurde in tödliche Unfälle verwickelt. Auch ein Stuntman kam beim Dreh für „Der letzte Befehl“ (1958) ums Leben als sich sein Pferd überschlug. Trotz der Tragödie wurde die Szene später in der ungeschnittenen Version des Filmes verwendet.

Bereits 1925 reagierte die American Humane Association – heute American Humane Society – auf diverse Berichte zu Tierquälerei beim Film und setzte ein Komitee ein, was das Verhalten von Teams gegenüber Filmtieren untersuchen sollte. Erst 1930 tauchte dann in Hollywood ein Regelwerk für den Tierschutz bei Dreharbeiten auf. Dieses wurde in den Motion Picture Production Code, den sogenannten Hays Code ab 1930 aufgenommen. Doch erst 1939 mit den Geschehnissen bei Henry Kings Western „Jesse James“ (1939) wurden die Regelungen zum Tierschutz mit größerer Konsequenz umgesetzt. 1940 eröffnete daraufhin American Humane ein Büro in Hollywood und vereinbarte mit der Filmindustrie dass bei Produktionen mit Tieren American Humane hinzugezogen werden und Zugang zum Set erhalten, um die Arbeit mit den Tieren zu überwachen.  Es dauerte dann allerdings noch bis 1951, bevor das Label „No Animals Were Harmed“ in die Titel von Filmen Eingang fand.

 

Pferde als Stars

Es gibt aber auch positive Nachrichten. Einige Filmpferde schaffen es Fanclubs für sich zu gewinnen. Das wahrscheinlich bekannteste war der Hengst Highland Dale, vermutlich eher bekannt unter dem Namen „Fury“ oder „Black Beauty“. Highland Dale bekam jede Menge Fanpost und wurde pro Auftritt in einer Folge „Fury“ mit 1500 US Dollar belohnt. Außerdem wurden ein paar Pferdeäpfel von dem Palomino Hengst Trigger, der mit seinem Besitzer in zahlreichen Filmen auftrat, im Jahr 1965 für 3000 US Dollar versteigert. Aber wie viel von dem Geld kam tatsächlich beim Pferd an?

Nicht nur bei Pferden versteckt sich hinter den Kulissen auch heute manchmalmehr. Die Tiere profitieren fast nie von einer Filmrolle. Der Dreh heißt für sie Stress, Angst durch helles Licht und Geräusche, sowie eine ungemäße Haltung. Außerdem herrscht am Set oft Zwang und Druck, sogar Entzug von Nahrung, um Tricks vorzubereiten. Und den Tieren stehen oft lange Transporte vor, die sie körperlich belasten. Nach ihrer Karriere landen viele Tiere in Kleingehegen oder zwielichtigen Haltungen die sie zusätzlich mitnehmen.


Mittlerweile steht seit 2004 im Abspann von Filmen die die Tierschutzrichtlinien verfolgen, das Kürzel AHA („No animals were harmed“) oder die deutsche Bezeichnung („Es kamen keine Tiere zu Schaden“). Laut der Tierschutzorganisation „PETA“ ist das Siegel jedoch wertlos. Da die Organisation die das Siegel vergibt, selbst von Filmschaffenden finanziert wird.

 

Filmliste

  • "Black Beauty" (Regie: Max Nosseck, USA 1946)
  • "The Horse with the Flying Tail" (Regie: Larry Lansburgh, USA 1960)
  • "Alles Glück dieser Erde" (Regie: Bryan Forbes, USA 1978)
  • "Der schwarze Hengst" (Regie: Carroll Ballard, USA 1979)
  • "Das Pferdemädchen" (Regie: Egon Schlegel, Deutsch 1979)
  • "Der Pferdeflüsterer" (Regie: Robert Redford, USA 1998)
  • "Seabiscuit" (Regie: Gary Ross, USA 2003)
  • "Hidalgo" (Regie: Joe Johnston, USA 2004)
  • "Hände weg von Mississippi" (Regie: Detlev Buck, Deutsch 2007)
  • "Der Pferdejunge" (Regie: Michel Orion Scott, USA 2009)
  • "Secretariat" (Regie: Randall Wallace, USA 2010)
  • "Gefährten" (Regie: Steven Spielberg, USA 2011)
  • "Ostwind" (Regie: Katja Gamier, Deutsch 2013)
  • "Bibi und Tina" (Regie: Detlev Buck, Deutsch 2014)
  • "Wendy" (Regie: Dagmar Seume, Deutsch 2017)
  • "The Rider" (Regie: Chloé Zhao, USA 2017)

 

Thema: Filmtheorie Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Filmtheorie. Mehr zur Filmtheorie
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