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Dreharbeiten eine sroad-Movies

 

Kaum ein Genre trägt so viel Bewegung als erzählerische Struktur in sich, wie das Roadmovie, denn schließlich ist die Fortbewegung das zentrale Element des filmischen Aufbaus. Eine oder mehrere Filmfiguren begeben sich auf einen Weg und sind den größten Teil des Filmes über unterwegs und zwar nicht nur räumlich, sondern zugleich auch emotional und nicht selten auch existenziell. Die Figuren begeben sich auf die Suche nach Freiheit, nach sich selbst, nach Anderen. Dieses Grundprinzip hat das Roadmovie zu einem der vielfältigsten und häufigsten Genres gemacht. Ein Roadmovie ist ein offenes Behältnis in das vieles hineinpasst, die einzige gemauerte Vorgabe ist die Veränderung durch Bewegung.

 

Erzählte Wege

Während im klassischen Erzählfilm die Hauptfiguren Konflikte bewältigen, Ziele erreichen müssen, arbeitet das Roadmovie mit dem Weg oder einem geografischen Ziel, wohin man flüchtet, wo man Jemand begegnen möchte, doch viel wichtiger ist die Reise dorthin. Und wie es auch auf einer richtigen langen Reise über Straßen so ist, es gibt es viele Etappen, Pausen, Unterbrechungen, sie spiegeln sich wieder in einer episodenhaften Erzählweise dieser Filme. Statt klaren Konflikten, die abgearbeitet werden, gibt es wechselnde Örtlichkeiten und jede Menge Erfahrungen.

Die Reise repräsentiert häufig innere Prozesse der Protagonisten, die mit der Suche nach sich selbst, mit Befreiung, Emanzipation aber auch mit Flucht vor Vergangenem zu tun haben können. Die Situationen und Begegnungen auf der Reise verändern häufig die Protagonisten.

Es ist kein Wunder, dass das Roadmovie historisch eng verbunden ist mit dem Land der Auto-Mobilität schlechthin, den USA. Die großen Entfernungen, die weite Landschaft und das Auto als wichtigstes Symbol individueller Freiheit beförderten schon sehr früh Geschichten aller Art, welche von Reisen über endlose Asphaltstraßen erzählten. So waren die frühen Roadmovies zumeist ein Loblied auf die unbegrenzten Möglichkeiten, die Freiheit durch Mobilität und die Selbstverwirklichung durch Bewegung. Doch es dauerte nicht lang, bis andere Roadmovies auch Konflikte, Gewalt und einen zerbrochenen Mythos präsentierten.

 

Muster und Bedeutungen

Wer diese Reisen unternimmt, kann höchst unterschiedlich sein, es können Einzelgänger sein, die auf ihrer Fahrt ander Menschen treffen und kennenlernen, es können Paare sein, befreundet, liebend oder auch ungleich oder auch vorübergehende Zweckgemeinschaften. Der begrenzte Raum in so einem Fahrzeug bewirkt nahezu zwangsläufig, dass man sich miteinander auseinandersetzt.

Überhaupt spielen natürlich nicht nur in den USA die Fahrzeuge, die man verwendet, eine wichtige Rolle. Oft sind es legendäre Fahrzeuge, die aus sich heraus bereits etwas erzählen, man kennt das nicht nur aus dem Kino sondern sogar von den Fahrzeugen der Ermitler aus den Krimis der Fernsehsender. Nicht ganz unbedeutend ist natürlich auch die Landschaft, durch die man reist, sei es die Wüste, seien es Städte oder auch,- sehr beliebt, Grenzen, die man überschreitet, wie etwa nach Mexiko oder auch nach Kanada. Die Landschaften reflektieren nicht selten das Innenleben der Protagonisten.

 

Variationen

Gar nicht selten finden Roadmovies gar keine klassische Auflösung, manchmal haben sie offenen Enden, bleiben Antworten und Lösungen schuldig, so als müsse die Reise endlos weitergehen. Vielleicht werden die gesetzten Ziele der Hauptfiguren auch am Ende relativiert oder irgendwie verfehlt, was aber nicht unbedingt wichtig ist, weil sie sie unterwegs verändert haben auch ohne an ihrem Ziel anzukommen. Es war der Weg, der wichtig war.

Das Genre hat in seiner Entwicklungsgeschichte diverse Variationen erfahren, so etwa feministische Roadmovies, welche traditionelle Rollenbilder in Frage stellen, Varianten welche die Reise als kulturelle Begegnung thematisieren oder auch hybride Formen, die Roadmovie mit Thriller, Komödie oder Drama verknüpfen. Eigentlich sind die Möglichkeiten grenzenlos. Das ist wahrscheinlich seine größte Stärke,- die Offenheit, welche Begegnungen, Brüche und Entwicklungen zulässt, die häufig unkontrollierbar sind. Die Straße als Möglichkeit – aber zugleich auch der Unsicherheit.

 

Filmliste (Auswahl)

  • "Easy Rider" – USA 1969, Regie: Dennis Hopper
  • "Two-Lane Blacktop" – USA 1971, Regie: Monte Hellman
  • "Vanishing Point" – USA 1971, Regie: Richard C. Sarafian
  • "Sugarland Express" USA 1974 R: Steven Spielberg
  • "Alice in den Städten" – BRD 1974, Regie: Wim Wenders
  • "Im Lauf der Zeit" – BRD 1976, Regie: Wim Wenders
  • "Theo gegen den Rest der Welt" BR Deutschland 1980 R: Peter F. Bringmann
  • "Paris, Texas" – BRD/USA 1984, Regie: Wim Wenders
  • "Rain Man" – USA 1988, Regie: Barry Levinson
  • "Midnight Run" – USA 1988, Regie: Martin Brest
  • "Leningrad Cowboys Go America" Finnland 1989 R: Aki Kaurismäki
  • "Flashback" USA 1989 R: Franco Amurri
  • "Wild at Heart - Die Geschichte von Sailor und Lula" USA 1990 R: David Lynch
  • "Thelma & Louise" – USA 1991, Regie: Ridley Scott
  • "Central do Brasil" – Brasilien 1998, Regie: Walter Salles
  • "Fear and Loathing in Las Vegas" USA 1998 R: Terry Gilliam
  • "Im Juli" Deutschland 1999 R: Fatih Akin
  • "Y Tu Mamá También" – Mexiko 2001, Regie: Alfonso Cuarón
  • "Meine Winterreise" Frankreich 2003 R: Vincent Dieutre
  • "Die Reise des jungen Che" – Argentinien/USA 2004, Regie: Walter Salles
  • "Little Miss Sunshine" – USA 2006, Regie: Jonathan Dayton & Valerie Faris
  • "Into the Wild" – USA 2007, Regie: Sean Penn
  • "Vincent will Meer" Deutschland 2010 R: Ralf Huettner
  • "On the Road - Unterwegs" Frankreich 2012 R: Walter Salles
  • "Nebraska" – USA 2013, Regie: Alexander Payne
  • "Green Book" – USA 2013, Regie: Peter Farrelly
  • "Zärtlichkeit" Belgien 2013 R: Marion Hänsel
  • "Kiss the Cook - So schmeckt das Leben" USA 2014 R: Jon Favreau
  • "Das Ende ist erst der Anfang" Belgien 2015 R: Bouli Lanners
  • "Toni Erdmann" – Deutschland/Österreich 2016, Regie: Maren Ade
  • "Tschick" Deutschland 2016 R: Fatih Akin
  • "Unterwegs mit Jacqueline" Frankreich 2016 R: Mohamed Hamidi
  • "Nomadland" – USA 2018, Regie: Chloé Zhao
  • "303" Deutschland 2018 R: Hans Weingartner
  • "Drei Gesichter" Iran 2018 R: Jafar Panahi
  • "Roadtrip zurück ins Leben" USA 2019 R: Nathan Wetherington
  • "Renault 4" Spanien 2019 R: Gerardo Olivares

 

Thema: Filmtheorie Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Filmtheorie. Mehr zur Filmtheorie
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