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Sport im Film verlangt auch dem Kamera,- und Tonteam nicht selten alles ab (KI-Illustration)

 

Sport begeistert und verbindet nicht nur Millionen Menschen, sondern ist auch voll mit unzähligen spannenden, dramatischen und auch unterhaltsamen Geschichten, die entweder fiktional sind oder auf realen Ereignissen basieren. Verschiedene Sportarten sind somit ein gefundenes Fressen für Filmproduzenten, um sportliche Einspielergebnisse an den Kinokassen zu erzielen. Das jüngste Beispiel für solch einen Erfolg: "F1" (USA, 2025). Der Formel1-Film mit Brad Pitt spielte über 600 Millionen US-Dollar ein und wurde so zum finanziell erfolgreichsten Film 2025. In der fiktiven Handlung findet sich zugleich ein beliebtes Motiv, das häufiger in Sport-Filmen zu finden ist: Brad Pitt spielt einen ehemals erfolgreichen Fahrer, der dem Rennsport abgeschworen hat, aber überzeugt wird, zurückzukommen, um einem strauchelnden Team und einem jungen Fahrer im wahrsten Sinne zurück in die Spur zu helfen. Das Rad wird aslo nicht neu erfunden, aber dank Hans Zimmers Musik, "Top Gun: Maverick"-Regisseurs Joseph Kosinskis spektakulärer Inszenierung, Apples Geld und authentischem Setting (Produzent Lewis Hamilton) wird die altbewährte Formel im Formel-1-Film zu einem fantastischen Kinoerlebnis. Dabei hilft das bewährte Storygrundgerüst auch, dass der Film für Neulinge funktioniert.

Insgesamt folgen die meisten Sportfilme bestimmten Formeln, die mitunter auch aus verschiedenen Bausteinen besteht. Besonders beliebt ist dabei natürlich das Motiv des Underdogs, der sich gegen einen stärkeren (gerne auch arroganten) Gegner durchsetzt. Im Mannschaftssport kommt noch der Aspekt der unterschiedlichen Charaktäre in einer Mannschaft zusammen, die als Team zusammenfinden müssen, das von einem Quer- oder Neueinsteiger trainiert wird (der sich erst noch den Respekt des Teams erarbeiten muss) oder - wie bei "F1" - ein alter Hase, der seine besten Zeiten hinter sich beziehungsweise dem Sport abgeschworen hat, kehrt zurück und macht somit einen Fehler aus seiner Karriere wieder gut. Ähnlich findet man dieses Prinzip in allen Filmen der "Karate Kid"-Reihe (USA 1984 - 2025), die diese Formel wiederum durch die Franchise-eigene Formel erweitert haben. Das bietet natürlich umgekehrt auch Stoff für zahlreiche Parodien: Zum Beispiel Steven Chows Fußballkomödie "Shaolin Soccer" (HK, 2000) in dem eine absolute Rumpftruppe von einem ehemaligen Spieler gecoacht wird, der einst den wichtigsten Elfmeter seiner Karriere verbockte und dem Fußball abschwor. Die Chaoskicker müssen gegen brutalste Gegner (die Paraguay alle Ehre machen würden) und schließlich eine künstlich herangezüchtete Übermannschaft bestehen. Chow nimmt dabei nicht nur die typische Formel aufs Korn, sondern schafft durch seinen Humor und die dramatisch-visuell überhöhte Inszenierung, die sich wiederum stark am asiatischen Martial-Arts-Kino orientiert, einen Sportfilm, der aus der Masse hervorsticht.  

Die Formeln des Sportfilms lassen sich also auf verschiedene Sportarten und Genres anwenden, deren Umsetzung und Thema wiederum stark von den jeweiligen Ländern abhängt. Beispielsweise ist im europäischen Raum der Fußball die beliebteste Sportart und dementsprechend ein sehr häufiger Gegenstand europäischer Sportfilme. US-Filme konzentrieren sich wiederum meist auf in den USA populären Sportarten. So spielen in "Spiel ohne Regeln", dem 2005er US-Remake der britischen Komödie "The Mean Machine" (GB, 2001), die Häftlinge Football statts Fußball gegen die Wärter eines Gefängnisses - dabei ist natürlich auch der Humor auf das US-Publikum zugeschnitten.

 

König Fußball regiert den deutschen Film

Wieder um echten Fußball geht es in Sönke Wortmanns "Das Wunder von Bern" (DE, 2004), welches das reale sportliche Drama um den Triumph der deutschen Mannschaft bei der WM 1954 mit einer fiktiven Handlung um einen Kriegsheimkehrer und dessen Sohn erweitert. Sportfilme können aber nicht nur von (realen) Triumphen, sondern auch Niederlagen erzählen. So behandelt die Tragikomödie "I, Tonya" (USA, 2017) den schweren Aufstieg der Eiskunstläuferin Tonya Harding und ihren anschließenden Fall im Zuge des Nancy-Kerrigan-Skandals 1994. Auch Dokumentationen beschäftigen sich gerne mit sportlichen Ereignissen und Persönlichkeiten - die typische Formel ist eben dem Sport selbst inhärent. Man fiebert als Zuschauer mit einem Team oder Spieler mit, hat wiederum eine Mannschaft, die man verlieren sehen möchte, etc. Die dieses Jahr erschienene Doku "Mission Sommermärchen" (DE, 2026), zeigt sehr viele dramatischer Einzelgeschichten und die des deutschen Teams bei der WM 2006. Von Jürgen Klinsmann, der sich als reformierender Trainer-Novize gegen die alte Garde des DFB durchsetzen musste, über Oliver Kahn, der nach seinem Patzer im WM-Finale 2002 Wiedergutmachung leisten wollte und mit Jens Lehmann um die Position als Nummer 1 konkurrierte bis hin zu David Odonkor, den als Neuling niemand auf dem Zettel hatte und der im Gruppenspiel gegen Polen  kurz vor Abpfiff den immens wichtigen Siegtreffer vorbereitete.

Der Sport selbst muss aber nicht immer dass zentrale Thema sein, schließlich existiert um diesen herum auch eine ganze Industrie aus Merchandising und PR. Das wiederum bildet die Grundlage von Filmen wie "Air: Der große Wurf" (USA, 2023), der sich mit der Zusammenarbeit zwischen Schuh-Hersteller Nike und Basketball-Star Michael Jordan beschäftigt oder "Jerry Maguire" (USA, 1996), in welchem Tom Cruise sich als PR-Agent neu erfinden muss. 

Auch außerhalb dieses filmischen Kosmos kann Sport natürlich in anderen Genres vorkommen. So kann der Sport, den eine Figur macht, ein Set-Up für Fähigkeiten sein, auf die diese später im Handlungsverlauf zurückgreift. In dem Alligator-Horror "Crawl" (USA, 2019) will die Protagonistin ihren Vater aus einem Unwetter-Gebiet in Florida retten, das unter Wasser steht. Ihre zu Beginn des Films eingeführte Leidenschaft für den Schwimmsport wird dabei zu einem wichtigen und plausiblen Überlebensfaktor.

Außerdem kann der Sport Emotionen vermitteln beziehungsweise als Metapher fungieren. Etwa, wenn ein Ermittler in einem Krimi joggen geht. Gerät dieser dabei an seine Grenzen, ist das symbolisch, wie dieser mit dem Fall zu kämpfen hat. Eine sehr deutliche Metapher findet man im Tennis-Sport in Luca Guadagninos "Challengers" (USA, 2024), in dem das Hin- und Her des Balls auf dem Tennisplatz auch für die Dynamik zwischen den drei Protagonisten steht.

 

Rennsportfilme:

  • "F1" (USA, 2025) - Regie: Joseph Kosinski 
  • "Tage des Donners" (USA, 1990) - Regie: Tony Scott
  • "Driven" (USA, 2001) - Regie: Renny Harlin
  • "Ricky Bobby - König der Rennfahrer" (USA, 2006) - Regie: Adam McKay

 

Kampfsport:

  • "Karate Kid" (USA, 1984) - Regie: John G. Avildsen
  • "Rocky" (USA, 1976) - Regie: Sylvester Stallone
  • "Million Dollar Baby" (USA, 2004) - Regie: Clint Eastwood

 

Tennis:

  • "Challengers" (USA, 2024) - Regie: Luca Guadagnino
  • "Borg vs McEnroe" (USA, 2017) - Regie: Janus Pedersen


Fußball:

  • "Mean Machine" (GB, 2001) - Regie: Barry Skolnik
  • "Shaolin Soccer" (HK, 2000) - Regie: Steven Chow
  • "Das Wunder von Bern" (DE, 2004) - Regie: Sönke Wortmann
  • "Deutschland. Ein Sommermärchen" (DE, 2006) - Regie: Sönke Wortmann
  • "Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen" (DE, 2011) - Regie: Aljoscha Pause
  • "Der ganz große Traum" (DE, 2011) - Regie: Sebastian Grobler
  • "Fußball ist unser Leben" (DE, 2000) - Regie: Tommy Wigand
  • "Die wilden Kerle" (DE, 2003) - Regie: Joachim Masannek
  • "Trautmann" (DE/GB, 2018) - Regie: Marcus H. Rosenmüller
  • "Blue Lock" (JP, 2022) - Regie: Tetsuaki Watanabe/Yuji Haibara
  • "Mission Sommermärchen" (DE, 2026) - Regie: Simone Schillinger/Florian Nöthe

 

Baseball:

  • "Moneyball" (USA, 2011) - Regie: Bennett Miller
  • "Die Bären sind los" (USA, 1976) - Regie: Michael Ritchie 
  • "Hardball" (USA, 2001) - Regie: Brian Robbins
  • "Eine Klasse für sich" (USA, 1992) - Regie: Penny Marshall

 

Basketball:

  • "Coach Carter" (USA, 2005) - Regie: Thomas Carter 
  • "Nowitzki. der perfekte Wurf" (DE, 2014) - Regie: Sebastian Dehnhardt
  • "Jim Carroll - In den Straßen von New York" (USA, 1995) - Regie: Scott Kalvert
  • "Weiße Jungs bringen's nicht" (USA, 1992) - Regie: Ron Shelton
  • "Out of Play - Der Weg zurück" (USA, 2020) - Regie: Gavin O' Connor
  • "Air: Der große Wurf" (USA, 2023) - Regie: Ben Affleck
  • "Space Jam" (USA, 1996) - Regie: Joe Pytka

 

Eiskunstlauf:

  • "I, Tonya" (USA, 2017) - Regie: Craig Gillespie
  • "Die Eisprinzen" (USA, 2007) - Regie: Will Speck & Josh Gordon

 

Golf:

"Happy Gilmore" (USA, 1996) - Regie: Dennis Dugan

 

Weitere Beispiele: "The Blind Side" (USA, 2009) - Regie: John Lee Hancock, "Dodgeball" (USA,2004) - Regie: Rawson Thurber, "Spiel ohne Regeln" (USA, 2005) - Regie: Peter Segal, "Marty Supreme" (USA, 2026) - Regie: Josh Safdie

 

Thema: Filmtheorie Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Filmtheorie. Mehr zur Filmtheorie
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