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Aus Memes werden immer öfter Kinofilme... (KI-Illustration)

 

In unserem Artikel über das Sehverhalten der Leute und wie Hollywood dieses erfasst ging es bereits kurz um das Thema Memes und Filme. Memes können aus Filmen entstehen und auch über sie gemacht werden - wenn sich der Ersteller beispielsweise über Castingentscheidungen etc. lustig machen will. Doch erstmal der Reihe nach:

Was sind Memes?

Memes sind verschiedene Medieninhalte wie Bilder oder Videos, die zumeist in einen humoristischen, satirischen oder gesellschaftskritischen Kontext überführt werden. Im Grunde kann jeder ein Meme erstellen. Mitunter gehen diese viral und schaffen auch Trends, die dann von weiteren Memes aufgegriffen werden - also etwa zu Templates werden. 

Blicken wir auf zwei aktuelle Beispiele "Obsession" (USA, 2026) und "Backrooms" (USA, 2026). Bei "Obsession" gingen Clips aus dem Trailer über TikTok viral, in denen Hauptdarstellerin Inde Navarette in den Fokus rückte. Der Inhalt des Films sowie die starken Mimiken der Schauspielerin wurden dabei schnell zu Memes zu Themen rund um die Prämisse des Films beziehungsweise auch weitläufigere Themenbereiche. Diese Memes erzeugten natürlich Aufmerksamkeit, denn "Obsession" war in aller Munde und Social-Media-Feeds. Der Film wurde dadurch nicht nur beworben, sondern auch zu einem Teil der Internet-Kultur und damit wiederum zu einem eigenen Phänomen, das man schon ob der Memes nicht verpassen wollte. Aus diesem Erfolg entstanden wiederum mehr Memes, die sich weiter verbreiteten und das momentum des Films aufrecht erhielten. Memes waren bei "Obsession" sicherlich nicht der alleinige Faktor - gute Rezensionen, ein gelungener Trailer und natürlich auch Mundpropaganda online haben ihren Anteil an dem Erfolg, der durch die Memes ausgeweitet und gefestigt wurde.

"Backrooms" war bereits vor dem Kinofilm ein Meme - das ganze Konzept als solches geht im Grunde auf ein Meme aus einem Forumspost zurück. Zunächst wurde das Konzept der unendlichen, surrealen Hinterräume auch überwiegend rein für Memes genutzt, da entweder Inhalte in mittelmäßiger bis lachhafter Qualität - ob als Video, Spiel oder ähnliches - oder direkt Verballhornungen des Konzepts in Memeform entstanden. Mit der Version, des späteren Regisseur der Spielmfilmadaption, Kane Parsons, änderte sich das und aus seiner Videoreihe wurde ersichtlich, welches Potential in dem Konzept liegt. Diese Reihe ging viral - wiederum auch durch Memes, etwa Parodien in Parsons' Stil. Der Film hatte dadurch bereits im Vorfeld ein Publikum und das Konzept war bereits vielen bekannt. Durch Parsons' Projekt aber auch die nahezu durchgehende virale Verbreitung und Reproduktion von "Backrooms"-Inhalten kam der Film verpasste der Film zudem auch nicht sein Momentum - darauf wird später noch eingegangen. Aus dem Film selbst wiederum entstanden natürlich auch Memes - die unter anderem auch die Erwartungshaltung einiger Kinogänger persiflierten, die sich wohl eben einen Meme-Film erhofft hatten - durch die der Film selbst ebenfalls seinen Platz in der Internetkultur etablierte und ein ähnliches Momentum wie "Obsession" aufbauen konnte, wen auch nicht im gleichen Umfang. 

Es ist also bereits ersichtlich, dass Memes ein gewaltiger Erfolgs- und PR-Faktor für Filme sein können, der aber nicht von den Studios ausgeht, sondern vom Publikum getragen wird. Was memefähig ist und was nicht, ist dabei nur schwer zu sagen - und ist somit auch nicht wirklich steuer- oder replizierbar. 

Chicken Jockey

Memes zu einem Film können mitunter eine ganz eigene Dynamik entfalten. Beispielsweise lag der Erfolg des "Minecraft"-Films (USA, 2025) ebenfalls in Memes begründet. Hier hatten die Memes nochmal einen deutlich ironischeren Charakter, die eher auf die Absurdität eines Live-Action "Minecraft"-Films und dessen entsprechende, wohl fast schon als selbstironische Umsetzung, abzielten. Die gewollte oder ungewollte schlechte Qualität der Effekte, der bizarre Plot und weitere Elemente luden zu Memes und Parodien ein. Besonders zu einem viralen Meme wurde dabei ein Moment des Trailers, in dem Jack Black einen aus dem Spiel bekannten Chicken Jockey als eben solchen tituliert. Um die Szene entstand ein ironischer Hype, der aus dem Meme wieder ein eigenes Meme schuf: So filmten sich junge Kinogänger, wie sie bei der entsprechenden Szene im fertigen Film ausrasteten, Popcorn umherschleuderten oder sogar ein echtes Huhn in den Saal brachten.

 

Das Verhalten der Zuschauer wird zum eigentlichen Film-Ereignis (KI-Illustration)

 

Hier stand nicht mehr der Film im Mittelpunkt, sondern das Meme zum Meme, das ein eigenes Phänomen wurde, an welchem ein gewisser Teil der Zuschauerschaft teilhaben wollte. Nun ging es darum, Teil dieses Phänomens zu werden und damit auch selbst Reichweite zu generieren - indem man immer noch einen draufsetzte. Ein lebendiges Huhn in eine Vorstellung  zu bringen, war sicherlich ein seltsamer und fragwürdiger "Höhepunkt" dieses Memes. Durch die fachfremde Berichterstattung über verwüstete Kinosäle bekam das Ganze natürlich noch mehr Aufmerksamkeit. Wie schon in unserem Artikel zur Geschichte der Trailer angesprochen, fällt "Minecraft" damit in eine ähnliche Kategorie wie "Meet Joe Black" (USA, 1998). Das Drama wurde damals nur zu einem Kassenerfolg, weil der Trailer zu "Star Wars: Episode I" (USA, 1999) gezeigt wurde. Nun hat das Spiel "Minecraft" natürlich eine rieisge Popularität erfahren und dementsprechend ein großes Publikum, wodurch er vermutlich so oder so zu einem ordentlichen Erfolg geworden wäre - durch die Memes wurde er jedoch zu einem Phänomen, das viele eben nur wegen der Memes schauten - zum Leidwesen zahlreicher Angestellter, die den Saal nachher aufräumen durften. 

Ein anderes Beispiel lieferte die "Minions"-Fortsetzung von 2022: Hier strömten zahlreiche Gen-Z-Kinogänger in Anzug und Krawatte ins Kino, was ebenfalls zu einem Meme-Trend wurde. Auch hier spielt das ironische Schauen des Films - unabhängig von seiner Qualität - eine Rolle. Die gelben Kerlchen aus den "Despicable Me"-Filmen sind ja seit Jahren Gegenstand eigener Memes, die vor allen Dingen ein älteres (Boomer-)Publikum ansprechen und von diesem etwa für Guten-Morgen-Grußkarten und Vergleichbarem genutzt werden. Diese Boomer-Memes werden oft wiederum von den jüngeren Generationen bissig persifliert. Memes werden also selbst durch Memes ironisiert. Dazu gehörte eben auch der feine Dresscode zum "Minions"-Film, also der ironisch ernste Umgang einer Generation mit einer Filmreihe, die als untere, ja gar nervige Form der Unterhaltung für Kinder und ältere Erwachsene wahrgenommen wird. Diese Botschaft muss den jeweiligen Aktionen dabei aber gar nicht mal innewohnen, denn wie schon bei "Minecraft" werden viele solcher Memes zu eigenständigen Trends, bei denen mehr und mehr die Teilhabe daran im Vordergrund steht.


Barbenheimer, Morbin-Time und die falschen Lehren

Hollywood hat natürlich ein Interesse an der viralen Verbreitung von Filmen, weswegen ja auch Influenzer längst ein wichtiges Marketingtool für die Studios geworden sind. Memes und virale Hits lassen sich jedoch - wenn überhaupt - nur sehr bedingt von oben steuern. Sie sind eben ein unvorhersehbares Produkt der Masse, das eigenen, nicht immer durchsichtigen Gesetzen folgt. Versuchen die Studios, daran teilzuhaben oder Memes zu forcieren, hat das oft sogar den gegenteiligen Effekt. 2023 wurde "Barbenheimer" zu einem Meme: Zeitgleich kamen Greta Gerwigs "Barbie", eine quietschbunte, satirische Komödie und Christopher Nolans Drama-Biopic "Oppenheimer" über den Vater der Atombombe in die Kinos. Zwei gänzlich unterschiedliche Filme also, die auch unabhängig voneinander Hits geworden wären. Der Hype um beide Filme und das gleiche Release-Fenster führte jedoch zum "Barbenheimer"-Phänomen, das sich durch Memes audrückte, die die Thematiken und Genres der beiden Filme überkreuzten und spaßig gegenüberstellten.

 

Das Kinoerlebnis im Saal wird Teil des Filmerlebnis (KI-Illustration)

 

So wurde es zu einem Trend für das "Oppenheimer"-Publikum, natürlich auch "Barbie" zu schauen - und umgekehrt. Beide Filme wurden so gleichzeitigg zu riesigen Hits. Seitdem versucht Hollywood verzweifelt, dieses Phänomen zu replizieren, was stets gescheitert ist. Das liegt daran, dass sich virale Memes und Phänomene nicht planen lassen - sie entstehen spontan. Die Versuche Hollywoods sind frei von dieser Spontanität und folgen einem durchschaubaren Kalkül, das auf das Publikum befremdlich und zynisch wirkt. Auch fehlte bisherigen Unternehmungen, den hype zu wiederholen eben genau das: Der Hype. Beispielsweise gab es Versuche, aus den Releases des Kinderanimationsfilms "Paw Patrol" (USA, 2023) und des Horrorfilms "Saw X" (USA, 2023) "Sawpatrol" zu schaffen. Beide Filme hatten jedoch bei Weitem nicht den Hype hinter sich, wie "Barbie" und "Oppenheimer". Außerdem sprechen beide Filme jeweils eine deutlich spezifischere Zielgruppe an, die auch eine deutlich geringere Schnittmenge hat. "Paw Patrol" richtet sich an junge bis sehr junge Kinder und Familien, "Saw" an hartgesottene Horror-Fans über 18. Die Marketing-Idee dürfte dabei sicherlich auch eher geschmacklos und verzweifelt gewirkt haben. Zudem war "Barbenheimer" eben auch ein einmaliges Ding, ein Witz, der auserzählt war und sein Momentum hatte.

Hier war das Scheitern eines Memes von oben nicht so gravierend, denn "Paw Patrol" und "Saw X" waren trotzdem erfolgreiche Filme. Sehr viel schwerer wiegte da Sonys Fehleinschätzung bei der eigenen Marvel-Comic-Verfilmung "Morbius" (USA, 2022). Der Vampirfilm floppte nicht nur wegen Covid an den Kassen, sondern wurde wegen seiner Generik und schlechten Qualität von Kritik und Zuschauern verrissen. Auch hier wurde der Film schnell von Communities aufgegriffen, die ironisch den Film zu einem Meisterwerk stilisierten. Besonders die nicht im tatsächlichen Film enthaltene Catchphrase "It's Morbin time" - eine Anspielung auf die Catchphrase der Power Rangers - wurde zu einem Running Gag. Verantwortliche bei Sony Pictures interpretierten die Memes wohl als ein tatsächliches Zeichen des Interesses an dem Film - oder wollten zumindest die Aufmerksamkeit aus dem Veriss ausnutzen - und so wurde der Kassenflop, der eigentlich schon aus den Kinos verschwunden war, doch nochmal auf die Leinwände gebracht...um gleich nochmal rote Zahlen zu schreiben. Der Re-Release wurde natürlich wieder zum Meme-Material. Scherzhaft wurde behauptet, Trillionen-Tickets wurden verkauft.

Auch Warner Brothers wollte den Meme-Hype um den oben bereits erwähnten "Minecraft"-Film ausnutzen und veranstaltete daher Meme-Along-Screenings, die die bestehenden Memes weiter verbreiten und neue erzeugen sollte. Besagte Screenings sollten natürlich auch verhindern, dass zu viele reguläre Vorstellungen von Memern gestört werden. Zu dem Erfolg der Meme-Along-Vorstellungen gibt es keine offiziellen Angaben, laut Quellen wie Dexerto waren diese jedoch ein ziemlicher Flop, der aber dem Gesamterfolg des Films keinen Abbruch tat. Das Scheitern der Sondervorstellungen liegt laut dem Portal unter anderem darin, dass der Hype vor allen Dingen in den ersten zwei bis drei Wochen ablief und die Meme-Vorstellungen erst wesentlich später ins Programm aufgenommen wurden. Zudem spielt hier eben auch der Regelbruch durch das Meme eine Rolle - es ist ein rebellisch-ironischer Akt, der durch die Autorisierung der Studios eben wieder eine zynische Komponente bekommt, die dem Ganzen den Wind aus den Segeln nimmt.

 

Mit dem Kopf gegen die Wand

Aktuell sieht es auch nicht danach aus, dass die Studios aus diesen Erfahrungen lernen. Die Erfolge von "Backrooms" und "Obsession" haben Hollywood nicht gezeigt, dass man eventuell mehr junge, talentierte Filmemacher mit einem kleineren Budget freie Hand geben sollte, sondern das Memes das nächste große Ding sind. Deswegen lassen die Studios gerade sämtliche Foren durchforsten und sich Lizenzen für bestehende Artworks und IPs sichern. Unter anderem erwartet uns ja von Michael Bay ein "Skibbidi Toilet"-Film. Die bizarre Videoreihe hatte vor Jahren ihren kurzen Hype - konnte sich allerdings nicht im kulturellen Gedächtnis halten. Mit dem Aufgreifen des Memes durch die alten Medien - zum Beispiel in US-Late-Night-Shows - war dieses tot. Aus der Geschichte Hollywoods lernt man, dass die Filmindustrie entweder nichts lernt oder das falsche - und so werden wieder Memes forciert werden. Einige wird es zu den kommenden Filmen sicherlich geben, aber wohl wieder mal nicht in dem Sinne, wie sich die Studio-Verantwortlichen das ausgemalt haben. 

 

Thema: Filmtheorie Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Filmtheorie. Mehr zur Filmtheorie
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