
Wer ohne Klimaanlage bei 30 Grad im Dachgeschoss Lawrence of Arabia nachsstellen kann, weiß, der Sommer hat nicht nur schöne Seiten. Auch in Filmen kann Hitze eine wichtige Rolle spielen. Sie dient als ein erzählerisches und atmosphärisches Mittel, das zugleich auch eine Gefahr und Hürde für die Protagonisten darstellen kann. Die tatsächliche Hitze verläuft oft auch parallel zum Spannungsbogen eines Films, bei dem sie Auslöser oder Einflussfaktor sein kann.
In "12 Angry Men" (USA, 1957) wollen die Geschworenen - auch wegen des heißen Wetters - schnellstmöglich ihr Urteil fällen. In dem engen Diskussionsraum erhitzen sich über den Streit um die Schuld oder Unschuld des Angeklagten die Gemüter, was auch der Temperatur im Raum geschuldet ist. In "Falling Down" (USA, 1993) ist es eine Hitzwelle, die den im Stau stehenden Protagonisten, gespielt von Michael Douglas, zur Weißglut treibt, die zu seinem Amoklauf unter der sängenden Sonne in LA führt. Die gleiche Stadt wird auch zu einem hitzigen Schauplatz in "Predator 2" (USA, 1990), bei dem der gefürchtete außerirdische Jäger im Großstadtdschungel landet, der diesem Namen dank tropischer Temperaturen alle Ehre macht. In dem Film "Hundstage" (USA, 1975) mit Al Pacino wird die Hitze ebenfalls zu einem Eskalationsfaktor in dem Kammerspiel rund um einen Banküberfall - und zu einer Waffe gegen die Bankräuber, als die Polizei die Klimaanlage abschaltet. Die Gefahr, die von Hitze ausgeht, ist natürlich auch mit einem zeitkritischen Element verbunden, das insbesondere in Wüsten-Settings zum Einsatz kommt. Inmitten karger Landschaften ist Wasser eine wichtige und knappe Ressource, der Weg zurück in die Zivilisation oberste Priorität. Ein Beispiel findet hierzu ist "Der Flug des Phönix" (USA, 1965). Darin muss die Besatzung einer abgestürzten Transportmaschine um James Stewart das Flugzeug wieder flott kriegen, um der erbarmungslosen Sahara-Wüste zu entkommen.
Um einen ganzen Wüsten-Planet geht es in "Dune" (USA, 1984/2021). Die harschen Bedingungen auf Arakis bedingen Kreaturen wie die Riesensandwürmer und fordern Anpassung (etwa durch die Stillsuits) - kurzum: Die Hitze trägt zum Worldbuilding bei. Wie eine andere Welt erscheint Mexico. Vor allen Dingen "Breaking Bad" hat den sogenannten "Mexico-Filter" populär gemacht, bei dem alles unterhalb der US-Grenze in ein tiefes Orange getaucht wird. Das zeigt nicht nur Hitze, sondern dient auch als direkte visuell-geographische Einordnung - und steht auch für Gefahr. Gefahr und Hitze gehen auch Hand in Hand in Tobe Hoopers Slasher "The Texas Chainsaw Massacre" (USA, 1974). Bei brütender Hitze landet eine Gruppe Teenager aufgrund von Spritmangel in der amerikanischen Pampa. Die - tatsächlich während der Dreharbeiten herrschende - Hitze wird nicht nur durch die knalligen Farben visualisiert, sondern trägt selbst zu der verstörenden Atmosphäre bei, die ihren Horror auch aus dem Ekelfaktor bezieht. Von den Klamotten, über die verschwitzten Darsteller und natürlich das unheilvolle Haus, in welchem - auch dank der Temperaturen - Fleisch verwest. Somit ist der Erstling der Reihe auch einer der Filme, die die Wirkung ihres Wetters besonders effektiv nutzen und diese Wirkung auf den Zuschauer übertragen.
Wie Hitze dargestellt wird
Der erwähnte "Mexico"-Filter ist eine beliebte Darstellungsform für Hitze. Entweder in der Postproduktion oder auch schon beim Dreh, etwa durch den Einsatz bestimmter Linsen und natürlich das Drehen an heißen Tagen/Locations können Hitzewellen, also wärmebedingte Luftverzerrungen dargestellt werden. Ebenfalls am Set kann durch Gegenlicht, Überbeleuchtung und Lichteffekte wie Lens Flares Hitze visualisiert werden. Hitze kann natürlich nicht nur für die filmischen Figuren, sondern auch den Dreh selbst eine Herausforderung sein. Wer wissen will, wie man bei Hitze dreht, wird hier fündig.
Filme die mit und in der Hitze spielen
- "12 Angry Men" (USA, 1957) Regie: Sidney Lumet
- "Der Flug des Phönix" (USA, 1965) Regie: Robert Aldrich
- "The Texas Chainsaw Massacre" (USA, 1974) Regie: Tobe Hooper
- "Hundstage" (USA, 1975) Regie: Sidney Lumet
- "Predator 2" (USA, 1990) Regie: Stephen Hopkins
- "Falling Down" (USA, 1993) Regie: Joel Schuhmacher
- "Breaking Bad" (USA, 2008) Creator: Vince Gilligan
- "Dune" (USA, 1984/2021) Regie: David Lynch (1984)/ Denis Villeneuve (2021)
