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Verliebtes Paar in Filmszene

Weltweit sehnen sich die Zuschauer bei Romantiv Comedies in den Kinosälen und vor Flatscreens nach einem Happy End

 

Warum Romantic Comedys unsere Vorstellungen von Glück so leicht durcheinander bringen. Sie sind eine Variation, eine Spielart der Liebesfilme, weil sie letztlich immer eine Happy-End Garantie einlösen. Zuschauer lieben Filme wie "Schlaflos in Seattle" (1993), "Pretty Woman" (1990) oder "Notting Hill" (1999) nicht zuletzt, weil sie Menschen dabei zusehen können, wie sie trotz vieler Irrungen und Wirrungen am Ende zueinander finden, ein Happy End erleben. Was fast alle diese Filme allerdings vermeiden, ist es, zu zeigen, wie es mit den Hauptfiguren weitergehen könnte.

Denn wenn man sich das mal realistisch anschaut, dann frieren diese Filme in unserem Gedächtnis eigentlich nur den Höhepunkt, den Happy-End Zustand ein und hinterfragen gar nicht, wie es danach eigentlich aussehen würde. Die meisten klassische Happy-End-Filme erzeugen den Eindruck, dass vom Erreichen der im Film formulierten Ziele an, alles automatisch gut bleibt. Sie lassen die Frage gar nicht erst aufkommen, was Konflikte, Veränderungen, Gewohnheiten etc. mit den erreichten Erfolgen tun werden. Sie blenden erfolgreich aus, dass das Happy End ja eigentlich erst der Anfang von einem beginnenden neuen Lebensabschnitt ist, von dem wir gar nicht wissen, welche Herausforderung dieser mit sich bringen wird.

Wer weiß denn schon, wie es mit Vivian Ward (Julia Roberts) und Edward Lewis (Richard Gere) aus "Pretty Woman, mit Anna Scott (Julia Roberts) und William Thacker (Hugh Grant) aus "Notting Hill" oder Sam Baldwin (Tom Hanks) und Annie Reed (Meg Ryan) aus "Schlaflos in Seattle" in den folgenden Jahrzehnten nach dem glücklichen Ende der Filme wirklich ergangen ist? Ja zugegeben, in "Notting Hill" wurde am Ende noch ein wenig in die Zukunft geschaut, aber wie es den beiden darüber hinaus erging, wissen wir nicht. In den 1980er Jahren wurde die Liebe stets als das Ziel des Films definiert und idealisiert.

Die Psychologie hat inzwischen nämlich ein deutliches Problem bei vielen Zuschauern identifiziert, was daher rührt, dass sie das Schema dieser Film, dass Menschen sich begegnen, Schwierigkeiten überwinden müssen, sich kennenlernen und zueinander finden auch von ihrem eigenen Leben so erwarten. Eigentlich wissen die Zuschauer, dass so ein Kinofilm vor allem der Zerstreuung dient und nicht die Realität abbildet, doch man nimmt Filme ja selten nur rational auf, sondern viel stärker emotional.

 

Nur Kino-Unterhaltung?

Tatsächlich ist das Zusammenkommen, das was in der Romantic Comedy der Höhepunkt ist, ja eigentlich erst der Beginn von Beziehungen, die danach einen mehr oder weniger langen Weg vor sich haben: Das Leben. Viele Menschen erwarten jedoch, dass dieser Höhepunkt, dieses Erreichen eines Ziels für Immer und Ewig Glück und Zufriedenheit bedeutet. Und wenn sich aber im echten Leben heraustellt, dass dieser Glücksmoment nicht lange anhält und der Alltag ganz andere Anforderungen stellt, resultiert daraus Enttäuschung und Unzufriedenheit. 

Es ist aber ein Denkfehler, eine falsche Annahme, welche der Harvard-Professor Dr. Tal Ben-Shahar als "Arrival fallacy" bezeichnet. Gemeint ist, dass viele Menschen meinen, dass wenn sie berufliche oder private Ziele erreicht haben, sie danach immer glücklich und zufrieden sein werden. Ein wenig so, wie die Formel am Ende vieler Märchen lautet: "Und sie lebten glücklich und zufrieden und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute..."

Die Psychologie hat längst nachgewiesen, dass der Glückseffekt nach derartigen Erfolgen in aller Regel nur recht kurzfristig anhält. Es gehört zu den Eigenschaften von Menschen, dass sie sich schnell an den erreichten Zustand gewöhnen, er wird normal und die Zufriedenheit und die Glücksgefühle nehmen ab. Die Forschung geht sogar davon aus, dass Menschen, die in ihrer Jugend oder dem frühen Erwachsenenalter mit den vielen in den 1980er- und 1990er-Jahren mit dem filmischen Erzählmuster "Erfolg macht Glücklich" aufgewachsen sind, anfälliger für die "Arrival fallacy" zu sein. Sie glauben an einen Mythos, den das Kino damals besonders intensiv bedient hatte.

 

Streitendes Paar

Romantic Comedies blenden völlig aus, wie es mit den "glücklichen Paaren" Jahre später weitergeht

 

Es fällt manchen Menschen nicht leicht, sich das klar zu machen, dass es gar nicht irgendwelche Ergebnisse sind, nicht das Erreichen gesetzter Ziele ist, was zählt sondern der Prozess des Lebens, der eigenen Entwicklung und eine gewisse Zufriedenheit aus dem, was man hat, statt süchtig danach zu sein, immer neue Ziele durchzusetzen, um wieder ein kurzes Glücksgefühl zu erreichen. Die Konsumgüterindustrie nutzt dies Sucht nach den kurzen Glücksgefühlen jeden Tag aufs Neue aus.

 

Problematisch?

Sollte man das romantische Erzählen, welches es ja nicht nur im Film sondern viel häufiger noch in der Literatur gibt, deswegen verdammen? Sollte man knallharten Realismus einfordern oder die Märchenklassiker umschreiben und ihnen mehr Alltagskrisen und Beziehungskonflikte hinzufügen? Sicher nicht, schließlich bedienen diese Filme und Romane ja eine ganz deutliche Sehnsucht in den Menschen. Zugleich stellt sich natürlich die Frage, wie Romantic Comedies sich im Laufe der Jahrzehnte verändert haben und ob und falls ja, sich vielleicht doch etwas mehr Wirklichkeit in die Happy Ends eingschlichen hat.

Tatsächlich kann man sagen, dass es zumindest leichte Veränderungen bereits in den 1990er und 2000er Jahren gegeben hat. Während es in den 80er und 90er Jahren eine Reihe erfolgreicher britischer Ensemble-Komödien nach ähnlichem Strickmuster gegeben hat, waren viele Romcoms des neuen Jahrtausends ambivalenter, sentimentaler, selbstkritischer, hatten nicht selten auch ernste, ja schmerzliche Elemente. Kurzum man spürte eine gewisse, vorsichtige Annäherung an die Lebensrealitäten. Aber nur so weit, wie es ein romantisches Liebesmärchen nunmal zulässt.

 

Romantic Comedies ab den 80er Jahren

  • "When Harry Met Sally..." (Regie: Rob Reiner, USA 1989): Zwei New Yorker diskutieren über Jahre darüber, ob Männer und Frauen befreundet sein können – bis ihre Beziehung selbst sich massiv verändert.
  • "Pretty Woman" (USA 1990, Regie Gary Marshall): Ein reicher Geschäftsmann und eine Prostituierte verlieben sich und kommen am Ende zusammen.
  • "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" (GB 1994, Regie: Mike Newell): Ein Lebenskünstler, der schon einige Hochzeiten seiner Freunde begleitet hat, lernt ene junge Amerikanerin kennen in die er sich verliebt. Allerdings versäumt er es, sie zu fragen, ob sie ihn heiraten möchte...
  • "Die Hochzeit meines besten Freundes" (Regie: P. J. Hogan, USA 1997): Eine Frau bemerkt zu spät, dass sie ihren besten Freund liebt, und versucht, seine Hochzeit zu sabotieren.
  • "E-Mail für Dich" (Regie: Nora Ephron, USA 1998): Zwei Geschäftsgegner verlieben sich anonym im Internet – ohne zu wissen, wer der andere ist.
  • "Die Braut die sich nicht traut" (USA 1999, Regie Garry Marshall): Ein Zeitungskolumnist schreibt über eine junge Frau, die schon mehrere Male jeweils vor ihrer eigenen Trauung geflüchtet ist.
  • "10 Dinge, die ich an dir hasse" (Regie: Gil Junger, USA 1999): Widerwillige Liebe zwischen zwei Teenagern.
  • "Notting Hill", GB, USA 1999, Regie: Roger Michell: Eine berühmte Schauspielerin (Julia Roberts) lernt zufällig einen Londoner Buchhändler kennen und verliebt sich in ihn. Doch ihre Berühmtheit steht zwischen den beiden,- so wird die Beziehung auf allerlei Proben gestellt, bevor die beiden am Ende tatsächlich zusammenfinden können.
  • "Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück" (Regie: Sharon Maguire, GB 2001): Eine chaotische Single-Frau führt Tagebuch über Liebe, Karriere und Selbstoptimierung – mit turbulenten Folgen.
  • "Manhattan Love Story" (USA 2002, Regie: Wayne Wang): Die attraktive Marisa hat eine Affäre mit einem erfolgreichen Politiker. Allerdings nimmt dieser an, dass Marisa sehr wohlhabend ist - in Wahrheit arbeitet sie als Zimmermädchen in dem Luxushotel, in dem sie zusammentrafen. (Hauptrollen: Jennifer Lopez und Ralph Fiennes)
  • "Wedding Planer" (USA, D, GB 2001, Regie: Adam Shankman): Eine Hochzeitsplanerin ist zwar absolut souverän, wenn es um die Organisation von Hochzeiten geht, doch privat eher unbegabt eigene Gefühle zu organisiseren. Dann verliebt sie sich in einen Kinderarzt, der ihr Leben rettet. Dieser ist mit ihrer Kundin verlobt...
  • "Liebe braucht keine Ferien" (Regie: Nancy Meyers, USA 2006) Zwei Frauen tauschen für die Ferien ihre Häuser – und finden dabei unerwartet die Liebe.
  • "Crazy, Stupid, Love" (Regie: Glenn Ficarra & John Requa, USA 2011): Ein frisch getrennter Mann wird von einem Frauenhelden in die Kunst des Datings eingeführt – mit überraschenden Verbindungen zwischen den Figuren.
  • "To All the Boys I've Loved Before" (Regie: Susan Johnson, USA 2018): Die Liebesbriefe einer Teenagerin werden versehentlich verschickt und sorgen für unerwartete romantische Verwicklungen.

 

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