
Seit über 50 Jahren ist der Heavy Metal ein stabiler Bestandteil der weltweiten Popkultur. Die Musik selbst, aber auch die verantwoltlichen Künstler und die Bildsprache der Album-Artworks, sind gefürchtet und geliebt zugleich. Dass das Phänomen Metal seinen Weg auch in andere Medien finden wird, war also unausweichlich. Dieser Artikel umreißt mit Hilfe von verschiedenen Kategorien die Art und Weise wie Metal und der Film miteinander interagieren.
Die Subkultur Metal
Doch zunächst eine kurze Exkursion zum Thema "Was ist Metal?": Metal ist sowohl Musikgenre als auch Subkultur. Als solche entstand er in den 70er Jahren als Bands wie Black Sabbath und Judas priest anfingen ihre Hardrock Musik noch härter zu spielen als ihre Vorgänger und somit bals eine neue Genrebezeichnung fällig wurde. Seit diesen Anfängen durchlief der Metal viele weitere solcher Metamorphosen, die immer wieder neue Subgenres zur Folge hatten. Neben den massentauglicheren Spielarten des Heavy Metals entwickelte sich in den 80er Jahren der Extreme Metal beginnend mit Doom und Thrash Metal, aus welchen sich im Verlaufe des Jahrzehnts auch Death und Black Metal herausbildeten. In den 90ern entstand durch die Vermischung von Metal mit anderen Musikstilen wie Pop und HipHop der Nu-Metal, welcher maßgeblich die alternative Ästhetik der 2000er Jahre prägte. Etwa zeitgleich entwickelte sich auch der Metalcore, eine Kreuzung aus Extreme Metal und Hardcore Punk, welcher auch heute noch das populärste Subgenre des Metals darstellt.
Metal is jedoch wie erwähnt nicht nur ein Musikstil. Mit der harten Gitarrenmusik ist zusätzlich eine aktive Subkultur verbunden, die sich aus vielen regionalen und subgenrebezogenen Szenen zusammensetzt, die sich jeweils durch eigene Rituale und Normen auszeichnen. Viele dieser Merkmale sind mittlerweile auch zu popkulturen Klischees geworden. Zum Beispiel sind die als Handzeichen gezeigten Teufelshörner oder der ebenfalls in vielen Formen auftretende Moshpit allseits bekannte Aspekte der Metalkultur. Doch wie greifen Filme dieses facettenreiche Phänomen auf? Um das zu erläutern werden im Folgenden verschiedenen Kategorien von Metal-Filmen vorgestellt und erklärt. Beginnen wir mit der Filmkomödie und ihrem Bezug zum Heavy Metal.
Auch Metalheads lachen mal
Schon von Beginn an findet sich unter Filmen mit starkem Bezug zur Metalkultur ein Genre auffällig oft wieder: die Komödie. Filme wie This Is Spinal Tab (USA 1984) oder Heavy Trip (Finnland 2018) bedienen sich der für ihre Zeit üblichen Klisschees über Metalheads. Satanismus, lautes, aufdringliches Verhalten, ungebrochene Libe zur Musik und exessiver Drogenkonsum, um nur ein Paar zu nennen. Die Figuren werden dabei in weiten Teilen zu Karrikaturen des üblichen Metalfans. Keine Figur verkörpert dies besser als Jack Blacks fiktionalisierte Selbstdarstellung in Kings of Rock: Tenacious D (USA 2006). Der Schauspieler und Heavy Metal Musiker spielt das Abziehbild der allgemeinen Vorstellung eines klassischen 80er-Jahre Metal Fans. Besessen von der Musik von Dio und Co., auffällig und gesellschaftlich nur bedingt kompatibel. Für die neuere Generation an Metalheads erfüllt diese zweifelhafte Stellvertreterposition der von Aidan Greensmith verkörperte Hunter aus der 2022 erschienenen Netflix-Produktion Metal Lords. Im Film wird der jugendliche Sänger einer Post-Death-Metal-Band als obsessiver, eogoistischer und oftmals sogar toxischer Metalfanatiker charakterisiert, dem es sehr schwer fällt, seine festgefahrene Vorstellung des Metal-Genres anzupassen und eine Frau in seiner Band spielen zu lassen. Es wirkt beinahe als hätte man einen Kommentar aus ein Metal-Subreddit zu einer Filmfigur gemacht.
Trotz der karrikaturesken Darstellungen ihrer selbst sind viele der genannten Filme bei den realen Metalheads sehr beliebt, da sie durch Cameos bekannter Musiker und viele Easter-Eggs die Metal-Begeisterung der Filmemacher beweisen. Zudem spiegeln die Filme in einem gewissen Maße auch das Selbstbild der Szene wieder, wodurch man sich als Metalhead in den Filmen wiedererkennt und beim gemeinsamen Schauen das für die Subkultur so wichtige Gemeinschaftsgefühl entsteht. Hierbei hilft es umso mehr, dass Komödien in erster Linie unterhalten und ihr Publikum zum Lachen bringen wollen.
Der Teufel liebt Gitarrenklänge
Das Horrorgenre hingegen will seine Zuschauern das Fürchten lehren. Das lässt sich mit dem satanischen Image des Metal bestens verbinden, weshalb der Horrorfilm neben der Komödie die meisten Verteter mit Bezug zur Subkultur hervorbringt. Oft nimmt der Metal in den betroffenen Filmen aber eine Hintergundrolle ein. Beispielsweise kann er wie in Devil's Candy (USA 2015) als charakterisierendes Element für die Hauptfiguren dienen. In Filmen wie Studio 666 (USA 2022) und Deathgasm (Neuseeland 2017) werden durch das Spielen von Metalsongs Dämonen beschworen, die folglich ein Blutbad anrichten, welches an die Albumcover vieler Extreme-Metal-Bands erinnert.
Denn auch thematisch besteht zwischen der Metal-Musik und dem Horrorfilm eine gewisse Schnittstelle. Nicht nur behandeln beide vielmals Gewalttaten, Dämonen und Geister, die Lieder vieler bekannter Metal-Bands nehmen oft auch explizit Bezug auf Horrorklassiker. In ihren Alben The Silver Sream und Welcome to Horrorwood: The Silver Scream 2 setzte die Metalcore-Band Ice Nine Kills etliche Kultfilme von Hellraiser (USA 1987) bis Saw (USA 2004) musikalisch um. Noch weiter geht die italienische Death-Metal-Band Fulci, welche sich in ihrem gesamten künstlerischen Schaffen dem namensgegebenden Regisseur Lucio Fulci und seinen Werken verschrieben hat. In ihrem Album Tropical Sun wird beispielsweise die Geschichte von Woodoo: Die Schreckensinsel der Zombies (ITA 1979) nacherzählt.
Die andächtige Seite des Metals
Auch Filmdramen greifen den Metal hin und wieder auf; allerdings deutlich seltener als die zuvor genannten Genres. Wenn Metal-Musik in Dramen verhandelt wird, dann meist als Metapher. Er steht dann stellvertretend für gesellschaftliche Umstände und Charakterzüge oder Probleme der Figuren. In "Sound of Metal" (USA/Belgien 2019) steht die Metal-Musik des Protagonisten beispielsweise für den Lebenssinn, welchen dieser mit seinem Gehör verbindet. In "Metalhead" (Island 2013) symbolisiert die Liebe zum Metal die Individualität der Hauptfigur. Die Liebe zum Metal ist hier eine Form der gesellschaftlicht Unangepasstheit, für die Akzeptanz erkämpft werden muss. Aufgrund des nischigen Charakters von Subkulturen werden Metalheads im Film oft als Außenseiter und Underdogs dargesttelt. Diese Narrative greifen eigentlich die meisten in diesem Artikel genannten Filme auf, für das Filmdrama ist es natürlich aber besonders willkommen, da Außenseitertum meist mit viel Tragik verbunden ist.
Basierend auf wahren Riffs
Das Narrativ vom Underdog und seinem Aufstieg bedient allerdings kein Genre lieber als das Biopic. Auch über Metalmusiker gibt es davon bereits ein paar Stück; das Raster könnte allerdings noch deutlich erweitert werden. Dies ist aber aufgrund der aktuellen Beliebtheit der Musiker-Biopics ohnehin eine sehr wahrscheinliche Entwicklung. 2001 erschien mit "Hysteria - Die Def Leppard Story" (USA/Kanada) schon ein frühes Biopic, dass die turbulente Geschichte der namensgegebenden Heavy Metal Band nacherzählt. Ähnlich geht geht es in den "The Dirt: Sie wollten Sex, Drugs & Rock’n’Roll" (USA 2019) zu. Der Film ist eine Verfilmung des gleichnamigen Buches und zeichnet den Verlauf der Karriere von Mötley Crüe samt aufwendigen Partyszenen und ideenreich inszenierten Drogentrips nach. Düsterer stellt sich die Geschichte des Film "Lords of Chaos" (USA 2018) da. Dieser dreht sich um die Bands der zweiten Welle des Black Metals und ist aufgrund der verbrechensreichen Geschichte dieser bestimmten Szene zum gleichen Teil Biopic und True Crime Verfilmung.
Wie bereits angedeutet gibt es neben Biopics zu den Beatles und anderen berühmten Bands auch einige geplante Projekte aus der Welt des Metals. Aus deutschen Landen erorberte in den 80er zum Beispiel die Hannover Band The Scorpions die Welt; das soll nun mit dem bei Warner in Produktion gegangen Biopic "Winds of Change" belohnt werden. Auch der oft als Mitgründer des Metals genannte Musiker Ozzy Osbourne soll ein Biopic bekommen. Zu sehen war er bereits im zuvor genannten "The Dirt". Dort wurde er von Schauspieler Tony Cavalero verkörpert, welcher wohl für den neuen Film nicht in die Rolle zurückkehren wird. Neben einem ebenfalls geplanten Bon Jovi Biopic ist aber auffällig, dass es im Bereich des Extreme Metal Subgenres keine Pläne für Biopics gibt, obwohl es auch dort viele bekanntere Bands gäbe, die sich für eine Verfilmung anbieten würden. In den Kopf kommen zum Beispiel Bands wie Death, Metallica, Slayer oder die Nu-Metal-Größen Slipknot und Linkin Park.
Musiker am Filmset
Manche Metal-Musiker wollen sich allerdings nicht nur verfilmen lassen, sondern arbeiten selbst an den Filmsets. Zum Beispiel haben Glenn Danzig und Rob Zombie selbst bei Filmen Regie geführt. Letzterer konnte nach dem Erfolg seines Debüts "Haus der 1000 Leichen" sogar eine zweite Karriere aus dem Filmemachen schöpfen, die bis heute aktiv neben seinem musiklaischen Soloprojekt weiterläuft. Für den Soundtrack des zuvor erwähnten "Studio 666" gründete Dave Grohl sogar als Side Project die Thrash Metal Band Dream Widow. Ebenfalls erwähnt wurden die häufigen Cameos bekannter Metaler, aber auch in festen Filmrollen sind Musiker des öfteren zu sehen. So zum Beispiel der Shock-Rocker Alice Copper, welcher die Hauptrolle im Werwolf-Film "Monster Dog" spielte.
Relevanteste Filme:
- This Is Spinal Tap (Rob Reiner, 1984)
- Metallica - some kind of Monster (2004)
- Kings of Rock: Tenacious D (Liam Lynch, 2006)
- Lords of Salem (Rob Zombie, 2012)
- Metalhead (Ragnar Bragason, 2013)
- Devil's Candy (Sean Byrne, 2015)
- Deathgasm (Jason Lei Howden, 2015)
- Lords of Chaos (Jonas Åkerlund, 2018)
- The Dirt: Sie wollten Sex, Drugs & Rock’n’Roll (Jeff Tremaine, 2019)
- Studio 666 (BJ McDonnell, 2022)
