
Filme die im Film entstehen
Die Entstehung eines Films von der Konzeption bis zum Gesamtwerk auf der Leinwand ist manchmal mindestens genauso, wenn nicht sogar spannender als das eigentliche Endprodukt. Making-Ofs zeigen diesen Prozess, der von vielen ineinandergreifenden Faktoren abhängig ist. Mitunter ist es dabei ein Wunder, wenn ein Film überhaupt seinen Weg auf die Leinwand findet - schließlich gibt es genug Filmproduktionen, die nie fertig wurden oder zustandekamen. Das bietet nicht nur Stoff für interessante Dokus, sondern auch Spielfilme und Serien, die den Blick hinter die Kulissen zu ihrem Gegenstand machen. Filme übers Filmemachen sind dabei keine neue(re) Erscheinung. Schon 1929 setzte sich der sowjetische Regisseur Dsiga Wertow in "Der Mann mit der Kamera" mit der Bedeutung der Kamera auseinander - und erfand zugleich neue Kamera- und Filmtechniken. Dadurch wurde die Doku sowohl als filmhistorischer, wie künstlerisch-bildender Meilenstein einige Jahre nach der Veröffentlichung anerkannt.
In Hollywood schuf Billy Wilders mit "Sunset Boulevard" von 1950 einen der bekanntesten Spielfilme des Sub-Genres. Das Drama, in dem sich zahlreiche Stars selbst verkörperten, setzte sich bereits in einer Frühphase Hollywoods mit den Schattenseiten des Filmbusiness auseinander. Persönlicher wurde der gefeierte italienische Regisseur Federico Fellini, der 1963 mit dem Drama"Achteinhalb" mit seinen eigenen Set-Erfahrungen, aber auch persönlichen Problemen - etwa der Schaffenskrise und dem Erfolgsdruck - verarbeitete. Ein ebenfalls düsteres Bild zeichnete Jean-Luc Godard ebenfalls 1963 in seinem Anti-Hollywoodfilm "Le Mépris", in dem ein Drehbuchautor sich von seiner Ehefrau, aber auch seinem eigenen Werk angesichts der Hollywood-Maschinerie entfremdet.
Das genaue Gegenprogramm dazu bietet Tim Burtons "Ed Wood" (USA, 1994), der fast märchenhaft die (in Realität wenig glanzvolle) Geschichte des titelgebenden "schlechtesten Regisseurs aller Zeiten" und seiner Filme erzählte. Dieser hatte durch Werke wie "Glen or Glenda" (USA, 1953) und natürlich "Plan 9 From Outer Space" (USA, 1959) Filmgeschichte geschrieben. Burton, als Kind mit diesen Filmen aufgewachsen, widmete dem Trash-Regisseur eine liebevolle Hommage, die die notorisch improvisierten und gehetzten Dreharbeiten der Low-Budget-Produktionen beleuchteten.
Ein weiteres Beispiel für den humorvollen Umgang mit Hollywood liefert "The Fall Guy". Schon die gleichnamige Serie, hierzulande als "Ein Colt für alle Fälle" bekannt, um einen Stuntman, der zeitgleich als Privatdetektiv tätig ist, blickte gern auf die Absurditäten an Filmsets und setzte Stuntmen ein Denkmal. Chad Stahelskis Film von 2024 mit Ryan Gosling geht noch einen Schritt weiter und parodiert rund um seine Krimi-Geschichte die typischen Produktionsabläufe- und Klischees moderner Blockbusterproduktionen - und erreichte zugleich, dass das Stunthandwerk endlich auch von den Oscars anerkannt wird.
Den Spagat zwischen märchenhaft-leicht und den Schattenseiten gelingt wiederum dem Hit-Musical "La La Land" (USA, 2016) von Damien Chazelle, das den Glanz alter Hollywood-Musical in Kontrast mit der Gegenwart des Systems stellt und darauf selbst verweist.
In voller Gänze wird die Meta-Ebene schließlich in "Garth Marenghi's Dark Place" (GB, 2004) durchbrochen. Die Serie ist in der äußeren Rahmenhandlung ein fiktives Making-Of der ebenfalls fiktiven Serie "Garth Marenghi's Dark Place". In dem Making-Of kommen sowohl Autor Garth Marenghi (Matthew Holness) als auch sein Produzent Dean Learner (Richard Ayoade) sowie Schauspieler Todd Rivers (Matt Berry) zu Wort, die auf die schwierige Produktion der titelgebenden Serie zurückblicken. Diese ist für sich genommen schon absurd und trashig produziert - die jeweiligen Szenen mitsamt Klischees und Filmfehlern werden aber durch die Rekontextualisierung auf der äußeren Ebene noch weiter pointiert. "Dark Place" wird so zu einer präzisen Parodie des klassischen Making-Ofs.
Doppelbödig
Die Meta-Ebene zu meistern, ist wohl eine der größten Herausforderungen für fiktionale Werke über Filme. Zu leicht kann man in Klischees, umgekehrt in Selbstbeweihräucherung abdriften und schnell über das Ziel hinausschießen. Ein solches Negativbeispiel wäre Charlie Days "Fool's Paradise" (USA, 2023), in dem Day einen stummen, geistig-eingeschränkten Mann spielt, der durch Zufall eine große Filmkarriere durchlebt. Dabei verliert der Film seinen satirischen Blick auf das Hollywoodsystem in einer überfrachteten Handlung.
Die Dreharbeiten an einer Doku erlebt der Zuschauer wiederum als eigentlichen Film in dem Found-Footage Horror "The Blair Witch Project" (USA, 1999), der seinen dokumentarischen Überbau sehr geschickt vorgaukelt. Einem ähnlichen Prinzip unterliegen die meisten Found-Footage-Filme, deren Look und Stil durch den Verweis auf die eigene Gemachtheit entstehen.
Zum doppelten Boden wird die filmische Ebene in dem spanischen Drama "Tambien la lluvia" (ES, 2011). Darin dreht ein Filmteam aus Spanien in Bolivien einen Film über die spanischen Kolonisten. Eines der einheimischen Cast-Mitglieder kämpft dabei gleichzeitig gegegn einen Wasserkonzern in Bolivien. Die Filmproduktion wird zu einer Außenperspektive, die zugleich die Parallelen zwischen vergangener und mooderner Ausbeutung aufzeigt.
Weitere Filme übers Filmemachen:
- "Die amerikanische Nacht" (Regie: François Truffaut, F 1973)
- "Last der Träume" (D, 1982): Werner Herzog blickt auf die schwierigen Dreharbeiten seines monumentalen "Fitzcarraldo" zurück.
- "Kein Pardon" (D, 1994): Hape Kerkelings Satire über den Wahnsinn des Unterhaltungsfernsehns
- "Be Kind, Rewind" (USA, 2008): In der Komödie von Michel Gondry zerstört Jack Black versehentlich alle Bänder in einer Videothek - und dreht dieser daraufhin mit seinem Kumpel nach
- "Tropic Thunder" (USA, 2008): Böse Satire von Ben Stiller um eine Gruppe Schauspieler, die sich beim Dreh eines Vietnamkriegsfilmes immer noch am Set wähnt und unwissentlich in reale Gefahr gerät
- "Mulholland Drive" (USA, 2001): David Lynchs alptraumhaft-surrealer Blick hinter die glanzvollen Kulissen des Showbiz
- "The Franchise" (USA, 2024): Ähnlich wie "The Studio" blickt die (mittlerweile abgesetzte) HBO-Serie mit Daniel Brühl auf die komplizierten Arbeiten an einem Supperheldenfilm
- "The Studio" (USA, 2025): Apples Comedy-Serie blickt auf die Absurditäten von der Stoffentwicklung bis zum fertigen Film

