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Eine nicht ganz ernst gemeinte Vision verschiedener Do It Yourself Scanner Variationen (KI-Illustration)

 

Die Preise für professionelles Filmscanning sind erstaunlich hoch und so träumen viele davon, sich einen günstigen Scanner selbst zu bauen. Dafür gibt es verschiedene Ansätze und wir wollen Euch die wichtigsten Verfahren vorstellen. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass es jede Menge einfachere Selbstbauprojekte gibt, man macht sich selbst etwas vor, wenn man glaubt, das sein simpel, einfach nur einen Projektor, eine Kamera, Licht, Motor, und fertig ist der Filmscanner. In Wirklichkeit ist so ein Filmscanner ist eine extrem komplexe Angelegenheit. Weshalb?- Nun so ein Scanner ist eine hochpräzise Kombination aus Mechanik und Elektronik (Mechatronik) bei dem Mechanik, Servo-Motoren, Optik, Elektronik und Software exakt miteinander synchronisiert zusammenarbeiten müssen.

 

Materialbehandlung

Es beginnt schon mal damit, dass Super 8, 16-mm und 35 mm Film wenn er alt ist, geschrumpft, gewellt oder perforationsgeschädigt ist. Um trotzdem damit umgehen zu können, muss der Scanner den Film möglichst ruckfrei transportieren und dabei jedes einzelne Filmbild exakt zwischen der Lichtquelle (LED Fläche) und dem Aufnahmeobjektiv (Makroobjektiv vor hochauflösendem Sensor) positionieren.

Der Antrieb muss also auch mit einer Schrumpfung zwiscen 0,5 und 2 % sowie beschädigten Perforationen zurechtkommen. Dafür eignen sich Scanner mit einem Capstan-Antrieb besonders gut. Er muss den Film behutsam transportieren, ohne das Material zu verkratzen. Gleichzeitig müssen optische Sensoren die Perforation präzise erfassen und die einzelne Filmbilder präzise platzieren. So ein 16-mm-Frame ist beispielsweise nur ca. 10,26 × 7,49 mm groß (1.37:1) Bereits 0,01 mm Spiel erzeugen beim Abtasten ein sichtbares Bildzittern. Und auch der Motorantrieb muss frei von Vibrationen arbeiten. All das ist allein schon mechanisch sehr herausfordernd.

 

Bildbühne

Die Mechanik eines solchen Scanner muss extrem präzise sein (KI-Illustration)

 

Die sogenannte Bildbühne samt Filmführung muss extrem präzise gefertigt sein um einen gleichbleibenden Bildstand zu gewärhleisten. Will man unterschiedliche Formate bedienen, braucht man zudem austauschbare Gates.z.B. für Normal 16, Super 16, Normal 35 und Super 35.

Die Durchlichtbeleuchtung muss trotz der kleinen Fläche extrem gleichmäßig sein, es darf also keine Hotspots oder Lichtabfall geben, es dürfen sich keine Newtonringe bilden. Die LED-Fläche muss einen hohen Farbwiedergabeindex besitzen, also einen CRI > 95. Die elektronische Gleichspannungs-Ansteuerung muss flimmerfrei sein. Im Idealfall kann man die RGB Werte verändern. Die Leuchtfläche muss ein möglichst diffuses, homogenes Lichtfeld erzeugen.

 

Kamera

Das Makroobjektiv muss eine telezentrische 1:1- Optik mit perfekter Schärfe bis in die Ecken sein,- sonst werden die Ränder verzerrt, vignetiert oder zum Rand unschärfer. Dafür eignen sich keine billigen Makrolinsen.

Die Kamera selbst sollte präzise planparallel zum Film angeordnet sein, einen echten linearen RAW-Output ausgeben können und mindestens 12, besser 14 oder 16 Bit Dynamikumfang besitzen. Analoger Film hat im Idealfall bis zu 22 Blendenstufen, um die nutzen zu können, müssen Schatten und Lichter getrennt in zwei Durchgängen abgetastet werden. Aber 12 Bit sind schon mal keine schlechte Basis. Außerdem ist ein geringes Eigenrauschen wichtig. Wegen der vielen Einzelbilder die so ein Film hat, verbieten sich Spiegelreflexkameras, wie man sie bei frühen DIY Projekten verwendet hat.

Die Kamera sollte einen Global Shutter, weil der Rolling Shutter Mikrowobble erzeugen würde. Des weiteren sollte mindestens 4K Oversampling für echtes 2K-Master) möglich sein und wenn es perfekt sein soll, sollte sogar ein monochromer Sensor für einen RGB-Sequenz-Scan (High-End) zur Verfügung stehen. Und wenn man wirklich zukunftssicher sein will, dann sollte man in 4 K Scannen.

 

Software

Natürlich muss all das sauber gesteuert und weiterverarbeitet werden. Zu den Fähigkeiten des Scanners gehören: Frame-Detection, eine automatische Stabilisierung, Staub-Mapping, Farbnegativ-Inversion (Umkehrung in farbrichtige Darstellung), Gamma-Mapping und vielleicht auch eine Wet-Gate-Simulation.

 

Aufwand vs. Qualität

Die erforderliche Präzision in der Entwicklung und Herstellung lassen es eigentlich nicht zu, dass man einen hochwertigen Filmscanner als DIY Projekt mit überschaubarem Aufwand an Zeit und Kosten bauen kann. Man wird es sicher schaffen, Film irgendwie abzufilmen, doch die professionelle Scannerqualität bleibt vorerst der professionellen Fertigung überlassen. Wir wollen Euch dennoch einen kleinen Überblick über verschiedene DIY Projekte geben.

 

Eigenbau mit Kamera-Mechanik

Einer der Ansätze besteht darin, eine alte analoge Filmkamera so umzubauen, dass sie den Film, den man scannen möchte, sauber transportiert. Dafür sind nicht alle Kameras geeignet, und außerdem sind dafür einige Probleme zu lösen:

Zunächst einmal sollte man eine Kamera verwenden, die einen sogenannten Sperrgreifer besitzt, der sorgt dafür dass das Filmbild im Moment des Belichtens, bzw. im Moment des Abfotografierens sauber und ruhig steht und der Bildstrich immer genau an der gleichenStelle bleibt. Dafür eignen sich beispielsweise die Arri 16 ST oder auch die ARRIFLEX 35 II C. Außerdem waren Kameras ja stets mit Filmkassetten ausgestatten, in denen man bei 16 mm meist maximal 120 Meter Film einlegen konnte. Längere fertige Filmkopien sind viel länger, die passen in eine Kassette hinein. Dafür muss also eine andere Art der Befestigung für Filmspulen zum Ab,- und Aufwickeln gebaut oder gefunden werden.

Außerdem muss man in die Andruckplatte der Kamera ein rechteckiges Loch ausschneiden, durch das Licht zum Beleuchten geworfen werden kann. Ein weiteres Thema wäre tatsächlich die minimal andere Größe der Perforationslöcher bei Rohfilm und bei Filmkopien. Ein weiterer Punkt, den man nicht übersehen sollte ist die Tatsache, dass das Filmmaterial durch den schrittweisen mechanischen Transport  durchaus mechanisch belastet wird. Moderne kommerzielle Scanner versuchen möglichst wenig mechanische Berührung mit dem Film selbst zu gewährleisten, damit auch älteres Material möglichst schonend gescanned werden kann.

Hier eine Youtube-Anleitung vom ersten der drei Teile, basierend auf einem Kameraumbau:

 

 

Die auf diese Weise abfotografierten RAW Bilder der einzelnen Filmbilder werden in Adobe After Effects zurechtgeschnitten, werden um 90 Grad gedreht und als 4:4:4 Video exportiert. Anschließend kann man das Video dann in Programmen wie Premiere Pro oder DaVinci farbkorrigieren.

 

Eigenbau Scanner ohne Schrittschaltwerk

Um so ein komplexes Projekt zu handeln, sollte man im Team arbeiten und tatsächlich gibt es mehrere solcher Projekte, bei denen die sogenannte Schwarm-Intelligenz gefragt war und Mechaniker, Elektroniker und Filmfachleute gemeinsam Prototypen entwickelt haben. Doch keiner war so gut, dass man ihn über die Beta-Phase hinaus weiterverfolgt hat.

Allein die unterschiedlichen Baugruppen, die benötigt werden, lassen die Kosten schnell explodieren. Man muss schon einen vierstelligen Betrag investieren, um überhaupt die Chance zu bekommen, so ein Gerät selbst zu bauen. Und dann fehlt einem noch die Erfahrung, das Knowhow und die Präzision, all diese zugekauften Elemente präzise zusammenzubauen und zum Laufen zu bringen. Denn das können eigentlich nur Ingenieure.

Es kann also durchaus sein, dass ein gebrauchter, professioneller Scanner von den Kosten her ähnlich teuer ist, wie das Selbstbauprojekt, dafür aber die notwendige Präzision und Betriebssicherheit bietet.