Movie-College Logo

Filmtrailer sind wichtige Verkaufsargumente um Zuschauer ins Kino oder an den Flatscreen zu locken (KI-Illustration)

 

Sie gehören zu jedem Kinobesuch, Festival, man sieht sie im Fernsehen und auf Social Media: Trailer. Das wahrhafte Anhängsel zum Film ist seit Urzeiten ein wichtiger Bestandteil des Filmmarketings, das Zuschauern einen Vorgeschmack auf kommende Filme geben und diese möglichst zum Kinobesuch bewegen soll. Bereits 1913 flimmerte der erste Stummfilm-Trailer auf den Leinwänden als Nils Granlund, Werbemanager für die Loew-Kinogruppe, einen ersten Trailer aus Szenen des Musicals "The Pleasure Seekers" zusammenstellte, der zu Promotionszwecken des erscheinenden Films veröffentlicht wurde. Granlund entwickelte dieses Konzept weiter und fügte beispielsweise Texttafeln und Überblendungen, aber auch eigens für den Trailer gedrehte Szenen ein. Seinen Namen hat der Trailer übrigens daher, dass er ursprünglich - wie ein Anhänger - nach den Filmen lief. Da die meisten Zuschauer allerdings nach Ende des Films die Vorführung verließen, waren Trailer eher ineffektiv - und werden deswegen vor dem Hauptfilm gezeigt. Bis in die 1950er hinein hatte in den USA der 1920 gegründete National Screen Service (NSS) das Monopol auf Trailer, die allesamt, wie auch weitere Vermarktungsmaßnahmen, von dieser Institution erstellt wurden, da sie exklusive Verträge mit allen Studios abschlaß. Ein Gerichtsbeschluß löste das Monopol der NSS im Jahre 1955 auf. 

Mit dem Verlust dieses Monopols änderten sich auch Filmtrailer ab den 1960ern radikal, denn gleichzeitig wurde ja auch der Hayes-Code abgeschafft, was das Zeitalter des New-Hollywood einläutete. Trailer verzichteten vermehrt auf Text, schnellere Schnitte und Montagen spielten eine Rolle. Für seine Trailer zu Filmen wie "Lolita" (USA, 1962) und "Dr. Strangelove" (USA, 1964) - in Zusammenarbeit mit dem Graphic Designer Pablo Ferro -bediente sich Regisseur Stanley Kubrick neuen Montagetechniken, die auch andere Trailer - zum Beispiel zu William Friedkins "The Exorcist" (USA, 1973) oder Ridley Scotts "Alien" (USA, 1979) - stark beeinflusste. Hier findet sich bereits viel, was moderne Trailer ausmacht. Ab den 1970ern ließen Studios oft nicht nur einen, sondern mehrere Trailer anfertigen, die - oft auch mit unterschiedlichen Stilen und inhaltlichen Bezügen - ein größeres Publikum anspreche sollten.

Mit dem Aufkommen von VHS wurden Trailer auch zu einem wichtigen Instrument für den Heimvideomarkt. Verleiher packten etwa Trailer zu weiteren Video- oder auch Kinoveröffentlichungen auf die Videokassette. Diese liefen mitunter vor und nach dem Film. Mit dem Aufkommen von DVDs und später Blu-Rays wurden Trailer mehr zu einem optionalen Feature, das in den Bonus-Materialien zu finden ist.

Ab den 1990ern kamen auch erste Online-Trailer auf. Columbia Pictures stellte 1993 etwa einen Trailer zu Wolfgang Petersens Thriller "In the Line of Fire" (USA, 1993) mit Clint Eastwood als AOL Download zur Verfügung. Die Hauptquelle für Trailer war aber immer noch das Kino. Das sorgte 1998 für einen immensen US-Erfolg des Films "Meet Joe Black" (USA, 1998) - denn das Drama mit Brad Pitt war einer der wenigen Filme, vor denen der Trailer zu "Star Wars: Episode I - The Phantom Menace" lief, weshalb Zuschauer einzig und allein für ebendiesen Trailer Tickets lösten, um anschließend das Kino zu verlassen. "Meet Joe Black" dürfte damit der wohl am wenigsten gesehene Kassenschlager aller Zeiten sein. 

 

"In a world..."

Während die technischen Entwicklungen die Präsentationswege für Trailer veränderten, veränderten sich auch die Präsentationsformen für Trailer. Trailer zu NSS-Zeiten bewarben Filme meist auf die gleiche Weise: Jeder neue Film war der spektakulärste, witzigste oder emotionalste Film, der je gemacht wurde. Wichtig für diese Trailer war dabei auch der Fokus auf aufkommende oder etablierte Stars, deren Strahlkraft allein schon das Publikum zum Kinobesuch bewegen sollte. Mitunter wurden mit den Darstellern der Filme auch eigene Trailer gedreht. Berühmt sind natürlich Alfred Hitchcocks Trailer, in denen der Regie-Meister persönlich durch Sets führte und den Zuschauern erzählte, welches Grauen hier stattfinden wird. Die NSS war es übrigens auch, die Voice-Over für Trailer einführte. In der Frühzeit klangen diese noch wie ein Verkäufer, der mit überdramatisierten Statements und Figuren-Einführungen den Zuschauer zu packen gesuchte. Voice-Over waren - auch wenn sich, wie oben erwähnt, neue Trailerformen etablierten, immer noch häufig genutzt. Ab den 1980ern wurde dann eine Stimme populär: Die von Don Lafonatine, der fortan in nahezu jedem Trailer zu hören war und dabei für seine Einleitung "In a world..." berühmt wurde. Dieses ominöse Voice-Over wurde zu einer Konstante in Trailern bis in die frühen 2000er hinein - und natürlich auch ein Gegenstand zahlreicher Parodien.  Mit Christopher Nolans "Inception" (USA, 2010) wurde ein weiterer Trailer-Trend in Form des sogenannten "Inception"-Horns etabliert. Fortan hatte jeder Trailer einen oder mehrere wummernde "Bwäh"-Sounds, die actionriche und dramatische Momente unterstreichen sollen. Trailer ab dieser Zeit zeichnen sich vor allen Dingen durch schnelle Schnitte, zeitgenössische Musik - die gerne auch mal tonal an die Stimmung des Films tonal angepasst wird - sowie auch häufige Teaser vor dem Trailer beziehungsweise auch einen Zusatzclip (meistens ein Gag) nach dem Abspann aus. Längst hat diese Formel auch ihre spöttischen Verisse.

 

Eine eigene Industrie

Längst haben sich Firmen auf Trailer spezialisiert. Auch Komponisten - etwa das Duo 2WEI - haben sich auf Trailer-Musik spezialisiert. Besondere Aufmerksamkeit erhielt 2016 die Trailer-Schmiede Trailer Park, die für die Comic-Verfilmung "Suicide Squad" nicht nur die Promo-Clips, sondern auch gleich den ganzen Film schnitt - was man diesem auch durch durchgängige Musikuntermalung und seltsame Edits deutlich anmerkt. Ein Trailer folgt eben auch einer eigenen Dramaturgie und einem eigenen Stil - was einen guten Trailer ausmacht, wird noch ein eigener Artikel. Besagter "Suicide Squad" war übrigens noch wegen einer anderen Kontroverse rund um die Promo in der Kritik: So kamen die meisten Szenen im Trailer, die Jared Leto als Joker zeigen, gar nicht im fertigen Film.  auch heute werden viele Szenen nur für Trailer - oder mit dem Trailer im Kopf gedreht beziehungsweise auch abgeändert. Denn Hollywood fürchtet Spoiler. Beispielsweise wurde Thors Auge im Marvel-Film "Thor: Ragnarok" (USA, 2017) digital angepasst, dass beide Augen in einer Szene leuchten, in der der Donnergott im fertigen Film zu diesem Zeitpunkt aber bereits ein Auge verloren hat. Frühere Trailer waren, was die Vorwegnahme der Handlung oder zentraler Handlungsgegenstände anging, deutlich sorgloser. Regisseur Robert Zemeckis setzte bei Trailern zu seinen Filmen wie "Cast Away" (USA, 2002) sogar auf Spoiler mit der Begründung, dass die Zuschauer wissen wollen, worauf sie sich einlassen und was sie erwarten können. Zemeckis behielt Recht und "Cast Away" wurde zu einem Hit. 

Für einen Trailer bedarf es in der Regel erstmals einem Film - sieht man von Beispielen wie "Deadpool" (USA, 2015) ab, bei dem der Trailer der Pitch war. Wer sich in einer Welt des Filmemachens zurechtfinden will und auch Schnitt-Techniken für Trailer sucht, wird hier demnächst in einem weiteren Beitrag fündig. 

 

Thema: Postproduktion Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Postproduktion. Mehr zur Postproduktion
Weitere Inhalte zu Schnitt, Nachbearbeitung und Postproduktion findest Du im Akademie-Bereich sowie in unseren Workshops.