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(C) The Barricades und Panama Film / Eksystent Filmverleih / Gregory Oke

 

Drehbuch & Regie: Sandra Wollner

Cast

  • Ella: Birgit Minichmayr 
  • Melli: Lotte Shirin Keiling
  • Lux: Tristán López
  • Jessie: Carla Hüttermann

Kamera: Gregory Oke

Kinostart: 6. August 2026 / Eksystent Filmverleih

 

Einmal mehr überzeugt ein sperriges kleines Fernsehspiel in Kopproduktion mit dem ORF und ist nominiert als Österreichischer Beitrag für den Auslands-Oscar. Der Film von Sandra Wollner wurde bereits in Cannes (Hauptpreis in der Sektion "Un Certain Regard") ausgezeichnet und überzeugt durch eine stimmige, eigenwillige und weitgehend geschlossene filmische Erzählung und hervorragende Schauspieler. Was für ein Glück, dass man tatsächlich bis zu drei kleine Fernsehspiele beim ZDF machen darf, "Everytime" ist das dritte der Regisseurin. Die Koproduktion mit dem ORF und diverse Förderungen haben den Film möglich gemacht, die österreichische Panama Film und die deutsche "The Barricades" haben den Film produziert.

Die Prämisse könnte heftiger nicht sein. Zwei Jugendliche, ein Paar, sie hilft ihm bei den Schulaufgaben, ein Computerspiel, eine Party, man wirft ein paar Tabletten ein. Ein abendlicher Sonnenuntergang, ein sehr langsame Kameraschwenk und Zoomfahrt über und auf eine Hochhaussiedlung zu und danach wird nichts mehr so sein wie es einmal war. Die 17 jährige Jessie stürzt in die Tiefe.

Was das mit den Menschen in ihrer Umgebung macht, der Mutter (Birgit Minichmayr ), der kleinen Schwester von Jessie und dem Freund von ihr, wird mit einem Zeitsprung von einem Jahr auf eine seltsam distanzierte, aber gerade dadurch behutsame Weise durchdekliniert. Aktuelle Wahrnehmung und Erinnerungsfetzen fließen ineinander über. Dabei spielt die visuelle Ebene, herausragend fotografiert von Gregory Oke, eine besondere Rolle. Bleischwer, nicht vergehen wollend, die Zeit und unausgesprochen und ständig präsent, der Schmerz.

Lux, Jessies Freund verbingt Zeit mit Jessies Mutter Ella und ihre kleine Schwester Melli (Lotte Shirin Keiling), so als könne er sich damit erklären, als könne der Schmerz eher ausheilen. Man verbringt Zeit im Alltag, Ella nimmt die Drogen ein, die auch Jessie an jenem fatalen Abend nahm, Lux der ein wenig dealt, gibt sie ihr. Immer wieder tauchen alte Erinnerungsfotos oder auch ein Computerspiel auf, welches Jessie spielte.

Die drei reisen überraschend nach Teneriffa, schwimmen plöztlich in einem Meerwasserschwimmbad, was nur durch eine dünne Mauer vom Meer abgetrennt ist, so wie das Jetzt und die Erinnerung auch nur eine dünne Trennlinie kennt. Zahlreiche Einstellungen zeigen die Protagonisten inmitten all der anderen Urlaubsgäste aus der Vogelperspektive. Wimmelbilder in einem menschlichen Herbarium, mitten drin Ella, Melli und Lux.

 

(C) The Barricades und Panama Film / Eksystent Filmverleih / Gregory Oke

 

Irgendwann wird die Erzählung immer surrealer, auch Melli nimmt versehentlich etwas von den Drogen, die Wahrnehmung für die Zuschauer wird auch immer diffuser. Und während man über weite Strecken eine eher neutrale Erzählperspketive erlebte mit kleinen Ausflügen in individuelle Erinnerungswelten, übernimmt im letzten Viertel plötzlich die Innenperspketive der kleinen Schwester samt überraschender innerer Stimme. Ein deutlicher Bruch, ob bewusst geplant oder unterwegs gefunden um irgendwie aus der Geschichte wieder herauszukommen, ist egal, es funktioniert und entlässt die Zuschauer mit einem computerspielhaften Sonnenuntergang und einem bleibenden Gefühl im Bauch. 

Der Film nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise durch das Unfassbare, visuell und schauspielerisch überzeugend, eine starke Geschichte und Regie, insbesondere die Kamera erzeugt einen ruhigen, unaufgeregten aber damit umso zwingenderen Bildersog. Absolut sehenswert, unbedingt anschauen.

 

Gesehen von Mathias Allary

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