
Regie: Pawel Pawlovski
Sandra Hüller - Erika Mann
Hanns Zischler - Thomas Mann
August Diehl - Klaus Mann
Kamera: Lukasz Zal
Filmlänge: 82 Minuten
Kinostart: 3. September 2026
Mit “Vaterland” erobert Pawel Pawlovski aktuell internationale Filmfestivals. Und das absolut zurecht. Der Film erzählt eine einfache wir weitreichende Geschichte über Nachkriegsdeutschland und eine unglückliche Familie. 1949 reist Thomas Mann überraschend nach Deutschland um in Frankfurt und Weimar, also gleichermaßen in West- und Ostdeutschland, jeweils einen Goethe-Preis entgegenzunehmen. Begleitet wird er dabei von seiner Tochter Erika, welche angesichts einer familiären Tragödie droht, das Verständnis für ihren Vater immer mehr zu verlieren.
Die zentralen Themen von „Vaterland“ sind Trennung, Entfremdung und Heimatlosigkeit. Dabei spiegeln die Verhältnisse und Beziehungen innerhalb der Familie Mann stets die politische Situation im geteilten Nachkriegsdeutschland. Sowie Herr Mann und seine Tochter miteinander verwandt und sich dennoch scheinbar fremd sind, so sind es auch die Deutschen in Ost und West. So wie bei Erika und ihrem Vater zwei Vorstellungen vom Kern des Lebens kollidieren, so treffen zwischen BRD und DDR zwei ganz unterschiedliche Ideen vom “guten Deutschland“ aufeinander. Dies beobachtet der Film durch zwei Perspektiven. Während die Protagonisten und Nebenfiguren kommentieren und bewerten, beobachtet die Kamera das Geschehen in den zumeist mit Personen überfüllten Szenerien sachlich und neutral.

Währenddessen arbeitet der Film vor allem stark mit Symbolik und Atmosphäre. Wer hier Alles verstehen will, muss viel Vorwissen zur deutschen Geschichte und der Biografie der Familie Mann mitbringen. Was man dagegen überraschenderweise nicht mitzubringen braucht, ist Sitzfleisch. Der Film ist mit seinen 84 Minuten Laufzeit zugleich kurz sowie kurzweilig.
Denn selbst wenn gerade auf der Handlungsebene viel abgearbeitet wird, hält der Film das Publikum durch seine detailverliebten Bilder bei der Leinwand. „Vaterland“ ist nämlich auch auf der technischen Ebene ein ausgesprochen gelungener Film. In wunderschönem Schwarz-Weiß fängt die Kamera ein zerrüttetes Deutschland samt zerstörter Städte und prunkvoller Säle ein und lichtet Schauspieler und Schauspielerinnen ab, die sowohl mit großen Gesten als auch in intimen Momenten zu Höchstform auflaufen
Der Film von Regisseur Pawel Pawlovski ist handwerklich beeindruckend und inhaltlich geistreich. Er hallt nach und lädt nicht zuletzt durch seinen kurzen Auftritt zum erneuten Ansehen ein.
Gesehen von Samuel Kindler
