
Totgesagte leben länger, heißt es,- wie sehr haben LED Scheinwerfer HMI Scheinwerfer verdrängt? Und ist das in allen Fällen berechtigt? Die Frage stellt sich immer wieder, auch weil Licht-Hersteller praktisch nur noch LED basierte neue Modelle vorstellen, während man bei HMI Licht auf ältere Scheinwerfer zurückgreifen muss, was nicht Schlechtes sein muss, weil solide professionelle HMI Scheinwerfer eine lange Lebensdauer haben.
Tatsächlich sind die Anwender wie professionellen Lichtleute seit ein paar Jahren vermehrt mit LED Scheinwerfern unterwegs, weil diese das Arbeiten an Filmsets bequemer gemacht haben. Man kann die Scheinwerfer häufig fernsteuern, sie sind leichter und man kann per App die Farbtemperaturen und Helligkeit bequem verstellen. LED Scheinwerfer haben häufig einen etwas geringeren Stromverbrauch, sie benötigen kein Vorschaltgerät, kennen keine Aufwärmzeit, haben im Vergleich zu Standard HMIs mit klassischen Ballast (Vorschaltgerät) kein Flickerproblem (so wie die Flickerfree HMIs) bieten oft eine variable Farbtemperatur und entwickeln geringere Hitze. Allerdings sind sie dennoch sehr temperaturempfindlich und besitzten deshalb ab gewissen Leistungswerten eigene Lüfter zum Kühlen.
Stromverbrauch / Effizienz
Seltsamerweise haftet den HMIs der Ruf an, ältere Technik zu repräsentieren, viel mehr Strom zu verbrauchen und weniger Optionen anzubieten, als LED Licht. Die Vergleiche sind oft nicht ganz fair,- nur wenn man LED Scheinwerfer der neuesten Generation mit den HMI Scheinwerfern in Hinblick auf die Effizienz vergleicht, kann man zwischen 30 und 50% Stromersparnis feststellen. Bei älteren oder einfach schlechteren, billigeren LED Scheinwerfen können es auch nur 5-30 % Ersparnis sein. Es kommt also sehr darauf an, LED Licht ist nicht unbedingt so viel stromsparender wie behauptet, das ist nur bei modernster Spitzentechnologie der Fall. Und vieles, was man mit HMI Licht tun kann, ist mit LED kaum machbar und umgekehrt. Was letztlich bedeutet, dass beide Lichtarten nebeneinander ihre Berechtigung haben.
Klassiker

Insbesondere Geräte-Verleihe besitzen oft noch größere Mengen an HMI Scheinwerfern, obwohl diese immer weniger angemietet werden. Dabei liefern die HMIs nach wie vor hervorragende Lichtqualität und sind robust und zuverlässig. Bevor das in Vergessenheit gerät: HMIs bieten echtes Tageslicht mit einer Farbtemperatur von ca. 5600 Kelvin und liefern im Verhältnis zum eingesetzten Stromverbrauch eine extrem hohe Lichtleistung, sie haben je nach Bauart meistens eine große Reichweite und können sich bei Außen,- und Innenaufnahmen sehr gut gegen das Sonnenlicht behaupten.
Bei klassischen HMI Scheinwerfen kann man die Farbtemperatur nur über Filterfolien verändern, dimmen kann man die Typen mit elektronischen Fickerfree Vorschaltgeräten allerdings ebenfalls und die mit klassischen Vorschaltgeräten dimmt man halt über Frostrahmen, ND Folien etc. also das geht ebenfalls, bedeutet aber minimal höheren Aufwand. Betrachtet man die Lichtqualität, beispielsweise das Farbspektrum und die Farbwiedergabe des weißen Lichts, dann haben sowohl die HMIs als auch die LEDS Spitzen in einzelnen Farbbereichen also keine völlig durchgehenden Lichtspektren.
HMI Licht bietet nach wie vor eine gute Abdeckung im sichtbaren Bereich, das Tageslicht wirkt natürlich. Bis etwa 2015 waren HMI Scheinwerfer den LEDs in der Lichtqualität überlegen, doch inzwischen haben die LEDs zumindest die professionellen hochwertigen Varianten, aufgeholt. Rein von den Messdaten her sind einige High-End LED Scheinwerfer inzwischen von der Lichtqualität genauso gut oder sogar besser als HMI Licht, haben aber Schwächen bei gesättigten Farben und manchmal eine Farbverschiebung ins Grün hinein. Während man HMI Licht problemlos mit Tageslicht oder anderen HMI Scheinwerfern mischen kann, gibt es bei LED Scheinwerfern unterschiedlicher Hersteller und Bauarten häufiger Probleme, ja ein Farbchaos wegen unterschiedlicher Spektren. HMI Scheinwerfer sind in der Lichtqualität konstanter, bei LED Scheinwerfen gibt es viel größere Streuungen zwischen den verschiedenen Herstellern und Modellen.
Wenn HMI Scheinwerfer erst einmal brennen, können manche, wie etwa Arris Apollo-Reihe sogar notfalls im Regen stehen, weil die auftreffenden Regentropfen gleich beim Auftreffen auf das heiße Gehäuse, verdampfen. (Man muss nur darauf achten, dass die Stecker der Verbindungskabel, nicht ungeschützt im Regen liegen. Dafür gibt es Stecker-Schutzboxen in die man beispielsweise einen Stecker und eine Kupplung wasserfest hineinlegen und verschließen kann. So etwas sollte man bei den allermeisten LED Scheinwerfern unbedingt vermeiden, sie würden durch Regen und Feuchtigkeit zerstört.
Je älter die Brenner von HMI Scheinwerfern werden, desto eher bekommen sie einen Grünsticht. Das ist allerdings bekannt und kann sehr gut mit einer Minus-Green Folie auskorrigiert werden. LED Brenner sind im Vergleich dazu farbstabiler, sie weisen keine Veränderungen des Farbspektrums durch Alterung auf.
HMI auch heute wichtig?

Nun bis heute gibt es bei LED noch gewisse Leistungsgrenzen, bei 1,2 und 2,5 KW muss man oft sogar noch auf HMI Licht zurückgreifen. Muss man nur weiches, flächiges Licht erzeugen, dann muss man mehrere LED Scheinwerfer gleichzeitig auf den Frostrahmen richten um ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen. Braucht man hartes, Spotartiges Licht dieser Leistung, ist es mit LEDs schwieriger. LED Scheinwerfer wie der Evoke 2400B kommen an diese Leistungsgrenzen heran, ohne aber die gleiche Lichtqualität und Reichweite einer 2,5 KW HMI zu erreichen. Das benötigt man immer dann, wenn es um harte Sonnen-Simulationen geht oder wenn man echtes, punchiges Tageslicht braucht. Das kann beispiesweise der Fall sein in Situationen wo Gegenlicht durch Fenster fällt, wenn man weite Strecken 20 Meter und mehr selbst durch einen Frostrahmen hindurch beleuchten muss, wenn man bei Außenaufnahmen gegen die Sonne ankommen muss. HMI Licht bleibt besser fokussierbar und hat weniger weniger Streuverluste als LED Licht. Und so ganz nebenbei kommt es ohne hörbare Lüfter aus,- ein großer Pluspunkt an Filmsets. Anders ausgedrückt, bei Entfernungen ab 10-15 Metern ist HMI nach wie vor überlegen, hat eine größere Leuchtkraft, meistens auch schönere Lichtkegel auch wegen der Reflektoren und Linsen.

