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Verbände im Clinch

Es tobt ein Streit zwischen dem BFFS und dem VDS darüber wie die Zukunft dieses Berufsstandes und der Filmkultur ausgestaltet sein wird. Der Beruf des Synchronsprechers, der Sychronsprecherin ist längst nicht weltweit verbreitet, im gegenteil, es sind nur wenige Länder in denen Filme aus anderen Ländern lippensynchron in die eigene Sprache übersetzt werden. Deutschland ist eines dieser Länder mit einer langen Tradition und einem ausgeprägten Qualitätsbewusstsein, was die emotionale und sprachliche Umsetzung angeht.

Nun also streiten sich die beiden Verbände dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) sowie dem Verband Deutscher Sprecher (VDS), in denen Schauspieler sowie Synchronsprächer zusammengeschlossen sind und es geht um weitaus mehr als um einen Streit zwischen zwei Organisationen. Es geht vielmehr um einen gravierenden Wandel beim Umgang mit Filmen.

Dahinter stehen grundlegende Fragen zu künftigen Arbeitsbedingungen, zu Qualität und der Wertigkeit von Synchronisationen. Dazu muss man wissen, dass Synchronisationen in Ländern wie Deutschland oder Frankreich ähnlich sensibel und aufwändig in Tonstudios erstellt werden, wie Original-Dreharbeiten. Es geht dabei nicht nur um die Sprache, die möglichst genau zu den Lippenbewegungen der Originalschauspieler passen müssen, sondern es geht um Emotionen, um Haltung, um Atmung und Feinheiten beim Timing. Wie beim Drehen werden auch bei Synchronisieren mehrere Takes aufgenommen, gibt es eine Synchronregie, welche die Sprecher*Innen guided.

 

Netflix hat Zeitdruck

Die Streaming-Plattformen geben zu ihren Serien Synchronisationen in vielen Sprachen in Auftrag, welche in relativ kurzer Zeit und für wenig Geld hergestellt werden sollen. Damit das funktioniert, müssen Synchronisationen nahezu industriell hergestellt werden. Damit schwindet der Freiraum für hohe künstlerische Qualität. es geht weniger darum, wer etwas wie spricht, sondern eher darum, dass es Jemand in der gewünschten Sprache spricht. Die Stimmen werden zunehmend austauschbar,- so etwas wie Synchronstars, wie berühmte Stimmen, die fest mit den Original-Schauspielerpersönlichkeiten verknüpft wurden, wird es da wohl seltener geben.

Und wie so oft geht es bei den Streitigkeiten natürlich auch um Geld. Denn BFFS und VDS vertreten unterschiedliche Haltungen, was die Gagen angeht und auch ob alles per Buyout abgegolten ist oder es Vergütungen abhängig vom Erfolg der Serien / Filme geben soll. Die Streamingdienste bevorzugen nämlich Buyout-Verträge, bei denen die Synchronsprecher einmalig bezahlt werden, unabhängig vom Erfolg der Produktionen. Damit erhalten die Sprecher keine von dem Erfolg der Filme abhängige Vergütung, was möglicherweise ihren Ehrgeiz, es besonders gut zu machen, spürbar reduziert.

Der Zeit,- und Kostendruck hat noch weitere Konsequenzen. Man muss schnell produzieren und kann nicht mehr darauf warten, dass bestimmte Sprecher, die etwa üblicherweise eine bestimmte Schauspielfigur synchronisieren, freie Termine haben und man wird auch eher Sprecher wählen, die das Ganze auch möglichst günstig anbieten. Viele Sprecher*innen beklagen, dass Streaming-Produktionen (Netflix & Co) meist unter bisherigen TV-/Kinostandards bezahlen.

Das ist auch  was die Charaktere, die Identitäten, ja die Tiefe der Figuren angeht, eine ganz ungünstige Entwicklung. Wechseln ständig die Deutschen Stimmen der amerikanischen Schauspieler gehen Kontinuität und Wiedererkennungeeffekte verloren.

 

KI schafft neue Spielregeln

Die neuen KI- gestützen Technologien ermöglichen Dinge, welche den Beruf des Synchronsprechers oder eigentlich Synchronschauspielers komplett verändern werden. Stimmen können vollständig synthetisiert werden und Sprecher mit einer völlig anderen Stimme können ganze Filme synchronisiseren, so wie Temp-Tracks und den Aufnahmen ihrer Stimme werden die synthetisierten Stimmen der Sprecher zugeordnet.

Das könnte dazu führen, dass man die Stimme eines Synchronsprechers nur noch einmal synthetisieren muss und er/sie müsste nie wieder ein Tonstudio betreten, weil die Stimme einfach auf die Stimmer irgendeines Sprechers draufgerechnet wird. Die Synchronsprecher verlören damit nicht nur den Einfluss auf die Emotionalität und Qualität der Darbietung, sondern sie würden möglicherweise auch nicht mehr honoriert für künftige automatisierte Synchronisationen.

Sogar die Qualität der Synchronbücher könnte sich verändern. Wo jetzt noch nach adäquaten Worten, Sätzen, Formulierungen gesucht wird, die zeitlich und von den Lippenbewegungen zu der ursprünglichen Sprache passen könnten, wird künftig die KI die Münder der Schauspieler im Film fein-tunen. Das bedeutet, die Synchronbücher müssen nicht mehr so sorgfältig geschrieben werden, vielleicht sind es irgendwann einfach nur noch Übersetzungen der Originaldialoge, welche von der KI mittels visueller Synchronisation angepasst werden.

 

Zeit, Geld und Verträge

Und da geht es dann plötzlich nicht mehr nur um die künstlerische Ausgestaltung sondern auch um das Arbeitsrecht, was all die Entwicklungen der KI gar nicht mehr berücksichtigt. Und wer nun ist berechtigt über derartige Rechtliche Fragen mit den Streamern wie Netflix zu verhandeln? Der BFFS versteht sich als Schauspielverband, der VDS als Vertretung der Synchronsprecher. Wie sollen die neuen Standards für die Synchronarbeit aussehen? Wie viel Zeit muss für kreativ sorgfältiges Arbeiten eingeräumt werden? Wie wird die kreative Leistung vergütet? Wie passt das zusammen mit den engen weltumspannenden Produktionszyklen der Streamer? Wie wirken sich Produktionsbedingungen künftig auf Dramaturgie und Schauspielqualität aus?

Es geht letztlich um sehr viel mehr als um individuelle Verträge, es geht um Grundfragen künstlerischen Arbeitens, es geht um Fragen der Qualität, um filmisches Handwerk, darum wie in Zukunft filmische Geschichten erzählt werden.

 

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