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Ingeborg Degener, Geschäftsführerin des Creative Europe Desk München begrüßt die Gäste und Besucher des Filmfest Panels

 

"Was Publikumsreaktionen für Development und Storytelling bedeuten", wollte das diesjährige Creative Europe Filmfest Panel ausloten. Sie sind längst eine feste Einrichtung des Münchner Filmfests geworden,- die praxisbezogenen Panels vom Creative Europe Desk München. Filmschaffende aus der Medienbranche wissen die Münchner Panels, die durchweg mit Profis besetzt sind, sehr zu schätzen. Bei der diesjährigen Ausgabe lautete die Fragestellung: Rewriting the Creative Process? Wenn das Publikum mitentwickelt. In Zeiten der grenzenlosen Datenerfassung, Zuschaueranalysen und Rückkanäle werden Zuschauerhaltungen auf vielfältige Weise in die Entwicklung neuer Programminhalte einbezogen. Doch was macht das mit den medialen Produkten und wie arbeiten die beiden Produzentinnen, die an dem Panel teilnahmen? 

Das Creative Europe Team München (Ingeborg Degener, Ewa Szurogajlo und Julien Hebenstreit) hatte einmal mehr hochkarätige Gäste aus der Produktionspraxis als Panelgäste eingeladen, die mit Gerhard Maier, dem Kurator, Mitgründer und künstlerischen Leiter des Seriencamp Festival & Conference in Köln über die veränderten Prozesse der Projekt und Drehbuchentwicklung sprachen.

Maria Cervera ist Produzentin, sie betreute bei Netflix spanischsprachige Serien wie u.a. den globalen Hit "Elite", war Head of Content EMEAA für Paramounts International TV Studio (u.a. Simon Beckett's "Die Chemie des Todes") sowie bei Cattleya Producciones (ITV Studios) in Madrid tätig.

Claudia Blümhuber, Produzentin und Regisseurin ist Geschäftsführerin der Schweizer Firma Silver Reel, das ist die Produktionsfirma hinter u.a. "Die Frau des Nobelpreisträgers" (Golden Globe und Oscar-Nominierung), "Loving Vincent" (Europäischer Filmpreis, Oscar- und Golden Globe-Nominierung) und "Under The Skin". Sie kreierte und führte zudem Regie bei der Serie "Fallen" (International Emmy).

 

v.L.Maria Cervera, Claudia Blümhuber und Gerhard Maier

 

Publikumsreaktionen oder besser noch Publikumsfavorisierungen und Neigungen haben in der heutigen Zeit vor allem durch die Streaminganbieter großen Einfluss auf das Development und den kreativen Prozess aktueller Produktionen, vor allem von Serien. Funktionieren all die Annahmen auch über Kulturkreise hinweg und können sie Publikumsbefragungen und Previews ersetzen?

Maria Cervera sieht sich als Brückenbauerin zwischen Redaktionen, Regie, Drehbuchautoren, ein wenig auch als Übersetzerin, weil sie viele der Funktionen der verschiedenen Menschen, die an so einem Projekt beteiligt sind, auch selbst gut kennt und sich sehr gut in diese Menschen hinein versetzen kann. Doch sie sieht das Brücken bauen auch im Sinne des Einbeziehens der Zuschauer, die man bei solchen Projekten nie vergessen und deren Bedürfnisse man unbedingt einbeziehen sollte. Man dürfe beim Filmemachen nicht nach Innen in sich selbst hinein schauen, man müsse nach Außen schauen. Sender würden nicht nach einem bestimmten Genre oder bestimmten Schauspielern suchen, sondern nach Erfolgen. Im Gegensatz zum Kino könne man die Zuschauer beim Fernsehen viel leichter verlieren (die können einfach umschalten), man müsse sich also sehr genau überlegen, wie man die Chance nutzt, Zuschauer, die eine Serie beginnen, auch zu halten. Wie sich das dann genau gestaltet, werden nach Ansicht von Maria Cervera auch künftig Menschen entscheiden und nicht automatisierte Daten. Diese könnten Hinweise liefern, aber die kreativen Prozesse würden weiterhin von Menschen ausgehen.

Claudia Blümhuber berichtete davon, dass ihre Firma das Prinzip des Koproduzierens bei Einzelfilmen übertragen hat auch auf Serien und dies sei eine große Stärke Europas, dass solche Koproduktionen möglich sind, in den USA gäbe es das in dieser Form nicht. So sieht sie für Serienformate in Europa deutlich mehr Chancen als Probleme, auch wenn natürlich die Situation gerade nicht einfach sei. Bei der aktuellen Sherlock Serie, die ihre Firma produziere, werde auf Englisch und Schweizerdeutsch gedreht, eine ungewöhnliche Kombination die natürlich den verschiedenen Koproduktionspartnern geschuldet ist. Grundsätzlich formuliert sie für sich den Anspruch, etwas zu kreiieren, was das Publikum auch anspricht, andererseits muss sie aber natürlich auch die Interessen der wichtigsten Beteiligen berücksichtigen und versuchen aus all dem eine Vision von dem Projekt zu erschaffen, in der sich alle wiederfinden können. Bei der aktuellen Sherlock Produktion käme ihnen natürlich sehr entgegen, dass es sich dabei um eine weltweit etablierte Marke handelt und nicht alles vollständig neu erdacht werden muss.

Hier findet Ihr die beiden Interviews, die wir mit Maria Cervera und Claudia Blümhuber geführt haben:

 

 

 

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