
Sicher ist sicher
Bevor gedreht werden kann, müssen die verschiedenen Departments ein Motiv, also einen Drehort noch mal genau überprüfen und abnehmen... Diese Begehung und Abnahme nennt man auch Tech Recce. Was versteht man beim Film darunter? Der Begriff ist abgeleitet von dem Wort „reconnaissancewas so viel heißt wie Erkundung oder Besichtigung. Eine deutsche Übersetzung wäre so etwas wie die „technische Motivbesichtigung“.
Sie ist eben nicht die erste Motivsuche, das Location Scouting, bei dem man vorab nach dem jeweils für eine Story oder Szene geeignetsten Ort sucht. Sie ist auch nicht der Motivbesuch von Regie und Kamera um aufzulösen und zu planen, wie man die Szene staged.
Sie ist eine erneute Begehung der bereits ausgewählten Drehorte. Im Gegensatz zu der Motivsuche, an der oft nur Regie, Kamera, Produktion und Ausstattung teilnehmen, ist bei der Tech Recce ein größerer Teil der Crew, nämlich die Heads Of dabei und man fährt gemeinsam zu den Motiven um abzuklären, wie dort gedreht werden kann.
Meist fährt man gemeinsam in einem Kleinbus herum, dabei sind Regie, Regieassistenz, Produktionsleitung, Aufnahmeleitung, Kamera, Oberbeleuchter, Grip Bühne, Filmton, Ausstattung und je nach Produktion auch VFX, SFX, Stunt, Location Management etc.
Für die verschiedenen Departments werden ihre jeweiligen spezifischen Aufgaben und Herausforderungen für das jeweilige Motiv abgeklärt. Einige Departments sehen das Motiv zum ersten Mal, in Härtefällen kann es noch passieren, dass ein Motiv aus gewichtigem Grund abgelehnt wird. Aber das ist selten der Fall, denn die Tech Recce findet nur wenige Wochen vor Drehbeginn statt und da braucht man klare Planungssicherheit. Der Termin ist in der Regel ziemlich spät in der Vorbereitungsphase, wenn wichtige gestalterische Ideen bereits feststehen.

Herausforderungen erkennen
Die Kamera etwa klärt ihre Positionen innerhalb des Motivs und welche Richtungen, Brennweiten und Ausschnitte geplant sind? Wo kann man Schienen legen, wo kann ein Kran agieren? Manchmal stellt sich heraus, dass für bestimmte gewünschte Kamerabewegungen etwa mit einem Kran kein Platz zur Verfügung steht.
Mit diesen Fragen sind direkt auch Fragen der Beleuchtung verknüpft. Von wo kommen die Scheinwerfer? Wo werden die Kabel verlegt, woher kommt der Strom? Falls notwendig, wohin stellt man den Stromgenerator?
Das Ton-Department prüft, ob der Ort akustisch funktioniert, oder ob Straßenlärm, Lüftungen, Kühlgeräte, Flugzeuge, Baustellen usw. die Tonaufnahmen beeinträchtigen könnten.
Die Ausstattung erfährt von der Kamera und Regie, was im Bild sein, also evtl. verändert werden muss, welche Bereiche verdeckt oder abgebaut werden müssen (z.B. Kabel, Sat-Schüsseln, Regenrinnen in historischen Filmen)
Die Aufnahmeleitung und Produktion müssen planen, wo Technikfahrzeuge, Garderobenfahrzeug, Maskenfahrzeug, Catering und Toiletten außerhalb vom Motiv abgestellt werden können und wo weitere Fahrzeuge parken können. Zusätzlich werden Sicherheitsfragen geklärt, die mit dem Motiv zusammenhängen.
Regieassistenz und Produktion besprechen den Drehablauf, den zeitlichen Aufwand für den Aufbau, Umbau und Abbau am Set. Erst wenn alle Fragen geklärt sind, gilt ein Motiv als abgenommen. Einige Tage oder ein, zwei Wochen später können dann die Dreharbeiten beginnen.
