
Was steckt hinter Low-Budget-Produktionen und wie stehen die Chancen, damit Erfolg zu haben? Der Begriff geistert seit vielen Jahrzehnten durch die Filmbranche und beschreibt eigentlich viele unterschiedliche Phänomene. Außerdem gibt es keine klaren Vorgaben, bei welchen Beträgen sich die Grenze zwischen Low- und normalem Budget bewegt. Budgets, die in den USA als Low Budget gelten, sind vielleicht in Europa ganz normale Produktionsbudgets. Es kommt also auf vieles an, wenn man diesen Begriff einordnen möchte. Grundsätzlich bedeutet Low Budget aber einen Mangel an finanziellen Möglichkeiten, der natürlich Konsequenzen für die Herstellung der betreffenden Filme hat.
Eine der spürbarsten Konsequenzen ist häufig der Umstand, dass Team und Schauspieler weniger oder sogar gar kein Geld für ihre Arbeit bekommen. Wenn die Begeisterung groß ist für das Projekt und die Betreffenden es sich leisten können, für wenig oder gar kein Geld mitzuarbeiten, dann geht das in Ordnung. Meistens ist das der Fall, wenn man noch nicht von seinem Beruf leben muss, wenn man also Miete, Lebensunterhalt etc. noch nicht von den Gagen oder Löhnen bestreiten muss. Das ist häufiger der Fall bei jungen Leuten, bei Studierenden, bei Auszubildenden.
Chancen
Solche Low-Budget-Filme sind häufig die einzige Möglichkeit, neben Filmhochschulfilmen, mit denen junge Talente beweisen können, was sie können. Häufig entstehen solche Projekte mit viel mehr Enthusiasmus, Begeisterung und Liebe als so manche Auftragsproduktion des deutschen Fernsehens. Gar nicht selten werden viele Freunde und die Familie mit eingespannt, wird im Haus der Eltern gedreht, werden Fahrzeuge der Familie verwendet, helfen Freunde und Familie beim Catering mit, um das fehlende Budget auszugleichen. Außerdem gibt es natürlich eine Menge Einspartipps und Firmen, die Low-Budget-Projekte mit ihren Produkten unterstützen. Es sind nicht wenige große Namen im Who is Who der internationalen Filmindustrie, die durch erste Low-Budget-Filme auf sich aufmerksam gemacht haben.
Angesichts vieler Veränderungen, gerade was die Aufnahmetechnik angeht, sind die Einstiegskosten, um einen Film zu drehen, zumindest in technischer Hinsicht deutlich niedriger, als sie noch in Zeiten des analogen Films waren. Da entstanden allein durch den Rohfilm und die Kopierwerkskosten grundsätzliche Kosten von ca. 80.000 bis 100.000 € für einen abendfüllenden Film. Wohlgemerkt nur dafür, dass man überhaupt etwas aufnehmen konnte. Da waren die Gerätemieten für Kamera, Ton, Licht etc. noch gar nicht dabei. Es hat also eine ungeheure Demokratisierung der Produktionsmittel stattgefunden, welche den Low-Budget-Filmern von heute sehr entgegenkommt.
Längst sind Kameras, Ton- und Lichtequipment nicht mehr die größten Kostenfaktoren. Viele bezahlbare Kameras können heute Aufnahmen liefern, die für Kino, Streamer und Filmfestivals geeignet sind. Die größeren Kostenfaktoren heute sind Positionen wie:
- Schauspieler
- Motive
- Drehgenehmigungen
- Reisen und Transporte
- Unterkunft
- Verpflegung
- Versicherungen
- Postproduktion
Großes Sparpotenzial liegt heute eher in der Reduzierung der Drehtage und auch in der Gestaltung des Drehbuchs. Wenn man weniger Drehmotive und unaufwändige Szenen ins Drehbuch schreibt und keine Reisekosten hat, senkt das die Kosten erheblich. Ein angenehmes Nebenprodukt bei Low-Budget-Filmen ist die Tatsache, dass in der Regel viel weniger Einfluss auf die Gestaltung genommen wird. Je mehr Produzenten, Finanziers und Redakteure in ein solches Projekt eingebunden sind, desto mehr Leute wollen auch mitreden, und das ist selten gut für das Ergebnis.
Risiken
Die Arbeit ohne oder mit sehr kleinem Budget bedeutet zugleich, dass man sein Low-Budget-Projekt eher mit Newcomern, mit vielleicht noch nicht professionellen, mit vielleicht eher unerfahrenen Teammitgliedern und Schauspielern umsetzen wird. Das bedeutet, dass darin Chancen, aber auch Risiken liegen können. Unerfahrene Teammitglieder machen ihre Arbeit vielleicht nicht so gut wie Profis, machen Fehler, sind vielleicht auch weniger belastbar. Das muss nicht so sein, es sind nur mögliche Risiken.
Auch die Verwertung von Low-Budget-Produktionen ist schwieriger. Von den Fernsehsendern wird man in der Regel für das eigene Risiko bestraft. Sie kaufen fertige Filme, bei denen sie nicht vorher schon als Auftraggeber oder Koproduzenten beteiligt waren, wenn überhaupt, nur zu absoluten Dumpingpreisen, welche eine nachträgliche Bezahlung von Team und Schauspielern nahezu unmöglich machen. So haben solche Filme auch selten einen Kino-Release, oft laufen sie dann einfach auf YouTube, sofern sie überhaupt Geld einspielen.
Man darf also nicht allzu romantisierend auf Low-Budget-Filme schauen. Sie sind eine Chance, sich mit der eigenen Arbeit vorzustellen. In sehr seltenen Fällen funktioniert es sogar, damit etwas Geld zu verdienen, aber in den meisten Fällen ist es eine Investition in die eigene Karriere. In unserem Bereich „Roll the Picture“ könnt Ihr Kontakt zu Teams und Schauspielern aufnehmen, Gleichgesinnte und auch Förder- und Koproduktionsinitiativen finden. In unserem Terminüberblick findet Ihr Wettbewerbe, bei denen Low-Budget-Projekte eingereicht werden können.
Im Movie-College findet Ihr zahlreiche Tipps und Hinweise, wie man auch mit wenig Geld Filme auf die Beine stellen kann. Unter diesem Beitrag findet Ihr all die Artikel, die Euch weiterhelfen können.
