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Kino Ankuendigung 4000

 

Dem deutschen Film geht’s gut?

Wer die aktuellen Diskussionen um die Lage des Deutschen Films beobachtet, wird erstaunt sein, zu lesen, was man bereits vor Jahrzehnten darüber dachte. Eine Zeitreise in die ersten Jahre des neuen Jahrtausends: So schallte es damals mal wieder Mitte Mai in Cannes. Das letzte Jahr sei doch prima gewesen, der Anteil der Zuschauer, die deutsche Filme besucht hätten, sei recht hoch. Gewiss, der eine oder andere Film erzielte vom Start 2001 bis Mitte 2002 ansehnliche Zahlen: Das Sams mit etwa 1,6 Mio. Zuschauern, Nirgendwo in Afrika mit etwa 1,1 Mio. Zuschauern, Lammbock mit etwa 930.000 Zuschauern oder sogar überwältigende Werte wie Der Schuh des Manitu mit rund 11 Mio. Zuschauern.

Auch heute gibt es immer wieder Jahre, in denen deutsche Filme bemerkenswerte Marktanteile erreichen. 2025 wurden in Deutschland insgesamt rund 91,9 Mio. Kinotickets verkauft, der Kinoumsatz lag bei etwa 924 Mio. Euro. Der Marktanteil deutscher Filme erreichte 27,4 %. Das klingt erfreulich, muss aber vorsichtig eingeordnet werden: Solche Zahlen hängen oft stark von wenigen sehr erfolgreichen Titeln ab.

Doch wer dem deutschen Film pauschal im Kino Erfolge attestiert, sollte nicht betriebsblind sein. Schon damals zeichnete sich ab, dass jenseits der Qualitätsdiskussion nur wenige, mit hohem Werbebudget gestartete Filme überhaupt eine Chance auf ein großes Publikum hatten. Auch im Jahr 2000 waren es nur ein paar wenige Titel wie "Anatomie", "Harte Jungs" oder "Crazy", die halbwegs erfolgreich waren.

Von den zum Teil hochfinanzierten Kinoflops, die trotz erheblicher Werbebudgets nur wenige Zuschauer hatten, spricht man kaum. Beispiele aus jener Zeit waren "Marlene" von Joseph Vilsmaier mit etwa 400.000 Zuschauern, "Die Unberührbare" von Oskar Roehler mit rund 200.000 Zuschauern, "Gripsholm" von Xavier Koller mit etwa 130.000 Zuschauern oder "Liebesluder" von Detlev Buck mit rund 157.000 Zuschauern.

 

Zahlenspiele

Ein aufwändig gestarteter Film muss eine beträchtliche Zahl von Zuschauern erreichen, bevor beim Produzenten überhaupt Erlöse ankommen. Das hat vor allem mit den Vorkosten der Verleiher zu tun. Gemeint sind Kosten für Marketing, Pressearbeit, Trailer, Plakate, Online-Kampagnen, technische Auslieferung, Reisekosten, Premieren, Anzeigen und sonstige Startkosten. Früher spielten zusätzlich Filmkopien eine erhebliche Rolle, heute sind es eher digitale Auslieferung, Werbung und Sichtbarkeit.

Während Anfang der 2000er Jahre häufig von Verleihvorkosten im Bereich von etwa 1 bis 1,5 Mio. Euro gesprochen wurde, können heutige Starts sehr unterschiedlich kalkuliert sein: Kleine Arthouse-Starts liegen deutlich darunter, größere nationale Starts erreichen weiterhin sechs- bis siebenstellige Marketingbudgets, sehr große Kampagnen auch mehr.

Der durchschnittliche Kinoticketpreis lag 2003 noch bei etwa 6 bis 7 Euro. Heute liegt er in Deutschland bei rund 10 Euro. 2025 betrug der Durchschnittspreis nach FFA-Angaben etwa 10,05 Euro. Davon bleibt jedoch keineswegs alles beim Verleih oder Produzenten. Zunächst gehen Mehrwertsteuer, Kinoanteil und Abrechnungskosten ab. Der Verleih erhält je nach Vertrag, Laufzeit, Kino und Auswertungsphase nur einen Teil der Kinoeinnahmen. Erst wenn seine Vorkosten gedeckt sind, entstehen Erlöse, die mit Produzenten oder Rechteinhabern geteilt werden können.

Man kann sich also leicht ausrechnen, warum ein Film mit 100.000 oder 200.000 Kinobesuchern wirtschaftlich keineswegs automatisch erfolgreich ist. Selbst bei einem höheren Ticketpreis kann ein breiter Kinostart mit erheblichen Werbekosten die Erlöse schnell aufzehren.

Selbst wenn manche deutschsprachige Filme das Potential haben, entsprechende Zuschauerzahlen in die Kinos zu locken, bekommen nur wenige von ihnen Gelegenheit, dieses Potential wirklich unter Beweis zu stellen. Nicht selten müssen deutschsprachige Filme ihre Qualität erst auf internationalen Filmfestivals oder durch Verkäufe ins Ausland belegen, bevor sich ein inländischer Verleih daran wagt. "Bella Martha" etwa fand erst einen deutschen Verleih, nachdem der Film im Ausland erfolgreich wahrgenommen wurde.

 

Ursachen

Die Probleme fangen bei den Leinwänden an. Die Zahl der Filme, die beworben, gestartet und in Kinosälen gespielt werden, bleibt hoch. Jedes Jahr konkurrieren zahlreiche Neustarts um Aufmerksamkeit, Presse, Trailerplätze, Vorführzeiten und Werbeflächen. Große amerikanische Blockbuster und Franchise-Filme werden in Multiplexen oft in mehreren Sälen parallel gezeigt.

Es ist nur logisch, dass für einzelne kleinere Filme immer weniger Zeit bleibt, höhere Zuschauerzahlen zu erreichen. Die Großverleiher kompensieren kürzere Spielzeiten durch intensivere und aufwändigere Werbekampagnen. Dieser Weg bleibt für die meisten deutschsprachigen Filme verschlossen. Noch bevor es sich bei den Zuschauern herumgesprochen hat, dass ein kleiner Film sehenswert ist, hat dieser oft schon längst wieder den Spielplan verlassen.

Verleiher lehnen deshalb viele inländische Produktionen von vornherein ab. Sie würden thematisch nicht ins Konzept passen, lautet eine häufige Standardantwort. Tatsächlich ist das Risiko für viele Verleiher hoch, in einen Film zu investieren, der im Kino gegenüber internationaler Ware strukturell benachteiligt ist.

US-Filme und internationale Großproduktionen können mit Stars, bekannten Marken, Fortsetzungen, weltweiten Kampagnen und massiver Präsenz in sozialen Medien, Streaming-Plattformen, Merchandising und klassischer Werbung aufwarten. Demgegenüber müssen deutsche Kinofilme ihr Publikum oft erst mühsam aufbauen.

 

Woher nehmen?

Bleibt die bange Frage: Wie finden deutschsprachige Filme überhaupt einen Verleih? Die Antwort ist weiterhin ernüchternd. Die Verleihe, die regelmäßig deutsche Filme herausbringen, sind häufig bereits früh in Finanzierung, Koproduktion oder Paketierung eingebunden.

Das war bereits früher so: "Der Schuh des Manitu" kam über Constantin (Produktion+Verleih: Constantin), "Liebesluder" über Strukturen im Umfeld der Produzenten (Produktion: BojeBuck, Verleih: Delphi, gehört BojeBuck), "Was tun, wenn’s brennt?" entstand mit starker Verleih- und Koproduktionsanbindung (Koproduktion Claussen & Wöbke mit dem Verleih Columbia Pictures), "Anatomie" wurde für Columbia produziert und entsprechend ausgewertet (Claussen & Wöbke für Columbia, gleichzeitig Verleih).

Umso schwieriger ist es für Produktionsfirmen, die nicht mit Verleihern verbunden sind, bereits in der Finanzierungsphase Verleihverträge oder belastbare Auswertungsperspektiven vorzulegen. Genau diese Nachweise werden aber von Förderern, Sendern, Weltvertrieben oder Finanzierungspartnern häufig erwartet.

Kein Wunder also, dass viele Produzenten stärker auf Fernsehen, Streaming, Serien, Dokumentationen oder Auftragsproduktionen setzen. An dieser Grundspannung hat sich bis heute wenig geändert. Das Kino bleibt wichtig für Aufmerksamkeit, kulturelles Prestige und öffentliche Wahrnehmung. Wirtschaftlich ist es für viele deutsche Filme aber weiterhin ein schwieriges Terrain.

 

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