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Plattformsterben
Es war nie wirklich gut, dass der Virtual Reality Markt so sehr durch Facebook / Meta domininiert wurde und Herr Zuckerberg seine Vorstellung davon, wie die von ihm monetarisierbare Zukunft der Kommunikation und Unterhaltung von Menschen als Avatare unter der VR Brille aussehen sollte, in der Welt durchsetzen wollte.
Die viele Jahre angekündigten und erstaunlich unkreativ umgesetzten Ideen des Milliardenschweren Konzerns erinnerten stets an lieblos umgesetzte Verwandte des Computer-Simulationsspiels SIMS. Der Wille, die Vision, die gesamten realen Kommunikationsmöglichkeiten und Geschäftsverbindungen von Menschen auf Avatare zu übertragen die in virtuellen Welten unter VR Brillen agieren würden, war so stark, dass Zuckerberg sogar das ganze Unternehmen Facebook in Meta (für Metaverse) umbenannte.
Demo-Versionen mit den seltsam kindlichen Darstellungen von Menschen inklusive Zuckerberg selbst hatten regelmäßig in den Medien für Kritik und Ironie gesorgt. Diese grob und lieblos animierten Figürchen sollten tatsächlich Menschen mit all ihren emotionalen, gestischen und mimischen Facetten repräsentieren? So ganz daran geglaubt haben die wenigsten, das musste auch Meta irgendwann einsehen.
Nun inzwischen hat das Unternehmen die Entwicklung des Metaverse mangels Erfolg eingestellt, die Gründe dafür sind vielfältig und haben vor allem mit der Simualtion von Wirklichkeit zu tun, welche die wenigsten Menschen so mitgehen wollten. Virtual Reality hat ganz andere Stärken und Möglichkeiten,- Meta hat sich auf die falschen konzentriert. Auch Microsoft hat sich schon vor Jahren von den Visionen rund um den Zukauf AltspaceVR verabschiedet.
Das ist umso tragischer, weil ein VR-Hindernis, das Gewicht und die schiere Größe früherer VR-Brillen inzwischen genommen ist. Aktuelle Headsets wie Pimax’s Dream Air sind endlich leicht geworden und qualitativ hochwertiuge Headsets wie die Quest 3 von Meta sind günstig zu haben. Zumindest auf der Hardware-Brilenseite sah es, wenn man mal von Apples hochpreisigen "Vision Pro" Varianten absieht, für die Verbreitung und Anwendung recht gut aus.
Kleine Fangemeinde
Wer sich doch auf die seltgsame Avatarwelt eingelassen hatte, musste hinnehmen, dass Meta die Versorgungsleitungen gekappt hat. Nun wurde bekannt, dass mit "Rec Room", ein weiterer Virtual-Reality-Treffpunkt im Juni 2026 für immer schließt. Vor allem für VR-Gamer aber auch im Bereich VR Kunst war Rec Room ein wichtiger Treffpunkt. Doch den Betreibern ist es nie gelungen, aus der Verlustphase heraus zu kommen. Die Seite wird vom Netz genommen, ein wichtiger verbliebener Ort zum Austausch fällt damit weg.
Die große Frage ist, wie lange die wenigen verbliebenen VR Chatrooms, wie Gorilla Tag, Beat Saber und VRChat noch durchhalten werden. Und ob vielleicht die Loslösung von Meta, eine neue Open-Source Freiheit bringen könnte in der endlich Brillen auch ohne Shoping-Meta Angebote und Registrierungszwänge einfach nur Inhalte transportieren könnten. Der VR Chat würde sicherlich eine Nische bleiben, vielleicht schafft es die Fangemeinde, unabhängige Plattformen am Leben zu erhalten.
Und irgendwie ist es trotz allem Bedauern, dass eine VR-Spielart möglicherweise vollständig wegfallen wird, auch beruhigend, dass die Menschheit (noch?) nicht dazu bereit war, sich durch seltsame Avatar-Figürchen repräsentieren zu lassen. Menschen und ihr Charakter, ihr Verhalten und ihre Emotionen sind weitaus komplexer als grob animierte Avatare uns glauben machen wollten, wir werden uns bei unseren Konversationen wohl noch eine Weile weiter in die Gesichter schauen...

