
Die modernen Nachfolger der Dia,- und Filmprojektoren haben eine massive Evolution erlebt und können heute riesige Säle ausleuchten. Sie können inzwischen aus extrem geringem Abstand riesige Bilder auf Leinwände und weiße Wände werfen. Sie sind etwas leiser und oft auch günstiger geworden und sie verstehen sich mit zahlreichen Geräten über die neuesten HDMI Protokolle hervorragend. Sie sind klein und verschandeln einen Raum viel weniger als ein riesiger Flatscreen-Fernseher. Eigentlich möchte man annehmen, sie sind die besseren Fernsehgeräte. Und doch gibt es physikalische Grenzen und Gesetze, die sich seit Anbeginn der Menschheit nicht verändert haben.
Die Sache mit der Helligkeit
Da wird sehr gerne in Werbeankündigungen für Daylight-Beamer mit Aufnahmen geworben, die physikalisch so einfach nicht möglich sind. Dort sieht man, gerne in Business Umgebungen, Menschen die vor einem auf eine weiße Wand oder eine weiße Leinwand projizierten Bild stehen und dieses betrachten. Das Ganze findet in einem von Tageslicht erhallten Raum statt, gerne ist am Bildrand auch noch das offene Fenster zu sehen. Ja und auf dem projizierten Bild kann man deutlich dunkle, ja nahezu tiefschwarze Bildteile bewundern, es muss einem als Kunden einleuchten, dass dieser Beamer einfach Super Bilder an die Wand werfen kann.
Dumm nur, dass das physikalisch gar nicht möglich ist, weil ja die Fläche, auf welche das Bild gebeamt wird, mindestens genau so hell sein muss, wie die Wand um sie herum. Und man kann sie bedauerlicherweise durch einen Beamer auch nicht dunkler machen, es gibt schlicht kein Schwarzes Licht, was man projizieren kann. So weit ist die Technologie dann doch nicht, dass sie Schwarzes Licht auf eine helle Wand werfen kann...
Hier können klassische Flatscreens ganz klar ihreVorteile ausspielen, sie liefern kräftige Farben und im Fall von OLED hohen Kontrast mit tiefem Schwarz auch in einem von Tages,- oder Kunstlicht erhellten Räumen. Ganz anders der Beamer, der einen abgedunkelten Raum und im Idealfall kein oder nur sehr wenig Streulicht toleriert. Schon die kleinste Lampe im Raum verschlechtert das gebeamte Bild massiv.
Kontraste
Es führt also auch weiterhin nichts daran vorbei, dass man Räume abdunkeln muss, um bei einem Beamer einigermaßen dunkle Bildbereiche zu erzielen. Es hat schon Gründe, warum Flatscreen Fernseher schwarz sind und direktes Sonnenlicht das Fernsehbild nicht wirklich gut aussehen lässt. Ein großer Kontrastumfang hat nun einmal nicht nur mit dem Vorhandensein von Licht zu tun, sondern auch mit dem Nichtvorhandensein, also dem möglicht tiefen Schwarz. Das ist es ja auch, was beispiliesweise OLED Bildschirme so überlegen macht. Weil es hier keine Hintergrundbeleuchtung gibt, können einzelne Bildpixel gezielt an,- und auch ausgeschaltet werden, dann sind sie im Idealfall absolut Schwarz.
Bedienung
Den Flatscreen muss man einfach nur einschalten und man kann kurz darauf ohne weiteren Aufwand, das gewünschte Programm anschauen. Nicht so der Beamer, er verlangt wie schon erwähnt, eine Verdunklung, im Idealfall auch eine Leinwand, den Anschluss von Lautsprechern, den Anschluss einer Signalquelle, etwa ein TV Tuner oder ein Mediaplayer etc. Ist der Beamer nicht fest installiert muss man auch nach das Bild einrichten, zoomen, entzerren etc.
Geräuschentwicklung & Service
Während Flatscreens ihre Aufgabe praktisch geräuschlos und ohne weiteren Aufwand erledigen, besitzen Beamer durchaus hörbare Lüfter, welche das Leuchtmittel und die Elektronik kontinuierlich kühlen müssen. Bei den Beamern müssen regelmäßig Luftfilter und Beamerlampen gewechselt werden. Bei Laserbeamern entfällt der teure Brennerwechsel.
Seherlebnis
Seit die Flatscreens Größen von 75", 85" ja sogar 98" Bildschirmdiagonalen erreichen und von den Kosten mit Mittelklasse Beamern vergleichbar sind, ist auch die Bildgröße nicht mehr zwingend ein Argument für Heimkino-Beamer. Soll es allerdings noch größer werden, dann können Beamer wieder punkten, 120 bis 200 Zoll Bildgröße vermitteln dann echtes Kinogefühl und das Betrachten ist wegen des größeren Abstands zum Bild und dem reflektierten Licht deutliche entspannter. Wie im Kino eben.
Eine interessante Alternative und vermutlich zufunftsweisend sind Laser-Beamer, genauer gesagt Ultra-Short-Throw-Laserprojektoren ("Laser-TV") die direkt vor der Wand oder Leinwand stehen können und trotzdem ein 100 bis 150 Zoll breites Bild projizieren können. Sie sind häufig sehr hell (bis ca. 4000 Lumen) und sind damit sogar bei Tageslicht funktionabel.
Professionelle Kameraleute und Regisseur*innen mögen Projektoren für Spielfilme wegen der an das Kino erinnernden Bildästhetik. Das reflektierte Licht wirkt oft weicher und weniger "elektronisch", die Farben, Hauttöne und Bewegungen haben vielleicht etwas mehr Kinolook. Dafür nehmen sie auch gerne und vielleicht sogar ganz bewusst in Kauf, den Raum adunkeln zu müssen,- schließlich kommt das auch deutlich näher an ein Kinoevent heran...
