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Für das Kamerateam gilt: Geschwindigkeit geht vor Qualität, nur keine emotionale Veränderung verpassen (KI-Illustration)

 

Evolution des einstigen Trash Formats

Die Ansätze und Ansprüche könnten unterschiedlicher nicht sein. Beim Stichwort "Reality TV" reicht die Palette von trashigen Überwachungskameras a la "Big Brother" bis hin zu relativ hochwertigen Produktionen wie "The Bachelor", "MasterChef", "X Factor" oder "The Biggest Loser".

Grundsätzlich ist die Arbeitsweise bei Reality TV ganz anders als beim Spiel,- oder Dokumentarfilm. Kamera-Operateure müssen ständig antizipieren, was wohl als Nächstes passiert, mit zunehmender Erfahrung entwickeln sie ein Gespür für Körpersprache, Blicke und Dynamiken zwischen den Beteiligten. Das perfekte Bild ist nicht so wichtig, man muss vor allem darauf achten, dass der entscheidende Moment aufgezeichnet wird. Die Arbeit ist sehr anstrengend und fordert lange Konzentrationsphasen, manche Drehtage dauern viele Stunden, manchmal zwölf oder mehr. Reality-TV Drehs können recht lange andauern, das Team braucht dafür durchaus körperliche Ausdauer und es muss auf jeden Fall belastbar sein, um die Herausforderungen meistern zu können.

Die Ansprüche und Möglichkeiten haben sich im Laufe der Jahre massiv verändert und so wird heute auch bei einigen nicht gescripteten Formaten auf eine starke erzählerische Bildsprache gesetzt. Und auch darauf, dass die Kameras und das Licht den Akteuren Freiräume gewähren.

 

Look & Location

Dabei gibt es natürlich verschiedene Gestaltungselemente auf die man bei Reality TV auf unterschiedliche Weise Einfluss nehmen kann. Manche wie etwa die Ausstattung, Requisite und Lichtsetzung kann man schon im Vorfeld und mit mehr Ruhe und Überlegung gestalten, andere, wie die Kameraführung müssen schnell, spontan und möglichst flexibel entschieden werden. Die Kunst besteht darin, die Bildsprache des Reality-Fernsehens auf ein anderes Level zu heben und den spontanen, ungeschriebenen Geschehnissen eine filmischere Ästhetik zu geben. Wie kann man die Bilder so gestalten, dass die Zuschauer ein tieferes Verständnis dafür bekommen, wie und vielleicht auch warum sich die Menschen vor der Kamera so verhalten?

Da man während der Aufnahme kaum Einfluss nehmen kann, kommt der Vorbereitung eine große Bedeutung zu. Man muss die Location analysieren, entscheiden, welche spezifischen Details im Raum mehr betont werden sollen und wie man eine Ausleuchtung baut, die so vielseitig ist, dass sie für jede Handlungsentwicklung geeignet ist, ohne einfach nur helles Licht zu verbreiten. Es macht durchaus Sinn, die Ausstattung des Raumes, zumindest einige interessante Elemente, als Teil der Erzählung hervorzuheben, sichtbar zu machen, das schafft nicht nur Atmosphäre, sondern es trifft auch Aussagen über die Menschen, die sich in dieser Umgebung aufhalten.

Man muss also eine Reihe von möglichst passenden Entscheidungen treffen, bevor es mit den Aufnahmen losgeht. Wenn das Licht so gebaut ist, dass die Protagonisten es möglichst nicht als Barriere, als Technik wahrnehmen, sondern es irgendwann vergessen, hat man vieles richtig gemacht. Je weniger Technik im Raum selbst herumsteht, desto weniger flexibel können die Kameras auf Veränderungen in der Handlung reagieren.

 

Werden Ausstattung und Ausleuchtung im Vorfeld optimal gestaltet, wirken die Aufnahmen wertiger (KI-Illustration)

 

Kameras

Da die Operateure oft aus der Hand und ohne eigene Kamerassistenten arbeiten, sind für die Kameraseite bestimmte Vorgaben sinnvoll:

  • Kompakte Cine-Kameras sind zu bevorzugen
  • Kameras sollten einen sehr leistungsfähigen Autofokus besitzen
  • Die Optiken sollten Zoom Objektive mit einem großen Bereich sein, für Objektivwechsel ist keine Zeit
  • Die Operateure und die Regie sollten mit Headsets über Funk (Intercom) miteinander verbunden sein.
  • Die Kameras sollten über Timecode miteinander synchron verkoppelt sein.
  • Die Kameras sollten lange Akkulaufzeiten und große Speicher besitzen

 

Reaktionsbreite beim Dreh

Im Realtiy TV hat man es mit realen Menschen, nicht mit Schauspielern zu tun, entsprechend hat man keine Chance zu mehreren Wiederholungen. Das was geschieht, geschieht und man arbeitet ein wenig wie in einem Dokumentarfilm, allerdings unter anderen Bedingungen. Man muss immer immer vorausschauend denken, es können sich ständig überraschende Dinge ergeben und die sollte man keinesfalls verpassen. Kamera-Operateure im Reality TV müssen sehr auf die aktuelle Aufnahme konzentriert sein, und bei ihrer Aufnahme einer bestimmten Situation stets einen Plan B haben. So wie gute Dokumentarfilmkameraleute stets neben dem Bildausschnitt im Augenwinkel die gesamte Situation wahrnehmen und sich auf spontane Veränderungen einstellen, so muss auch im Reality TV eine hohe Reaktionsfähigkeit auf die Emotionalität der Akteure vorhanden sein.

Und da bei Reality TV stets eine gewisse Anzahl an Kamera-Operateuren die gesamte Situation abdecken müssen, ist hier Teamwork und wortlose Verständigung untereinander sehr hilfreich. Neben den Operateuren gibt es stets auch einen Lead-Operater, der für den Look und die Gesamtwirkung verantwortlich ist.

Der ukrainische Kameramann Serhii Koshelenko, der über sehr viel Erfahrung als Lead-Operator verfügt, hat eine eigene Methode entwickelt, wie man höherwertige Reality Bilder schafft und diese in einem kleinen Handbuch veröffentlicht, damit auch Andere von seinen Erfahrungen lernen können.

Hier ist das Buch im kostenlosen Download erhältlich: https://www.inter-nauka.com/uploads/public/17733407547516.pdf

 

Thema: Medien Dieser Beitrag gehört zum Themenbereich Medien. Mehr zu Medien
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