
Was die Schauspieler in Hollywood oder in Europas Filmindustrie diffus fürchten, ist in China längst bittere Realität. Die Ängste waren bislang weitgehend theoretisch, insbesondere Schauspieler*Innen fürchteten sich davor, eines Tages durch die Künstliche Intelligenz ersetzt zu werden. Keine unbegründeten Ängste, doch letztlich schienen sie noch in irgendeiner entfernteren Zukunft zu liegen, doch wie so oft ist Zukunft schneller da, als man denkt.
Micro-Dramen
Die KI manifestitiert sich aktuell in einem Bereich, der von Hollywood & Co bisher ein wenig übersehen wurde, bei den sogenannten Verticals, den Hochformat Serien für die Smartphones und zwar genau dort, wo diese Micro-Dramas, die Mini-Serien einen ganz besonders großen Markt finden- in China.
In Hengdian, vielfach auch als Chinas Hollywood bezeichnet, hat die generative KI bereits zu einem massiven Umbruch geführt. Dort, wo noch 2025 in großem Stil mit zahlreichen Filmteams und Schauspielern mit hohem Produktionstempo für diese Kurzserien gedreht wurde und Schauspieler an einem Drehtag teilweise für mehrere Serien drehten, werden nur ein Jahr später große Teile dieser Produktionen am Computer erzeugt. Schauspieler, Filmlicht, Kamera, Ausstattung, Requisiten, die Locations und die Postproduktion werden plötzlich künstlich generiert. Verantwortlich dafür sind chinesische KI-Modelle wie Seedance 2.0 (ByteDance). Von den 2026 in China publizierten 128000 Micro-Dramen waren nur noch 5 Prozent mit realen Schauspielern und echten Filmteams gedreht.
In China besitzt ByteDance neben den KI Modellen mit „Hongguo“ auch eine der wichtigsten Plattformen zur Verbreitung der Micro-Dramen. Kein Wunder, dass man das nutzt um das eigene KI Produkt voran zu treiben. Allerdings finden sich diese Technologien bislang nur bei den Micro-Dramen, nicht aber beim anspruchsvollen Kino,- oder Fernsehfilm. Dort wird es wohl eher zu Mischformen kommen, bei denen weiterhin reale Schauspieler eingesetzt werden, aber immer öfter vor Hintergründen spielen werden, die von der KI generiert wurden. In China hat es übrigens auch bereits einen komplett von der KI generierten abendfüllenden SciFi Spielfilm gegeben, der allerdings als „Animationsfilm“ eingestuft wurde.
Für die Schauspieler*Innen aber auch für die Filmteams hat das bei einfacheren Formaten durchaus dramatischen Folgen, selbst der Schnitt wird weitgehend automatisch abgearbeitet. Man kann China derzeit als riesiges Experiment unter Realbedingungen bezeichnen, für das, was möglicherweise auf Teile der Medienindustrie zukommt.
Was bleibt
Einigermaßen sicher sind nur noch die kreativen Jobs, also Drehbuch, Regie etc. bei denen Ideen und Gestaltungswille mehr im Vordergrund stehen. Diese können durch die KI bislang nicht ersetzt werden. Je simpler und standardisierter Formate sind, desto leichter kann man sie automatisieren, je anspruchsvoller und individueller die sind, desto mehr wird weiterhin auf Menschen setzen. Vielleicht werden die Teams kleiner und Routineaufgaben verlagert, doch die gestalterische Arbeit werden wohl weiterhin Kreative übernehmen. Hier kann die KI eher als Diskussionspartner und optimales Recherchetool dienen, die eigentliche Kreativität, zumindest wenn ein gewisser Mindestanspruch erwartet wird, braucht weiterhin den Menschen.
