
Anfang des ersten Jahrzehnts wurden sie gefeiert: Curved und riesig, man versprach das ultimative immersive Filmerlebnis. Davon ist heute nichts mehr übrig geblieben. Warum sich gekrümmte Fernseher nicht durchgesetzt haben, aber als gebogene Spielmonitore weiterhin Erfolg haben.
Es gab eine Zeit, es war so um die 2010 er Jahre herum, da brachten alle wichtigen Hersteller von Flatscreen-Fernsehern gebogene Exemplare, sogenannte „Curved“ Bildschirme heraus. Sie galten bei ihrem Erscheinen als der letzte Schrei und man kam sich geradezu mittelalterlich vor, wenn man noch auf flache Bildschirme schaute.
Sie versprachen ein viel immersiveres Fernseherlebnis, sahen toll aus, doch irgendwie haben sie sich über die Jahre dennoch nicht durchgesetzt. 2020 schließlich stellte Samsung als letzter Hersteller die Produktion von „Curved“ Flachbildschirmen ein. So ist das einstige Immersiv-Wunder heutzutage so gut wie nicht mehr existent, während die Gamer durchaus mit sogar noch extremer gebogenen Bildschirmen glücklich werden.
Elegant gescheitert
Was sind die Gründe, dass diese Konzepte so sang,- und klanglos vom Markt verschwunden sind? Nun manche der Gründe hätten die Hersteller eigentlich schon bei der Entwicklung dieser Geräte bemerken können, andere sind wahrscheinlich erst in der Praxis bei den Anwendern deutlich geworden. Zugegeben, es ist sicher nicht einfach, wenn der Markt bereits mit Fernsehgeräten gut gesättigt ist, Kunden dazu zu bringen, sich neue Flatscreens zu kaufen. Doch es ist trotzdem erstaunlich, wie wenig sich Produktentwickler und Marketing-Experten in großen Konzernen der Medientechnik vorstellen können, wie ihre Produktideen in der Realität funktionieren.
Die Idee des stärkeren immersiven Eintauchens in die Filme funktioniert eigentlich nur, wenn man näher an den gebogenen Bildschirmen dran sitzt, als man es beim Fernsehen eigentlich tut. Die Wohnzimmer-Couch ist nun mal ein paar Meter vom Bildschirm entfernt.
Was das Thema noch komplizierter macht, alle gebogenen Fernsehbildschirme haben einen recht engen Sweet-Spot (Bereich in dem das Bild optimal dargestellt wird) und der liegt genau in der Mitte. Zuschauer, die also, um beim Bild der Couch zu bleiben, eher an den Seiten sitzen, sehen das Bild aus einem Betrachtungswinkel, der den Kontrast, die Helligkeit und Farbsättigung rapide abfallen lässt. Bei OLED Fernsehern war das etwas anders, aber die waren in der Curved-Variante besonders teuer.
Für die Zuschauer waren die Anforderungen, welche die Curved Fernseher an die Aufstellfläche stellten, ebenfalls recht herausfordernd. Mehr Fläche war nötig, die Wandmontage extrem schwierig und ästhetisch eher unbefriedigend.
Zudem war die Herstellung und der Vertrieb dieser Bildschirme sehr schwierig, sowohl in der Produktion, als auch in der Verpackung und beim Versand. Die Kartons waren deutlich voluminöser und die Verpackungen teurer. Die Herstellung dieser gebogenen Fernseher war also für die Konzerne eher mit Verlusten verbunden.
So haben sie sich in den Wohnzimmern nie wirklich durchgesetzt, während viele ihrer Nachteile bei den Gamern keine Bedeutung haben. Gamer sitzen viel dichter an ihren Bildschirmen und sie sitzen meistens allein und in der Mitte des Sweet Spots. So werden uns die Curved Screens zumindest dort erhalten bleiben.
