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Drehstop 4000

 

Die Einstellung der Science Fiction Dramaserie "Westworld" vor der geplanten fünften Staffel ist ein Beispiel, was passiert, wenn geplante Produktionen plötzlich gestoppt werden. Es gibt viele Gründe, weshalb Produktionsfirmen Projekte, die eigentlich kurz vor dem Dreh stehen, mitten in den Dreharbeiten sind oder sogar schon abgedreht sind, nicht weitergeführt werden. Meistens hat es mit Geld zu tun, manchmal auch mit tragischen Vorfällen wie Unfällen oder gar Todesfällen.

Es ist noch gar nicht lange her, dass bei den Dreharbeiten zum Kinowestern "Rust" die 42-jährige Kamerafrau Halyna Hutchins getötet und der 48-jährige Regisseur Joel Souza verletzt wurden. Alex Baldin hatte mit einem irrtümlich scharf geladenen Revolver beim Dreh auf sie geschossen. Der Dreh wurde eingestellt.

So wurden die Dreharbeiten der Netflix Serie "Der Auserwählte" im Sommer 2022 gestoppt, nachdem zwei Hauptdarsteller, Raymundo Garduño Cruz und Juan Francisco González Aguilar bei einem Autounfall in Mexico getötet und sechs Crewmitglieder verletzt wurden.

 

Westworld

Im Fall von "Westworld" hat HBO / Warner Bros / Discovery die Notbremse gezogen, um wie auch im Fall von "Batgirl" Kosten einzusparen. Dabei war die fünfte Staffel eigentlich fest geplant und die Hauptdarsteller*Innen unter Vertrag.

Was passiert eigentlich, wenn so ein umfangreiches Projekt, man geht von 100 Millionen Produktionskosten für eine Staffel aus, kurzfristig gestoppt wird? Nun das hängt natürlich sehr von der Art der Verträge ab, welche die ausführende Produktionsfirma mit den Kreativen und den Schauspieler*Innen, aber auch mit den Auftraggebern, in diesem Fall HBO / Warner geschlossen hat. Im Fall von "Westworld" haben die meisten Haupt-Schauspieler*Innen wie Evan Rachel Wood, Thandiwe Newton, Jeffrey Wright, Ed Harris und Aaron Paul so genannte Pay-or-Play-Deals abgeschlossen, die ihnen die vollen Gagen garantieren, selbst wenn überhaupt nicht gedreht wird. Wie der "Hollywood Reporter" berichtet, ist dies aber nicht bei allen Hauptfiguren der Fall, so hatte Tessa Thompson angeblich keine solche Klausel im Vertrag stehen. Doch allein diese Verpflichtungen werden HBO / Warner mindestens 15 Millionen US Dollar kosten. Und auch für Showrunner / Drehbuchautor*Innen, Lisa Joy und Jonathan Nolan erhalten ihr volles Honorar.

Doch der übrige Stab und alle Nebendarsteller*Innen dürften leer ausgehen.

 

Auftragsstops in Europa

Doch diese umfangreichen Ausfallregeln sind eher die Ausnahme. Hierzulande sind beispielsweise diverse Netflix Produktionen, ebenfalls aus Einsparungsgründen ziemlich abrupt, manchmal nur zwei, drei Wochen vor Drehbeginn gestoppt worden und die allermeisten Beteiligten gingen leer aus. So wurde in Deutschland 2022 die Fantasy-Serie "Pauline" (Produktion: Bildundtonfabrik, Köln) eine Woche vor Drehbeginn durch Netflix überraschend gestoppt. Netflix begründete den Stop mit der Notwendigkeit von Einsparungen und einer Neuausrichtung des Europa-Geschäfts. Viele Teammitglieder wurden urplötzlich gekündigt und standen ohne Arbeit da. Nach unseren Informationen erhielten sie aber zumindest Abschlagszahlungen auf die entgangenen Gagen bzw. Honorare.

Da zu dem Zeitpunkt viel gedreht wurde und eher zu wenig als zu viele Teammitglieder in Deutschland für Dreharbeiten zur Verfügung standen, werden viele aus dem Team auch wieder neue Jobs gefunden haben.

 

Abwägungen

Im Falle von "Westworld" mit diesen üppigen Gagen, die trotzdem gezahlt werden müssen, könnte man fast sagen, es wäre vermutlich vorteilhaft gewesen, die Staffel doch zu drehen, schließlich mussten etwa 25% des Budgets trotzdem ausgegeben werden. Und eine fertige fünfte Staffel könnte man wenigstens weltweit verkaufen, der Abbruch macht das unmöglich.

Und wie sieht es hierzulande aus? Manchmal kommt es auch vor, dass freie Produktionen, die also nicht im Auftrag entstehen, kurz vor Drehbeginn gestoppt werden, weil die Produzenten bemerken, dass sie in eine finanzielle Schieflage geraten oder dass es viele Anzeichen gibt, dass der Film ein gestalterisches Desaster wird.Hierzulande gibt es kaum oder nur sehr selten Pay-or Play Deals und selbst bei den Drehbuchautor*Innen gibt es vertragliche Staffeln, bei denen das Honorar im Fall das nicht gedreht wird, niedriger ausfällt.

Oft wird dann notfallmäßig kalkuliert, was es die Produktion kosten würde, den Dreh nicht stattfinden zu lassen oder was an Überschreitungen übrig bliebe, wenn man den Dreh doch durchziehen würde. Es gibt nicht wenige Fälle, wo Drehs stattfanden, obwohl man vorher schon wusste, dass der Film mittelmäßig bis schlecht werden würde. Die Durchführung des Drehs hatte dann letztendlich weniger Schulden produziert, als der Stop. Denn dann hätte die Produktion zumindest alle bis dahin angefallenen Löhne für die Vorlaufzeit aus eigener Tasche bezahlen und Fördergelder etc. wieder zurückgeben müssen. Ganz zu Schweigen von dem Schaden, den das Renommee der Produktionsfirma dann genommmen hätte.

 

Niemals gibt es nicht

Welche Gründe auch immer dahinter stecken, selbst wenn alle Verträge geschlossen, alle Rollen besetzt, alle Drehorte gefunden und ausgestattet sind, kann es in der Film,- und Medienindustrie noch zu plötzlichen Produktionsstopps kommen. Sie sind extrem selten, doch es gibt sie und in den meisten Fällen sind die Mitarbeiter*Innen nicht so gut abgesichert wie der Main-Cast von "Westworld".

 

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